Wie bringe ich Eltern bei, dass ihr Kind dämlich ist? - Studiblog
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Wie bringe ich Eltern bei, dass ihr Kind dämlich ist?

Wie bringe ich Eltern bei, dass ihr Kind dämlich ist?

Es ist die wohl bedeutendste der vier Säulen der Schulpädagogik. Unter „Bilden, Fördern, Erziehen und den Eltern erklären, dass ihr Kind auf keinen Fall hochbegabt ist“, sticht letzteres an Relevanz und Frequenz im Lehrerberuf klar heraus. Denn alle Eltern halten ihre Kinder für das großartigste Stück Mensch, das jemals aus einem zerfetzten Kondom resultiert sein kann. Das Geschrei ist am Ende natürlich umso kläglicher, wenn die größte Errungenschaft des Blags ein likeloser Gastbeitrag bei vice bleibt…

Albtraum Elternsprechtag

Ich klebe an meinem Bettlaken. Nicht was ihr wieder denkt. Schweißgebadet erwache ich von meinem Uralbtraum: Ich bin verbeamtete Lehrkraft an einem angesehenen Gymnasium und begrüße ein schauerliches Pärchen zum Elternsprechtag. Es ist das klassische Kettenraucherpärchen in Ballonseide und Jogginghosen. Ob der ungenügenden Leistungen des kleinen Brandon-Fritz Junior in den Fächern Englisch und Cybermobbing (ja, eines Tages wird es dieses Fach geben und man wird mich dazu verdonnern, es zu unterrichten), sind die beiden in Sorge und Rage.

„Sie müssen meinen Sohn besser fördern, Herr Wattjes. Dass er mit einem riesigen Hodensack als Nase und Kartoffeln statt Fingern geboren wurde, darf nicht über seinen Intellekt hinwegtäuschen!“, „Die kleine Schwuchtel ist hochbegabt, ich schwör’s!“, schwärmen die Ehepartner über ihr Erzeugnis. Fakt ist, dass die kleine Schwuchtel alles andere als hochbegabt gewesen sein kann. Denn Traum-Jann Wattjes hadert. Er hatte in der Uni gelernt, Eltern nie direkt sagen zu dürfen, dass es sich bei ihren Kindern um recyclingbedürftige Vollidioten handelt.

Man müsse verkaufen können, dass diese aus Gründen der Aufmerksamkeit, Volition, Motivation oder kurz Pubertät an Aufgaben scheitern, die andere Gleichaltrige beim Scheißen mit einer angespitzten Klobürste lösen könnten. „Naja, ähm, er malt in seinen Englischklausuren Bilder von kotzenden Ameisenbären, was nach meinem Kenntnisstand nicht einmal biologisch korrekt ist. In Cybermobbing ist er sogar so schlecht, dass Facebook ihm Selbsthilfegruppen gegen Suizid vorschlägt.“ Die Frau rotzte ihrem Gatten zur Beruhigung einen dicken Qualli in den Mund, den er genüsslich lutschte. Der Mann unter dem fettigen Vokuhila war nämlich völlig außer sich: „Was fällt Ihnen ein?! Das ist doch nicht seine Schuld! Ich wette, das waren richtig schöne Ameisenbären! Sie geben dem kleinen Pissgesicht sofort eine 2-, sonst zieh ich mich aus!“, „Nein, bitte, NEIN!“…

Lehrer sein ist hart

Schweißgebadet und voller Angst wache ich auf. Alle sagen immer, Lehrer sein ist härter als Gehalt und Urlaubstaganzahl vermuten lassen, aber auf sowas muss man doch nicht gefasst sein. Oder?!

Eines ist völlig klar: Ich müsste schnell lernen, wie ich jemandem beibringe, dass sein Blag dumm wie ein Profisportler ist. Und das noch bevor ich Lehrer bin. Und am allerbesten noch bevor dieser Text zu Ende ist. Dramaturgie, dies, das, Ananas.

Einige Tage später sollte mich dahingehend das zweifelhafte Glück eines Anrufes von meinem Freund Julian ereilen.

Der erhebliche Nachteil daran, der jüngste und einzige Single in seinem Freundeskreis zu sein, besteht neben der Abstinenz anderer Alkoholiker vor allem in der Asymmetrie der Lebensplanung. Julian und Lisa, als anstrengendstes Pärchen 2013 mit dem goldenen Tandem ausgezeichnet, sind nun seit wenigen Semestern Eltern des kleinen, (übergewichtigen) Pierre-Emerick.

Dieser sei nicht nur „unnormal süß“, sondern allem Anschein nach auch der cleverste Säugling außerhalb der FOX Broadcasting Company. Was er mit Rechenschieber und Buchstabenklötzen mache sei genauso phänomenal wie  seine verfrühten Fähigkeiten der Fortbewegung – seinen Anus über den Boden zu ziehen wie ein Hund mit Wurmbefall. Seine geistreiche Artikulation – wenn er niest, formuliert er offenbar ein leises „Headshit“ – füllt das Bewerbungsformular von Mensa International nahezu automatisch aus.

Babysitten

„Naja, wir wollen morgen ins Pornokino und…”, eröffnete Julian seine unbescheidene Bitte, während im Hintergrund Lisas irrational hohe Stimme ertönte, “Was sagst du?.. Das ist Jann doch egal… Mhm ok… Wir gehen tanzen. Und wir brauchen jemanden, der auf unser kleines Wunderkind aufpasst. Und obwohl ich weiß, dass ihn das für den Rest seines Lebens schädigen wird, dachte ich mir: ‚Lass uns Jann fragen, der ist einsam und langweilig.'“, „In der Moderne sagt man eher ungesellig und beschäftigungsflexibel. Aber Tatsache, ich habe morgen [und die nächsten 5 Jahre] nichts vor“, antwortete ich halbherzig.

