Das Leben ist ein Swimmingpool - Studiblog
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Mann, der in einen Swimmingpool gesprungen ist.

Das Leben ist ein Swimmingpool

Es ist Samstag der 1. Oktober und ich komme gerade von einer Blocklehrveranstaltung von der Uni nach Hause, die mich den ganzen sonnigen Tag über in einem stickigen kleinen Saal unterm Dach eingesperrt hat. Meine Stundenpläne habe ich auch schon mal klüger zusammengestellt. Dabei gibt es ja auch Studienrichtungen, bei denen einem der fix-und-fertige Semesterplan komplett ausgearbeitet einfach zugeschickt wird (…diese Mediziner…). Unfassbar.

Draußen wird es langsam dunkel und ich stehe ein bisschen ratlos in meiner Küche, versucht nicht die letzten Reste meines Kühlschrankinhaltes in mich hinein zu stopfen. Bei einem Schluck aus der Packung wird mir bewusst, dass die Milch abgelaufen ist. Bäähh! Igitt, iiigitt! Pfui, pfui! Am Verschluss steht unter der ‚mindestens haltbar bis‘ Aufschrift der 13. September. Ohje. Wie schnell die Zeit doch vergeht wird mir auch erst immer so richtig bewusst wenn mir im Kühlschrank wieder was schlecht geworden ist. Ich habe noch irgendwie Hunger, aber kochen will ich jetzt auch nicht. Und was denn überhaupt?

Immer diese Entscheidungen.

Ich lasse mir ein Bad ein und zieh mir auf dem Weg dorthin schon mal die Hose aus. Ja, ich bin einer dieser Menschen der das tut. Während sich die Badewanne langsam zu füllen beginnt versuche ich verzweifelt an das letzte Fach meines Badezimmer-Schranks zu kommen. Wieso nochmal lagere ich meine Badekugeln so hoch oben? Egal, dafür habe ich ja meinen Marius.

Nein, Marius ist nicht mein Freund oder künstlicher-Intelligenz-Butler, dessen einzige Funktion es ist meine unter dem Durchschnitt liegende Körpergröße in Alltagssituationen auszugleichen, sondern mein orangefarbener Hocker. Und nein, den Namen habe ich ihm nicht gegeben. Den hatte er schon als ich ihn aus dem Möbelhaus mit nach Hause nahm und nachdem er sich schon in einer neuen Umgebung zurecht finden musste, wollte ich ihn nicht auch noch zusätzlich mit einem neuen Namen überfordern. Für mich sieht er ja eher wie ein Sammy aus, aber was weiß ich schon von Möbel-Benennung.

Meine Freunde meinen ja ich habe eine angenehme Hobbit-Größe. Ich bin auch generell ganz glücklich damit wie ich gebaut bin, vor allem wenn ich mich jetzt in meiner Badewanne bequem ausstrecken kann und nicht durch waghalsige Wende-und Verrenkungsmanöver versuchen muss alle Körperteile unter Wasser zu bekommen. Und für alle Notfälle habe ich ja Marius. Der steht jetzt übrigens neben der Wanne und hält meinen Laptop, aus dessen Lautsprechern Musik eines Streaming-Dienstes strömt und mein Badezimmer erfüllt. Die Badekugel, die das Wasser rosa und den Schaum golden glitzernd färbt, heißt ‚Prince Charming‘ und ist noch ein Überbleibsel einer Valentinstagsüberraschung aus dem Februar. Muss denn heutzutage alles Namen haben? Muss denn heutzutage alles glitzern?

Womit ich mit diesem Text hinaus will?

Weiß ich nicht. Aber das ist vielleicht auch die Message beziehungsweise der tiefere Sinn in sich selbst. Ich will nicht auf irgendetwas hinaus. Ich will einfach mal sein. Heute begann das (vermutlich) letzte Jahr meines Studiums und ich habe so gut wie keinen Plan was das eigentlich bedeutet. Ich sollte das umschreiben. Ich habe so gut wie keinen Plan. Punkt. Im Augenblick bin ich in einer Mischung aus extrem glücklich und unendlich traurig gefangen. Ich versuche zu verstehen, versuche mich zu verstehen. Meine Gedanken, Worte und Gefühle und habe dabei die leise Vermutung das sich alles im krassen Widerspruch befindet.

