Narzisst mit Erektionsstörungen - Teil 2
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"Teil 2" sagt die leicht bekleidete Frau zu dem Narzissten mit Erektionsstörungen.

Narzisst mit Erektionsstörungen – Teil 2

Der Narzisst mit seinen Erektionsstörungen und ich – eine Geschichte, bei der meine Intuition mal wieder: Hab ich’s dir nicht gleich gesagt!, brüllt und wieder einmal recht hatte. Den ersten Teil zum „Narzissten mit Erektionsstörungen“ gibt’s hier, falls du ihn verpasst hast. 😉

„Meins“, so nannte er mich immer. Ein wirklich romantischer Kosename, wenn man bedenkt, dass es um hier die Besitzergreifung einer Person geht. Aber ja, vom Scheitel bis zur Sohle seins. Er hat MICH, eine starke Persönlichkeit, eingefangen, wie die fiese Hexe das letzte Einhorn, und zwar mit einem ganz simplen sowie üblen Trick. Wenn ich mal etwas nicht wollte oder eine bestimmten Standpunkt vertrat, so konnte er diesen nie verstehen.

Nicht nachvollziehen.

Ich musste mich und meine Entscheidung ständig erklären. Er fand immer ein Gegenargument, sägte an meiner Standfestigkeit. Sägte stetig. Die Diskussion wirkte wie Säure auf die Standfestigkeit meiner Entscheidung, sie löste sich auf. So war es immer. Alles weg, bis ich mich selbst fragte, warum ich diesen Gedanken hatte und kam mir dabei sogar lächerlich vor, dass ich ihn überhaupt hatte. Es ist immer einfacher selbst stärker zu leuchten, wenn man das Licht eines anderen auspustet. Und so mied ich jegliche Diskussion. Machte Dinge mit, die ich nicht wollte, verlor meinen eigenen Willen. Beugte mich seinem Wunsch, viel mehr Drang, in vielerlei Hinsicht.

Denn sein Druckmittel war Zuneigung. Würde ich dieses und jenes nicht tuen, würde das im Umkehrschluss bedeuten, er wäre mir nicht wichtig genug. Der arme verlassene ungeliebte Junge musste gerettet werden, dachte ich. Und so blieb ich ihm zu Liebe ewig lange wach und hörte mir seine Probleme an, schleppte mich am nächsten Tag in eine extrem wichtige Klausur – nicht mehr mir zu Liebe. Oder schlief mit ihm, dem Sexbesessen ohne Standhaftigkeit (wie grotesk!), obwohl ich Bauchschmerzen hatte. Weil mich das alles so sehr stresste, begann nicht mehr nur meine Seele, sondern auch mein Körper, weh zu tun.

Aber immerhin

Der Sex wurde besser, Pardon, sein Schwanz hielt länger durch. Was wohl daran lag, dass seine Akkus meine Power aufsaugten. Aber er hieße ja nicht Narzisst, wenn ich auch was von der Nummer gehabt hätte. Doch eins muss man ihm lassen, lecken konnte er himmlisch. Aber diese Gabe setzte er wohl dosiert ein. Oft genug um mich zu halten, selten genug um nicht selbst mehr zu tun als nötig, selten genug um mich danach schmachten zu lassen. Wenn man selbst weiß, dass dies die einzige Art ist, jemandem richtige Befriedigung zu geben, ist das bereits wie ein kleines Stückchen Macht über besagte Person. Im Prinzip war das in allen Lebenslagen sein Erfolgsrezept. Ganz nah ran ziehen folgte auf wegstoßen. Mit einer ordentlichen Portion Mitleid und Hilflosigkeit, war das die perfekte Mischung, seinen Narzissmus optimal zu befriedigen.

Nichts geschah ohne Hintergedanken

Ein kleines Beispiel: Nach einer Reise holte er mich vom Flughafen ab, welch süße Geste, he? Flughäfen sind so bedeutungsvoll, bringen Menschen wieder zusammen oder entreißen sie einander. Wenn dann am Ausgang alle von ihren Liebsten abgeholt werden, und auch jemand auf dich wartet, sich auf dich freut, sich extra die Mühe zum abgelegenen Flughafen gemacht hat, um dich willkommen zurück zu heißen, dann ist das wunderschön. Für mich hat das noch kein Mann gemacht. Aber als er noch am Flughafen fragte, ob er seine Schmutzwäsche bei mir waschen dürfe, welche er nicht mehr in der WG waschen konnte, denn er war zu pleite, um Waschmittel zu kaufen, aber Zigaretten gingen immer (just sayin), war der Zauber des Abholens verflogen. Wich der Realität, vor der ich meine Augen so lange verschloss. Über ein halbes Jahr …

Unsere Beziehung, die ja ohnehin nicht sonderlich gut lief, bekam neben den tausend Belastungsproben, welche der Alltag uns bereits stellte, eine weitere Hürde. Als er den Entschluss traf, es seiner Ex-Freundin gleichzutun und ihr in die Schweiz zu folgen, um dort als Saisonarbeiter in einer Bar zu jobben. Warum selbst was ausdenken, wenn man doch keine Ziele hat? Es ist doch viel einfacher, es jemandem nachzumachen. Als liebe Freundin half ich ihm bei der Bewerbung. Ging ich ja nicht davon aus, dass ein Mann mit frisch operiertem Bein als Bewerber für eine Stelle als Kellner ernst genommen wird. Er wurde. Und er wurde sogar eingestellt.

