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Realschulchroniken - Teil 2

Die Realschulchroniken (2/3)

Die Realschulchroniken (2/3): Armut macht schlank

Teil 1 der Realschulchroniken hier zuerst lesen

Vorsicht SPOILER, in diesem Teil stirbt Gandalf!

*Schnipp*. Die schwarzweiß-gefilterte Kamera zeigt ein weinendes, kotbeflecktes Mädchen in einem Mantel aus Roadkillresten. Sie Schnipst. Ein Junge mit vergammelten Zähnen knabbert an einem Stück Plastikmüll und schnipst mit seinen verwachsenen Fingern. Wie ein Grillhähnchen dreht sich nun der Torso durch das Bild und simuliert durch den afrikanischen Buchstaben ǂ einen Schnipser. Um einen enormen Schockeffekt zu erzeugen, wird nun ein Junge mit einem Smartphone präsentiert: Seine Augen füllen sich mit Tränen, als er das Nokia-Logo in die Kamera hält.

Auch er schnipst, darauf tritt Opinion Leader Jann Wattjes ins Bild: „Alle 4 Sekunden muss sich ein Kind in Deutschland mit einem billigen Smartphone zufrieden geben.“ *Schnipp*. „Alle 4 Sekunden klaut ein armes Kind einem richtigen Menschen die Schuhe; um sie zu verkaufen oder als Etablissement zu nutzen“, erklärt der Mülljunge wehleidig. *Schnipp*. „Alle 4 Sekunden geht eine Mädelsgang zum Shoppen zur Altkleidersammlung“, klagt das Kotmädchen, unterlegt von Yann Thiersens „Testicules de Singes“.

*Schnipp*. „Alle 4 Sekunden verkauft ein Kind seine Gliedmaßen für eine Palette Schokoeier“,… „Diese Kinder haben nichts Unrechtes getan. Sie haben sich nicht mit Aktien verspekuliert, ihre Freundin auf dem Klo erschossen oder die Firma Maxfield gegründet. Die meisten von Ihnen sind nicht mal Taylor Swift Fans. Sie sind Realschüler und haben daher ein Recht auf Mittelmaß.

Sie sollten keine River Cola trinken müssen und von Coca Cola träumen: Sie sollten naturgemäß eine Flasche Pepsi in dem Ikea-Schränkchen ihrer Eigentumswohung vorfinden. Sie sollten VOX schauen, Linkin Park hören und sich auf einmal im Monat Essen bestellen freuen. Sie sollten zu Klassenfahrten nicht nach Eisenhüttenstadt sondern in die Lüneburger Heide fahren und ohne sich jemals Gedanken um Telefonkosten zu machen, einfach bei der Telekom bleiben! Helfen Sie. Damit Menschen, die Mittelmaß verdienen, es auch bekommen.“

UNFASSBAR, traurig, mitreißend

Dieses Video unserer Film AG (die einen Keller und meine Smartphonekamera zum Repertoire hat) geht nun um die Welt. 17 Klicks bei Youtube, dabei haben sogar wir selbst es nur 13 mal angesehen. Selbst die, unter Geistigbehinderten populäre, Website heftig.co teilte das Video: „Erst dachte ich sie würden einen Rhythmus schnipsen, doch ihre Botschaft ist UNFASSBAR und wird dein Leben auf den Kopf stellen. Ich hatte Tränen in den Augen.“ Das Heftigste an dieser Internetmüllhalde bleibt leider, wie viel ihr Betreiber für „unglaublich“ hält und was für kitschiger Katzenstuhlgang ihn zum Weinen bringt…

Es weht ein frischer Wind durch die (inzwischen) Takko-Realschule in Burgalthaus: Ich. Die Schüler verdienen sich wöchentlich ein paar Cents mit Arbeiten in meiner Wohnung, an meinen Uni-Aufgaben und dem Schreiben meines Blogs. Für das ständige Wiederholen des Slogans „Takko-Fashion: nice price!“ in der Gütersloher Innenstadt, erhalten sie zudem, zwar immer noch genauso minderwertige, aber immerhin neue Kleidung.

