Mein schwarzes Loch und die Standhaftigkeit
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Bild zum Beitrag schwarzes Loch mit einer blauen, geschlossenen Flügeltür.

Mein schwarzes Loch

Meine Nemesis, meine Büchse der Pandora oder einfach nur mein schwarzes Loch?

Es ist abends nach der Uni und ich bin auf dem Weg zu ihm. Wer er ist? Meine persönliche Nemesis, mein schwarzes Loch das mich immer wieder an und ein saugt, meine Packung Paprika-Chips von der ich einfach nicht nur ein Chip nehmen kann, meine Büchse der Pandora die ich immer wieder öffne, obwohl ich weiß, dass ich’s nicht sollte. Der Typ ist alles und gleichzeitig ist er nichts für mich, in meinem Leben. Er ist so eine Art Fuckbuddy und eigentlich auch so viel mehr als das, schätze ich. Das heißt, ich muss das jetzt in dieser Sekunde korrigieren, weil er jetzt nämlich nicht mehr mein Fuckbuddy ist. Vermutlich nicht mal mehr ein Buddy. Fuck.

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Es ist Sonntagabend so gegen elf und ich sitze frisch geduscht, die Haare in einem unachtsamen und deswegen ‚messy‘ Bun getürmten Knödel auf meinem Kopf und heule vor mich hin. Irgendwann zwischen Einkaufsmarkt und Bushaltestelle haben die Tränen auf meinem Heimweg angefangen zu kullern und hören seitdem einfach nicht mehr auf. Dabei war es doch letztlich meine Entscheidung, wie alles gekommen ist. Und trotzdem bin ich jetzt unglücklich. Sehr sogar. Das ist kein angenehmes Gefühl in meiner Brust und keine Dusche der Welt vermag mir das Unbehagen abzuwaschen. Alles klebt an mir. Alles und doch nichts. So wie mit ihm.

Wir begannen uns vor den Sommer-Semesterferien zu treffen und anfangs war alles ganz unkompliziert. Ich kam aus einer langen Beziehung und wollte mich (vermutlich) ausprobieren und er war…naja…ein Mann eben. Wir landeten recht schnell zusammen im Bett und die Auf- und Abs unserer Verbindung ließen mich eines Nachts den Artikel „Das Märchen vom unkomplizierten Geschlechtsverkehr“ schreiben.  Damals meinte ich noch dem Drama einen Riegel vorgeschoben und weitere amouröse Ambitionen unterbunden zu haben. Tja, das war ein Irrtum, denn auch wenn damals schon völlig klar war, dass dieses Märchen kein fucking Happy End haben würde (obwohl sich ein großer Teil – eigentlich so gut wie alles – um fucking drehte), so ließ ich mich doch immer wieder wie die Motte vom Licht anziehen und suchte dieses auch. Vielleicht ist das so eine Art selbstzerstörerischer Trieb der in jedem von uns schlummert?

Zaubertee und andere Fehlentscheidungen

Ich gehe jedenfalls von der Uni aus zu ihm nachhause (ja, ich bin ein Opfer, ich habe an den Wochenenden Blocklehrveranstaltungen), weil wir Tee trinken und ein bisschen quatschen wollen. Und das ist eigentlich auch wirklich der Plan. Ehrlich. Ich komme bei ihm an und wir machen in der Küche Tee. Er lässt mich die Sorte auswählen und ich entscheide mich für ‚Zaubertee‘. Im Nachhinein hätte ich vermutlich fragen sollen, ob es nicht auch einen ‚Entzaubertee‘ gegeben hätte, weil der die Situation vielleicht ein bisschen entschärft hätte. Aber ich greife in der Erzählung vor. Wir machen also Tee und er hat so fancy japanische Tassen ohne Henkel an denen man sich ständig die Finger verbrennt, obwohl der Tee in der Schale eigentlich gar nicht so heiß ist, und wir verlagern die eher weniger englische Tea Party in sein Zimmer.

