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Jemand fehlt…

Um mich herum hunderte singende und tanzende Menschen. Bierkrüge klatschen aneinander und die Freude schwappt über. Wasen Baby!

Ich bin dabei. Ich tanze mit. Ich gröhle, feiere, lache.

„Ein Prosit, ein Prosit der Gemütlichkeit…die Krüge hoch!“

Die zwei Liter Bier in meinem Körper drücken auf meine Blase und als ich mir meinen Weg zum Klo freidrücke und den ganzen Trubel von außen betrachte, besucht es mich wieder:

Dieses komische Gefühl. Ein Mix aus Traurigkeit, Freude und Sentimentalität.

Dieses Gefühl, dass eigentlich alles stimmt – und doch irgendetwas fehlt.

Es fehlt nicht etwas, es fehlt jemand

 

In den letzten zwei Monaten hat mich dieses Gefühl immer wieder erfasst. Manchmal inmitten eines schönen Moments, manchmal nach einem  langen Arbeitstag im Bett und manchmal einfach, wenn ich mit meinem Fahrrad durch die Stadt fuhr.

Plötzlich ist es da.

Es kommt ohne Voranmeldung durch die Hintertür und löst einen Schmerz aus, der eigentlich gar kein Schmerz ist und trotzdem irgendwie weh tut – ein Phantomschmerz halt.

Anfangs konnte ich nicht einordnen, was genau dieses Gefühl ist. Ich spürte nur, wie es mich auf einmal aufsog und mich dann für einige Sekunden abwesend, nachdenklich und manchmal tieftraurig werden ließ. Bevor ich genau sagen konnte was es war, war es schon wieder verschwunden.

Ich habe lange gebraucht, um herauszufinden, was mir fehlt und heute weiß ich, dass mir nicht etwas fehlt – sondern jemand.

Jemand, der auf der Bierbank neben mir steht und in dessen Hand ich halte beim Nachhause-torkeln.

Jemand der da ist, wenn ich nach einem anstrengenden Tag angeschlagen nach Hause komme und fragt, wie es mir geht oder mich einfach in die Wärme seiner Umarmung eintauchen lässt.

Jemand, der mich voller Liebe und Freude anblickt, wenn du eine tolle Neuigkeit hast und dir das Gefühl gibt, dass Glück wirklich nur Glück ist, wenn man es teilt.

Jemand, der mich mal so richtig abknutscht voller lauter Begeisterung.

Gestern Abend, als ich meine abendliche Runde im Park gedreht habe, um meinen Kopf frei zu bekommen, habe ich es wieder gespürt, dieses Gefühl, dass jemand fehlt.

Das Ohr, mit dem ich meine Geschichten und Erfahrungen teilen kann. Die Stimme, die mich beruhigt und zum Lachen bringt. Die Augen, die mich verständnisvoll anschauen und das Lächeln, das mir Auftrieb gibt. Der Geruch, der mich an gute Momente erinnert und die Hände, die mir Wärme geben.

Der Schoß, in den ich meinen Kopf betten kann, ganz selbstverständlich – und die Hand, die mir dabei sanft über den Kopf fährt, während ich loslassen und mich fallen lassen kann.

Jemand, der mir sagt „Gut gemacht!“, wenn ich etwas erreicht habe.

Jemand, der sagt „Wow, du siehst heiß aus!“ oder der mir zumindest versichert, dass mein Körper besser aussieht, als der Körper von Brad Pitt in Troja, auch wenn ich das nur schwer glauben kann.

Manchmal fehlt es mir jemanden zu haben, mit dem man sich an Regentagen unter der Decke festkuscheln kann, um gemeinsam zu beschließen, dass man das Bett heute nicht verlassen wird, sondern einfach liegen bleibt, um schlecht synchronisierte, alte Filme zu schauen. Und jemand, der an Sonnentagen alles stehen und liegen lässt, um noch mit mir irgendwo hin zu fahren, egal wo, bis die Sonne blutig rot am Himmel untergegangen ist und wir schon ganz müde geworden sind vor lauter Glück.

