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Zeugen Jehovas in vegan - Gemüseheilige

Gemüseheilige: Zeugen Jehovas in vegan

„Beep, beep, beep! Wir haben uns alle lieb! Guten Appetit“ – aber bitte vegan!

Achja, wenn es nur so schön unkompliziert wäre, im Leben, aber ganz besonders auch beim Essen. Gerade rund um den Mittagstisch brechen sie doch oft aus: Die Kämpfe und Kriege der Wohlstandsgesellschaft. Ob nun rund um den WG-Sofa-Tisch, der schon längst einmal hätte abgewischt gehört, oder um den voll-Eiche-echt Holz Familienstolz, ist eigentlich egal. Gestritten wird überall.

Gerade aus den wäh-ich-mag-kein-Gemüse-Kindern von damals sind heute meist die größten bio-fairtrade-organic-Jahreszeiten-bewusst-einkaufende Jutebeutel-Studenten geworden, die mir persönlich in der WG-Küche nicht nur den letzten Nerv sondern auch den ganzen Platz im Kühlschrank rauben. Irgendwo aber auch verständlich, wenn aus umweltbewussten-schonenden Gründen und der Richtigkeit halber der ganze Kürbis am Wochenmarkt gekauft und als Beute ins eigene Nest geschleppt wird und man ihn dann anschließend in den verdammten Kühlschrank packen will!

Vegan – Hype und Hysterie

Mindestens zweimal in der Woche ziehen sie los, die Konsum Verächter und Weltretter im Karotten-Cape. Um Food zu dumpen, das sie anschließend sharen oder selbst vernichten können, auf Wochenmärkte und open-space-Plätze, auf denen sie gleichgesinnten 2.0 Gutmenschen begegnen und Internet-Rezepte für die beste öko-vegan-fruchtarier-freundliche Quiche austauschen, während das kleine Mütterchen mit dem ländlichen Kopftuch am Haupt dem akademischen Wunder-Studi mit eigenem ‚Balkon-Garten‘ versucht zu erklären, wie er es schafft den soeben erworbenen ganzen steirischen Kohlkopf dahingehend zu verarbeiten, dass er seine Küche dabei nicht vernichtet oder für den Rest seines Lebens unkontrollierbare Blähungen hat.

Das Gemütliche „komm doch vorbei und lass uns was kochen und dabei über deinen Ex herziehen“, könnte nicht unentspannter sein, wenn du für Lebensmittel erst mal 30 km mit dem Fahrrad in den nächsten Spezial-Gewürzhändler-Öko-Sonder-Shop fahren musst und jeder der Gäste seine eigene Soja oder Mandelmilch anschleppt. Lisa isst diesen Reis nicht, Doris nur jenen und für Laura muss man alles extra abwaschen, weil sie ganz sichergehen will, dass ihr Teller nicht doch noch mit tierischen Produkten ‚infiziert‘ ist. Geburtstagskuchen kann man sowieso niemandem mehr backen, weil man bei den ganzen eingebildeten Intoleranzen und Lebensmittelphobien sowieso nur mehr Luft servieren dürfte, damit keiner einen allergischen Schock bekommt oder sich zu einer Grundsatzdiskussion hinreißen lässt. Über die diesjährige Weihnachtskeks-Saison möchte ich gar nicht erst sprechen.

Wirklich nicht.

Zeugen Jehovas des Veganismus

Versteht mich nicht falsch liebe Leute, Lebensmittel sollten geachtet und nicht verschwendet werden. Niemand versteht das wohl besser als ein Landkind wie ich, das selbst in der Kürbissaison jedes Jahr aushöhlen durfte und an der Kernölpresse gestanden hat oder Kartoffeln im Acker geklaubt hat, bis einem der Rücken so weh tat, dass man fast keine Luft mehr bekam. Was mich einfach stört ist diese übertriebene Hysterie, mit der sich da in etwas hineingesteigert wird und die absurde Land-Romantik die von Städtern und besonders in der Stadt wohnenden Studis gelebt wird. Diese Gemüseheiligen, wie ich sie gerne nenne, haben für mich immer ein bisschen etwas Scheinheiliges und einen eher bitteren Beigeschmack von ‚trendy‘.

Bei all dem Gequatsche über Nachhaltigkeit hat sich eines in unserer schnelllebenden Gesellschaft nämlich wohl bewiesen, dass ‚trendy‘ sehr kurzweilig und nicht wirklich ernst zu nehmen ist. Generell finde ich ja auch, dass man sich über dümmere Sachen streiten kann als über das Essen, aber streiten ist in den seltensten Fällen wirklich wertvoll. Auch, wenn eine Diskussion und ein Umdenken sicherlich notwendig ist. Aber das erreichen wir nicht, indem wir den Moralapostel spielen und anderen Leuten etwas aufzwingen, für das sie einfach (noch) nicht bereit sind oder dessen Notwendigkeit sich ihnen noch nicht erschlossen hat.

Mehr beep beep beep bitte

Lasst uns nicht zu Zeugen Jehovas des Veganismus oder sonst irgendeiner Überzeugung oder Glaubensrichtung werden. Mehr von beep beep beep und weniger von bääh bääh bääh wäre eigentlich ganz schön. Wenn wir das ganze Thema Essen und Ernährung (und alles was damit zusammen hängt) ein bisschen weniger fanatisch angehen, können wir vielleicht auch bald wieder Gespräche über etwas anderes als Chia-Samen führen. Das ist nämlich auch nicht das Gelbe vom Ei, das du nicht isst.

Auf diesen Tag freue ich mich schon. 😉

Bis dahin, lasst’s euch schmecken Leute! Aber versalzt einander nicht die Suppe. Egal ob sie jetzt deiner Vorstellung entspricht oder nicht. 😛

Bild: pixabay

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Über itswaypastmybedtime

Ich bin eine kleine, über Berge hüpfende und dabei Edelweiß-Lieder singende (naaaa wer erkennt die Sound of Music reference?) Student-in des Alpenlandes die sich irgendwann mal hier her verirrt hat und jetzt wie Alice Gefallen am Wunderland gefunden hat. Ich schreibe über alles und nichts. Dinge die mir so passieren, Gedanken die ich in Worte fassen will oder die ein oder andere große Weisheit die ich in meinem jungen Leben schon kapiert hab und großzügig mit euch übrigen unwissenden und herumdümpelnden Mit-20ern teile ;-)

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