Die einzige Sitzgelegenheit in seinen Gemächern ist sein Bett und auf das setzten wir uns auch, nachdem er einen kleinen Tisch, der die Tassen und die Kanne mit dem Zaubertee hält, ans Bett geschoben hat. Wir quatschen über alles Mögliche. Meine Blocklehrveranstaltung und die letzte tiefere Sinnkrise, seine Modulwahlmöglichkeiten. Über was man sich hald so unterhält, unter Freunden, oder solche die es irgendwie versuchen zu sein. Oder auch nicht.

Er lässt mich Schoko-Pralinen essen, schaltet Acapellamusik ein, die irgendwann in Weihnachtslieder-Cover abdriftet und so sitzen wir im Oktober in seinem Zimmer und sehen zu wie es draußen langsam dunkel wird und die Kerze die er angezündet hat vor sich hin schmilzt. Es ist schon einige Zeit her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben. Das war irgendwann Anfang des Monats und jetzt nähern wir uns dem Ende. Man weiß halt auch nicht so wirklich wie oft man sich sehen soll, oder überhaupt wie man sich ‚mit dem‘ verhält. Gerade jetzt wo auch die Uni wieder begonnen hat, fällt die ungezwungene Leichtigkeit des Sommers ab und man muss wirklich planen um sich zu sehen. Klappt nicht so ganz.

Der Tag war anstrengend und ich bin super müde, deswegen mache ich es mir in seinem Bett bequem und strecke mich ein bisschen aus. Der Zaubertee ist mittlerweile ausgetrunken. Nach einer Weile liegt er neben mir und wir albern ein bisschen herum. Ich fühle mich wohl und wir lachen gemeinsam über Dinge an die ich mich schon nicht mehr erinnern kann. Er schiebt den Arm unter meinen Kopf und ich kuschel mich an ihn. Er hat die ideale Größe, ist warm und an den richtigen Stellen weich. Meine Haare riechen gut meint er und streichelt mir über den Rücken,  an den Armen und an meinem Gesicht entlang. Meine Augen werden schwerer und ich würde einfach gerne bei Kerzenlicht und sanften Weihnachtsmusikklängen in seinen Armen einschlafen. Aber das geht nicht, weil morgen Montag ist und ich in der Früh auf die Uni muss, am besten nicht in denselben Klamotten vom Vortag.

Die Motte und das Licht

„Ich werde jetzt wohl besser gehen.“, sage ich und meine es nicht wirklich so. Das heißt eigentlich meine ich es schon so, nur irgendwie halt auch nicht. Vermutlich habe ich ein gespaltenes-Persönlichkeitsproblem. „Mhm.“, meint er, rollt sich über mich und beginnt mich zu küssen. Ich bin ein ziemliches Opfer und mache mit. Seine Küsse haben immer etwas vorsichtiges, das sich langsam steigert und wir finden schnell in einen Rhythmus. Er hält mein Gesicht und beginnt dann meinen Hals zu küssen. Das ist gemein, weil er natürlich ganz genau weiß, dass mich das verrückt macht. Eine Schwachstelle für seine Stärke. Ich stöhne ein bisschen.

Seine Hände wandern, meine tun das auch und nach einer Weile rollt er sich auf den Rücken und zieht mich auf sich. Jetzt haben nicht nur unsere Zungen einen Rhythmus. Aber so ganz lasse ich mich dann doch nicht darauf ein und die kleine Stimme in meinem Kopf muss gar nichts sagen, ich weiß dass sie da ist und das nicht gut findet. Ich finde das eigentlich auch nicht gut. Also eigentlich finde ich es schon gut, zumindest dieser eine Teil von mir der mit dem anderen Teil von mir immer auf Kriegsfuß steht. „Ich sollte jetzt wirklich gehen.“, sage ich und versuche mich aufzurichten. Er greift nach mir und mein verräterischer Körper gibt sofort nach. Na fabelhaft.

