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Philosophie-Student

Was lernt man als Philosophie-Student wirklich?

Vor kurzem ist auf dem Studiblog und bei Spiegel Online eine Debatte über das Arbeitspensum in den Naturwissenschaften im  Vergleich zur Philosophie vom Zaun gebrochen worden.  Naturwissenschaftler seien über- und Philosophiestudenten unterfordert. Bei manchen Beiträgen  zu dieser Debatte konnte man den Eindruck gewinnen, dass es um das Ansehen der Philosophie als akademische Disziplin nicht gut bestellt ist

Als Philosophie-Student  möchte ich meine Disziplin, die ich sehr lieb gewonnen habe, selbstverständlich verteidigen und ich denke, dass es zweckdienlich ist, einmal zu sagen, was man als Philosophie-Student eigentlich macht, denn viele denken anscheinend, dass Philosophie ein bloßes Laberfach sei, in dem sinnvolle Bewertungen nicht möglich sind. Dem möchte ich einfach eine Vorstellung von Teilgebieten des Philosophie-Studiums gegenüberstellen, die diese Behauptung meiner Meinung nach entkräftet:

Logik:

Logik ist die Untersuchung von Argumenten auf ihre Schlüssigkeit sowie die Formalisierung von Aussagen bzw. Aussagensystemen und deren Untersuchung in formalen Systemen wie einem Kalkül. Dabei lernt man zum Beispiel solche Sachen zu beweisen:

Nicht-(P&Q)<->[(Nicht-P)v(Nicht-Q)]

Und das ist noch relativ einfache Satzlogik. In Logikeinführungen behandelt man oft auch schon prädikatenlogische und modallogische Systeme. Anwenden kann man das zum Beispiel in der Informatik, aber auch bei der Untersuchung von normalsprachlichen Argumentationen im Allgemeinen – zum Beispiel in der Wissenschaft, der Politik oder der Philosophie.

Erkenntnistheorie:

Erkenntnistheorie ist die Untersuchung, was Wissen ist und wie man epistemische, d.h. wissensartige Überzeugungen rechtfertigen kann. Ein Beispiel für eine philosophische Argumentation wäre hier das Gettier-Problem: Die Definition von Wissen als wahre, gerechtfertigte Überzeugung ist defizitär, weil das Vorliegen von wahrer, gerechtfertigter Überzeugung nicht hinreichend ist für das Vorliegen von Wissen, denn die Überzeugung, dass es 12 Uhr ist, ist wahr und gerechtfertigt, wenn jemand um zwölf Uhr auf eine stillgestandene Uhr blickt, die 12 Uhr anzeigt und deswegen die Überzeugung hat, dass es 12 Uhr ist,  ohne dass wir hier von Wissen sprechen würden, weil die Überzeugung nur zufällig der Wahrheit entspricht.

Wissenschaftstheorie:

Die empirisch-deskriptive sowie präskriptive Untersuchung von Wissenschaft unter logischen und erkenntnistheoretischen Gesichtspunkten. Fragen der Wissenschaftstheorie sind: Was ist Wissenschaft? Wie kann man Wissenschaft von Pseudowissenschaft abgrenzen? Was führt zu wissenschaftlichen Paradigmenwechseln? Kann man Aussagen endgültig verifizieren? Kann man Theorien endgültig falsifizieren? Welche Rolle spielen qualitative und quantitative Begriffe. Welche Rolle spielen Experimente?

Das sieht vielleicht trocken aus, aber ganz sicher nicht nach Laberfach, oder?

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Über Fischnasenbär

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