10 Schritte, um ein echter Pendler zu werden - Studiblog
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10 Schritte, um ein echter Pendler zu werden

Es soll ja Studenten geben, die es auf sich nehmen, einmal pro Woche (es gibt in der Mensa Burger und vielleicht geht man danach noch zur Vorlesung) zur Uni zu pilgern. Zugegeben bei Strecken wie Duisburg – Essen bietet es sich an, mit dem Zug zu fahren. Wohingegen manche Stadtteile in Stuttgart weiter von Stuttgart weg sind als Duisburg von Essen. Darüber hinaus kommt es durchaus vor, dass man nachhause fahren muss (ihr habt keine frische Wäsche mehr) und die Heimatstadt mit dem Zug erreichbar ist. Habt ihr also das große Los gezogen und euch entschieden den Service der Deutschen Bahn zu nutzen, solltet ihr euch physisch und mental auf diese Herausforderung vorbereiten. Viele denken dadurch, dass sie ein Studententicket haben, qualifizierten sie sich als Pendler – doch weit gefehlt. Hier sind die zehn Schritte, ein erfolgreicher Pendler zu werden.

1) Verspätungen
Fangen wir mit dem Angenehmsten an, das die Deutsche Bahn zu bieten hat: Verspätungen. Um dieses kleine Hindernis zu meistern, fahrt ihr am besten einen Tag vorher an euren Zielort und campt dort in einem Zelt. Alles andere ist wahnwitzig und wird euch nicht pünktlich ans Ziel bringen. Falls ihr einen Termin habt bei dem ihr gut und gerne drei bis sechs Stunden zu spät sein könnt (Vorlesung, Familienfeier, Tinder Date) fahrt am selben Tag los. Das Schöne ist nämlich, dass jeder euch verzeihen wird, wenn ihr sagt, dass ihr aufgrund des Zuges verspätet seid. Es ist eine allgemein anerkannte Ausrede zu sagen: Der Zug war verspätet. Die meisten Leute schenken euch sogar noch Mitleid und berichten von ihren eigenen Leideserfahrungen. Gründe für Verspätungen sind übrigens vielfältig: Von Stellwerkstörung, Oberleitungstörung, der allbekannten Fahrzeugstörung sowie der seltenen Türstörung ist wirklich alles mit dabei. Schwere Witterungsbedingungen erschweren das Pünktlich sein zusätzlich. Ich meine ich bin auch jedes Jahr im Dezember/Januar wieder erschüttert, dass es kalt ist und regnet und manchmal sogar schneit. Oder dass es im Sommer warm wird. Nein, das muss man der Bahn lassen, das kommt echt jedes Jahr wieder ganz überraschend.

2) Ticket kaufen
Jedes Jahr geschieht das Unglaubliche. Die ohnehin schon dreisten Ticketpreise werden erhöht. Ich wundere mich jedes Mal aufs Neue, dass das noch möglich ist. Die einzige Option als Studierender, die Deutsche Bahn nutzbar zu machen und nicht doch den Fernbus zu wählen, sind die Sparpreise. Für 19€ kriegt man das Billigste vom Billigsten. Man hat keinen festen Sitzplatz im ICE und die Verbindung ist Zug gebunden. Das ist ein Euphemismus für: Wenn du deinen Anschluss verpasst, hast du Pech gehabt und musst noch ein Ticket kaufen, das dann mindestens dreimal so viel kostet. Wie ich in Punkt 1 erläutert habe, gibt es keine pünktliche Bahn also plant man am besten einen Umstieg von einer halben Stunde ein oder sucht sich einen Zug, der durch fährt. Alles andere wäre wie mit geschlossenen Augen über eine Kreuzung zu laufen. Man weiß, dass man es nicht überstehen wird, aber Naivität und die dumme Hoffnung auf eine höhere Macht, die alles richten wird, verleiten einen, diesen Fehler zu begehen.

