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Bloggen statt Uni? Warum die Anti Uni Bewegung uns auch nicht weiterhilft

In Deutschland gibt es eine neue Bewegung. Nein, neu ist sie eigentlich nicht, nur wurde in den letzten Wochen vermehrt darüber berichtet.

Thema ist dabei die Unzufriedenheit mit unserer Universitität. 

Das Thema hat eigentlich einen langen Bart, aber ein Student hat es geschafft, mit seiner Meinung bei den Redakteuren von u.a. Der Zeit oder Welt Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Die Seite von Ben Paul heißt provokativ Anti-Uni.com. Spätestens beim Titel der Seite ist klar: das polarisiert.

Ich möchte mit euch in diesem Beitrag diskutieren, warum ihr nicht gegen, sondern für eure Uni sein solltet. Trotz meiner gegensätzlichen Meinung können wir von dem kreativen Ben Paul einige gute Tipps mitnehmen, durch die wir wirklich von unserem Studium profitieren können.

Ben ist nicht unbekannt beim Studiblog und hat schon einen Artikel über die Generation Y veröffentlicht. Für alle, die Ben’s Seite nicht kennen, möchte ich einmal kurz die Hintergründe zusammen fassen:

Ben hat eigentlich alles getan, was ein gutes Elternhaus erwartet. Abitur und dann ein Top Studium. Nach ein paar Semestern auf einer Elite Law-School in Hamburg mit Stipendium war die Luft raus. Kein Wunder, sich Lernstoff von morgens bis Abends ins Gehirn “burnen”, wie es auf einer Elite Uni üblich ist, passt nicht zu den Vorstellungen, wie wir uns ein Studium vorstellen.

Nach einer Auszeit mit Reisen in Nicaragua stand fest: Er möchte nicht mehr an eine Uni, sondern den eigenen Weg gehen. Die Dinge lernen, auf die er Lust hat. Education Hacker sein, Entrepreneur werden und diese Einstellung leben, sich selbständig machen, digitaler Nomade werden und ein eigenes Business aufbauen, mit dem man von überall auf der Welt Geld verdienen kann. Diesen Weg kannst du auf seiner Seite verfolgen, denn er bloggt auch leidenschaftlich darüber.

Ben ist angepisst von unserem Bildungssystem, sowohl das in der Schule, als auch in der Uni. Ganz ehrlich, mit einer Elite Law School holt man sich auch die Hölle in die WG und ich wette, fast jeder von uns “Normalos” verteufelt danach das System Uni, in dem Bulimie Lernen angesagt ist.

Ben hat teilweise Recht wenn er sagt, dass man an der Uni nicht fürs Leben lernt, sondern nur für den Abschluss. Besonders auffällig ist dies sicherlich bei den Studiengängen wie BWL, in denen kaum praktische Fähigkeiten vermittelt werden, die man später braucht, um z.B. ein Business zu betreiben. Diese Meinung haben mir persönlich Absolventen einer Top Business Uni bestätigt, die zur Zeit mit dem Internetportal Preplounge am Start sind.

Ich selbst habe in einem Artikel vor ein paar Wochen resümiert, dass unser System Uni nicht gut zu der Einstellung unserer Generation Y passt.

Auch bei der Schulbildung steuert Deutschland in eine gefährlich Richtung: Das Ziel scheint zu sein, möglichst viele Einserkandidaten beim Abi hervorzubringen ( den Artikel gibt es hier) und es geht nur noch um den Schnitt, um in den ersehnten Studiengang zu kommen. Darunter leiden auch die Lehrer, die ihren Schülern am Liebsten Fähigkeiten für das Leben mitgeben würden.

Ben hat leider nicht Recht

Diese Zwischenüberschrift ist genauso provokant wie der Name seiner Webseite. Alles was Ben schreibt, schreibt er allerdings aus voller Überzeugung und er will aus uns Allen nur das Beste rausholen. Er motiviert uns, unser eigenes Ding zu finden. Der Mut, mit dem Ben momentan sein Leben lebt, ist bewundernswert.

Mit Artikeln wie “7 Gründe, nicht an die Uni zu gehen” , “Bloggen statt Uni” oder “Lügen des Schulsystems” wird aber der Eindruck vermittelt, dass du alles erreichen kannst, wenn du jetzt deinen Blog startest und anfängst zu schreiben. Der Traum von der Unabhängigkeit und dem eigenen Business blendet aber oft die Realität aus.

