Urlaub für's Gehirn - Ein Asi-TV-Guide für Studenten - Studiblog
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Asi-TV für Studenten

Urlaub für’s Gehirn – Ein Asi-TV-Guide für Studenten

Wer kennt es nicht? Man sitzt bis zur Verausgabung in der Bib oder am eigenen Schreibtisch und büffelt, was das Zeug hält. „It’s that time of the year again!“ Dieser Satz bekommt in der zweiten Hälfte eines jeden Semesters eine neue Bedeutung. Die heiß ersehnte Entspannung ist jedoch näher, als viele denken!!!
Es gibt verschiedene Methoden, einen mentalen Ausgleich zu der geistigen Überforderung zu schaffen: Sport, Videospiele, Lesen, Musik hören, Hobbies nachgehen und und und. Ich stelle euch hier meine bewährte Methode vor.

Was man braucht:

  • einen Fernseher oder ein anderes Gerät, mit welchem man Fernsehprogramme empfangen kann
  • Freunde/Mitbewohner
  • gegebenenfalls Alkohol, um die Entspannung zu steigern. Achtung, zu hoher Konsum kann sich schädlich auf das Gelernte auswirken!

Ihr seht schon, worauf dieser Beitrag hinausläuft: Das berühmtberüchtigte Asi-TV-Programm, welches man zu allen Tageszeiten vor Allem auf RTL, RTL II und Sat.1 findet. Die Vorteile lassen sich hier schnell erschließen: Es fördert die totale Entspannung aller Zellen im menschlichen Hirn, die nicht für allgemeine Tätigkeiten wie Essen, Reden, Gehen zuständig sind. Doch hier ist Vorsicht geboten – unsachgemäße Nutzung kann sich fatal auf die allgemeine körperliche Befindlichkeit und geistige Zurechnungsfähigkeit auswirken. Hier bewährt sich die bekannte und x-mal wiedergekäute Devise „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Nutzt den Nachmittag zum Lernen, stärkt euer gutes Gewissen, denn das hat einen entscheidenden Vorteil. Das Asi-Programm ist tagsüber nicht nur scheiße, sondern richtig scheiße. Erst gegen Abend wird es erträglich.

Als besonderes Beispiel eignet sich hier der Donnerstagabend. Viele Studenten haben Freitags eh frei und können ohne Probleme abschalten. Wenn man es nicht als zwingend nötig sieht, umzuschalten, kann man ab 19:00 Uhr auf einem einzigen Sender verweilen: RTL II. Als besonderes Feature sei hier die Pause zu erwähnen, die dabei helfen kann, das erlebte zu verarbeiten und/oder intellektuell gegenzusteuern, falls es wirklich zu krass war. Hier mal das Schritt-für Schritt-Programm.

18:55 Uhr – Die Vorbereitung

Prüft die Funktionalität von Fernseher und Reciever, stellt ausreichend Nahrung und Flüssigkeit für alle Beteiligten bereit. Schaut ihr zu mehreren eignen sich Bier oder Spirituosen, um den Abend frei oder geregelt (in Form von Bingo) zu versüßen. Alles bereit? Jeder an seinem Platz? Dann kann es nun los gehen.

19:00 Uhr – Berlin, Tag & Nacht

Dauer: 60 Minuten. An dieser Sendung scheiden sich die Geister. Ich persönlich schaue sie gerne, da das Schauspiel längst nicht so erbärmlich ist wie bei anderen Sendungen dieser Art. Der Grund: Vieles ist nicht geschauspielert sondern improvisiert. Die Schauspieler der „Doku-Reality-Soap“ bekommen einen groben Ablaufplan und dürfen den Rest selbst machen. Das lässt das ganze doch recht real und authentisch wirken. Und genau da ist der entscheidende Punkt: Diese Sendung eignet sich perfekt für den Start in den Abend, da sie einen totalen Niveau-Schock gekonnt verhindert.

