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DIe Lebenseinstellung der Generation Y korelliert mit der der Uni

Die Uni passt nicht zur Lebenseinstellung der Generation Y

Die Generation der jetzigen Studenten ist anders. Man hat uns die Generation Y getauft. Während wir eine neue Philosophie von unserem Arbeits- und Freizeitleben haben, tun sich die älteren Workaholics noch schwer, unsere Einstellung zu akzeptieren. Dies ist mitunter der Grund, warum es so viele Artikel über die Arbeits- und Lebenseinstellung gibt, wie zum Beispiel dieser wirklich gute Bericht der Zeit.

Es gibt allerdings eine Tatsache, die dauernd außer Acht gelassen wird: Unser Leben beginnt nicht mit dem Einstieg ins Arbeitsleben, sondern bereits mindestens mit dem Beginn des Studiums und genau hier liegen viele Probleme.

Damit wir uns einig sind, worüber wir reden, gibt es hier noch einmal die Hauptaussagen über die Wünsche der Generation „why“ :

  • Wir sind nicht faul, sondern wollen nur mehr im Einklang mit unseren Bedürfnissen arbeiten
  • Wenn wir von einer Sache überzeugt sind, geben wir Alles
  • Freie Arbeitszeiten statt Dienst nach Vorschrift und Stempeluhr
  • Leistung soll nicht bemessen werden anhand der Arbeitszeit, sondern dem Ergebnis
  • regelmäßiges Feedback und klare Perspektiven
  • harte Anreize wie Boni oder Aktienpakete treiben uns weniger an, als eine freude- und sinnstiftende Arbeit bei angemessener Entlohnung
  • Herr über die eigene Zeit sein
  • Selbstbestimmung ist das Statussymbol unserer Generation
  • keine Abhängigkeit vom Arbeitsort (der Laptop kann auch woanders benutzt werden)
  • wir sind nicht weniger leistungsbereit, sondern Tugenden wie Fleiß und Ehrgeiz haben sogar an  Bedeutung gewonnen
  • Leistung wird nicht nur daran bemessen, was wir im Beruf erreichen, sondern wir übertragen die Suche nach Sinnhaftigkeit und Bedeutung auf andere Bereiche im Leben (wir definieren uns auch über Leistungen innerhalb unserer Familie). Das Modell „Wochenendpapi“ ist out.

Die Lebenseinstellung der Generation Y  wird an der Uni nicht berücksichtigt

Mit dem Blick auf unser Studium muss man jedoch feststellen, dass kaum Studenten die ersehnte Einstellung überhaupt leben. Natürlich, manche Studiengänge wie Medizin waren schon immer anspruchsvoll und bringen ein festes Arbeitspensum mit sich. Von den Extremen mal abgesehen, sind die Fächer durch die Umstellung auf das Bachelor Master System viel straffer organisiert und bieten kaum Freiraum. Der feste Stundenplan macht uns zu Schülern an der Uni.

Genau entgegen unserer „späteren“ Lebenseinstellung wird uns an der Uni ein Modell vorgesetzt, welches unsere Bedürfnisse nicht berücksichtigt. Jeder der 300 Ersties eines Faches hat denselben Stundenplan mit seinen Pflichtveranstaltungen. Hier eine Übung, da ein Seminar, vielleicht noch Freitag um 17 Uhr. Die Veranstaltungen sind manchmal so verteilt, dass wir den ganzen Tag am Campus sind, ohne in den Pausen wirklich effektiv arbeiten zu können. Wir kommen abends nach Hause und setzen uns dann noch an Protokolle oder Mitschriften.

Wildes Studentenleben das ganze Semester lang? Fehlanzeige.

Bei unseren Wünschen geht es aber auch nicht darum, den ganzen Tag frei zu haben und jeden Tag Party zu machen, sondern das Studium soll uns antreiben statt müde machen. Der Druck ist es, der oft auf Studenten lastet, sei es wegen einem mündlichen Testat bei einem Praktikum, einer Prüfung oder Hausarbeit, der uns zu Ausgehmuffeln macht. Im Gegensatz zum Berufsleben schalten viele nach einem Unitag nicht ab, sondern dann geht es erst los mit der Lernplanung oder Vorbereitung auf ein Seminar.