3) Den Bahnsteig finden
Ja es ist in der Tat einfacher Gleis 9 3/4 zu finden, zumindest wenn man manche Bahnhöfe betrachtet. Welcher Mensch hatte die Idee jeden Bahnhof in Deutschland anders zu gestalten? Einheitlichkeit würde mir helfen, wenn ich in einer komplett fremden Stadt am Bahnhof stehe und obwohl es nur zwei Gleise gibt keins davon das ist, das auf meinem Ticket steht. Da hilft nur gegen die Wand laufen.
Ein anderer Aspekt ist auch, dass die Gleise gerne mal wechseln. Ganz nach dem Motto: „Wenn du sie nicht überzeugen kann, verwirr sie.“ versucht die deutsche Bahn Kundengewinnung. Wenn man dann von Gleis A zu Gleis B und dann zurück zu A rennt, nur um heraus zu finden, dass der Zug schon ohne einen abgefahren ist, wünscht man sich einfach man würde ein fliegendes Auto haben, um doch noch rechtzeitig anzukommen.

4) Das Einsteigen
Jeder, der mal am Samstagmorgen um zehn Uhr (okay stimmt da schlafen die meisten Studenten aber vielleicht kommt ihr ja gerade von der Party von Freitagabend) von Bochum aus den RE 1 nach Aachen genommen hat, weiß wie das Tor zur Hölle aussieht. Schon auf dem Bahnsteig überkommt euch ein ungutes Gefühl und ihr fragt euch, wieso die alle schon wach sind. Bei der Einfahrt ist der Zug so voll, dass ihr überlegt, ob ihr in Tokio seid. Menschen, Menschen und noch mal Menschen. Wenn ihr also nach einer halben Stunde des Einsteigens im Durchgangbereich des Zuges gelandet seid und euch die Schweißperlen und Blutstropfen von der Jacke wischt, kann ich euch nur gratulieren. Ihr habt die erste Härteprüfung bestanden, um ein erfolgreicher Pendler zu werden.

5) Der Sitzplatz
Wer jetzt denkt, er hätte das Schlimmste hinter sich, irrt sich gewaltig. Ich versuche es mal mit einer Metapher aus der Tierwelt. Wenn man sich auf der Suche nach einem Sitzplatz im Zug befindet, weiß man wie sich Aasgeier fühlen, die über einer viel zu dünnen Gazelle kreisen. Jeder will etwas abhaben, aber nicht alle werden etwas abkriegen. Es ist ratsam, sich möglichst wegversperrend mittig im Abteil aufzuhalten und sich neben eine Person zu stellen, die aussieht als würde sie an der nächsten Haltestelle aussteigen und/oder einknicken, wenn man lange genug böse guckt. Fortgeschrittene greifen zu Krücken, falschen Babybäuchen und Gipsfüßen. Habt ihr einen Sitzplatz ergattert, dürft ihr zum nächsten Schritt übergehen.

6) Make yourself at home
Es sind bei dieser Stufe wirklich keine Grenzen gesetzt, denn jeder tut im Zug das, was er sonst auch zuhause machen würde. Zunächst solltet ihr es euch so bequem wie möglich machen: zieht eure Jacke aus, legt eure Reisetasche und die Jacke möglichst großflächig auf die anderen drei Sitze in eurem Vierer und falls ihr möchtet, zieht eure Schuhe aus. Falls euch jemand fragt, ob da noch frei ist, antwortet mit nein und lackiert eure Fußnägel weiter. Ansonsten gibt es wirklich alles: Die einen kümmern sich um ihre Körperhygiene (schön jetzt riechen wir alle das Vanille impulse Deo), die anderen lesen Texte für die Uni, wieder andere arbeiten an ihrem Laptop und sehr, sehr viele trinken Alkohol. Ein besonderer Fall sind dabei: Fußballfans (sagt ihr seid auch Fan und ihr kriegt ein Bier), Junggesellenabschiede (sagt ihr kauft ein Kondom und kriegt einen Kurzen) und Ü30 Prosecco Trüppchen (fragt nach Prosecco für eure Mutter, die im nächsten Abteil sitzt).

