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Kleiner Junge steht vor einem auf dem Tisch stehenden Laptop und tippt darauf herum - Studieren mit Kind.

Mit dem Kind auf dem Campus – Alltag einer Mutter

Familienfreundliche Hochschule. Wie sieht das aus?

  • Kaputte Hochstühle in zwei von drei Mensen. In der dritten gibt es gar keine.
  • Ein Wickeltisch in jedem Gebäude, wie etwa im Keller (mit kaputtem Fahrstuhl, ideal für den Kinderwagen) oder eingepfercht als Klapp-Wickelablage zwischen Tür und Wand.
  • Ein Familienzimmer auf dem Campus, so weit weg, wie die letzte Besenkammer (und noch alles ganz neu: bestimmt, weil man mit Kind und dem ganzen Krempel, den man dann sowieso mit sich herum schleppt, nie dorthin gelangen kann).
  • Man darf 4 oder 5 Mal fehlen, anstelle der nur 3 Mal in anwesenheitspflichtigen Veranstaltungen, sofern man ein Attest hat. Dafür also einen Tag im überfüllten, lauten und verschnupften Kinderarztwartezimmer verbringen, definitiv nicht erholsam. Oder man gleicht Fehlzeiten durch Extraarbeiten aus. Weil man natürlich mehr Zeit hat, wenn das Kind krank zu Hause bleibt.

Wenn ich über den Campus laufe, meinen Sohn an der Hand, werde ich wie ein Alien von einem fernen Stern angestarrt. Ok, fairerweise muss man zugeben, dass ich an einer Technischen Hochschule studiere, und Frauen sind hier sowieso rar.

Kinder gibt es aber gar keine

Aber wenn man dann den Hörsaal betritt, geht ein Leuchten über die Gesichter der Anwesenden. Wir sind vielleicht fremde Wesen vom unendlich fernen Stern, aber ein echtes Kind mit großen, blauen Kulleraugen und einem niedlichen Lachen, ringt selbst dem grummeligsten Professor ein Lächeln ab. Dabei war der erst skeptisch gewesen, ob das mit einem Kind in der Vorlesung so gut klappt. Und wehe, wenn er zu laut ist, dann müsse ich natürlich raus. Aber wenigstens hatte ich vorher gefragt (nicht, dass ich eine Wahl gehabt hätte: wenn er anders betreut werden könnte, nehme ich ihn natürlich nicht mit!).

Alsbald sind auch alle Studenten damit beschäftigt, sich Apfelschnitzer oder selbst gemalte Bilder aufschwatzen zu lassen. Ob das dem individuellen Lernerfolg zuträglich ist?

Ehe man doch wegen zu viel Störens den Raum verlassen muss, bekommt das Kind dann doch die Kopfhörer aufgesetzt und es darf am Laptop einen Film schauen: aber das ist fast ebenso viel Ablenkung, wie das kindliche Gebrabbel. Immerhin wollen jetzt alle mitschauen! Und wenn er dann gluckst, weil eine animierte Maus einen Purzelbaum schlägt, lockert das die Stimmung im ganzen Raum.

Nur die Mutter ist angespannt. Mütter sind das immer.

Ob das noch okay ist, oder war das Lachen schon zu laut? Kann ich mein Kind eigentlich so viel Fernsehen lassen? Und was mache ich, wenn der Clip vorbei ist? Wie lange bleibt er noch still? Man wird immer unruhiger und abgelenkter – nach 90 Minuten ist man fertig mit den Nerven. Dabei verabschiedet sich der Professor mit einem Lächeln und lädt den Sohn in eine weitere Vorlesung ein. Allerdings erst, wenn er größer ist. Die Kommilitonen sind auch alle gut gelaunt.

Nur die Mutter ist angespannt. Wie immer.

Also noch schnell in die Mensa, einen Schokomuffin kaufen. Oder zwei.

Auch hier lächeln die Leute. Klar, ein Kind in einer Universität ist ungewöhnlich. Trotzdem scheinen ihm alle am liebsten über den Kopf streicheln zu wollen. Es gibt sogar einen Schokoriegel geschenkt.

Draußen dämmert es aber schon. Als Mutter will man ja nicht zu spät zu Hause sein, damit es rechtzeitig Abendessen gibt – oder war der Muffin das jetzt? Darf man einem Kind so spät noch Süßes geben? – und der Kleine dann früh ins Bett kommt. Wie es sich eben gehört.

Also los, Beeilung!

Zu Hause angekommen, Kind glücklich und mit verschmierten Schokofingern, erklärt, dass es am liebsten jeden Tag mit in die Uni kommen würde. Man selbst sagt dazu nichts. Aber als es dann endlich im Bett ist und die Anspannung von einem abfällt…

Ja, eigentlich war der Tag gar nicht so schlimm. Eigentlich waren alle freundlich. Zu mir und meinem Sohn.

Richtig Familienfreundlich. Und aus Hochstühlen ist er eh schon heraus gewachsen.

Die Mutter ist nicht mehr angespannt.

Manchmal stresst man sich selbst mehr, als andere. Manchmal reicht es, wenn die anderen lächeln und man das Lächeln zurück gibt. Dann zählen nicht familienfreundliche Zertifikate oder Angebote auf einer Strichliste.

Sondern der Mensch.

Ob nun Kommilitone, Professor oder Mensaköchin. Familienfreundlich ist, was man daraus macht. Sicherlich gibt es noch einigen Bedarf, Kinder müssten alltäglicher im Hochschulalltag werden. Eben keine Wesen von einem fernen Planeten. Aber die Bereitschaft, sie freundlich aufzunehmen, ist da. Also sollte man selbst einmal durchatmen und dann den neuen Tag wuppen. Klappt schon, hat immer irgendwie geklappt – und heute sogar richtig gut!

Bildquelle: pexels

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