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Dein Smartphone Flirten an der Uni kotzt mich an

Ich kann nicht mehr. Ich kann es nicht mehr sehen, hören und lesen.

“Ich bin alleine und hätte so gerne einen Freund oder eine Freundin”, kann ich fast täglich in den Abendstunden bei meiner Lieblings Campus-Trashtalk App Jodel lesen.

Ein anderer Freund von mir klagt dauernd am Telefon darüber, wie schwer es doch sei alte Bekanntschaften zu “reaktivieren”. So bliebe ihm ja nur der Tinder Algorithmus, der ihm täglich neue Liebessuchende in Form aufgehübschter Bildchen präsentiert.
Dabei verbringt er jeden Tag Stunden in der Unibib, wo hunderte Singles wie er über den Büchern sitzen und Kleingeld in Kaffeeautomaten werfen.
Junge, du bist im Paradies!
Und das ist genau das Problem, welches ich täglich an der Uni erlebe. Ist der Campus zu einer spießigen Anonymitätsgesellschaft verkommen?
Ein Haufen hübscher, (oder weniger hübsch, aber das spielt kaum eine Rolle) intelligenter Studierender wuselt jeden Tag über den Campus.
Es wird sogar geflirtet. Moment, das ist genaugenommen falsch, es wird nicht richtig geflirtet, höchstens ein freundlicher Blick getauscht. Was ja schon mal ein Anfang sein kann.

In der Mensa zum Beispiel. Er lächelt mich an der Besteckausgabe an, ich lächel zurück und setze mich an den nächsten Tisch. Anstatt es mit einem “ist hier noch frei” zu versuchen, sieht er sich krampfhaft nach einem freien Tisch um. Er läuft in die andere Richtung des Esssaals, um an einem freien Tisch sein Smartphone auszupacken.
Anstatt es mal live zu versuchen, wischt er sich wahrscheinlich durch die schöne Flirtapp-Welt zum nächsten Fick, während er sich sein fettiges Putenschnitzel mit labbrigen Pommes reinschiebt.
Für alle, die jetzt gerne das Argument bringen möchten, “vielleicht hat er ja eine Freundin”, kann ich euch sagen, dass mir das ziemlich oft passiert.
Zum Beispiel in der Bibliothek. Ein süßer Student räumt neben mir seinen Spind ein. Wer schon einmal einen Spind in der Bib eingeräumt hat weiß, dass man sich dabei ziemlich im Weg steht. Mehr als ein geflüstert peinliches “sorry” und ein Lächeln kommt ihm natürlich nicht über die Lippen.

„Möchtest du mal meine Pussy lecken?“- würde ich wirklich gerne mal sagen.
Ich beschließe mich zu erbarmen und sage “mal wieder knackevoll hier ne”. “Kann man wohl sagen”, kommt vom süßen Studenten zurück. Ich merke ihm an, dass er dankbar ist, dass ich das peinliche nebeneinander einräumen unterbrochen habe. “Für was musst du denn lernen?”…

Baaang! Gespräch gestartet. Ist ein bisschen Smalltalk zu viel verlangt? Es geht schließlich nicht darum, direkt zwischen 2 Bücherregalen im Keller den Beischlaf zu vollziehen, sondern einfach mal locker mit Fremden zu quatschen. Wenn da mehr ist, merken das schon beide.

Den süßen Kerl vom Spind habe ich eine Stunde später am Kaffeeautomaten wiedergetroffen. (Ich glaube er hat darauf gewartet, dass ich Pause mache) Wir haben zusammen Kaffee getrunken und festgestellt, dass wir am Wochenende auf dieselbe Party wollen. Ich sage nur soviel, es hätte nicht mal Alkohol gebraucht 😉

Das kann man ÜBERALL an der Uni machen. In der Schlange an der Mensa, in der Cafeteria, in der Bib, auf der Uniwiese.
Die meisten Mädels reagieren nicht genervt, solange man nicht wie der gruseligste Pick-Up Artist um die Ecke kommt und man den schlechten Anmachspruch 10 Meter gegen den Wind riechen kann.

Aber was passiert in der Realität? Mädels, wenn ihr euch dauernd ausheult, dass niemand euch anspricht, solltet ihr mal mit offenen Augen über den Campus laufen. Wer natürlich nur in Gedanken bei der kommenden Vorlesung “Evolution der Krebstiere” hektisch zwischen Bib und Seminarraum pendelt, macht nicht den Eindruck angesprochen werden zu wollen.

Eine weitere unglaublich Erkenntnis: Ein “Hi” von einem Mädchen heißt an der Uni nicht “bitte fick mich”, sondern einfach nur “Hi”.

Am allermeisten nervt mich aber ihr Jungs. Ich rede nicht von Typen, die nebenbei als Model arbeiten und eine genaue Liste haben, wen sie als nächstes flachlegen wollen, sondern von ganz normalen Jungs, mit ein paar kleinen Ecken und Kanten, wie sie jeder hat.

Wir Mädels an der Uni sind auch keine Models. Manche von uns sind total introvertiert, aber ein paar Sätze am Kaffeeautomaten bekommen wir auch noch hin. Wir wünschen uns einfach nur, dass ihr irgendetwas sagt, es muss nicht Goethe oder Schiller sein und auch bitte kein Anmachspruch.