Eine Schulter, an die ich mich anlehnen kann, wenn mein Leben mal wieder nicht so läuft, wie ich es mir vorgestellt habe. Weil sie mich erkennt und ich mich nicht verstellen oder erklären muss. Weil ich weiß, dass ich den Menschen vor mir habe, der mich besser kennt, als ich mich selbst.

Es fehlt die, deren Nummer ich als erstes wähle, wenn ich etwas erlebt habe, das ich teilen möchte. Und die umgekehrt auch meine Nummer als erstes wählt, weil sie mich mit derselben Macht liebt, wie ich sie.

Die, die mir Tee kocht und die Vorlesung sausen lässt, um ich gesund zu pflegen, wenn mich die Grippe erwischt hat und ich jammere wie ein kleines Baby. Die, die mir die Hand hält, wenn alles schief geht und die Welt ausschalten kann, wenn es zu viel wird.

Die, die in der Bar mit mir tanzt als würde niemand zuschauen, die auf meinem Gepäckträger mit nach Hause fährt, die sagt „Ja, ich bin dabei“, wenn ich sie frage, ob sie Lust auf ein Abenteuer hat.

Alleinsein ist eine Chance

Was gegen dieses dumpfe Gefühl des Alleinseins hilft?

Ich weiß es nicht, um ehrlich zu sein. Ich habe keine Patentlösung.

Was ich für mich herausgefunden habe ist, dass Alleinsein etwas wirklich Wohltuendes und Heilsames haben kann – wenn wir bereit sind es anzunehmen und zu nutzen.

Im Alleinsein können wir die Erfahrung machen, dass wir in der Lage sind, viele Dinge allein zu bewältigen. Wo wir vielleicht sonst die Hilfe unserer Partnerin in Anspruch nehmen, packen wir nun selbst an. Auch größere Erlebnisse oder Projekte können wir auf einmal allein bewältigen. Das stärkt unser Selbstbewusstsein und den Glauben an uns selbst enorm.

Durch das Alleinsein haben wir Zeit in Ruhe über uns, unser Leben und unsere Ziele nachzudenken, ohne Einflüsse von außen. Wir haben Zeit uns bewusst zu werden, was wir wollen und wie wir es wollen.

Erst wenn wir einmal das Gefühl des Alleinseins und Vermissens erlebt haben, können wir eine Beziehung wirklich wertschätzen und glücklich führen.

Wir sollten also das Alleinsein viel eher als Chance sehen, uns zu entwickeln anstatt zu sehr an das zu denken, was uns fehlt.

Wir sollten dankbar sein für all die tolle Dinge und Menschen, die wir in unserem Leben haben. Wir sollten dankbar für unsere Freunde, unsere Familie, unsere WG-Mitbewohner, unser Studium oder unsere Fußballmannschaft sein. Dankbar sein für die großen und kleinen Dinge in unserem Leben – auch wenn es manchmal schwer fällt im Gefühl des Alleinseins.

Den Fokus auf das Schöne zu lenken und dankbar für die kleinen Momente in meinem Leben zu sein, hilft mir am besten, wenn dieses komische Gefühl mal wieder zu Besuch kommt.

Ich hoffe, dass jeder von uns sein Puzzle irgendwann mit dem letzten Puzzleteil komplettieren kann; dem Teil, das uns komplett glücklich macht.

Bis dahin, lasst uns die Zeit ohne Partner genießen, indem wir das tun worauf wir Bock haben, Dinge unternehmen, die uns begeistern, Menschen kennenlernen, die uns inspirieren, Orte sehen, die wir schon immer sehen wollten und das Gefühl, dass jemand fehlt, akzeptieren.

 

In diesem Sinne:“Ein Prosit, ein Prosit aufs Alleinsein….Die Krüge hoch…”

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Über Pascal Keller

Pascal hat zwar nicht alle Antworten auf das Leben als twentysomething, aber er versucht sie zu finden und damit die Welt zu erobern ;-) In der Zwischenzeit gibt er seine gesammelten Erfahrungen an junge Menschen weiter und hilft ihnen damit, mehr aus ihren Zwanziger zu machen. Vielleicht hilft er auch dir weiter. Erfahre mehr über Pascal und seine Arbeit auf www.pascalkeller.com

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