Toleranz ist oft eine sehr einseitige Angelegenheit | StudiBlog
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Ein Schachbrett auf denen sich zwei Springer gegenüber stehen zum Thema Toleranz

Toleranz als Sackgasse einer Gesellschaft

Toleranz als Sackgasse einer Gesellschaft.

Toleranz ist nur ein Wort. Damit wäre dieser Text schon zuende, wären da nicht die Wellen, die dieses Wort schlägt: Toleranz in Politik, Toleranz in Gesellschaft, Toleranz bei Religions-, Meinungs- und Pressefreiheit, Toleranz gegenüber Andersdenkenden und so weiter. Überall hört man von der Forderung nach Toleranz. Gerade die Schwulen- und Genderbewegung beanspruchen dieses Wort für sich, massiv unterstützt durch Medien und prominente Gleichgesinnte. Gruppen, die in der deutschen und auch europäischen Gesamtbevölkerung, einen 1-stelligen Prozenanteil ausmachen.

Jeder scheint plötzlich für Toleranz einzutreten, egal ob er/sie vorher von „Intoleranz“ betroffen waren oder nicht. Solidaritätsbekundungen allerorts und zu jeder Zeit. Kein Tag vergeht, an denen nicht eine Gruppe, wie auch immer Benachteiligter, auf die Straße geht und mehr Toleranz fordert. Vorbei scheinen die Zeiten in denen Entertainer Harald Schmidt ungestraft sagen konnte, „jede Randgruppe hat ein Recht auf Diskriminierung“. Klar, würde man vergessen, über eine dieser Randgruppen, z.B. Menschen mit Behinderung, Witze zu machen, würde man diese ja benachteiligen. Toleranz ist schließlich auch ein wichtiger Teil der Gleichstellung, die mindestens ebenso häufig gefordert wird. Man sollte diese beiden Begriffe nur nicht verwechseln!

Welche ethymologische Bedeutung hat eigentlich das Wort Toleranz und was bedeutet es, daraus abgeleitet, tolerant zu sein?

Die reine Definition von Toleranz ist laut Wikipedia die folgende: „Achtung und Duldung gegenüber anderen Auffassungen, Meinungen und Einstellungen.“ Umgangssprachlich geht diese Definition über den reinen Begriff der „Duldung“ hinaus. Was allerdings das oben genannte Problem, der Verwechslung mit dem Begriff der „Gleichstellung/Gleichberechtigung/Gleichheit“, beschreibt und final auch fatal fördert.

Grundsätzlich beschreibt die Toleranz somit, dem lateinischen Ursprung nach, eine reine Duldung, also weder eine Gleichberechtigung, noch ein Verbot der Diskussion der zu tolerierenden Themen. Niemals ist die Toleranz ein Druckmittel, ein Maulkorb, mit welchem man eine ganze Gesellschaft dazu nötigen kann, Dinge für sich als indiskutabel und „normal“ zu akzeptieren, wenn man sie nur oft genug unter falscher Prämisse wiederholt.

Das im Lateinischen abzuleitende Adjektiv „tolerare“ würde dann, übertragen in den heutigen Sprachgebrauch soviel bedeuten wie „ertragen, erdulden, gelten lassen neben anderen Auffassungen“. Somit wäre Toleranz, würde der Begriff nicht absichtlich fehlinterpretiert, eine ideale Basis dafür darstellen, was für Frieden und Einheit in einer Gesellschaft sorgt – eine demokratische, reflektierte Art der Diskussion, in der man sich auf gemeinsame Nenner einigt oder auch nicht. Vorauszusetzen ist hier natürlich eine entsprechende Bildung, die unabhängig macht von all jenen, die die Unwissenden für ihre Zwecke seit jeher missbraucht haben.

Dem entgegen steht der Begriff der Akzeptanz, der eine Steigerungsform der Toleranz darstellt und ein Thema quasi als „gesellschaftsfähig“ definiert, um das mal ganz einfach und bruchstückhaft zu formulieren. Wenn ich etwas akzeptiere, kann ich grundsätzlich gut damit leben und es mir auch durchaus selbst zu eigen machen. Diese beiden Begriffe werden jedoch auf biegen und brechen immer mehr miteinander verschliffen und das ist schlicht nicht möglich! Je mehr man die Gesellschaft wirtschaftlich, kulturell, religiös etc. in die Enge treibt und ihr die Selbstbestimmtheit und die demokratischen Grundwerte der offenen Diskussion, der Meinungsverschiedenheit, des Streits und der Versöhnung etc. entzieht, desto inakzeptabler wird die Gesamtsituation, desto mehr steigt der Druck im Kessel durch diejenigen Dinge, die man nicht mehr aussprechen darf, um der falschen Toleranz genüge zu tun.