„Kannst du denn gut mit Kindern?“, fragte er eher rhetorisch, „Kinder lieben mich.“ Kinder hassen mich. Ok, ziemlich viele Minderheiten hassen mich. Aber denen gebe ich rationale Gründe dazu. Kinder und ich haben einfach keine gemeinsamen Gesprächsthemen. Und wenn doch, arten die Konversationen aus, weil sie nicht einsehen, dass ihre Warri-Skillung komplett Banane ist und die neuen Pokémon in etwa die Coolness der neuen Linkin Park Alben haben.

Ich nehm euch die Illusion!

Aber hier, in einer Doppelhaushälfte eines Paderborner Vorortes, lag nun endlich meine Chance, zwei Erziehungsberechtigten die Illusion ihres hyperintelligenten Heranwachsenden zu nehmen. Ich musste es nur noch wecken und nach meiner hochwissenschaftlichen Methodik untersuchen. Es sollte – das weiß ich nun – zu einer ungewollten Erkenntnis führen. Die traurige und niederschmetternde Wahrheit ist: Das Kind ist dumm. Nicht ein bisschen dumm, nicht katholisch-dumm, sondern DUMM, in Großbuchstaben. So dumm, dass es nicht mal witzig ist. Keine Ahnung wie Babys damals in freier Wildbahn überlebt haben.

Dieses Exemplar erkannte die Geste, mit den lieblichen Klängen Slayers geweckt zu werden, nicht nur nicht an, sondern verfiel in wirres Geschrei, meine Person nicht auf das Mindeste beachtend. Als es sich dann Mitte des dritten Albums beruhigte, setzte ich es vor einen simpel gehaltenen Intelligenztest, den es gierig verschlang. Auf die Fragen meines aufwendig vorbereiteten PPP-Quizes (Politik, Physik, Pneumatik erschienen mir für seine Altersklasse am Repräsentativsten) antwortete es trotz diverser Belohnungs- und Drohungsaussprechungen nicht.

Irgendwann zwischen einer lösbaren Aufgabe der Quantenmechanik und einer allgemeinen Frage zur Außenpolitik Wiktor Tschernomyrdins, wandte Pierre-Emerick sich ab, um den inzwischen hellgelben Intelligenztest wieder auf dem Teppichboden zu verteilen. Ein erschreckendes Bild menschlicher Überschätzung und Verdauung. Sein mit ABC bedruckter Strampelanzug erwies sich als Potemkinsches Dorf, nicht einmal in seiner Königsdisziplin, den Buchstabenklötzen, konnte das Menschenjunge überzeugen. Denn das letzte Mal, als ich nachgeschlagen habe, war kroxldyphic nicht die Antwort auf cos(3x) = cos³x – 3 cos x sin²x.

Wie bringe ich Eltern bei, dass ihr Kind dämlich ist?

Psychisch lädiert quetschte ich mich an den zurückgekehrten Eltern vorbei durch die Tür. „War der Kleine brav, hat er geschlafen?“, ich schaute Lisa und Julian abwechselnd an, mein Wissen um ihr fürchterliches Geheimnis vermittelnd, „Es ist ok. Ich werde es niemandem sagen (nur in Blogs veröffentlichen). Aber bitte, steckt es nicht in eine Schule. Versteckt es… oder werft es in den Fluss.“

Aus: „Jann Wattjes unendliches Wissen“

Bildrechte: jrdorkin

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Über Jann Wattjes

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    Ich sage es, wie es ist: Wenn man ein Elterngespräch mit den Erzeugern eines minderbemittelten hochpubertären Hormonbombers führen muss, gibt es drei Regeln:

    Drüber hinwegsehen, totschweigen und überspielen. Eltern dürfen nicht wissen, dass ihr lieber Sohn/zuckersüßes Töchterchen doch eher in die Gemeinschaftsschule und nicht auf das Elitegymnasium gehört, wo der Spross dann sowohl bessere Noten als auch mehr Lernfreude aufgrund der fehlenden Frustrationserlebnisse hätte.

    Und warum muss man die Vogelstrauß-Taktik fahren, obwohl man es gar nicht will?
    1. Eltern wollen das nicht hören, dass ihr Kind möglicherweise nicht der nächste Einstein ist.
    2. Eltern wissen, dass das Kind ohne Abitur in der Tasche (egal, ob mit nem Schnitt von 4,0) NICHTS, aber auch REIN GAR NICHTS wird. Es kann dann nämlich nicht Jura studieren wie der Papa oder endlich den nicht verwirklichten Traum von Mama leben und eine berühmte Künstlerin der Postmoderne werden.
    3. Eltern wissen auch, dass der Lehrkörper, der ja als Berater und Wissensvermittler jeden Tag das Leben vieler kleiner Menschen beeinflusst (positiv wie auch negativ), absolut keinen blassen Dunst davon hat, welche heimlichen Talente noch in der lebendigen Kochwurst schlummern, die sie liebevoll „ihr allergrößtes Wunder“ nennen. Dass das kleine „Wunder“ aber im Unterricht nur die Schnipsel vom Anspitzer isst, anstatt sich produktiv zu beteiligen, ist nur eine Hochbegabung von vielen, nämlich die des menschlichen Müllschluckers.

    Naja, so sind sie, die lieben Erziehungsberichtigten.



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