Leistungsdruck & Co

Wir machen uns permanent Gedanken um unsere Studienleistung, weil wir nach guten Leistungen streben. Es ist genau der uns nachgesagte Fleiß und Ehrgeiz, der uns antreibt, unser Studium schnell durch zu ziehen. Schnell soll es gehen mit guten Noten, um einen ebenso guten Masterplatz zu erhalten. Um später einen guten Job zu erhalten, in dem wir dann endlich den Traum der Generation Y leben können. Von manchen Studenten ist sogar zu hören: „Ich ziehe jetzt mein Studium durch und dann habe ich Zeit für einen Partner.“

Das Modell „stressiges/belastendes Studium“ steht im Gegensatz zu unseren Bedürfnissen. Wer von euch an diesem Moment sagt „eigentlich komme ich sehr gut klar“, auf den trifft dies vielleicht nicht zu, denn jeder Mensch ist verschieden. Für Viele ist es aber so, dass wir uns das ganze Semester stressen, um vor den Prüfungen noch gestresster zu sein. Wir befinden uns in dem Hamsterrad, in das wir eigentlich im späteren Berufsleben erst gar nicht hinein wollen.

Weiterentwicklung sollte im Mittelpunkt stehen

Das Studium sollte eine Zeit sein, in der wir uns weiterentwickeln können, auch in privater Hinsicht. Der durchstrukturierte Stundenplan und Seminare zu unmöglichen Zeiten mit Anwesenheitspflichten tragen nicht dazu bei, dass wir dies wirklich können. Das Modell Uni passt so nicht mehr zu unserer Generation. Die Selbstbestimmung, welche die Generation Y im Berufsleben fordert, geht verloren mit der Einschreibung zum Studium. Es ist an der Zeit, dass nicht nur die Arbeitgeber, sondern auch die Universitäten verstehen, dass wir keine Suppe löffeln möchten, die uns vorgesetzt wird, sondern sie selber mitkochen wollen.

Ja, wir möchten etwas lernen, sehr gerne sogar, aber nicht zu Bedingungen, in denen der einzige Jahresurlaub zwischen Weihnachten und Neujahr liegt, weil der Rest des Jahres entweder durch Praktika, Lernphasen in den Semesterferien oder Anwesenheitspflicht während des Semesters nicht in Frage kommt. Es ist völlig klar, dass es auch manche anwesenheitspflichtigen Übungen und Praktika an der Uni geben muss, aber der jetzige Zustand ist unbefriedigend.

Die Zahlen der Studienabbrüche sind seit der Umstellung auf Bachelor/Master angestiegen. Wir möchten, dass die Aspekte, die wir im Berufsleben fordern, auch Einzug in die Uni erhalten. Solange der Professor die Powerpoint Folien in einer anwesenheitspflichtigen Vorlesung freitags um 17 Uhr vorliest, wird dies aber nicht gehen.

Wie sollte es anstatt dessen sein?

Die Uni sollte ein Ort sein, an dem wir uns mit Begeisterung weiterbilden. Wie oft höre ich von Kommilitonen, die kaum zu Vorlesungen gehen, weil sie lieber zu Hause aus dem Lehrbuch lernen. (…aber trotzdem einmal am Tag in die Uni müssen, weil irgendetwas anwesenheitspflichtig ist)

Sollte man nicht einmal überdenken, ob das Konzept Vorlesung an sich noch zeitgemäß ist? Wenn wir uns die Bedürfnisse der Generation Y anschauen, sollte es anstatt einer Vorlesung ein Projekt geben, an dessen Ende ein klares Ziel steht, welches sich die Studenten mit dem Know-How des Professors erarbeiten. Warum in BWL stundenlang zuhören wie ein Unternehmen funktioniert, anstatt mit jedem Unijahrgang selber ein Unternehmen zu gründen und über die Semester immer mehr dazu zu lernen? Ein deutscher Professor hatte mit seinen Studenten einmal einen Großhandel für grünen Tee gegründet. Von der Praxisorientierung mancher Fachhochschulen können sich auch Universitäten eine Scheibe abschneiden. Wissen anwenden bedeutet nicht Niveauverlust.

Die gute Nachricht am Ende: Es wird sich etwas verändern, aber zu langsam, (das ist die schlechte Nachricht) als dass wir dies noch als Studenten erleben.

Das Einzige was wir machen können ist es uns selbst so angenehm wie möglich machen. Die Veränderung fängt bei uns selber an! Ein wichtiger Punkt ist dabei die Organisation. Darüber werdet ihr hier bald mehr lesen.

Dazu drei Lesetipps von uns, die euch wirklich weiterbringen im Studium:

Photo Credit: Steffi Au
Lizenz:cc

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