Wortvorschläge für Bingo: Scheiße, In diesem Sinne, Shisha-Bar, Hausboot, WG…

20:00 Uhr – RTL II News

Hier ist der erste Teil der Pause. Dauer: 10-15 Minuten. Hierbei handelt es sich um eine Nachrichtensendung, die die Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Hier werden teilweise uninteressante Themen wie ein Totschlag mit einer Bratpfanne genauso oder sogar stärker hochgepusht als weltbewegende Ereignisse wie der Tod von Nelson Mandela, welcher dann doch aus Gnade am Rande erwähnt wird. Der Vorteil an der Sendung ist jedoch klar: Man erfährt doch irgendwie das Wichtigste, was so passiert ist. Leider nur oberflächlich, das verhindert jedoch erneut einen Niveau-Schock nach Berlin, Tag & Nacht. Wem das dann doch zu blöd ist, der kann natürlich auch auf die Tagesschau (Das Erste) zurückgreifen, welche zur gleichen Zeit läuft.
Bingo-Vorschläge sind hier schwer zu machen, das kommt immer auf die Geschehnisse des Tages an. Tipp: informiert euch vorher und verziert eure Wortliste mit Wörtern wie „Tragödie“, „unglaublich“ oder „fassungslos“.

20:15 Uhr – Die Kochprofis

Der zweite, größere Teil der Pause. Dauer: 60 Minuten. Diese Sendung gehört zu den typischen Unnötigkeiten des Deutschen Fernsehens. Es ist nicht interessant, nicht lustig, lehrreich oder peinlich, es ist einfach nur unnötig. 3 Köche besuchen ein Restaurant, welches aus teilweise echt bescheuerten Gründen keinen Umsatz macht, und versuchen, genau diesen Umstand zu ändern.
Bingo-Vorschläge habe ich keine, da ich die Sendung nicht gucke. Mein Vorschlag: Macht etwas anderes. Unterhaltet euch mit euren Mitmenschen, frischt die Vorräte auf, geht eine Runde spazieren, spielt ein Gesellschaftsspiel… Nutzt diese Pause, bevor ihr euch auf den folgenden Kracher einlasst! Die letzten 10 Minuten der Pause solltet ihr übrigens dafür einplanen, euch wieder an das niedrige Niveau zu gewöhnen, um den gefürchteten Schock zu umgehen. Jetzt kommt echt das härteste, was das Deutsche Fernsehen zu bieten hat:

21:15 Uhr – Frauentausch

Dauer: 120 Minuten. Inhaltszusammenfassung: Zwei Familien tauschen für 10 Tage ihre jeweilige Mutter miteinander, was regelmäßig in kriegsähnlichen Zuständen endet. Warum? Die Familien könnten nicht verschiedener sein. Es ist einfach garantiert, dass sich Familie und Tauschmutter in die Haare kriegen. Und genau das macht den Reiz der Sendung aus. Hier ist wirklich ALLES vorhanden, was das Herz des Niveaulosen begehrt. Einblicke in fremde Wohnungen, Lektionen des Lebens, Handfeste, tagelange Streitigkeiten darüber, wer denn nun nach dem Geschäft nicht gespült hat, Fremdschämen und herzergreifende Emotions-Ausbrüche und Familien-Wiedervereinigungen. Habt ihr euch noch nie gefragt, woher Phrasen wie „Bio is‘ für misch Abfall!“, „Erdbeerkäse“ oder „Haaaaaaalt Stopp!!!“ herkommen? Frauentausch hat die Antwort. Für mich hat diese Sendung einen besonderen Reiz: wenn die klischee-Asi-Tauschmutter vom klischee-Musterbürger-Familienvater (oder andersherum) bereits nach einem Tag verbal so hart zusammengefaltet wird, dass sie heulend das „Experiment Frauentausch“ abbrechen möchte, freue ich mich immer darüber, wie toll ich doch bin. Super in Zeiten der prä-Klausur/Winterdepression! Auch für Studenten der linguistischen Lager hat diese Sendung etwas herausforderndes: Führende Kritiker sind bereits an Frauentausch verzweifelt!

Bingo-Vorschläge: Saustall, dräggisch, asozial, mach‘ ich gleich, Putzen.

