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Porno Kreuzworträtsel

Pornovember

Studieren geht über Studieren…oder so ähnlich

Als ich damals als Frischling auf die Uni kam, dachte ich ja wirklich, dass es beim Studieren nur ums ‚Studieren‘ geht. Also so mit Büchern und Skripten und unzusammenhängenden Mitschriften und so. Mir war als unschuldiges Menschen-Lämmchen nicht klar, dass man auf der Uni auch (hauptsächlich) andere Dinge ‚studiert‘. Menschen zum Beispiel, in meinem Fall meist vom anderen Geschlecht, oder auch Fahrrad-Reparatur-leicht-gemacht-Anleitungen. Was ich damit sagen will ist: Das Studium ist so viel mehr als Bibliotheken mit zu kurzen Öffnungszeiten und Professoren, die beim Reden spucken und nicht alles, was wir in dieser Zeit ‚studieren‘ hat augenscheinlich akademischen Wert. Und trotzdem ist es so unheimlich wichtig!

Im Studium triffst du unweigerlich auf andere Menschen (es sei denn du studierst Theologie oder Altgriechisch oder irgend sowas Absurdes, wo man die ordentlichen HörerInnen in den meisten Fällen an einer Hand abzählen kann) und diese hinterlassen unweigerlich auf die eine oder andere Art Eindrücke und Spuren in deinem Leben. Mit diesen Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Ländern/Familien/Hintergründen etc. kommen, verändert sich dein Weltbild, deine Einstellung, kurz und gut: du veränderst dich (höchst wahrscheinlich sogar eindrücklicher als du das durch irgendwelche Vorlesungen oder Repetitorien tun wirst) und das ist prinzipiell gut. Veränderung ist unaufhaltsam menschlich und wenn sie bewusst vollzogen und dadurch gesteuert wird umso besser.

Neulich bei Lena

Neulich hatte ich mal wieder so eine bereichernde Begegnung die mich irgendwie aus meiner Komfortzone herausgerissen und mich wirklich zum Nachdenken angeregt hat. So ganz außerhalb des Hörsaals passiert das nämlich auch ab und an, zumindest meiner Studienerfahrung nach. 😉 Es war ein gemütlicher Herbstnachmittag und nach den paar Prüfungen, die ich im Sommer (na gut, es waren zwei Sommer) aufgeschoben hatte, war es Zeit, mein Einsiedlerdasein zu beenden und soziale Kontakte zu pflegen. So verließ ich das Schneckenhaus meiner intensiven Lernphase und traf mich mit einer Freundin in ihrem Wohnheim zum Kaffee trinken und hoffentlich über Professoren lästern.

Ich traf Lena in ihrer Gemeinschaftsküche an und wir tauschten uns über den vergangen Sommer aus. Viel gab es eigentlich nicht zu erzählen, weil man in der heutigen Zeit ja ohnehin dank (A)Sozialer-Medien bestens über die Geschehnisse seiner Bekannten unterrichtet ist. So war es mir also nicht vollkommen neu, dass Lena in Australien einen Koala gestreichelt und eine riesige fette Spinne, die sie in ihrem Zimmer überraschte, getötet hatte. Ich wusste von dem neuen Tattoo und durch Goodreads auch von dem neuen Buch, das sie gelesen hatte und so verlor sich das Gespräch recht schnell in Belanglosigkeiten und unwichtigen Bemerkungen.

Es war geradezu eine Erleichterung als sich die Küchentür öffnete und eine junge Frau mir langen blond-roten Haaren hereinspazierte. „Hallo.“, sagte ich und lächelte freundlich. „Hello.“, sagte sie und lächelte auch. „Das ist Mary.“, stellte mir Lena das Mädchen vor. „Sie ist amerikanische Austauschstudentin.“ Fabulous! dachte ich. Mary setzte sich zu uns und eine nette Unterhaltung begann. Endlich jemand dessen Facebook-Seite mir nicht bekannt war und über die ich folglich nichts, aber auch wirklich gar nichts, wusste!

Porno in der Gemeinschaftsküche

„Darf ich hier eigentlich auch etwas aufhängen?“, fragte Mary nach einer Weile und betrachtete die vielen bunten Plakate an der Wand. „Na klar!“, meinte Lena. „Du wohnst ja nun auch in unserem Stock.“ „Okay, great!“, sagte Mary und verließ kurz den Raum, um wenig später mit einem großen Poster wiederzukehren. Sie stellte sich einen Sessel an die Wand und wir halfen ihr „ihre persönliche Note“ in Position zu kleben. Zufrieden betrachteten wir das Ergebnis und erst jetzt viel mir auf was auf diesem Plakat stand: #Pornovember.

Aha, dachte ich so bei mir und musste ein bisschen schmunzeln. Bei mir daheim fällt die zur Saison passende Deko dann doch immer ein bisschen anders aus, aber jedem das seine. Immerhin kam Mary ja aus dem freien, freien Land Amerika. Sie bemerkte wohl unsere Blicke, lachte und meinte: „It’s great, isn’t it?“ „Öööh..joah…“, erwiderte ich und Lena fügte dem nichts hinzu, fragte dann aber doch ob das mit dem „Pornovember“ irgend so eine Künstler-Aktion oder so sei. „Oh it’s great!“, strahlte Mary und zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon kapiert, dass das Wörtchen ‚great‘ wohl nicht aus ihrem Wortschatz wegzudenken war und sie erzählte uns, dass der Hashtag eigentlich #NoPornovember heißt, aber sie für die Plakate die provokantere #Pornovember-Version gewählt haben, um mit Menschen darüber ins Gespräch zu kommen.