Es hört sich alles so schön an: den Tag mit Yoga beginnen, inspirierende Leute treffen, selbstständig Lernen, sich vernetzen und ein eigenes Geschäftsmodell entwickeln. Ein Kumpel von Ben verkauft z.B. trendige Glasflaschen, in die man super easy Leitungswasser abfüllen kann. Bücher wie die berühmte 4-Stunden Woche (trotzdem absolut lesenswert!) beflügeln diese Gedanken der endlosen Freiheit. Generation Y Hardcore sozusagen. Totale Work Life Balance. Oder noch besser: Arbeit und Leben verschmelzen, man lebt für das, was man tut.

Viel Geld verdienen weder Ben noch seine Kollegen mit Ihrer Arbeit. Doch der Traum von einem ausreichenden Einkommen bleibt, es wird schon klappen, irgendwann…(*Update: Das Geschaeft mit den Trinkflaschen ist laut Aussage des Inhabers fuer 5 Leute profitabel momentan. Genaue Zahlen fehlen. Gemeint ist von mir: Es ist nicht einfach auf ein vergleichbares Akademikergehalt zu kommen mit einem eigenen Business dieser Art, wie eben auch Bloggen)

Für über 90% der Studenten ist dieses Lebensmodell völlig ungeeignet. Ben spricht auf dem Blog bewusst auch “die Changemaker von Morgen an”. Richtig, denn für die breite Masse ist das Alles nicht geeignet. Muss ich mir jetzt als Apotheker, Arzt, Biomediziner, Chemiker oder Ingenieur dämlich vorkommen, weil ich das System Uni mitmache?

Viele Changemaker von Morgen seid ihr, die, die einen Abschluss von der Uni haben. Ihr habt gezeigt, dass ihr auch in Scheiß Situationen nicht aufgebt, am Ball bleibt, um Dinge zu lernen, die euch nur an der Uni vermittelt werden können. Noch einmal, es ist keinesfalls alles gut an der Uni, aber wer sagt, dass ihr mit eurem Abschluss nicht ein erfülltes Leben bekommt? Über den Sinn, Arzt zu werden, brauchen wir nicht diskutieren, aber auch ein herausragender Ingenieur wird ein erfülltes Leben haben. Die meisten Entrepreneure kommen von der Uni, oft sogar mit Topnoten. Außerdem braucht man für viele Businessideen Fachwissen in bestimmten Bereichen. Habt ihr euch einmal spezialisiert, seid ihr Experten auf eurem Gebiet und findet eure Nische auch beim Starten einer eigenen Geschäftsidee. Gerade beim Big-Business gilt oft: von nichts kommt nichts. Zuckerberg ist immerhin auch ein genialer Programmierer.

Am Meisten profitiert von Anti-Uni eine Person. Nämlich Ben Paul selber. Er hat es geschafft, sich mit seiner Einstellung Gehöhr zu verschaffen und Kontakte zu knüpfen. Ich bin mir sicher, damit kann er viel erreichen und es wäre unfair, ihm das nicht zu wünschen. Neben ihm gibt es nicht viele Leute in Deutschland, die das so durchziehen. Für fast alle Anderen heißt es: hinfallen, aufstehen, Krone richten, weiterstudieren oder sich was Anderes einfallen lassen….aber halt…

 Selbstfindung geht auch mit Uni

Ihr könnt Beides. Euer Leben rocken und die Uni. Die Dinge, die Ben schreibt, sollte man auf keinen Fall als Unfug abtun. Aber auch gerade als Student, der sein Studium durchzieht, könnt ihr davon Lernen. Das ist das Paradoxon von „Anti-Uni“.

Selbst die Sache mit dem Bloggen kann euch nützen. Berichtet über Dinge, die zu eurem Fach gehören, werdet zum Experten in der Szene. So kommen die Kontakte automatisch und ihr habt zum Einen den Durchblick, was ihr mit eurem Studium alles anfangen könnt, und zum Anderen oft schon ein Jobangebot in der Tasche. Wenn ihr nicht genau wisst, ob das Studium was für euch ist, rafft euch auf. Geht zu Firmen, die Absolventen eures Faches einstellen und schaut euch die Arbeit an, die euch dort erwartet.

Es ist unsere Aufgabe, dazu beizutragen, dass die Uni moderner wird. Deswegen, lasst uns nicht Anti Uni sein, sondern liebt sie. Zwischen schrecklichen Protokollen, Prüfungen, Hausarbeiten, aber auch unendlich vielen schönen Stunden, viel Bier und dem härtesten Hangover, macht sie euch zu dem, was ihr seid: Studenten, Absolventen und Leute, die ihr leben rocken. Ihr seid genauso awesome.

Mehr zu dem Thema:

Studieren mit guter Work Life Balance– so geht’s

Warum unser Studium nicht zur Einstellung der Generation Y passt

Photo Credit: anitakhartcc

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