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Das Märchen vom unkomplizierten Geschlechtsverkehr

Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit in einem gar nicht allzu weit entfernten ehemaligen Kaiserreich namens Österreich…ach lassen wir das! Wir wissen doch alle, dass diese Geschichte kein fucking happy End hat, auch wenn ein großer Teil sich schon um ‚fucking‘ dreht.

Vor gut einer Woche hätte dieser Beitrag für Studiblog noch ein ganz anderer werden sollen. Es hätte sich natürlich (wie könnte es auch anders sein?) alles um einen Mann gedreht. Um diesen App-Typen den wir alle schon mal nach rechts geswiped und danach kennengelernt haben und mit dem wir früher oder später (in meinem Fall eher früher) zwischen den Polstern, im Bett, am Sofa, am Schreibtisch oder auch einfach nur, wenns ganz schnell gehen muss, am Boden landen. Ja Ladies, was soll ich euch sagen? Er war nicht so wirklich mein Typ aber er war gut gebaut und bestückt und ich redete mir ein ich wollte und brauchte das „Aufregende“, „Andere“ und „Neue“ nachdem meine 5-jährige Beziehung in die Brüche gegangen war. Erbärmlich? Diejenige die sich nicht auch schon mal in dieser Situation oder auch nur in der Überlegung sich auf etwas Ähnliches einzulassen befunden hat werfe das erste Kondom! Denn safe sollte es schon sein. Ganz ungeachtet der Lust.

Es war mein erstes Arrangement dieser Art, das meine Freundinnen und ich beim gemeinsamen Tratsch-Talk allgemeinhin als Gspusi bezeichneten und es ging mir anfänglich ganz gut damit. Er besuchte mich häufig, schrieb mir noch häufiger und forcierte unsere gemeinsamen Treffen. Es schien dass er, auf eine angenehme und nicht zu überbordende Art, nicht genug von mir bekommen konnte. „Ich mag dich.“, sagte er immer wieder, schaute mir dabei lange in die Augen und küsste mein Gesicht zärtlich. Ich muss sagen, ich fühlte mich wohl bei ihm (na eh klar, sonst wär ich ja auch nicht mit ihm ins Bett gehüpft) und auch wenn es für mich vollkommen in Ordnung gewesen wäre, wenn das eine einmalige Sache geblieben wäre, so gewöhnte ich mich langsam an ihn und damit an den Gedanken, dass er um mich herum war. Wir sahen uns sehr oft, redeten über unsere Familien und Verflossenen, er machte deutlich, dass es ihm nicht nur um Sex ging und wir verbrachten ganze Abende und Nächte nur kuschelnd zusammen. Der App-Typ kochte für mich, versorgte mich mit Süßigkeiten, schrieb mir eine Karte mit Gedicht von seinem Kroatien-Urlaub mit Freunden und sprach sogar von sich aus gleich zu Beginn das gewichtige Wörtchen „exklusiv“ aus. Woha! Es schien als hätte ich da ganz unabsichtlich einen echt guten App-Fang gemacht. Auch sowas solls geben. Hört man zumindest.

Ich, die ich also aus einer sehr langen und fixen Beziehung kam und nach nur ein paar Monaten des Single-Lebens eigentlich nicht wirklich auf der Suche nach etwas erneut bindendem war begann mich langsam mit dem Gedanken anzufreunden diesen Kerl wirklich zu mögen und emotionale Nähe zuzulassen. Es war mir nicht mehr länger egal ob er mir schrieb oder nicht schrieb, ob er das Bedürfnis hatte mich zu sehen oder nicht zu sehen. Ich begann in dieses „was auch immer es war“ zu investieren, weil es das Potential hatte „etwas zu sein“. Zumindest gab er mir das Gefühl. Wir sprachen auch darüber, weil ich keine von der Sorte Frau bin die sechs Monate lang im ungewissen Schwebezustand hängen will und weil sich dieses Gspusi doch auch darauf auswirkte ob und mit wem und für was ich mich mit anderen Männern traf. Zugegeben, er war zwar immer noch nicht mein „McDreamy“ (der App-Typ ist Medizinstudent muss Frau wissen, dann ists lustiger) und es stellten sich auch keine Schmetterlinge ein, aber ich bin Beziehungserprobt und mir ist durchaus bewusst, dass diese kleinen Flatterbiester sowieso schnell abkratzen, wenn man ihnen Zeit gibt.

Der App-Typ, nennen wir ihn doch einfach Phil, dann hat er zwar immer noch kein Gesicht, aber dafür zumindest einen Namen, verglich mich mit einem Tautropfen am Fensterbrett (oder wars doch die Motorhaube? Es war spät, ich hab nicht so wirklich zugehört) der für den Betrachter, obwohl neben ganz vielen anderen Tautropfen, am schönsten und kräftigsten leuchtet und schillert. „Du bist einfach faszinierend.“, murmelte er in meinen entblößten Nacken und streichelte dabei meinen Rücken. „Du fängst das ganze Licht um dich herum ein. Man muss dich einfach anschauen.“ Ja also wenn das mal nicht kitschig ist, dann weiß ich auch nicht! Mir wars in dem Moment ein bisschen zu viel (des Guten?), aber es waren Sätze wie diese an die ich mich später erinnerte als ich warme Gefühle für ihn bekam. Er mochte mich. Er war ein guter Typ. Er war intelligent und fickte trotzdem gut. Er hatte lockige Haare. Ich mochte Locken. An seine Nase würde ich mich gewöhnen. An so ein paar andere Macken wie das ständige Gesumme und den grässlichen deutschen Akzent auch. In meinem Kopf setzte sich fest, dass es funktionieren könnte, dass ich wollte, dass es funktionierte.