In einem Monat sollte es los gehen. Um weitere Kosten zu sparen oder ich vermute einfach, weil er rausgeschmissen wurde, zog er aus der WG aus. Erst mal mit Sack und Pack zu mir. Aber ja, ja eigentlich wollte er zu einem Freund, der nur ein paar Häuser weiter wohnt … Stattdessen nistete er sich bei mir, seiner Freundin, ein. Was ja im Prinzip auch Sinn macht, oder? Welche Freundin lässt seinen Liebsten auf der Straße sitzen?

Don’t do wifey shit for a fuck boy

„Du, ich kann auch zu meinen Freund, du musst es nur sagen!“, meinte er provozierend, fast drohend, wenn wir uns mal wieder gestritten haben. Und jetzt mögt ihr denken: Du dumme Kuh, wieso hast du es nicht gemacht? By the way, das frag ich mich auch! Da kannst du jetzt nicht Nein sagen, sagte mein Herz. Und doch: irgendwas in mir schrie, flehte: Tu es nicht! Aber ich tat es. Die Wut auf mich selbst loderte in meinem Brustkorb. Zeitweise hatte ich einen Hass auf ihn, wenn er auf der Couch lag, während ich ihm was kochte. Konnte ich es nicht ertragen neben ihm zu schlafen. Fuckte allein der Gedanke, dass er zuhause war wenn ich kam, mich hart ab.

Ich war wie Grete Samsa in Kafkas „Die Verwandlung“, das Ungeziefer, welches ich eigentlich lieben sollte, fiel mir zu Last. Ekelte mich an. Dieser innere Konflikt hätte Warnsignal genug sein sollen. Doch ich wusste, dass die gemeinsame Zeit ablief und versuchte durchzuhalten. Aber innerhalb dieser Zeit rückte ich näher zu ihm. Mein Herz gewann wieder die Überhand, brachte Verstand und Bauch zum Schweigen, bis sie kein Lebenszeichen mehr von sich gaben.

Und dann?

Fernbeziehung ist für mich so ein gegensätzliches Wort. Gott, ich wusste noch nicht mal was Beziehung bedeutet. Wie sollte ich da nur mit einer Erweiterung wie „Fern“ klar kommen, welche die ganze Chose noch komplizierter machte. Fern. Um genau zu sein bedeutete das über 1000 Kilometer voneinander entfernt sein. Der Plan war es, sich ein Mal im Monat zu besuchen. Täglich von einander hören. Seine Sexbesessenheit in Schach halten, damit er nicht fremdgeht. Auch wenn er keinen hochkriegt.

Haltet mich nicht für prüde, schließlich kennt ihr ja meine Texte, aber Cyber Sex ist nicht mein Ding. Mich vor einer Kamera zu räkeln und es mir dabei selber zu machen, jemanden in dem Viereck gegenüber zu beobachten, der das gleiche tat, nope! Und so sträubte ich mich dagegen. Aber wieder hieß es: „Wieso? Ich bin doch dein Freund!“ Irgendwann machte es wieder den Anschein ich würde ihm etwas verweigern, worauf er ein unbegrenztes Recht hatte – mich.

Ein freier Samstag ist für mich selten

So freute ich mich sehr darauf mal auszuschlafen, sofern die Baustelle vor meinem Fenster es zuließ. Aber stattdessen wurde ich geweckt, von meinem Noch-Freund oder was auch immer. Geweckt werden ist zum Kotzen. Aber ich freute mich über seinen Anruf. Zumindest die ersten Sekunden. Denn der Grund seines Anrufs galt seinem Schwanz. Der wohl mit Gardinenring grad ziemlich hart war.

Drei Stunden lang bekam ich Fotos, Videos und Sprachnachrichten in denen es nur um seinen Pimmel ging. In dieser Zeit habe ich gefrühstückt, geduscht, mich fertig gemacht und war einkaufen. Wer zum Teufel hat bitte drei verfickte Stunden Zeit, sich einen runter zu holen? WER? Wisst ihr, nicht die Tatsche, dass sein Schwanz drei Stunden, wo ich nun 1000 Kilometer entfernt war, endlich mal durchhielt, sondern, dass ich ihm jetzt nur noch einen Cyber Fick wert war, machte mich wütend.

