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Was ist eigentlich mit der Emo-Szene passiert?

Alle Subkulturen, so muss man fairerweise vorab sagen, haben ihre Höhen und wie der Name schon impliziert vor allem auch Tiefen. Punk gilt als tot – solange es Jugendarbeitslosigkeit und Dosenbier gibt, wird sich diese Diagnose allerdings nicht bewahrheiten. Hip Hop bleibt übrig für die anderen Arbeitslosen, die hingegen kapitalistische Güter wie Rolex, Mercedes-AMG oder auch nur einen Gürtel glorifizieren. Selbst Gothics haben sich dank eines uralten Paktes zwischen Evanescence und schlechten Radiosendern irgendwie in dieses Jahrtausend gewuppt. Auch wenn man sie zumeist nur mit lesbischen Metalheads verwechselt. Die Hipster überzeugen derzeit mit dem taktischen Kniff, sich selbst nicht als solche zu bezeichnen, sondern sich einfach nur schlecht zu kleiden. Schicksal einer jeden Subkultur ist es, im Untergrund zu agieren und nicht ernst genommen zu werden. Nur aussterben ist ihnen selten vergönnt. Raucher rotten sich seit Jahren der Gegenkampagnen immer wieder in gelben Quadraten zusammen. Zigeunertum, Katholizismus und Magnetismus bestehen beispielsweise schon seit Jahrhunderten. Da ist nur diese eine kleine Gruppierung von der nichts mehr übrig ist, obwohl sie – außerhalb von Mexiko – nicht ausgerottet worden ist…
Dabei führte in den 2000ern kein Weg an den sogenannten Emos (Abk. für „Elektro-Mongos”) vorbei. Selbst das als seriös und gut informiert einzustufende Nachrichtenmagazin taff beschäftigte sich seinerzeit mit dem Titelthema „Der Emo – Trend oder Gefahr?“. Wie wir heute alle wissen: Gefahr. Denn nicht nur, dass sich unter all jenen geschwärzten Ponyfrisuren nicht eine intelligente Person verborgen hätte, auch ihr Abgang entsprach in etwa dem des Dodos. Warum gibt es sie nicht mehr, diese sich selbst schneidenden, My Chemical Romance hörenden und Palituch tragenden Bisexuellen? Vielleicht weil sich selbst schneiden, My Chemical Romance hören und Palitücher tragen einfach ziemlich beschissene Ideen sind. Aber so zu tun, als wären unter anderen Subkulturen keine organisierten Ansammlungen von Halbhirn-Hühnern verborgen, ist zu einfach.
Ist der Klimawandel schuld? Hätte man Emos vielleicht einfach trocken lagern müssen?
Gab es einen Emo-Anführer, den van Hellsing oder Wesley Snipes getötet haben?
Haben am Ende einfach alle wirklich aufgehört sie zu beachten und die Emos sich dann einfach zu Tode geritzt?
Haben die Emos sich unter die Erde zurückgezogen und warten dort auf ihre Chance, die instabile Menschheit zu infiltrieren?
Haben die cleveren Motherfucker vom Neo Magazin etwa noch vor dessen Bestehen eine ganze Subkultur gefälscht?Alles nicht. Der Grund ist etwas naheliegender, aber auch noch tausendmal grausamer…

Die Emo-Szene, wie der Großteil aller anderen Subkulturen, entstammt der zugehörigen Musikrichtung, u.a. repräsentiert von Billy Talent, My Chemical Romance, AFI oder Silverstein, die alle völlig zurecht mit ausgestorben sind. (Sämtliche tatsächlich Musik machenden Bands wie The Smiths, The Cure oder Alkaline Trio wurden erst nachträglich aus emoistischer Überheblichkeit mit diesem Label versehen, weshalb Lyrcis ebenjener auf diesem „Tattoo-Kunstwerk“, wie du deinen pickligen Rücken nennst, gaaar nichts verloren haben.) Dieser sogenannte Third Wave Emo Punk erreichte 2005 seinen traurigen Höhepunkt. Die Band Aiden, vier Kaninchendiebe ohne Schulabschluss, veröffentlichten ihr Album Nightmare Anatomy. Spätestens mit dem Musikvideo zu „Die Romantic“ (googlen auf eigene Gefahr) wurde mir, ääääh… den Emos klar, dass die Szene nicht mehr aufrecht erhalten werden konnte. Ein letztes Mal flossen Tränen, die schwarzen Haare wurden gegen die Tönung „Straßenköterblond“ von L’Oréal getauscht und Billy Talent zum neuen Nickelback erklärt. Es war der erste Tod einer Subkultur. Und wenn ich mir diese Rockabilly Leute so ansehe… hoffentlich nicht der letzte.

Liebe Grüße, Die rote Fahne.

Bild: https://www.flickr.com/photos/[email protected]/312447908/

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