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Frau mit Tränen im Gesicht

Von etwas, das niemand wahrhaben will.

Dass das Leben, was wir haben, begrenzt ist, weiß jedes Kind – spätestens als Hamster Frodo dann das Zeitliche gesegnet hatte. Aber so richtig realisieren können wir das wohl erst, wenn es uns selbst ganz nah betrifft. Und damit umgehen? Ein schwerer Prozess.

Sterben gehört zum Leben eben genauso dazu. Doch wahrhaben wollen wir das nicht. In solch schweren Zeiten sind die Menschen um einen herum gefragt. Von allen Seiten prasseln Beileidsbekundungen und Kondolenzkarten auf einen ein. Doch das macht das Geschehene auch nicht wieder rückgängig.

Wie verhalte ich mich, was spendet Trost? Washington Irving formulierte eines der schönsten Zitate, die ich jemals gehört oder gelesen habe: „Tränen haben etwas Heiliges, sie sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke. Sie sind der Botschafter überwältigender Trauer und unaussprechlicher Liebe.“ Ich denke, dass dies der Schlüssel ist. Den Tränen freien Lauf zu lassen. Tage oder gar Wochen lang. Man muss sich die Zeit nehmen, die es braucht. Aber das Wichtigste ist dabei, nicht allein zu sein und dass es jemanden gibt, der dir sagt „Blick nach vorn, behalt das Gute und die Liebe immer im Sinn, aber mach weiter“.

Entweder wollen wir zu stark sein oder sind zu zerbrechlich und fallen in ein tiefes Loch. Dabei brauchen wir nur wenig. Eine Umarmung, ein Lächeln, einfach die Genehmigung, traurige Musik zu hören und weinen zu dürfen. Das ist wirklich nicht zu viel verlangt. Und doch so essenziell.

Auch wenn ich eher atheistisch veranlagt bin, gibt es Momente, in denen man sich den Toten nah fühlt. Näher als sonst. Vielleicht spielt uns da die Erinnerung einen Streich und führt uns in die Irre. Oder es gibt da etwas. Eine Art Parallelwelt. Eine Art Himmel. Eine Art Wiedergeburt. Wie man es auch nennen mag, es gibt Situationen, da weiß man einfach, der geliebte Mensch ist ganz nah und ganz stolz und glücklich. Auch wenn es nur ein Wunschdenken ist, so gibt es uns, den Hinterbliebenen, Trost und Mut und Hoffnung. Und die Gewissheit, dass der Mensch, den wir liebten, immer bei uns ist. Im Herzen. In all den schönen Erinnerungen. Und dann kommen auch nach Jahren immer wieder Tränen gekullert. Als Botschafter. Und das ist es, was den Menschen nie vergessen macht.

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