Wir knutschen dann noch eine ganze Weile herum und es ist klar, dass es nicht bei meinem offenen BH unter dem Pulli, den er mir geliehen hatte, bleiben wird. Aber eigentlich will ich das nicht wirklich, oder besser: Ich will vermutlich schon, aber ich weiß, dass ich nicht sollte. Der Mann mit dem ich mich nun schon seit gut einem halben Jahr treffe steht nämlich nicht auf mich. Also so gar nicht. Da sind keine Schmetterlinge und keine romantischen Gefühle und Gedanken die er für mich hegt und auch von meiner Seite aus ist das nicht die ganz große Liebe. Es ist klar, dass das zwischen uns nie irgendwo hinlaufen wird und der Höhepunkt unseres Zusammenseins (ironischer Weise) der (koitale) Höhepunkt ist und ich stelle mir die Frage, ob mir das reicht. Ob das alles ist was ich brauche und will.

Wir haben schon öfter den Versuch unternommen alles zu beenden, weil mir da eigentlich zu wenig Gefühl zwischen uns ist und ich so völlig gefühlskalten Sex eigentlich echt nicht gut finde, nur um es dann doch wieder zu beginnen. Seit sechs Monaten geht das jetzt so. Ich lerne anscheinend nie dazu. Es geht vielleicht gar nicht darum, dass ich nur mit Männern schlafen will, die in mich und in die ich verliebt bin, aber das was da zwischen uns ist, ist einfach zu wenig. Ich fühle mich danach immer ein bisschen leer, fast gleichgültig gegenüber dem was da gerade zwischen uns passiert ist und frage mich jedes Mal: ‚War’s das jetzt wert?‘ und kann diese Frage meist mit einem ‚Nein‘ beantworten. Es ist ein gegenseitiges benutzen, von dem aber beide Parteien eigentlich nicht wirklich einen Nutzen ziehen.

Nach zwei weiteren gescheiterten Versuchen mich von ihm zu lösen gelingt es mir dann und ich stehe auf. Das heißt zuerst liegen wir noch da und reden über das was ich oben eben schon angeführt habe. Wir sind nicht ineinander verliebt, wollen keine Beziehung und mehr als dass er mich heiß findet ist da wohl nicht. Auch wenn das nicht immer so klar ist für ihn. Aber in der Hinsicht sind wir wohl alle immer ein bisschen unschlüssig und verwirrt. Ich spüre auch kein Schmetterlingsgeflatter und will eigentlich wirklich nicht mehr mit ihm diese ‚hook up‘-Geschichte aufwärmen. Das Gespräch geht ziemlich in die Tiefe. Ganz im Gegensatz zu unserer Beziehung.

Das traurigste Happy Meal

Ich schließe meinen BH und gebe ihm seinen Pullover zurück, um meinen Mantel anzuziehen. Die Stimmung ist irgendwie seltsam, aber die sexuelle Energie zwischen uns liegt immer noch in der Luft. Vermutlich ist der Zaubertee daran Schuld. Er versucht nochmal mich zum Bleiben zu überreden, ohne mich dabei zu drängen, aber ich bleibe standhaft, denn schließlich ist das ja das was ich will. Ich will, dass das mit dem Märchen vom unkomplizierten Sex endlich endet und ich meine Gefühlswelt in den Griff bekomme. Schluss mit unverbindlichem Geschlechtsverkehr der keiner ist. Schluss mit der leisen Hoffnung, dass sich da doch noch irgendwann Gefühle auf beiden Seiten einstellen und sich alles unkompliziert fügt. Ich weiß, dass das nicht passieren wird und ich auch nicht darauf warten will ob es irgendwann passiert. Ich fühle wirklich nichts für ihn. Nicht mal mehr die anfängliche Anziehung. Also muss Schluss damit sein. Aber Schluss ist ein hartes und sehr finales Wort. Schluss tut irgendwie weh.