7) Lautsprecherdurchsagen
Das einzige, was eure Ruhe inmitten eurer Habseligkeiten noch stören könnte, sind die gefürchteten Lautsprecherdurchsagen. Manche fragen sich jetzt: Welche Lautsprecherdurchsagen? Setzt eure beats mal ab und stellt euer Handy aus, dann hört ihr sie auch und ich muss nicht mehr mithören wie schlecht euer Musikgeschmack ist. Lautsprecherdurchsagen dienen der Information, wenn etwas (Achtung! DB Fachjargon) außerplanmäßiges passiert. Es gibt eigentlich alles an außerplanmäßigen Ereignissen von ungewollt schwanger werden bis zu einem Abstecher nach Bangkok statt nach Berlin, weil man sich betrunken in den Flieger gesetzt hat. Aber ein außerplanmäßiger Halt in Buxtehude? Ich frage mich warum man sich dann überhaupt eine Zugstrecke und ein komplexes Streckennetz erdenkt, wenn man besagte Strecke dann doch nicht fährt. Oder auch diese Bahnhöfe, die ganz unvermittelt nicht mehr angefahren werden. Manchmal fährt ein Zug auch einfach ohne weitere Umstände ohne Halte bis zum Zielbahnhof. „Entschuldigung, ich wollte in Frankfurt aussteigen, aber musste leider bis nach München durch fahren“ ist ein gar nicht so unechtes Problem wie man vielleicht denkt.

8) Die Mitreisenden
Während der Reise mit dem Zug werdet ihr eine Menge interessanter Leute kennen lernen. Ich möchte mal meine Top drei der nervigsten Mitreisenden vorstellen. Nummer drei belegen Babys, ich meine sie können nichts dafür. Aber jedes mal wenn ich ein Baby im Zug schreien höre, kriege ich Aggressionen. Ich denke mir nur: Nein du hast keine Probleme! Ich habe Probleme! Ich sollte so schreien. Hörst du mich schreien? Noch nicht, aber wenn du so weiter machst, mache ich mit!
Okay und dann die Starrer. Was ist euer Problem? Warum guckt ihr mich zwei Stunden an während wir von Mainz nach Köln fahren? Habe ich irgendwas im Gesicht? Sperma? Bitte sagt es mir doch einfach aber guckt nicht so!
Nummer eins sind und bleiben Menschen, die in der Bahn telefoniere,n und damit meine ich nicht fünf Minuten, um Schatz kurz zu sagen dass man gleich zuhause ist. Nein ich meine die Leute, die eine halbe Stunde über ihre Beziehungsprobleme reden und dann am Telefon Schluss machen während ich mithöre. Oder die Leute die so laut telefonieren, dass ich meine eigenen Gedanken nicht mehr hören kann. Bedanken möchte ich mich allerdings bei dem Herren aus dem RE1 aus Münster, der seine gesamten Kontodaten diktiert hat: Ich habe jetzt endlich den Audi TT. Zu großzügig!

9) Kontrolleure
Es gibt auch nette Kontrolleure, bestimmt. Es gibt bestimmt auch kompetente Kontrolleure. Leider durfte ich solche bisher nicht kennen lernen, sie scheinen wie ein pinkfarbenes Einhorn zu sein (Wunderschön und ich warte darauf, dass ich eins sehe seit ich ca. drei bin, aber es wird nicht dazu kommen). Kontrolleure sind meistens mürrisch, fragen im missbilligenden Ton nach dem Ticket und behandeln jeden, der nicht aussieht wie der Spießbürger No.1 wie einen Kriminellen. Ich meine, wäre ich Kontrolleurin würde ich meinen Frust vermutlich auch an Bahnreisenden auslassen seien wir mal ehrlich.

10) Das Aussteigen
Diese Stufe existiert nicht. Sitzt ihr einmal kommt ihr aus diesen Zug nicht mehr raus. Ihr seid jetzt der Zug. Deswegen achtet darauf, dass die Endhaltestelle immer der Bahnhof ist, an den ihr auch wirklich wollt. Ansonsten landet man gerne ein bis zwei Städte weiter als man ursprünglich wollte. Das ist eine schöne Art mehr von Deutschland zu sehen, aber nicht Sinn dieser Übung. Sollte es keinen Zug geben, der als Endhaltestelle euren Bahnhof hat, solltet ihr Auto fahren.

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Über BubblegumBitch

Ich hab versucht, das Doppelleben abzubrechen, doch bin gefangen in einer Welt zwischen Hörsälen und Abstürzen auf Clubtoiletten. Kann mich nicht entscheiden, ob Hausarbeiten oder Backpacking, Kaffee in der Bibliothek oder Tequila Shots auf Festivals. Bin hin-und hergerissen zwischen Klausurenphase und Nebenjob, WG-Partys und Referaten.

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