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Liebe EU, ich möchte dir was sagen

Liebe Europäische Union,

ich denke wir sollten uns mal ein bisschen unterhalten. Neulich, da habe ich ein paar Neuntklässlern probiert zu erklären wer du eigentlich bist und wie das so funktioniert mit dir und mir und uns. Nicht was du jetzt denkst, Neuntklässler haben das eh immer nicht so einfach, die Mädels kichern viel, die Jungs denen der Stimmbruch die Stimme genommen hat, schreien heiser durch die Gegend und so ein Klassenraum ist nicht weniger mit Hormonen gefüllt als ein liebeshungriger Löwe im Zoo, der seine Geliebte nur durchs Fenster beobachten kann.

Die Schülerinnen und Schüler aber haben sich trotzdem ein bisschen Mühe gegeben und ich glaube sie haben einiges verstanden. Sie erläuterten deinen Aufbau und haben ein buntes Plakat mit all deinen Institutionen und Gremien gemalt. Sie haben sich informiert was TTIP ist und sie erklärten dein Demokratiedefizit und schlugen Alternativen vor. Keine die wir noch nicht kennen, du weißt ja selbst, aber einige Gesichter füllten sich mit Interesse und manch eine Stirn verzog sich zu einem Runzeln. Wir haben auch über deine Zukunft gesprochen und darüber, dass Flüchtlinge irgendwie ein großes Problem gerade sind. Das man so allerlei hört und gar nicht mehr so richtig weiß, was man noch glauben soll oder nicht und was jetzt richtig ist oder falsch oder besser oder schlechter. Ich habe den Schüler gesagt sie sollen ein bisschen recherchieren und Informationen suchen und nach einiger Zeit konnte ich ihre Köpfe rauchen und ihre Gesichter lächeln sehen, über die Erkentnisse, die sie erlangen konnten. Sie sagten: „Es gibt viele verschiedene Ursachen warum Menschen ihr Herkunftsland verlassen und in die EU flüchten, einige davon, hat sich die EU ganz selbst zuzuschreiben, weil sie nämlich subventionierte Hühnchen, zum Beispiel nach Afrika exportiert und die Preise der Bauern dort unterbietet, so dass viele davon pleite gehen.“ Nun, wir wissen beide, dass dort noch einige komplexere Faktoren mit drin stecken, aber du musst ihnen lassen, dass sie nicht ganz Unrecht haben. Sie überlegten, wie man mit dieser großen Zahl an Menschen, die momentan zu uns kommen, umgehen sollte und wie man ihnen helfen könnte. Sie mal zu sich einladen und vielleicht mit ins Kino zu nehmen, muss ja ziemlich langweilig sein den ganzen Tag in so einer Flüchtlingsunterkunft. Vielleicht könnten sie auch mit zum nächsten Fußballspiel kommen oder spielen selber auch. Und was hast du, liebe EU damit zu tun, habe ich sie gefragt, was sind deine Aufgaben. „Ich glaube das ist schwierig, wenn jetzt alle Leute immer in ein Land kommen, man müsste das ja vielleicht ein bisschen aufteilen“, war ihre Antwort, in der sie sich alle einig waren. Viel zu schnell war der Unterricht dann auch vorbei und mit einigen Gedanken und Visionen entließ ich sie in die Pause. In der Pause da darf gelästert und gezickt, geschubst und gerauft, geknutscht und heimlich geraucht werden. Da darf man mal rumalbern oder ganz cool sein, sich irgendwie erwachsen fühlen oder doch ganz klein. Wahrscheinlich haben sie dich dort schon wieder vergessen, aber das ist in Ordnung wenn man 14 ist und selbst nicht genau weiß wo man gerade steht.

Du aber liebe EU, bist eigentlich nicht mehr 14 und deshalb müssen wir heute reden.

Wenn ich dich so anschaue, dann bist du schlimmer als ein Pausenhof voller pubertierender Jugendlicher. Du bist nicht nur zickig sonder auch noch stur, entziehst dich nicht nur deiner Verantwortung sondern schiebst lieber gleich jemand anderem die Schuld in die Schuhe. Der eine schreit nach Obergrenze, der andere nach Quoten, ein mancher hält sich lieber ganz raus oder orientiert sich gleich neu. Man diskutiert nicht mehr, man beschuldigt, man hat keine Nerven zu argumentieren, boa, du hast eh keine Ahnung.  Du ziehst nicht nur einmal heimlich an der Zigarette, du flüchtest dich nach rechts, und du scheißt nicht nur auf die Meinung deiner Eltern sondern auch auf die aller anderen.

Liebe EU, jetzt hör mir mal zu. Du bist ein System „suis generis“ gemacht von denen, die du bereicherst und gestaltet von uns, die wir gemeinsam mit dir Fortschritte und Gemeinschaft erleben. Wir sind gewachsen und erwachsen geworden, wir haben uns gestritten und versöhnt und Krisen bewältigt. Was ist los mit dir, dass du plötzlich vergisst wer du bist? Wo ist das Europa hin, welches sich zusammen setzt und eine Lösung findet? Seit wann tolerieren wir diese bockigen Alleingänge und verschließen selbst auch nur die Augen, vor dem was ist und kommt?

Liebe EU, du bist erwachsen und ich bitte dich, halte für einen kurzen Moment inne und krieg dich wieder ein. Ein Problem wie die Flüchtlingsproblematik, dass dich und mich betrifft, können am besten auch immer noch du und ich, wir gemeinsam lösen.

Das wollte ich dir sagen.

Also, auf die Zukunft!
Photo Credit: theglobalpanorama , cc und S.Hart Photography, cc

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