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Studium vs. Ehrenamt

Ehrenamtliches Engagement ist vielen Akteuren in unserer Bildungslandschaft sehr wichtig. Wer genügend Engagement nachweisen kann, bekommt an einigen Universitäten (z.B. der Leuphana Universität Lüneburg) eher einen Studienplatz und auch bei den Bewerbungen für Stipendien und der Verlängerung der Bafög Laufzeit ist ehrenamtliches Engagement eines der entscheidenden Kriterien. Sich ehrenamtlich zu engagieren lohnt sich also. Viele Studierende engagieren sich hochschulpolitisch an ihrer eigenen Uni, so wie ich.

Ein Ehrenamt erfordert meist einen sehr hohen Zeitaufwand, kostet zusätzlich viel Kraft und meistens direkt oder indirekt Geld. Ehrenamt und Studium unter einen Hut zu bekommen scheint daher eine große Herausforderung zu sein. Wenn sich das Engagement, wie bei mir, auf die eigene Universität bezieht und z.B. im Studierendenparlament oder in der Studiengangsvertretung stattfindet, wird das eigene Handeln von vielen Seiten kritisch beobachtet. Kommiliton*innen fangen an sich auf mich zu verlassen und mir selbst kommt es so vor, dass plötzlich die Aufgaben neben dem Studium mindestens genauso wichtig sind, wie das Studium selbst. Es gibt beispielsweise Situationen, in denen sich Kommiliton*innen an mich wenden, weil die Prüfungsleistung in einem Modul subjektiv unangemessen scheint. Als engagierter Mensch möchte ich mich dann intensiv um dieses Anliegen bemühen. Ich versuche mein eigenes Netzwerk zur Verfügung zu stellen, um genauer herauszuarbeiten, ob die Prüfungsleistung wirklich anders sein sollte. Das kostet mich allerdings Zeit. Zeit, die ich eigentlich zum Vor- oder Nachbereiten meiner eigenen Seminare und Vorlesungen eingeplant hatte. Wenn solch ein Fall nur ab und zu auftreten würde, wäre es auch kein Problem, aber viele studentische Vertreter*innen werden bestätigen, dass dies mit der Zeit eher zur Regel als zur Ausnahme wird. Je besser ich mich in meinem Ehrenamt bewährt habe, desto mehr schien es mit meinem Studium zu Konflikten zu führen und sich negativ auf meine Leistungen auszuwirken. Doch das muss nicht sein. Im Zweifel solltet ihr euch immer für euer Studium entscheiden, denn Studium geht vor.

Die Zeit die euch dann noch für das Ehrenamt bleibt, lohnt sich auch für euch selbst. Durch den ehrenamtlichen Einsatz und die direkte Beteiligung an den eigenen Strukturen entstehen beispielsweise viele Vorteile, die einem das Studium an anderer Stelle wieder erleichtern. Es ist zwar nervig, ständig wegen Unklarheiten zur Prüfungsordnung von Kommiliton*innen angesprochen zu werden, aber es ist auch von unschätzbarem Vorteil seine Prüfungsordnung besser zu kennen, als die meisten Professor*innen dies tun. Viele Lehrende messen die Anforderungen an den Workload oder die Prüfungsleistung eher an eigenen Vorstellungen und Wünschen, als sich an den geltenden Ordnungen und Vorschriften zu orientieren. Doch da sich meistens auch niemand ernsthaft und an der richtigen Stelle darüber beschwert, können sie dies auch ungestraft tun. Nur wer sich gut auskennt, kann die eigenen Strukturen auch mitverhandeln.

Der Ehrenamtliche Einsatz hat aber auch noch weitere Vorteile. Zu wissen wie vielfältig die Probleme und Herausforderungen der eigenen Kommiliton*innen im Studium sind und sie immer wieder dabei zu beraten und an andere Ansprechpartner*innen zu verweisen, lässt mich viel entspannter und gelassener mit den eigenen Herausforderungen umgehen. Und in den meisten Fällen sind es nicht die Anforderungen des Studiums direkt, die mich so stressen, sondern die eigenen Sorgen, Ängste und Unsicherheiten, die ich mit diesen Anforderungen verknüpfe. Ohne diese Sorgen, Ängste und Unsicherheiten, lässt sich das Studium an vielen Stellen oft sehr gut bewältigen.

Wer sich ehrenamtlich für sein Studium engagiert, studiert also trotz der Mehrbelastung unter Umständen entspannter. Der ehrenamtliche Einsatz wird so ein Teil des Studiums und zu einem wichtigen Bestandteil der Selbstbildung. Wer für sich eine gute Mischung findet, für sie*ihn heißt es dann nicht Studium vs. Ehrenamt sondern Studium und Ehrenamt. Zu einem Studium gehört ohnehin mehr, als der Erwerb von Credit Points. Also, engagiert euch!

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Über Franz Vergöhl

Ich realisiere gerne gemeinsame Ideen mit anderen Menschen und liebe es neue Dinge auszuprobieren und aufzubauen. Ich versuche immer die verschiedensten Interessen der beteiligten Personen zu erkennen und zu berücksichtigen, dadurch will ich einen positiven Beitrag bei der Verbesserung von Ideen und Strukturen leisten. Als Student des Lehramts an Berufsbildenden Schulen - Fachrichtung Sozialpädagogik mit dem 2. Fach Politik, interessiere ich mich sehr für die Schnittmenge aus diesen Bereichen. Hierzu bin ich auch immer auf der Suche nach interessanter Literatur, die mich weiterbildet. Im Verein VEbBS versuche ich, gemeinsam mit Freunden, diese Schnittmenge deutlicher Herauszuarbeiten und zu stärken.

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