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Meine göttliche Erscheinung auf einer Studentenparty

Eigentlich hab ich es ja nicht so mit den Frauen

Als selbsternannter Zyniker stelle ich das schöne Geschlecht gerne unter den Generalverdacht der Oberflächlichkeit und des Opportunismus.

Natürlich weiß ich, dass ich damit nicht ganz fair bin, aber ich bin begeisterter Evolutionsbiologe und sehe darin quasi den einzigen Grund, dass unsere Art die ersten Jahrtausende ihrer Existenz überstanden hat. Nun ja, muss ich meine Meinung revidieren? Wahrscheinlich ja, aber darum soll es im Folgenden eigentlich gar nicht gehen.

Ich hatte nämlich so was wie eine Epiphanie. Für diejenigen unter euch, die nicht wissen, was das ist: Eine Epiphanie ist eine göttliche Erscheinung. Und nein, es folgen hier jetzt keine schwülstigen Abhandlungen über die Großartigkeit einer einzelnen Trägerin eines wahrhaftig diploiden Chromosomensatzes. Nein, diese Frau war eher wie eine griechische Göttin, die etwas Bestimmtes repräsentiert, man denke an beispielsweise Athene oder die Töchter des Apollon.

Wie also so ein griechischer Held am Scheideweg, dem bald göttlicher Beistand erscheinen sollte, begab ich mich eines Samstagabends Anfang Dezember nichts ahnend in ein nicht so schickes Viertel einer großen Handelsstadt, ganz nahe meiner Geburtsstätte, um der Geburtstagsfeier der Freundin eines alten Schulfreundes von mir beizuwohnen. Die Party nahm ihren gewöhnlichen Lauf und ich amüsierte mich gar nicht schlecht, wobei man wissen muss, dass ich mich eher selten zu solchen Veranstaltungen begebe und selber meinen Geburtstag schon lange nicht mehr feiere. Einfach aus Faulheit und Misanthropie. Just in dem Moment als es langweilig zu werden begann sollte sie nun endlich auftauchen. Ich hatte mir gerade bei dem Versuch, ein ausgegangenes Teelicht zu entzünden, etwas Wachs in den Schritt geschüttet und war nun dabei, obszöne Bewegungen unter dem Tisch zu vollziehen, um die Spuren des Missgeschicks von dem liebgewonnnenen Textil zu entfernen.

Da strahlte sie mich plötzlich an, wie sie vermutlich bereits jeden im Raum angestrahlt hatte. Diese wahnsinnig positive Ausstrahlung schockierte mich dermaßen, dass ich mich zu einem ungewohnt distanzierten „Hi!?“hinreißen ließ, um meine Verzückung bloß nicht zu zeigen. Und dann war sie schon wieder weg und quatschte mit irgendeinem Typen, der irgendwie wie ein etwas zu fetter Johnny Depp aussah. Naja, dachte ich mir: Scheiß drauf, wie immer. Also beschäftigte ich mich die nächste Stunde ausgiebig damit, bei einer Runde herrlich sinnfreiem Looping Louie meinen Verstand zu betäuben. Ausreichend betrunken lieferte ich anschließend ein halbgares „Unchain my heart“ bei der Karaoke ab und beschloss, meine lädierten Stimmbänder nun ein wenig zu schonen und begab mich in eine stille Ecke.

Dann war sie plötzlich wieder da. Sie erzählte mir, dass sie keinen Alkohol tränke, weil das ihr Channeling stören würde oder irgend so ein Bockmist. Aber gut, als Mediziner ist mir jeder Grund recht, aus dem Leute nicht rauchen oder trinken – mich selbst natürlich ausgenommen. Es lebe die Bigotterie! Es stellte sich also heraus, dass ich da ein echtes Blumenkind im klassischen Sinne vor mir hatte, dabei nicht außergewöhnlich schön nach meinen Maßstäben, aber doch von so einer wunderbaren Unbeschwertheit erfüllt, dass sie quasi von innen leuchtete. Betreffende Frau verwickelte mich nun in eine lange Diskussion zum Thema Freiheit, in deren Zuge sie mir eröffnete, dass sie am nächsten Tag nach La Palma fliegen würde, um die kommenden Wochen bis Monate in irgendeinem ominösen Hippiedorf zu verbringen und zu töpfern oder so. Der Winter in Deutschland würde sie ja in ihrer Freiheit einschränken. Ach so.

So etwas würde sie ständig machen, sich treiben lassen und derartiges. In den Tag hineinleben. Und je länger sie auf mich einredete und ich noch dagegenhielt, dass Freiheit ja nur etwas für die Starken sei und die Gesellschaft ohne so etwas wie Routine und Verpflichtungen nicht funktionieren würde, desto unsicherer wurde ich. Dazu muss man wissen, dass ich gerade am Ende meiner Ausbildung zum Arzt stehe und im besten Begriff bin, die letzten Reste meiner Jugend in einer gnadenlosen Tretmühle zu verbrennen.

Es wurden Erinnerungen wach an die Zeit nach meinem Abitur, als ich für einen vollen Monat die Via Alpina ging und mich nichts anderes interessierte als die Aussicht hinter der nächsten Bergkuppe. Als ich Bücher las, die von Zen-Buddhismus, Existenzialismus, Laotse und Konfuzius handelten. Als ich echt noch die Muße hatte, einen Sinn zu suchen zwischen all dem Leid und Schmutz und der Falschheit des Menschseins. Das erfüllte mich mit Wehmut. Um den Rest der Geschichte kurz zu machen: Am Ende erkannte ich die Seelenverwandtschaft zu diesem wundervollen Wesen und wir verbrachten den restlichen Abend mit Tanzen (ich tanze eigentlich nie, ich verabscheue es) und Küssen (Sie hat mir natürlich nicht gesagt, dass ich auch darin scheiße bin). Auf die Frage, ob sie so etwas wie eine Göttin sei, sagte sie mir, dass in jedem Menschen so etwas wie eine Gottheit stecken würde, die meisten sie aber nicht hinausließen. Ich brachte sie brav nach Hause – respektive dahin, wo sie gerade untergekommen war – und werde sie aller Wahrscheinlichkeit nach nie wieder sehen. Sie sagte mir noch, dass sie wahrscheinlich geschickt wurde (von wem, traute ich mich nicht zu fragen), um mich zu befreien. Am besten solle ich doch gleich mit ihr nach La Palma kommen.

Ich gebe zu, ich habe eine halbe Sekunde darüber nachgedacht.

Photo Credit: AlexandraGalvis , cc

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