Von Studentx zu Student_innen: Am wenigsten geholfen ist damit den Frauen - Studiblog
Home » StudiCampus » Von Studentx zu Student_innen: Am wenigsten geholfen ist damit den Frauen

Von Studentx zu Student_innen: Am wenigsten geholfen ist damit den Frauen

Was zu viel ist, ist zu viel.

Ich bin kein Freund der geschlechtergerechten Sprache, das gebe ich offen zu. Bis jetzt habe ich mich aus der nervigen Diskussion herausgehalten, aber heute möchte ich euch erklären, warum man bitte diesen Unsinn beenden sollte.

Ich habe neulich einen Text gelesen, der sich an Student*innen gerichtet hat. Dort wurde explizit jedes Gender Wort mit den optisch schlimmsten Methoden in eine konforme Sprache gebracht. Vom Studierx (das ist die X-Form von Student) über ein_en Professor_in bis zum/zur Expert*in.

Ich fand es nicht sympathisch oder frauenfreundlich, sondern es hat mich verärgert. Ich finde dies lächerlich, aber nicht, weil ich ein Mann bin.

 Ich möchte euch erzählen warum:

Wir leben in einem der Länder, in dem eine Frau alles erreichen kann. Ich bin nie anders groß geworden und habe das nie in Frage gestellt. Es ärgert mich, wenn ich sehe, dass es Institutionen wie die katholische Kirche gibt, in der von Gleichstellung noch niemand redet. Es ist für mich selbstverständlich, eine Frau oder Kommilitonin genauso zu behandeln, wie einen Mann. Zumindest auf beruflicher Ebene. Privat würde ich so ein ewiges Singledasein fristen, da die meisten Frauen auf Partnerschaftsebene einen Kerl bevorzugen, der nicht immer den Kumpeltyp gibt. Ich stelle mir gerade vor, wie James Bond Gendering betreibt. Auf einer Sexappeal Stufe von 1-10 ist das -3.

Unsere Sprache hat sich so entwickelt

Wenn ich einen Text lese, in dem statt „die Lehrlinge“, „die weiblichen und männlichen Lehrlinge steht“, dann komme ich mir verarscht vor. Stellt euch vor, demnächst steht statt „Rampe für Rollstuhlfahrer“ dort „Rampe für Rollstuhlfahrer_innen“. Sieht dämlich aus und ist es auch. Fängt man einmal damit an, wird bald aus dem Affenkäfig der Aff*innenkäfig, oder was auch immer.

Deutsch ist eine wunderbare Sprache und es haben sich Begriffe etabliert, die nicht genderneutral sind. Ja, es gibt die Gründe, warum immer die männliche Form gewählt wird, wenn man im Plural spricht: Die Frau hatte früher in Deutschland eine untergeordnete Rolle. War blöd, ist nicht richtig, haben wir abgeschafft. (manche arbeiten noch dran)

Wie ich im ersten Absatz erwähnt habe, UNSERE Generation sieht dies völlig anders. Niemand aus meinem Bekanntenkreis behandelt eine Frau untergeordnet.

Soll ich also nun aus dem „Lehrerzimmer“ ein „Lehrer_innenzimmer“ machen? Weil da sind ja, suprise surprise, auch Lehrerinnen mit dabei?

Dies wirkt auf mich unsympathisch. Es klingt wie DER eine Schüler, der im Unterricht dann noch fragt „und wann kontrollieren wir die Hausaufgaben?“. Jeder im Raum weiß, dass es Hausaufgaben gab. Der Lehrer, die Schüler, welche die Hausaufgaben gemacht haben und auch die, die sie nicht gemacht haben.

Gerade Frauen schadet eine geschlechtergerechte Sprache

Es schadet gerade den Frauen, die Ihre Karriere wirklich rocken.  Eine Person, die  Studen*innen schreibt und auch so spricht, bewirkt vor allem eines:

Sie sagt aus, dass es eine Diskriminierung gibt, die behoben werden muss. Nur weil sich in unserer Sprache die männliche Form eingebürgert hat, heißt es doch nicht, dass die Frau untergeordnet ist. Indirekt wird damit MIR als Mann der Vorwurf gemacht, ich würde nicht auf die Gleichstellung achten und eine Frau dem Mann unterordnen. Ich fühle mir auf den Schlips getreten.