Auch der Unterricht bereitet den Kleinmenschen wieder Freude und Lernerfolge

Die Aufsätze darüber, wie scheiße Malte Blonn ist, werden immer detailierter und in Mathe hat Chris-Kevin neulich die binomischen Formeln widerlegt. In Philosophie sind wir – weil es so ein lächerliches Fach ist – dem Lehrplan zuweilen sogar voraus und beschäftigen uns mit dem existentialistischen Paradoxon, dass, wenn Kinder misshandeln schlecht ist, Kinder handeln technisch gesehen eine feine Sache sein müsste.

Im Chemieunterricht hinken wir dagegen ein bisschen hinterher; ich habe aber auch das ehrliche Gefühl, dass die Kinder Freude an meinen anschaulichen Beispielen der Ethanolwirkung haben. Die kleine Älischa-Pritnei-Bijonzei (wer keine Eltern hat, kann sich halt leider auch selbst seinen Namen aussuchen) erhielt darüber hinaus im Wiologieunterricht das Schulverdienstkreuz in Plastik für ihre Idee, Zeitungen, die städtischen Pennern als Decken dienen, zu entwenden und für Literaturanalysen zu verwenden.

Leider ist eine Eigenart dieser Region – neben dem wissenschaftlichen Fakt, dass immer alle furchtbar nach Birnen riechen -, dass sich hiesige Obdachlose ausnahmslos in BILD-Zeitungen einwickeln. Aber solange die Kinder klauen, haben sie wenigstens etwas sinnvolles zu tun…

Ja, man könnte sagen alles lief nach Plan

Doch Sie und ich wissen, dass wir uns im zweiten Teil einer Trilogie befinden und der neue Ghostwriter meiner Texte nicht einfach so riesige Inhaltslöcher (doofe Momente, wenn der Anglizismus genauso debil klingt wie die wörtliche Übersetzung) lässt. Als Gandalf Snape auf dem Todesstern gestand, dass er sein krebskranker, methkochender Vater sei und noch vor den Augen der restlichen Starks von einem kleinen, schwarzen Jungen hingerichtet wurde, suchte mich daher der Schuldirektor auf.

Er stank nach einem Gemisch aus Ramazotti und der non-asiatischen Hundewurst an seinem Schuh und machte einen gut gelaunten Eindruck: „Herr Wattjes! Was sie hier Phänomenales geleistet haben, hat sich herumgesprochen. Deshalb können wir ab der nächsten Woche, im Zuge des Inklusionsprogramms, einen Menschen mit Behinderung an unserer Schule begrüßen. Und Sie haben die Ehre ihn in ihre 8. Klasse zu integrieren!“

Das Stück Zigeuner blieb mir im Halse stecken und die Schulsprecher unterbrachen das Wedeln mit ihren Palmenblättern. „Aber… Sie reden doch sicher von einem Radbetriebenem oder Freihändigen und nicht von einem so richtig, richtig…“, er nickte mich wehleidig an. „Aber wir reden doch um Gottes Willen noch über Gary Busey und nicht über Adam Sand…“, „Ja Herr Wattjes, ich fürchte der Junge ist mongo…“, dass er in der Realität noch ein paar Silben ergänzte, konnte von der jannwattschen Presseagentur als redundant befunden werden.

Als wären Achtklässler nicht schon anstrengend genug, mit ihren zum Aufstoßen verführendem Schweiß- oder AXE-Duft, osteuropäischem Hautbild und der Fähigkeit, in sämtlichen Tafelbildern Penisse zu erkennen, soll ich diese Kreaturen jetzt auch noch vor dem Daum-Syndrom (benannt nach dem berühmten Patient Zero) beschützen. Doch die Neumittelmäßigen lauschten nur beildeidig König Aslans Grabrede auf Gandalf, den Regenbogenen, nicht wissend, was der Aufgang der roten Sonne (von Barbados) für sie bedeuten würde…

Jetzt gleich Teil 3 lesen.

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Über Jann Wattjes

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