Wenn ich an grauen Herbsttagen manchmal meine alten Tagebücher lese lache ich oft darüber, wie verplant ich doch mit 18 schon war. Heute ist das anders und auch wenn es mir doch hin und wieder Angst macht nicht zu wissen worauf das alles hinausläuft, ob es vielleicht auch nur irgendwo hingeht und wo das alles endet, so versuche ich mir doch zu sagen, dass das okay ist.

Es ist jetzt nicht so, dass ich keine Perspektiven oder Möglichkeiten habe, aber das ändert trotzdem nichts an meiner Orientierungslosigkeit. Das Studium war bis jetzt nicht die beste Zeit meines Lebens und dabei ging ich irgendwie davon aus, dass sie das sein würde, denn alle erzählten immer davon wie ‚genial‘ es sich doch als StudentIn lebe. Um ehrlich zu sein habe ich schon mal eine ganze Weile gebraucht, um mich in dieser ganzen neu gewonnen Freiheit und zwischen den unzähligen und unschlüssig nummerierten Hörsälen zurecht zu finden. Manchmal habe ich sogar von einem Uni-Labyrinth artigen Garten geträumt aus dem ich einfach nicht mehr herausfinden konnte.

Ich habe beschlossen mich jetzt mal nicht unter Druck zu setzen. Einfach mal durchzuatmen und die drohenden: „Und was machst du dann mit/nach deinem Studium.“-Fragen, die ich mir auch selber stelle, mit einem unbekümmerten Lächeln zu beantworten. Die Wahrheit nämlich ist, dass ich es noch nicht weiß, dass das aber kein Weltuntergang ist. Hin und wieder hat man aber, umringt von all den durchgeplanten I-‚ve-got-it-all-figured-out-StudentInnen das Gefühl, in seinem eigenen Leben voll abzukacken. Was an sich schon Blödsinn ist, weil es eben dein Leben ist. Das lebt niemand anders für dich. Es gibt also faktisch keine Konkurrenz und der ganze Vergleichs-Wahnsinn spielt sich nur in deinem Kopf ab.

Das Leben ist ein Swimmingpool!

Ich behaupte ja nach näherer Betrachtung, dass das Leben ein Swimmingpool ist. Bei deiner Geburt wirst du quasi ins kalte, nasse Leben geworfen, hast aber schon von Beginn an die Reflexe und den Willen dich über Wasser zu halten und nicht unterzugehen. Manche von uns verlieren diesen intuitiven Trieb im Laufe ihrer Schwimm-bzw. Lebenszeit, aber viele von uns haben Eltern und Freunde, die einen begleiten und einem im besten Fall helfen die Wellen zu reiten die einem so entgegendonnern. Oder man ist Jesus und beschließt drüber zu laufen. Aber das ist dann wohl auch eher so ein Messias-Ding schätze ich. Der Rest der Menschheit muss manchmal auch einfach durch gewisse Strecken des Swimmingpool des Lebens durchtauchen um dann gaaanz tief Luft zu holen. Trotzdem fühlt man sich ab und an (von diesen ganzen plantschenden Selbstdarstellern um einen rum) auch an den Beckenrand gedrängt. Die Kunst dann nicht von diesem zu springen ist die eigentliche Kunst des Lebens denke ich.

Und deswegen meine Lieben, lasse ich mich jetzt einfach mal treiben. Augenblicklich in meiner Badewanne, aber metaphorisch gesprochen gilt das für diesen Abschnitt in meinem Leben. Ich leg mich einfach mal auf den Rücken, mach die Augen und die Arme weit auf und lasse mich überraschen was da so kommt. Schönen Start ins Semester euch allen! 🙂

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Über itswaypastmybedtime

Ich bin eine kleine, über Berge hüpfende und dabei Edelweiß-Lieder singende (naaaa wer erkennt die Sound of Music reference?) Student-in des Alpenlandes die sich irgendwann mal hier her verirrt hat und jetzt wie Alice Gefallen am Wunderland gefunden hat. Ich schreibe über alles und nichts. Dinge die mir so passieren, Gedanken die ich in Worte fassen will oder die ein oder andere große Weisheit die ich in meinem jungen Leben schon kapiert hab und großzügig mit euch übrigen unwissenden und herumdümpelnden Mit-20ern teile ;-)

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  • KleineFee

    Ach ich liebe diese Autorin!!! Ich musste an manchen Stellen so lachen (die Milch, Marius der Hocker,…) und dabei befasst sich der Text an sich doch mit einem echt ernstenThema. Absolut genial und immer so auf den Punkt! Ich hab jetzt Lust auf Badewanne 🙂 Schreibt sie noch irgendwo?



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