Pronografie: yay oder nay?

Diese Werbestrategie war anscheinend aufgegangen, weil wir mitten in einer Wohnheimküche in Österreich standen und eben genau das taten: Wir sprachen über (No)Pornovember. Ich brauchte zuerst ein bisschen, um zu verstehen, dass es sich bei der Aktion nicht wie zuerst gedacht um einen Aufruf zum vermehrten Porno-Konsum handelte, sondern, dass genau das Gegenteil damit erzeugt werden wollte. Clever, diese Amerikaner, obwohl ich irgendwie schon ein bisschen enttäuscht war, dass die neue Austauschstudentin nicht als erste Amtshandlung in so schamloser Weise in der Küche für Pornos warb. Irgendwie wäre das auch eine tolle Geschichte gewesen, die ich meinen Ur-ur-Enkeln einmal erzählen würde. So nach dem Motto: „Damals! Als ich noch studiert habe! Da…“

Porno

Ich weiß natürlich nicht wie das bei euch so ist, aber mir ist Pornografie durchaus nicht fremd und um ehrlich zu sein habe ich mir auch noch nie Gedanken darüber gemacht ob das in irgendeiner Weise ’schädlich‘ für mich sein könnte. Alles was mit ‚Masturbations-Verboten‘ zu tun hat klingt immer so nach scheinheiliger kirchlicher Irrlehre und wird von mir meist müde belächelt. Aber bei #NoPornovember oder der Bewegung an sich geht es überhaupt nicht darum, Masturbation als ‚böse‘ oder ’schlecht‘ darstellen zu wollen. Es geht nur um Pornografie und darum was die mit uns macht.

Neue Droge Porno?

Bei #NoPornovember handelt es sich um eine (überwiegend christliche) Bewegung, die sich unter dem Motto #Fightthenewdrug für eine bessere Aufklärung zum Thema Porno stark machen. Auf ihren Webseiten beteiligen sich vor allem junge Menschen daran, die ‚neue Droge Porno‘ als solche bekannt zu machen. „Vielen Menschen ist überhaupt nicht bewusst, wie schädlich Pornografie für sie wirklich ist.“, erklärte uns Mary. „Man rutscht da irgendwie hinein und es ist ja fast auch eine gesellschaftlich akzeptierte alltägliche Tatsache und eine einflussreiche Industrie die sich darum bildet. Dabei sind Pornos wirklich alles andere als harmlos und zerstören uns und unsere zwischenmenschlichen Erwartungen und Beziehungen.“

Ich habe darüber ein bisschen nachgedacht. Meine eigene ‚Porno-Evolution‘ (oder wie man das nennen soll) ein wenig reflektiert und kam zu der Erkenntnis, dass vieles von dem was die „Porn kills Love“-Bewegung aufzeigt auf mich wirklich zutrifft. Durch den ‚Klick‘ mit dem du dir den einfachen und wahnsinnig abwechslungsreichen ‚Kick‘ einfach holen kannst, hat sich mein Sexualverhalten schon geändert. Meine ganze Vorstellung wird davon und dadurch stark beeinflusst und das nicht von heute auf morgen, sondern in langsamen Prozessen. Dass sich mein ‚Porno‘-Verhalten über die Jahre auch verändert hat und ich heute nicht mehr von denselben Sachen (in meinem Fall meistens Geschichten und eher weniger Videos) angeturned werde wie früher, habe ich nie hinterfragt, sondern einfach so ‚hingenommen‘. Wenn das Internet liefert, fragt man nicht so viel. Oder ich zumindest nicht.

Was macht es mit Dir?

Pornografie kann zur Sucht werden, dass weiß Mann/Frau, aber davon bin ich weit entfernt und war davon überzeugt, nicht wirklich ein Problem mit Pornografie zu haben. Wenn nun aber Pornografie an sich ein Problem ist? Und da rede ich jetzt noch gar nicht über das, was Pornografie mit anderen macht (Menschenausbeutung etc.) sondern nur mal über das was Pornografie mit DIR und MIR macht. Bei jedem kurzen Klick. Über all das gibt es jedenfalls wahnsinnig interessante Studien und Beiträge, die darüber informieren, wie sich Pornografie auf dein Gehirn auswirkt etc. Am besten ihr macht euch einfach selbst mal ein Bild. Ich verbringe die einsamen und notgeilen Stunden in meinen November jetzt jedenfalls ein bisschen anders. 😉

Hier die Links:

Get the Facts

#NoPornovember

Bilder: flickr & flickr 

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Über itswaypastmybedtime

Ich bin eine kleine, über Berge hüpfende und dabei Edelweiß-Lieder singende (naaaa wer erkennt die Sound of Music reference?) Student-in des Alpenlandes die sich irgendwann mal hier her verirrt hat und jetzt wie Alice Gefallen am Wunderland gefunden hat. Ich schreibe über alles und nichts. Dinge die mir so passieren, Gedanken die ich in Worte fassen will oder die ein oder andere große Weisheit die ich in meinem jungen Leben schon kapiert hab und großzügig mit euch übrigen unwissenden und herumdümpelnden Mit-20ern teile ;-)

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