Stop-in-the-name-of-love
via: iheartinspiration.com

Es muss irgendwann zu diesem Zeitpunkt gewesen sein, als ich mich dabei erwischte vermehrt auf mein Handy zu starren und alte Nachrichten von ihm zu lesen, dass mich mein weibliches Gehirn betrog, denn der kleine Wixxer hat einen Namen meine Damen (und damit meine ich nicht nur Phil) und dieser lautet Oxytocin! Dieses super tolle „Kuschel“-oder auch „Bindehormon“ genannte unnötigste aller Hormone hindert uns nämlich taktisch und auch faktisch daran unkomplizierten Geschlechtsverkehr mit jemandem zu haben. Es lässt uns fühlen was Mutter-Natur uns fühlen lassen will, weil wir machen was wir eigentlich nur mit Menschen machen sollten für die wir auch wirklich, wirklich etwas empfinden (das heißt biologisch unromantisch: mit denen wir genetisch kompatibel sind um möglichst erfolgreich neue Erdenbürger aus unseren Geburtskanälen zu pressen). Wir fangen an uns in unsere Fuckbuddies zu verlieben. Auf Dauer unkomplizierten Sex mit jemandem zu haben ist (zumindest für die noch nicht vollkommen emotional abgestumpften Menschen unter uns) Frauen nicht möglich! Sex ist eben nicht einfach nur „ficken“ wie uns die Popkultur glauben machen will (und ich bin mir ganz sicher auch dafür gibt’s iwo eine Lobby) und das sollte es auch nicht sein.

Während mich meine weibliche Biologie also geschickt in den Laden wo sie die rosa Brillen verkaufen locken wollte, wusste Phil aber mittlerweile, dass er eigentlich doch nicht auf mich steht. „Es ist nicht, dass ich dich nicht mag, oder dass es nur Sex ist. Weil das ist es nicht! Du bist wirklich cool und ich mag dich echt…aber…du bist eben nicht das Letzte an was ich denke wenn ich einschlafe und nicht das Erste an was ich denke wenn ich aufwache.“ Wow. Danke Phil, da fühle ich mich doch gleich viel besser! „Manchmal komme ich mir echt vor wie ein herzloser Arsch.“, meinte er noch und ich erwiderte, dass Selbsterkenntnis in den meisten Fällen zumindest schon mal ein Ansatz zur Besserung sei. Aber im Ernst Ladies, Phil trifft keine Schuld und auch die ganzen anderen App-Phil Typen die ihr da draußen so trefft und in eure Betten lässt sind nicht die Schurken in eurer traurigen Liebesgeschichte, denn Phils versprechen uns meistens nichts und sind am Ende des Tages doch auch genauso Opfer ihrer eigenen Biologie. (An dieser Stelle scheint mir ein gepflegtes fick dich Oxytocin! durchaus angebracht). Dabei ist es doch eigentlich so einfach und wir würden uns vieles an Verwirrung und Leid und peinlichen Whatsapp-Nachrichten ersparen, wenn wir einfach nur mit den Menschen Sex haben zu denen wir uns wirklich hingezogen fühlen und die wir länger als zwei durchtrunkene Nächte kennen. Und fragt mich jetzt nicht wie man weiß mit wem man wirklich ins Bett steigen soll und mit wem nicht, weil das eine der „man weiß es einfach“-Angelegenheiten ist bei denen es suuper offensichtlich ist. Es sei denn ihr steht auf das emotionale Chaos das nun-mal-nicht-möglicher-unverbindlicher Sex mit sich bringt? Dann nur zu! Wer bin ich euch Vorschriften zu machen?

Aber für alle anderen Märchenprinzessinnen da draußen, die neben dem monatlichen Vorrat an Tampons nicht auch noch Päckchenweise Tempos horten wollen: Sex ist im wahrsten Sinne des Wortes bedeutungsschwanger, weil es so gedacht ist, oder gemacht ist oder sich auch einfach nur so entwickelt hat und wir tun gut daran uns dessen bewusst zu sein. Das Leben ist doch in den meisten Fällen schon kompliziert genug und der Sex mit diesen Typen dann auch nicht sooo unglaublich gut, dass wir es mit masturbieren nicht auch selbst hinbekommen würden. Spaß für eine Nacht? Wieso nicht. Aber dann lösche ich seine Nummer auch wieder von meinem Handy und blocke das Lustobjekt aus meinem Leben, denn auch wenn er mich mehrmals hintereinander besteigen kann ohne dabei emotionale Bindung zu entwickeln so ist mir das leider verwehrt.

Oh und nur damit ihr es wisst, nach einer Woche Frankreich und den Kilometern zwischen uns hat sich mein Oxytocin-Desaster auch schon wieder in Wohlgefallen aufgelöst. Er ist mir schon wieder egal und ich bin um eine Erkenntnis und einen Artikel reicher. Trotzdem hätte ich es mir ersparen können, also seid bei eurem nächsten swipe ein bisschen klüger als ich 😉 …wenn ihr es denn sein wollt.

Titelbild: Pixabay

 

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Über itswaypastmybedtime

Ich bin eine kleine, über Berge hüpfende und dabei Edelweiß-Lieder singende (naaaa wer erkennt die Sound of Music reference?) Student-in des Alpenlandes die sich irgendwann mal hier her verirrt hat und jetzt wie Alice Gefallen am Wunderland gefunden hat. Ich schreibe über alles und nichts. Dinge die mir so passieren, Gedanken die ich in Worte fassen will oder die ein oder andere große Weisheit die ich in meinem jungen Leben schon kapiert hab und großzügig mit euch übrigen unwissenden und herumdümpelnden Mit-20ern teile ;-)

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