Pflichtpraktikum: Eine billige Arbeitskraft mit 60 Stunden Woche - Studiblog
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Pflichtpraktikum: Eine billige Arbeitskraft mit 60 Stunden Woche

Die Angebote der Hochschulen klingen verlockend: praktisches Wissen, nicht so theoretisch, gute Kontakte zur Industrie und vielleicht sogar noch Auslandserfahrungen!

Doch hält die Ausbildung an einer Hochschule was sie verspricht?  Ist es eine gelungene Verbindung zwischen wissenschaftlicher Lehre und den wirtschaftlichen Interessen?

Man fängt an zu studieren und denkt super, hier bekomme ich echt was geboten. Viele Unternehmen bieten Workshops an und kommen an die Hochschule, um für sich als Arbeitgeber zu werben. Doch das Pflichtpraktikum ist im ersten Semester noch nicht wirklich auf dem Radar erschienen und so bleibt man unbesorgt.

Dann kommt die heiße Phase: Man muss sich für ein Pflichtpraktikum bewerben. Eine Bewerbung nach der andern wird verschickt und nichts passiert. Kein Feedback – Nichts! Es kommt nicht mal eine Absage. So fragt man sich, was all die Firmen auf der Jobmesse gemacht haben? Mehr als Präsenz gezeigt zu haben kann es wohl kaum sein.

Wenn man von einer Firma keine Absage bekommt, warum sollte man sich je wieder bewerben? Denken alle Firmen, dass gute Arbeiter vom Himmel bei ihnen an den Schreibtisch fallen? Dann sind Headhunter ja überflüssig!

Wenn man das Glück hat und eine positive Antwort erhält, nachdem man den langen Bewerbungsprozess überstanden hat, bei dem man ohne Reisekostenerstattung irgendwo ein paar Stunden hingefahren ist, Intelligenztests und Casestudies gemacht hat, freut man sich. Die Freude hält solange an, bis über das Gehalt gesprochen wird. Die Gehälter sind lächerlich.

Ich erhalte nun für mein Praktikum 800€ im Monat. Offiziell muss ich dafür 40 Stunden in der Woche arbeiten, die Realität sieht anders aus. Ich bin morgens um 8:30 Uhr da und gehe an einem frühen Tag um 19 Uhr aus dem Büro. Und es ist nicht so, dass man mir den ganzen Tag etwas erklären muss und ich deswegen einfach Arbeitszeit von hochqualifizierten Mitarbeitern auffressen würde. Nein, ich mache meine Arbeit wie jeder andere in der Firma auch. Ich bin nur einfach billiger!

Kann man das schon Menschenhandel nennen? Man bietet der Industrie uns Studenten zu Spottpreisen an, dabei arbeiten wir hart und man behauptet, die lernen ja noch! (Die Rede ist nicht von einem zweiwöchigen Praktikum, sondern ein 6. monatiges Pflichtpraktikum) Ich bin dafür, dass man uns entweder anständig entlohnt oder wir auch einen Job machen dürfen, der nicht mit dem Stempel Praktikum versehen ist und dort ein bisschen mehr verdienen können. Einfach nur ein Praktikum auf Teufel komm raus kann doch auch nicht so viel Wissen vermitteln und so eine tolle Wertsteigerung sein!

Was meint ihr? Wie sehen eure Erfahrung bei Praktika aus?
Photo Credit: mary_gaston22 cc

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