Gerade eben war ich mir noch ganz, ganz sicher, dass ich jetzt aufstehen und nachhause gehen muss und ich das auch im tiefsten Innern so will. Und jetzt stehe ich in meinen Wintermantel und den blauen Schal gehüllt vor ihm und starre auf seine vollen Lippen und den Bart, den er sich hat stehen lassen und ihn um ganze Welten sexyer für mich macht. Shit. Ich bin mir überhaupt nicht mehr sicher, ob ich da jetzt gerade das Richtige tue. Aber doch. Ich gebe mir innerlich einen Ruck. Früher oder später endet das hier ja sowieso wie es nun mal eben jetzt gerade endet und eigentlich ist das hier auch schon ‚später‘. Ich habe gesagt ich werde gehen und ich werde gehen. So einfach ist das. Nur Mut! Er lehnt an seinem Kasten und schaut mich an und ich stelle mich auf die Zehenspitzen um ihm einen Kuss zu geben. Einen Abschiedskuss, um das alles zu besiegeln. Ich mache das hier gerade zum ersten Mal, aber so habe ich mir das immer vorgestellt. Ein letzter Kuss und dann fällt die Tür hinter einem ins Schloss und man geht getrennte Wege.

Ich will ihn also küssen, da schaut er mich komisch an, wendet den Kopf ab und umarmt mich unbeholfen. Hä?! Zuerst denke ich er hat nicht verstanden, dass ich ihn zum Abschied küssen will, dann erkenne ich, dass er das sehr wohl verstanden hat. Aber er will nicht. „Du hast gesagt es ist vorbei, also ist es vorbei.“, sagt er und verschränkt die Arme vor der Brust. Ich bin ein bisschen verwirrt und vor den Kopf gestoßen vor so viel Härte und eisernem Willen, den er noch vor einer Minute nicht hatte. Bitte wie? “Ja aber doch nicht jetzt sofort. Von einer Sekunde auf die andere. Ich gehen und dann…“ „Ich bin ja kein Happy Meal das du aufwärmen kannst wann immer du Lust darauf hast.“, sagt er und mir fallen fast die Augen aus dem Kopf. giphy

Aua. Das tut jetzt irgendwie weh. Es tut richtig physisch weh. Was passiert denn da gerade?

Schluss bedeutet Schluss…oder?

Er schaltet die Musik aus und ich stehe ziemlich belämmert in seinem winzigen Zimmer herum. Irgendwie geht da gerade einiges schief und ich habe keine Ahnung warum das jetzt alles so furchtbar ist. „Ja aber, …wieso?“, frage ich ziemlich kläglich und verstehe mich selbst nicht so ganz. Das ist doch genau das was ich wollte und vor wenigen Augenblicken gerade erfolgreich eingefordert habe: Ein Ende. Aber verdammt so will ich das nicht! Und dabei ist es doch die einzig logische Konsequenz. Ich bin verletzt von seiner plötzlichen schroffen Zurückweisung und ich habe keine Ahnung wie ich damit umgehen soll. Es kommen ständig Wörter aus meinem Mund die sich zu ganzen Sätzen zusammenfügen und denen ich nicht folgen kann, anscheinend aber doch Sinn ergeben. Ich wollte eigentlich gehen und jetzt stehe ich immer noch da, wie ein verirrtes Reh im Scheinwerferlicht. Ich komme mir vor wie gleich überfahren, aber das verdammte Auto kommt einfach nicht.