Ihr werdet es kaum glauben. Ein Gespräch auf dem Campus ist besser als sich besoffen auf der Party Dinge ins Ohr zu schreien. Einer ist auf Partys nämlich immer im besoffenen Bumsmodus. Tja, und der andere nicht. Deswegen geht ihr Beide ohne Handynummer nach Hause.

Doch während ich mich hier auskotze, sitzt ihr weiterhin über euren Smartphones, scrollt durch Instagram, swiped durch Tinder und hofft, euch zum Wochenende doch noch ein Date organisiert zu haben.

Vielleicht lächelt ihr aber das nächste mal in der Uni ein wenig…

…und sagt Hi.
Photo Credit: Cesar Pics cc

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Über Lea schreibt

Ich bin Lea. Wg-Studentin. Lebensoptimistin. Ich schreibe über die kleinen und großen Dinge des Lebens. Nichts, was in den Schlagzeilen steht, aber meistens, was dir persönlich ein Lächeln ins Gesicht zaubern soll.

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  • Herrok

    Nur blöd, wenn man an einer Hochschule für Ingenieurswissenschaften studiert mit einem Frauenanteil von unter 10 Prozent -.-

    • studiblog

      da sind bestimmt alle Frauen vergeben. Unser Beleid! Wirklich

    • Esteban Rolltgern

      Glaub mir; Grundschullehramt mit 90% Frauenanteil muss auch nicht unbedingt was besseres heißen. Quantität sagt gar nichts aus und in der Bibliothek trifft sich sowieso alles.

      • Herrok

        Mit der Bibliothek hast du Recht, aber nur für den Fall, dass weitere Unis und/oder Fachbereiche am Campus angesiedelt sind, bei denen die Verteilung anders ist ^^ Den Punkt mit dem „Vergeben sein“ den studiblog anspricht passt ganz gut

  • TheChemist

    Hallo Lea,
    ich finde deine Kritik durchaus berechtigt weil mir obengenanntes Problem auch schon aufgefallen ist. Ich finde aber, dass du das Thema ein bisschen einseitig betrachtest. Nehmen wir mal mich als Fallbeispiel heran: Ich bin 22 studiere an der TU, sportlich trainiert, nicht dumm wage ich zu behaupten und angeblich auch recht attraktiv 😉
    Klingt ja in der Theorie nicht schlecht (wage ich zu behaupten)) und trotzdem habe ich es mittlerweile fast aufgegeben Frauen anzusprechen/anzuflirten. Wieso?
    Weil es egal ist wieviel Mühe du dir als Mann gibst, wie alltäglich oder speziell deine Idee sie anzusprechen ist, denn du wirst einfach daran beurteilt ob du ihr im ersten Moment attraktiv/sympathisch erscheinst oder nicht.
    Ich kann prinzipiell einfach höflich sein und trotzdem als Creep abgestempelt warden weil ich einfach nicht ihr Typ bin und da liegt das Problem. Mich stört die Vorstellung, dass sie dann Abends beim Fortgehen ihren Freundinnen erzählt: Ja heute hat mich dieser komische Typ mit dem roten Kapperl angesprochen… ist mir persönlich so noch nicht passiert aber einigen Freunden. Und aus meiner Sicht war die Ansprache weder creepy noch sonst irgendeine abgewaschene Pick-Up Line.
    Wenn einem Mädl ein Typ der sie anspricht nicht passt kann sie ihn einfach höflich zurückweisen – macht das Leben für uns Männer um einiges einfacher. Leider passiert das nur zu selten. Ich würde mir wünschen, dass Mädls aufhören Typen die sie ansprechen als komisch/creepy/unangenehm abzustempeln nur weil sie ihnen nicht gefallen. Leider ist mir das auch unter meinen Kommilitonen schon negative aufgefallen -.-
    Nächster Punkt: die direkte Antwort (wie vorhin schon erwähnt)
    Ich bin gerade im Ausland ein Praktikum machen und obwohl die Frauen hier um einiges distanzierter sind war ich unglaublich überrascht, dass man auch höflich und net zurückgewiesen warden kann und danach trotzdem noch weiter Smalltalk führen kann. Wäre mir in Österreich noch nicht untergekommen…
    Oh und eigentlich könnten ja auch mal die Mädls die Burschen ansprechen und nicht nur von uns erwartet werden, dass wir den ersten Schritt machen 😉

    So gesehen finde ich es nicht verwunderlich wieso Typen immer weniger flirten solange es uns absichtlich schwer gemacht wird aber das ist natürlich nur mein subjektiver Standpunkt der sich aus persönlicher Erfahrung oder Erfahrungen meines Umfelds ergibt 🙂

  • overloaded

    Tjo, traurige Tatsache und wenn ich dir jetzt sage das es im Berufsleben spaeter nicht besser wird? Meine Studentenjahre sind schon lange vorbei, aber wenn ich daran zurueck denke, dann bleibt mir nur zu bemerken „Waere gern noch mal Student an deiner Uni“ Viel Erfolg bei deinem Studium und ach ja… „Hi!“ 🙂



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