Der ganz, ganz kleine "Mann" - Teil 1 - Studiblog
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Ein ganz kleiner Mann: kleiner Pilz im Moos

Der ganz, ganz kleine „Mann“ – Teil 1

Voila, c’est la realité!

Wir trafen uns das erste Mal im vergangenen Sommer und er kam dann auch bald mal zum Frühstücken auf meinem Balkon vorbei. Er war zwar mehr so der Künstler-Frühstück-Typ, also sprich Zigarette und Kaffee, aber ich konnte ihn überreden, doch zwei Marmeladebrötchen zu essen. Egal, weil eigentlich ist sein Essverhalten für die Geschichte nicht wirklich relevant. Emil, so nennen wir den jungen Mann für diese Erzählung, war gute zwei Meter groß, tätowiert, rauchte zwar, trank dafür aber nicht und war ein offen bekennender Kiffer, der aber nicht müde wurde zu betonen, dass er ‚trotzdem alles auf die Reihe brächte‘. Mit alles meinte er sein Pädagogik-Bachelor Studium, den Nebenjob in einem Flüchtlingsheim und ja, das wars dann eigentlich auch schon.

Emil war kein Traum-Mann. Klar fand ich ihn nicht komplett abstoßend, sonst hätte ich ihn auch nicht bei mir auf dem Balkon Brötchen essen lassen, aber eigentlich waren da viele Dinge, die mir nicht passten und die klar machten, dass das nichts ‚werden‘ würde. Zum einen rauchte er eben Zigaretten wie ein Irrer, was an der durch Nikotin verursachten Lungenkrebs-Geschichte aller Männer in meiner Familie ein No-Go war, kiffte auch noch so gut wie jeden Abend und hatte diese ‚alles ist easy‘ sozialromantiker-Einstellung, gepaart mit einem sich widersprechenden apokalyptischen Zukunftsgedanken, dass man eigentlich nur den Kopf schütteln konnte.

Mir gefiel zwar, dass er gut zwei Meter groß war und dunkle schöne Haare und Augen hatte und bewunderte sein Engagement für Kinder, aber das wars dann auch. Keine Schmetterlinge. Keine große Anziehung. Kein BAM, WOW oder ZACK das mich umgehauen hätte. Emil war einfach gewöhnlich. Irgendwie sogar weniger als das und dabei hätte es dann auch bleiben können. Blieb es dann aber nicht…

…und trotzdem

Nach dem Frühstücken im Sommer auf meinem Balkon und ein, zwei weiteren Anläufen verloren wir uns irgendwie aus den Augen und die Kommunikation brach letztlich ab.  Er kommentierte und likete zwar Zeugs auf meinen Social Media Plattformen, aber darauf beschränkte es sich dann auch. Zu meinem Geburtstag schrieb er mir einen Gruß auf den ich nicht antwortete und ich dachte nicht mehr an Emil und vergaß ihn eigentlich komplett, bis er sich dann am Heilig Abend wieder meldete. „Frohe Weihnachten!“, schrieb er mir von seiner Nachtschicht und fügte ein Foto von dem Weihnachtsgeschenk hinzu, mit dem ihn die Kinder in seiner Arbeit überrascht hatten. Irgendwie im ‚christmas spirit‘ freute ich mich für ihn und ließ ihn das auch wissen und wir schrieben hin und her.

Tee, Kekse und Quatschen

Was dann genau dazu führte, dass er am Tag darauf dann zum Weihnachtskekse-Essen bei mir vorbei kam weiß ich nicht mehr, aber er kam jedenfalls. Sein schwarzer Wintermantel roch nach altem, kalten Zigarettenrauch, aber sein Lächeln war süß schief und seine Haare von der Haube zerzaust. Wir tranken Tee, hörten Weihnachtslieder und quatschten ein bisschen. „Wie läufts mit den Männern?“, fragte er mich und erzählte umgekehrt, dass er sich jetzt zwar in den letzten paar Wochen mit einem Mädchen getroffen hätte, für das er irgendwie geglaubt hatte, mehr zu empfinden, sich das jetzt aber wieder verpufft hatte und sie es wohl zu schnell angegangen waren. Ich hörte mir das an, schlürfte an meinem Winterzaubertee und nickte an den Stellen an denen man in so einem Gespräch eben nickt.