Die Geschichte lehrt uns, wie die Eskalationsstufen solcher Entwicklungen aussehen und enden können und auch wer die immerwährenden Profiteure solcher Zustände sind! Teile und herrsche (divide et impera) ist das uralte Prinzip, das uns auf allen Ebenen aufeinander hetzen soll. Zerstöre die Einheit einer Gesellschaft, halte sie arm und dumm und kontrolliere sie dadurch mit Leichtigkeit… .

Toleranz ist heute jedoch nichts weiter als eine einspurige Sackgasse.

Mit dem heute proklamierten Verständnis von Toleranz, beschreibt man den Zustand der Gleichschaltung von Meinungen und Handlungsweisen, verbunden mit dem Verbot dies öffentlich zu diskutieren, geschweige denn zu kritisieren. Zu tolerieren ist alles und jeder, stellt man seine eigene, individuelle Meinung dagegen und sagt „nein danke, das ist nichts für mich, das sehe ich anders“, ist man bereits intolerant und wird verfolgt. Hierfür reicht bereits ein Verdachtsmoment oder eine „falsche“ Formulierung in der Wahrnehmung des Gegenübers. Wie nannte man ein ähnliches System im Mittelalter noch gleich? Achja, Inquisition.

Vergessen wir nicht – Toleranz ist das „Ertragen“ von anderen Meinungen, das „Aushalten“ der Tatsache, dass jemand Dinge anders sieht als man selbst und die Fähigkeit, ja das Vorrecht, dies miteinander auf Augenhöhe diskutieren zu können. Toleranz kann somit kein pauschales Grundprinzip einer Gesellschaft sein, Dinge blindwütend und zum vermeintlichen Wohle von Minderheiten zu akzeptieren, sondern sie ist vielmehr ein dynamischer Prozess, der sich in verschiedensten Ausprägungen in allen Lebensbereichen wiederfindet.

Treibt man die Fehlinterpretation des Begriffs der Toleranz ins Extreme, dann landet man in George Orwells Szenario 1984. Und wir bewegen uns bereits bedenklich in diese faschistoid-diktatorische Richtung. Orwell beschreibt neben einigen anderen Merkmalen, vor allem die systematische Einschränkung und den Mißbrauch von Sprache (Neusprech/Schönsprech/Sehnsucht nach Zensur der Sprache), als ein wesentliches Merkmal auf diesem Weg.

Kabarettist Gerhard Polt, skizziert diesen Sachverhalt der oft unangebrachten Toleranz, in einem seiner Stücke und wird darin nach dem Grad seiner Toleranz gefragt, woraufhin er erwidert:“ für meinen Bedarf langts!“Und das kann man auch so stehen lassen. Denn jeder darf für sich entscheiden, was er gut findet, was er unterstützt und was nicht. Ja wir dürfen auch gegen etwas sein und dies aussprechen und diskutieren. Wenn man uns dafür an den Pranger oder gar auf den medialen Scheiterhaufen bringt, dann sollten wir uns überlegen, ob es nicht an der Zeit ist etwas zu ändern. Entweder systemisch oder geografisch!

Beispiele

Eigentlich sollten hier noch die ein oder anderen, einschlägigen Beispiele angeführt werden, aber das hätte bei näherer Betrachtung den Rahmen des Beitrags gesprengt. Hier vertrauen wir einfach mal auf die Transferfähigkeit unserer Zielgruppe!

Entscheidend ist schlicht die Anwendung des oben genannten Prinzips. Verlangt jemand Toleranz, muss dies immer in beide Richtungen funktionieren. Toleranz als Mittel für eine tendenzielle Meinungskonstrolle und Gleichschaltung einer Gesamtbevölkerung zu benutzen, sei es bei sexuellen Orientierungen, Weltanschauungen, religiösen/politischen Einstellungen, ist ein absolutes Ding der Unmöglichkeit und der Feind jeglicher Art von Freiheit. Dieser Weg endet mit Ansage im bewusst erzeugten Chaos.

Es lebe die echte Toleranz!

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