Als wenn das nicht schon genug wäre, haut RTL II direkt im Anschluss ohne Pause den nächsten Hammer raus:

23:15 Uhr – Exklusiv, die Reportage

Dauer: Unbekannt, da ich es noch nie bis zum Ende ausgehalten habe. Wer an dieser Stelle noch nicht genug hatte, bekommt jetzt die geballte Faust von RTL II zu spüren. Deutet das Intro noch an, dass es sich hierbei um Dokumentationen aus dem menschlichen Alltag handelt, wird bereits nach wenigen Sekunden klar: Es geht in dieser Sendung um Sex. Immer. In all seinen Formen und Farben.

Menschen, die von Natur aus eher prüde sind, sollten hier lieber den Raum verlassen. Hier bleibt echt kein Millimeter Scham auf der Strecke, hier bekommt ihr die volle Dosis. Diese Sendung hat mir gelehrt: Willst du dich später beruflich ausschließlich sarkastisch und schlüpfrig ausdrücken, werd‘ Bordelltester. Dies ist nur eines der vielen Themen, mit denen RTL II für Aufklärung zu sorgen versucht. Weitere Themen sind exotische Sexualpraktiken, verschiedene Fetisch-Formen, Dominas, Webcam-Girls und Porno-behind-the-scenes.

Achtet bei der Sendung auch mal auf die Untertitel, die manchmal bei den persönlichen Interviews eingeblendet werden. Beispiel: Anna, 32 – Bei ihr kommen nicht nur Männer auf ihre Kosten. Zugegebenermaßen ein recht harmloses Beispiel, ich will euch aber auch nicht zu viel Spaß nehmen. Bei manchen Kommentaren frage ich mich ernsthaft, was die Autoren der Sprüche sich vorher eingepfiffen haben müssen. Viel mehr gibt es zu der Sendung nicht zu sagen, inhaltliche Tiefe werdet ihr vergeblich suchen… Aber es macht Spaß und ihr könnt auch hieraus ein Spiel machen: Wer als erster den Raum verlässt, muss trinken/einen anderen vorher gewählten Einsatz einlösen.

Bingo-Vorschläge: Sechs (also „Sex“ mit weich gesprochenem S), bestrafen, Peitsche, Porno, Bordell

So, nun habt ihr es geschafft.

Wenn ihr alles richtig gemacht habt, solltet ihr zumindest in eurem Oberstübchen nun völlig entspannt sein und könnt getrost ins Bett oder feiern gehen. Sollte euer Gehirn mit der Situation überfordert sein (das merkt ihr daran, dass ihr ein leises Wimmern wahrnehmt, gefolgt von den Worten „Besauf dich das nächste mal bitte einfach.“) begebt euch am besten vor den Spiegel und redet eurem Hirn gut zu. Sagt ihm, dass ihr morgen brav weiterlernen werdet und dass ihr ihm dabei helfen werdet, den Abend zu verarbeiten, damit so etwas in Zukunft nicht nochmal passiert.

Dieser Plan hier ist selbstverständlich nur ein Vorschlag. Wenn ihr mit so viel geballter Niveaulosigkeit nicht umgehen könnt, lasst es besser, bevor ihr ernste Schäden davontragt. Für euch eignen sich vielleicht eher saisonal geschaltete Sendungen im Bereich Asi-TV wie „Bauer sucht Frau“, „Schwer verliebt“ oder „Traumfrau gesucht“. Letztere Sendung ist jedoch auch etwas fortgeschrittener. Ich verspreche euch, ihr habt euch noch nie so sehr geschämt, aus Deutschland zu kommen.

Über Nanolicious

Hey, liebe Leidensgenossen des Projekts "Studium"! Ich bin Nanolicious und studiere Geographie an der Uni Bonn. Im studentischen Alltag stolpert man immer wieder über kleinere und größere Steine, man erlebt merkwürdige Dinge und wacht manchmal auch mit Filmriss in unbekannten Gefilden auf. Über diese und viele weitere Themen möchte ich gerne mit euch diskutieren bzw. meine Meinung äußern. Viel Spaß mit meinen Postings, Nanolicious

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