Emil hatte mir sogar ein Weihnachtsgeschenk mitgebracht und lud mich bei der Verabschiedung ein doch mal bei ihm vorbei zu kommen, jetzt wo sowieso aufgrund der Feiertage keiner in der Stadt war und wir beide alleine waren. Er schrieb mir noch am selben Abend und fragte, ob ich nicht am folgenden Tag gleich vorbeikommen wollen würde, aber da hatte ich vor, Verwandte zu besuchen und winkte ab. Am Tag darauf versuchte er es wieder und so kam es, dass ich mich die fünf Minuten Gehweg von meiner leeren WG zu seiner leeren WG auf machte. Ich hatte ja nun mal auch wirklich nichts Besseres vor.

Die Torheit der Jugend

Die Wohnung passte gut zu ihm. Ein riesiger kalter, großer Altbau mit hohen Türen und noch höheren Wänden. Alles war überdimensional. So wie Emil. Oder zumindest so wie fast alles an ihm. Aber das sollte ich noch herausfinden.😉

Er begrüßte mich herzlich und machte mir Tee mit Honig in einem – welche Überraschung – riesigen Glas. Neben ihm und allem in seiner Wohnung kam ich mir vor wie die geschrumpfte Alice im (Alb-)Traumland, aber zu diesem Zeitpunkt fand ich das wohl alles noch irgendwie ganz nett.

In seinem Zimmer setzte/legte ich mich auf das Sofabett unter seinem überdimensionalen Stockbett und er setzte sich gegenüber von mir auf einen Sessel. Damit waren die Fronten irgendwie geklärt und ich war fast ein bisschen erleichtert, dass da kein offensiver Anmach-Versuch von seiner Seite kam. Wir redeten und tranken Tee, er drehte sich irgendwann einen Joint (der Geruch hängt auch Tage danach noch in meinen Haaren fest…), hörten schräge Musik und er spielte mir eine Menge seltsamer Film-Trailer vor, von denen er meinte, sie könnten mir gefallen. Außer dem Gras-Geruch, den ich nicht gewohnt war, lag zwischen uns absolut gar nichts in der Luft, hatte ich das Gefühl.

Nachdem ich meinen Tee ausgetrunken hatte und gut eine Stunde bei ihm war, reichte es mir dann eigentlich und ich wollte gehen. Emil aber meinte, ich solle noch bleiben. Dabei hatte er doch vor gehabt, auf eine Abschiedsparty von irgendeiner Freundin zu gehen, die für ein Semester nach Amerika gehen würde. „Da muss ich eh nicht pünktlich hinkommen.“, meinte er mit seinem tiroler Slang, wenn er denn überhaupt vorbeischauen würde. Okay, dachte ich mir. Bevor ich alleine in meiner Wohnung herumliege, kann ich auch bei Emil herumliegen. Im Nachhinein, war das keine gute Idee.

Teil 2 über Goliath, der dann doch nur ein David war, direkt lesen. 😉 

Bild: pixabay

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Über itswaypastmybedtime

Ich bin eine kleine, über Berge hüpfende und dabei Edelweiß-Lieder singende (naaaa wer erkennt die Sound of Music reference?) Student-in des Alpenlandes die sich irgendwann mal hier her verirrt hat und jetzt wie Alice Gefallen am Wunderland gefunden hat. Ich schreibe über alles und nichts. Dinge die mir so passieren, Gedanken die ich in Worte fassen will oder die ein oder andere große Weisheit die ich in meinem jungen Leben schon kapiert hab und großzügig mit euch übrigen unwissenden und herumdümpelnden Mit-20ern teile ;-)

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