Ich wollte ihn besuchen, erzählte von dem Flug, aber er wollte nur wissen, ob ich heute in Stimmung sei. Innerhalb der Entfernung ging Kilometer für Kilometer die Zuneigung verloren. Händchen halten, zusammen einschlafen und kuscheln waren nicht mehr möglich. Aber liebe Worte, Fragen nach dem Empfinden, Interesse am Tag? Fehlanzeige. Die Beziehung verwandelte sich irgendwo zwischen deutscher Grenze und Matterhorn in eine billige Sex-Geschichte, wie man sie nur von gescheiterten Existenzen kennt, die sich im stillen Kämmerlein zu ihrer unerreichbaren Wichsvorlage wieder und wieder einen runterholen.

Die Zecke hat sich vollgesogen und hat sich befriedigt vom Wirt fallen lassen, bis in die Schweiz. Jetzt wo keine Zuneigung mehr von ihm ausging, hatte mein Herz kein Futter mehr, um Verstand und Bauch zu bändigen. Dieses unbeschreibliche Gefühl, welches bisher immer nur leicht aufflammte, wurde stärker. Es fühlte sich an als hätte ich wie eine dieser Comic-Figuren eine Stange Dynamit geschluckt. Es brannte und ich spürte wie die Schnur immer kürzer wurde, knapp vor der Explosion. Er hat mich einfach nur benutzt. Diese Enttäuschung war unbeschreiblich. „Liebst du mich oder willst du mich einfach nur besitzen?“, wollte ich zum Schluss von ihm wissen. „Wo ist der Unterschied?“, fragte er salopp und jagte ein Grinse-Smiley hinterher. Die Fratze lachte mich aus. Eigentlich kannte ich die Antwort auf die Frage.

Du brichst mir das Herz

„Du bricht mir das Herz“, schrieb ich, als dicke Tropfen aufs Handydisplay klatschten und die kleine, so bedeutungsvolle Zeile unscharf werden ließen. „Wieso denn das?“, fragte er dann, die Schuld von sich weisend. Ich befand mich bereits bebend und schluchzend in einem erstklassigen Heulkrampf. „Blöd gelaufen, tut mir leid.“ Gefühle überschwemmten mich wie Schadstoffe aus der Luft, rauschten durch meinen Körper und zersetzten mein Inneres, füllten mich ganz und gar aus und ließen mich dann leer zurück. Der Heulkrampf war vorbei. Ich hatte mich gefangen und die Kontrolle über mich selbst wieder erlangt.

Dieses Mal verbrannte ich mich nicht nur an der Herdplatte, nein, ich blieb mit meiner Hand an der heißen Fläche kleben. Meine Haut schmolz und ich musste etwas unternehmen, ziehen, reißen, zerren. Mit aller Kraft. Um nicht zu verbrennen. Unter Schmerzen bekam ich sie los. Die wunden Stellen werden heilen. Und die Narben mich immer daran erinnern, nie wieder einem Narzissten (mit Erektionsstörungen) oder sonst wem zu erlauben, mich zu besitzen.

Sein Schwanz symbolisiert die fleischgewordene Enttäuschung, die unsere Art von Beziehung zueinander darstellte. Mein verzweifelter Drang durchzuhalten, obwohl es keinen Sinn hatte. Da wo plumpe Funktion von so viel tiefer sitzenden Problemen blockiert wurde, konnte und sollte nichts entstehen. Aber Glückwunsch: Das einzige was er richtig gefickt hat, war mein Kopf. Du sagtest ich solle alles aufschreiben, damit du im Nachhinein weißt, was du falsch gemacht hast.

There you go, kid!

Aber es geht hier nicht darum, wie eine verbitterte sitzengelassene Furie, alles aufzuzählen, was er im narzisstischen Egoismus getan hat. Es geht darum auf ganzer Linie ausgenutzt worden zu sein. Sex, Verpflegung, Wohnraum und das for free. Nein wartet, auf Kosten meiner Gefühle und wie sich später rausstellte auch auf denen der Stromrechnung. Ja, ja außer Spesen nix gewesen. Es ist normal Kompromisse einzugehen, es ist auch normal, dass der eine mehr tut als der andere, mehr gibt als der andere. Aber wenn das Gleichgewicht so aus den Fugen gerät, dass eine Verbindung mehr und mehr Mangelgefühl auslöst, als dass sie befriedigt, dann ist man einfach fehl am Platz. Kein Kümmern, kein Verständnis, kein Respekt, keine Aufmerksamkeit. Empathie bei einem Narzissten zu finden ist unmöglich. Denn er besitzt einfach keine.

Blöd gelaufen. Tut mir leid.

Cheers

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Im Leben einer Frau gibt es viele Ereignisse die sie prägen. Nicht jene die man sich jetzt vorstellen mag wie den perfekten Mann zu treffen oder im Job befördert zu werden. Ich meine diese bei denen sich Frau schwört: nie wieder! Oder: bitte immer weiter!!! Ich rede über sexuelle Katastrophen und Highlights.

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