Mein ganzes Gerede macht es auf keinen Fall besser. Mir war doch bewusst, dass ‚Schluss‘ natürlich Schluss bedeutet. Wieso löst das jetzt eine tiefe Krise aus? Warum zittern meine Hände? Mein was-auch-immer-Gegenüber bleibt vollkommen cool. Richtig gelassen wirkt er. Lächelt sogar und …tröstet mich? Alles kommt mir vor wie ein ganz, ganz schlechter Traum. Nach gut 20 Minuten in denen ich anscheinend sowas wie einen mittel-schweren Nervenzusammenbruch erlitten habe, gehe ich dann aber wirklich. Mein wie-auch-immer-Ex besteht darauf mich zur Tür seines Wohnheims zu bringen. Es kommt zu einer dieser grauenvoll seltsamen Umarmungen. Er hält mich, streichelt mir nochmal über den Kopf. Ich will einfach nur weg. Ich habe mich vollkommen lächerlich gemacht. Was bitte ist nur mit mir los? „Du solltest jetzt gehen.“, sagt er. „Bevor ich dich wieder in mein Zimmer ziehe.“ Ich lächle gequält und beginne die Stiegen hinunter zu gehen. „Ja genau.“, scherze ich vollkommen unwitzig im Gehen. „Weil du ja überhaupt nicht standhaft bist.“ Der bittere Sarkasmus schmeckt mir nicht in meinem Mund und ich wünsche mir so unglaublich, dass er nicht so verdammt standhaft ist. „Naja es würde eh nur darauf hinauslaufen, dass du nach zehn Minuten wieder gehen willst und das alles für einen Fehler hältst.“, sagt er. „Nein.“, erwidere ich lachend, ohne wirklich zu lachen. „Ich denke nicht, dass ich das tun würde.“

Wahrhaftige Standhaftigkeit

„Du würdest nicht gehen wollen?“, fragt er und ich schüttle den Kopf und schaue vom Vorhof zu ihm hinauf. Es trennen uns gerade mal fünf Stufen voneinander und trotzdem fühlt es sich an wie ein Ozean, nachdem ich die ersten Schritte von ihm weg gemacht habe. Ich drehe mich um und beginne den dunklen Parkplatz hinunter zu gehen. „Warte!“, ruft er mir nach. „Wie meinst du das?“ „Anscheinend habe ich kein Rückgrat.“, stelle ich fest und verweise damit auf eine andere Artikel-Reihe die weitestgehend von ihm inspiriert war (Warum wir ihm (nicht) glauben sollten) und weiß, dass er die Anspielung versteht. Ich gehe weiter. Ich muss weiter gehen. „Warte!“ Er läuft mir über den Hof nach. Er hat keine Schuhe an und rennt bloßfüßig über die kalten, nassen Herbstblätter. „Bist du wahnsinnig? Was machst du denn?“, frage ich und bleibe stehen. „Deine Füße!“ „Macht nichts.“, sagt er und legt den Arm um mich. „Es ist eh nicht so kalt.“ Eine krasse Untertreibung. Ich stehe mit Wollhaube  und Schal fröstelnd vor ihm.

„Wie war das jetzt mit Rückgrat?“, grinst er in der Dunkelheit. „Ich weiß auch nicht.“, stammle ich. Ich weiß es wirklich nicht. Ich weiß gar nichts mehr. Ich bin furchtbar verwirrt. „Pass auf, wir machen jetzt folgendes.“, sagt er und ich nicke nicht mal als Antwort, so unfähig zu kommunizieren bin ich. „Ich werde mich jetzt umdrehen und zur Türe zurückgehen und du kannst dich entscheiden. Entweder du kommst mir nach und wir gehen da gemeinsam durch die Türe hinein und fangen das alles nochmal von neu an, oder aber du gehst. Und dann gehe ich alleine durch diese Tür.“ „Was?“, hauche ich vollkommen stimmlos in die leere Luft zwischen uns. Aber er wartet nicht länger, dreht mir den Rücken zu und geht mit nackten Füßen in Richtung seiner Haustüre.