Haben erfolgreiche Frauen dies nötig?

Nein, erfolgreiche Frauen stehen über dieser Debatte. Eine erfolgreiche Frau kann einem Mann mit anderen Mitteln Paroli bieten. Frauen haben gezeigt, dass sie Kinder bekommen, bzw. aufziehen und gleichzeitig arbeiten können (da müssen wir Männer noch zu aufschließen). Frauen beweisen ausgezeichnete Social Skills in Führungspositionen. Wenn ich ein Projekt mit einer Frau zusammen bearbeite, vertraue ich ihr genauso wie einem Mann. Eine Frau, die mir gegenüber NICHT geschlechtergerecht spricht, wird bei mir als stärkere Persönlichkeit wahrgenommen, als eine, die überall versucht orthographisch zu modifizieren.

Wie lautet die Lösung?

Cool bleiben. Die Aussage: „Wir sind Ärzte, Ingenieure, Biologen“ kann so stehen bleiben. Meiner Meinung nach. Ich bevorzuge auch den Studentenausweis.

Wenn es sich anbietet, kann man die Sprache neutralisieren. Das substantivierte Partizip wäre im Angebot: „Die Studierenden“ klingt immer noch besser als „Student_innen“.

Oder man alterniert, also schreibt in einem Text einmal „die Teilnehmer“ und einmal „die Teilnehmerinnen“. Die Verwendung eines englischen Wortes klappt auch gut: Team statt Mannschaft.

Aber: 

Ich werde mich an die Sprache halten, wie ich sie gelernt habe. Ich wünsche allen Menschen, die deutsch als Fremdsprache wählen, viel Spaß, wenn es so weiter geht.

Gleichstellung geschieht in meinen Augen auf einer anderen Ebene als im Gender Gap oder Gender Sternchen.

 

Wie denkt ihr darüber? Löst die Schreibweise mit Gender Sternchen & Co. das Problem?

Habt ihr eine andere Meinung oder fehlt ein Punkt in der Umfrage? Schreibt es in die Kommentare.

[polldaddy poll=8206259] [polldaddy poll=8206263]

Photo Credit: Brandon Grasley
cc

Diesen Inhalt teilenTweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Email this to someoneShare on TumblrPin on Pinterest

Über Andre

Studiblog Team.

Schau mal

Gillette Uni-Liga Gruppenbild mit Thomas Müller

Der Startschuss ist gefallen. Die Gillette Uni-Liga geht in die nächste Runde

Zum 13. Mal startet mit Beginn des Sommersemesters das größte Fußballturnier für Studierende. Über 10.000 …



Für eine uneingeschränkte Nutzung unserer Website werden Cookies benötigt. Bitte stimme der Verwendung von Cookies zu, um alle Funktionen der Website nutzen zu können. Weitere Informationen

Cookies sind kleine Dateien, die es ermöglichen, auf dem Zugriffsgerät der Nutzer (PC, Smartphone o.ä.) spezifische, auf das Gerät bezogene Informationen zu speichern. Sie dienen zum einem der Benutzerfreundlichkeit von Webseiten und damit den Nutzern (z.B. Speicherung von Logindaten). Zum anderen dienen sie, um die statistische Daten der Webseitennutzung zu erfassen und sie zwecks Verbesserung des Angebotes analysieren zu können. Die Nutzer können auf den Einsatz der Cookies Einfluss nehmen. Die meisten Browser verfügen eine Option mit der das Speichern von Cookies eingeschränkt oder komplett verhindert wird. Allerdings wird darauf hingewiesen, dass die Nutzung und insbesondere der Nutzungskomfort ohne Cookies eingeschränkt werden. Mit dem Aufenthalt auf dieser Website akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies.

Schließen