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Frau steht im Bademantal mit Föhn in der Hand da und bläst sich die Haare quer übers Gesicht - total erwachsen eben.

Die Sache mit dem Erwachsen werden

Familienfest

Vor einigen Wochen stand in meiner Familie mal wieder ein richtig großes Fest an. So eines, bei dem wirklich jedes Mitglied, jede Cousine, jeder Onkel mit und ohne Anhang sich auf den Weg macht, um ein Wochenende im altbekannten Haus der Großeltern zu verbringen.

Alle Jahre wieder gibt es einen entsprechenden Anlass, meistens ein runder Geburtstag oder etwas ähnlich Bedeutendes. Ich mag solche Tage, das soll niemand falsch verstehen. Eine Familie zu haben ist was Schönes, eine so richtig große Familie zu besitzen nochmal schöner. Ganz davon abgesehen, dass nichts so sehr bindet, wie sich mit seinem Lieblingsonkel zu betrinken. Aber einen Nachteil hat dieses ganze Zusammentreffen allerdings.

Ich bin inzwischen in meinem siebten Semester angekommen und so langsam werden die Menschen in meinem Umfeld unruhig. Vor allem jene, die schon mindestens 10 Jahre von Montag bis Freitag arbeiten oder eventuell sogar schon im wohlverdienten Ruhestand sind. „Sieben Semester? Ist das nicht schon mehr als man sollte? Und was machst du jetzt genau damit?“. Da ich dummerweise auch nicht Medizin studiere und somit selbstbewusst sagen könnte „ja mein Studium ist nun mal sehr anspruchsvoll und außerdem werde ich mal dreimal so viel verdienen wie ihr alle“, sondern Geographie, worunter jeder zweite ein Studium des Stadt-Land-Fluss Spiels versteht und auf jeden Fall jeder absolut keine Ahnung hat, was so ein Geograph macht, komme ich regelmäßig in Erklärungsnot.

Den kleinen Prinzen zu zitieren hilft irgendwann leider auch nicht mehr. Das ist bei dem gelegentlichen Besuch bei den Eltern vielleicht noch gut zu überspielen, weil man ist dann ja erstmal wieder im Trubel des Studentenlebens verschwunden für die nächsten 2 Monate. Aber an diesem besagten Wochenende kam ich da nicht so einfach raus.

Der Ernst des Lebens

Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft diese Fragen an mich gestellt wurden. Und es ist ja wirklich sehr nett, dass sich so viele Mitglieder meiner Familie dafür interessieren, was ich so mache, aber das Problem ist, ich habe einfach keine Ahnung, wie mein „Ernst des Lebens“, meine Montag bis Freitag Arbeitswoche, meine Definition für die nächsten 30 Jahre aussieht. Und solange ich im ersten, zweiten und auch dritten Semester war, war dies auch kein Problem.

Da sind auch alle „Erwachsenen“ um einen herum noch zuversichtlich, das Kind hat ja noch Zeit. Und wie ich selber so gerne am besagten Wochenende wiederhole, mein Fach ist ja so vielseitig und interessant, da gibt es so viele Möglichkeiten, in die man später gehen kann.

Das ist auch so, und ich bereue es keine Sekunde, dass ich Geographie gewählt habe und nein, nicht auf Lehramt, und ja das gibt es auch als Ein-Fach Bachelor. Aber ich muss mir gerade selber bewusst machen, dass irgendwie die Zeit zwischen dem zweiten und dem sechsten Semester zusammengeschrumpft ist, auf diese gefühlt vielleicht vier Monate. Als würde in meiner Studentenzeit die Zeit anders laufen, als um mich herum.

Erwachsen werden

Auf einmal stehe ich vor diesem großen, dunklen Tor, auf dem Erwachsen und Verantwortung steht, und die Uni liegt hinter mir und wird immer kleiner und kleiner. Und um mich herum wuseln Freunde, die man in den letzten Jahren gemacht hat und die ein so fester Bestandteil des Lebens geworden sind. Ohne die mir meine Freizeit und meine Nächte so leer und langweilig vorkommen würden und ich mir nicht vorstellen kann, dass dies in 5 Jahren nicht mehr so sein wird.

Das ist wahrscheinlich einfach der Lauf der Dinge, doch all das macht mir gerade ganz schön Angst. Ich weiß nicht wieso und ich denke (hoffe), dass es vielen so geht und ich nicht die erste Studentin am Ende ihres Bachelors bin, die auf einmal mit der Realität konfrontiert wird.

Aber eigentlich ist es ja keine Überraschung. Am Tag der Einschreibung wusste ich, ich würde die Uni auch irgendwann verlassen und mir dann einen Job suchen. Doch jetzt ist dieses fiktive „irgendwann“ und „bis dahin weiß ich was ich will“ hier vor meiner Tür und ich möchte mich am liebsten verkriechen.

Die Lösung? Verdrängen!

Na gut, ich tu es eigentlich auch. Im Zuge meiner grandiosen Verdrängungstechniken, setze ich diesmal auf die guten alten Serien meiner Teenie-Zeit und teilweise die aus den Zeiten meiner älteren Schwester, die man als kleine Schwester heimlich aber stolz mitgucken durfte. Diesen in gewisser Weise sehr vertrauten Charakteren begegne ich nun wieder und verstecke mich hinter den fiktiven Schicksalen vor meiner Zukunft. Aber etwas ist passiert, mit dem ich nicht gerechnet habe. Etwas, was mir als 15-jährige nicht auffiel.

Selbst die Helden meines jugendlichen Ichs konfrontieren mich mit der Wirklichkeit. Ganz ehrlich, wie kann es sein, dass sämtliche Rory Gilmores, Brooke Davis‘ und Joey Potters schon mit 16 oder allerspätestens 18 wissen, was ihr Sinn des Lebens ist?

Ich fühlte mich etwas verarscht, als ich da vor meinem Fernseher saß und die Entwicklungen meiner ehemaligen Lieblingscharaktere beobachtete. Wie kann dieses gut 6 Jahre jüngere HighSchool Mädchen mehr über ihre Wünsche fürs Leben wissen, als ich?! Ich weiß, ich weiß, das ist alles nur fiktiv, aber wenn man sich gerade in dem wahrscheinlich größten Verdrängungsskandal der eigenen Geschichte befindet, reicht auch die fiktive Erfolgsgeschichte aus, um mich aus meiner Illusion zu werfen.

Jetzt muss ich wohl herausfinden, was als nächstes kommt. Vielleicht mache ich ein Mind Map, das hat doch schon in der Schule immer so gut beim Bewältigen von Aufgaben geholfen. Klasse Methode, die einem da beigebracht wurde. Vielleicht rufe ich auch einfach meine Freunde an, die dieselbe Semesteranzahl haben wie ich und vergesse für einen Abend mein großes schwarzes Tor. Oder vielleicht ruft irgendjemand eine „Stadt-Land-Fluss Weltmeisterschaft“ in den nächsten zwei Jahren ins Leben, bei der man so richtig reich wird. Das wär doch schön.

Bild: pixabay

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