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Eine Frau sitzt einsam an einem Seeufer ohne ihre beste Freundin.

Warum ich mich nicht für meine beste Freundin freuen kann

Meine beste Freundin ist schwanger…

Eigentlich ein Grund für mich, in die Luft zu springen und mich wie irre zu freuen. Genau das kann ich aber nicht…Jede neue Nachricht, jedes neue Ultraschallbild, das sie mir schickt, zerreist mich innerlich. Vor Neid, purem, kaltem, elendigem Neid.

Eigentlich bin ich eine junge Frau, die was in ihrem Leben geschafft hat. Letztes Jahr habe ich mein Studium abgeschlossen, Maschinenbau. Nicht nur in einem Land, nein ich habe mir das volle Programm gegönnt und bin nach Frankreich gegangen, habe somit einen deutschen und einen französischen Abschluss. Soll heißen, neben meiner Studienwahl ist es die Tatsache, dass ich mehrere Sprachen fließend spreche, die die Leute, die ich eigentlich gar nicht beeindrucken will, staunen lässt.

Und hier bin ich nach diesem Studium, leite mit nur 26 Jahren ein Team von 20 Technikern und bin für die Treibstoffleitungen von Flugzeugen verantwortlich. Soll heißen, wenn ich irgendetwas in meinem Tagesgeschäft verhaue, wird es sehr schnell sehr problematisch und auf gut deutsch beschissen für alle Beteiligten. Zweiter Punkt, der beeindruckt. Was ich bisher noch nicht erwähnt habe, ich habe mich getraut, einen Job in Südamerika anzunehmen. Weit weg von den Eltern und Freunden, in einem Land in dem man meine Sprache nicht spricht. Dritter Punkt, der die Leute staunen lässt. Alles in allem habe ich dann also doch schon einiges erlebt, einiges gesehen, einige kennengelernt und vor allen Dingen, einiges auch hinter mir gelassen.

Ich bin einsam

Es ist leider auch dieses erfüllte Leben, das mich in meine jetzige Situation bringt. Ich bin einsam. Die Familie zu weit weg, um meine Sorgen teilen zu können. Freunde überall, und trotzdem niemanden, mit dem ich mein Leben teilen kann. Seit mittlerweile gut zwei Jahren bin ich Single, zu Beginn glücklich damit, irgendwann akzeptiert, um in letzter Zeit zu resignieren. Grund für die Trennung von meinem Ex war die Entfernung, die letztlich dann doch alles verhauen hat. Die Entfernung, die mich dazu verleitet hat, fremdzugehen, mich in einen anderen zu verlieben. Ein Anderer, der mich nach nur wenigen Wochen eiskalt per SMS abserviert hat. Und für den ich eine Beziehung zu einem tollen Studenten, mit dem ich fünf Jahre zusammen gewesen bin, aufgegeben habe. Danach kamen noch andere, da war der mit den blauen Augen, eines Tages antwortet er einfach nicht mehr auf meine Anrufe. Oder der große durchtrainierte Elektriker, leider verheiratet, wie sich zu spät rausstellte. Niemand, zu dem ich Vertrauen fassen konnte, der mich glücklich machte.

Mein größter Wunsch ist es,

am Abend die Rolle der Superwoman ablegen zu können und mich in Jogginghose an jemanden anlehnen zu können. Nicht immer nur alleine zu Abend zu essen, während ich Serien schaue, um die Stille aus meiner Wohnung zu vertreiben. Alle, die Single sind, kennen das: man kann sich nicht immer mit seinen Freunden umgeben, kann nicht immer auf Achse sein. Irgendwann holt es einen ein, die Sehnsucht nach einem Partner. Mit dem man auch einfach mal nichts machen kann. Mit dem man gemeinsam die Serien anschaut.

Und genau diesen hat meine beste Freundin bereits gefunden. Sie hat die Person gefunden, mit der sie ein Leben lang verbunden sein möchte, mit dem sie Kinder bekommen wird. Den sie wohl auch eines Tages heiraten wird. Darauf bin ich neidisch. So neidisch, dass ich mich noch einsamer fühle, denn diesen Neid kann ich mit keinem teilen. Keiner wird mich in den Arm nehmen um mir zu sagen, dass unser Moment vielleicht einfach noch nicht gekommen ist, dass ich geduldig sein soll, dass eines Tages wir auch so weit sein werden. Im Moment gibt es nur ein „Ich“, das nach außen hin weiterhin die starke Frau spielen muss, lächeln soll, und die sich weiterhin abends einsam in ihre Höhle verkriechen wird.

Und die mit jedem Ultraschallbild wieder daran erinnert wird, was ihr fehlt.

Photo Credit: Metropolico.org via Compfight cc

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