Und ich stehe da. Wie vom Blitz getroffen und fühle mich innerlich so zerrissen, dass ich schreien möchte. Er entfernt sich immer weiter und ich stehe einfach nur da, unfähig mich zu bewegen. Gehe ich ihm nach? Was passiert dann, außer dem Offensichtlichen? Und was wenn nicht mal das vielleicht Offensichtliche passiert? Vor meinen Augen sehe ich mich zu ihm laufen und meinen Arm unter seinen einhaken. Er schaut mich von der Seite an, lächelt und drückt meine Hand ehe wir gemeinsam durch die Tür schreiten. Ich sehe es vor meinen Augen, sehe wie ich all das tue und…drehe mich dann um und gehe.

Es ist der Bruchteil einer Sekunde, er hat die Stiegen fast erreicht und ich könnte noch loslaufen und ihn einholen und damit diese ganzen schrecklichen Gefühle die sich in meinem Inneren ausgebreitet haben und an mir zehren und zerren loswerden, aber ich tue es nicht. Ich drehe mich um und gehe. Ich weiß nicht, ob er sich an der Tür zu seinem Wohnheim nochmal nach mir umdreht, um zu sehen ob ich dort immer noch stehe oder ihm vielleicht doch nachfolge, aber als ich mich bei ihrer Einfahrt kurz bevor ich das Areal verlasse nach dem Eingang zu seinem Wohnheim umdrehe, ist die Türe zu und er nicht mehr da. Es ist ein Ende, ohne dass es jemals einen Anfang gegeben hätte.

Die Tür ist zu

Das klingt jetzt alles wahnsinnig dramatisch und ich sage euch, das ist es auch. Zumindest in meiner Welt. Mittlerweile ist es ein Uhr Früh. Ein neuer Tag. Ich kann das Poetische daran nicht so ganz erkennen. Tränen fließen keine mehr, aber es fühlt sich an als säße ein Elefant auf meiner Brust. Ich fühle mich elend, aber ich weiß das wird vorübergehen. Das ist nicht das erste Mal, dass ich wegen dem Typen aufs Klo laufen muss um meinen Gefühlsbalast der Kanalisation zu übergeben (ich habe einen schrecklich nervösen Magen der sich sofort mitteilt), aber ich hoffe, dass es das letzte Mal sein wird. Ich schätze mal ich habe jetzt Rückgrat, aber es fühlt sich im Moment noch nicht so gut an wie ich es mir vielleicht vorgestellt hätte. Es wächst ganz langsam und schmerzvoll.

Trotzdem weiß ich tief in mir drin, dass meine letztendlich instinktive Entscheidung ihm nicht nachzugehen die Richtige war. Das was hinter dieser Türe lag, kannte ich schon und es hat mich in den letzten Monaten nicht wirklich glücklich gemacht. Vermutlich wäre ich in ein paar Monaten oder Wochen wieder vor derselben Entscheidung gestanden und all das hätte sich auf grauenvolle Weise wiederholt. Bin ich jetzt glücklich? Meine verheulten Augen, der nervöse Magen und die melancholische Musik mit der ich diese Phase meines Daseins hinterlege, verdeutlichen wie wenig glücklich ich in diesem Moment bin. Aber das wird vorüber gehen, so wie alles vorüber geht und irgendwann blicke ich auf diese Nacht zurück und kann milde darüber lächeln. Vielleicht entwickelt sich das ja auch von einer schmerzvollen in eine wertvolle Erfahrung. Wir werden sehen.

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Über itswaypastmybedtime

Ich bin eine kleine, über Berge hüpfende und dabei Edelweiß-Lieder singende (naaaa wer erkennt die Sound of Music reference?) Student-in des Alpenlandes die sich irgendwann mal hier her verirrt hat und jetzt wie Alice Gefallen am Wunderland gefunden hat. Ich schreibe über alles und nichts. Dinge die mir so passieren, Gedanken die ich in Worte fassen will oder die ein oder andere große Weisheit die ich in meinem jungen Leben schon kapiert hab und großzügig mit euch übrigen unwissenden und herumdümpelnden Mit-20ern teile ;-)

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