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Beitragsbild studienanfaenger-impressionen - Schlafender Student im Hörsaal aus Sicht des Rednerpultes

Studienanfänger – Impressionen Teil 2

Zu „Teil 1 der Eindrücke eines Studienanfängers“ geht’s hier lang.

Meine Impressionen – Von Atomuhren und anderen Maßnahmen

In einer meiner gewählten Fachrichtungen, der englischen Sprache, war es üblich das gesamte Studium in Pro-Seminaren beziehungsweise Seminaren mit entschieden zu wenig Plätzen und entschieden zu vielen Studenten zu bestreiten. Bekam man keinen der vorhandenen Plätze, fiel man wohl oder übel und ganz ohne die eigene Unfähigkeit beziehungsweise das eigene tölpelhafte Versagen ein halbes oder gar ein ganzes Jahr in seiner Studienzeit zurück, ein Problem, das es nur bei Insel-Instituten wie der Alten Geschichte oder auch der Theologie nicht gab.

Die Notwendigkeit einer erfolgreichen Teilnahme, ganz abgesehen von wahnsinnigen und inkompetenten Professoren oder anderen zweifelhaft qualifizierten und zu meiste deutschen irrwitzigen Vortragenden, solcher Stolpersteine war also selbstredend eine ausgesprochen wichtige. Als Studienanfänger, zu welcher Gruppe ich mich als kleines Mäuschen also zählen durfte, war es ohne Vorsprung bringende ECTS Punkte praktisch ein Ding der Unmöglichkeit auch nur in eines der erforderlichen Seminare zu kommen.

Meine Familie, durch die große Verzweiflung und die bodenlose Trauer meines zu verfluchenden Schicksals, weitestgehend hineingezogen und dadurch beeinflusst setzte also alles daran, es in irgendeiner Form und Weise und mit denen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, fertig zu bringen mich nicht noch weiter zu frustrieren. Und so fanden wir uns, wir das waren meine akademiker Mutter und mein proleten Bruder, in etwa der zweiten oder dritten Studienwoche meiner Karriere im Kellergeschoss unseres Hauses vor den Computern wieder.

2 Helfer, 6 Computer – Los geht’s!

Ab 9:00 Uhr Früh starteten an diesem Tag die mit Schrecken erwartenden, weil natürlich erfolglosen, Anmeldungen auf der schlecht verwalteten Universitätsplattform, dessen Format und Layout vermutlich seit den Anfängen des Internets nicht mehr überarbeitet worden war. Mit insgesamt sechs Computern, alle eine halbe Stunde früher hochgefahren und auf meinem persönlichen Universitäts-Account eingeloggt, dank dem Hinweis eines ehemaligen Studierenden, dass die vor Kompetenz und informatischer Genialität strotzenden Server ein späteres Einloggen auf Grund Überlastung nicht mehr möglich machten, einer Packung Kekse und 3 Koordinationsangaben-Zettel saßen wir also alle zum Zerreißen gespannt auf unseren Drehstühlen vor den Geräten.

Die Verzweiflung in diesem bescheidenen Haushalt, dem ich nun einmal angehörte, war bei allen Beteiligten in den letzten Tagen so gestiegen, dass mein Vater es sich nicht nehmen ließ und wir über Telefon mit ihm in der Firma Kontakt hielten, damit auch er und eine seiner Assistentinnen mich im System über ihre Computer anmelden konnten. Damit auch ja alles gut ging und wir uns in der Zeit auch ja nicht irrten, war an beiden jeweiligen Standorten ein Bildschirm alleine damit beauftragt die Atomuhr-Anzeige abzuspielen.

Welche Ausmaße das lächerliche Unterfangen und wie viel doch auch gleichzeitig davon abhängt, an Ort und Stelle der erste zu sein, einer online Registrierung oder generell irgendeiner nichtigen Anmeldung auf der Uni, annehmen kann, scheint vielen dort zuständigen Personen offensichtlich nicht klar zu sein. Falls doch, und ich bin ja eher dazu geneigt letzteres zu glauben und auch bösartig in der Welt zu verbreiten, erkläre ich sie alle zu  Sadisten und manch einen, dem Äußeren nach zu urteilen, sogar zu einem Masochisten. Vollkommen gesund sind sie jedenfalls alle nicht.

Warteliste, here I come!

Sobald die Atomuhr jedenfalls neun Uhr schlug, schlug die gesamte Familie, in verbissener Determinierung vereint, auf die Tasten der Computer um wenigstens eine erfolgreiche Registrierung zu gewährleisten und siehe da, eine höhere Macht schien mich zu erhören, denn ich wurde tatsächlich über einen Fixplatz in einem der von mir gewählten Kurse informiert.  Fraglich war allerdings, wie man sich zu den sieben anderen Absagen, das heißt Wartelistenplätzen, verhalten sollte und die von mir zur Beratung aufgesuchte Erstsemestrigenbetreuung schien sich da selbst nicht ganz einig.

Zuallererst wurde mir von einer gepiercten und Kaugummi kauenden Studentin im vermutlich fünfundzwanzigsten Semester ihres Pädagogikstudiums erklärt, dass es ganz normal sei sich seine Kurse nicht aussuchen zu können und dass mein Problem sowieso eigentlich überhaupt nicht die sechs aussichtslosen Wartelistenplätze seien, sondern meine übertriebenen Erwartungen an das Universitätswesen selbst. Hier, so erklärte man mir, sei man noch ganz Österreicher und gebe den Dingen, vor allem den Akademischen, seine Zeit. „G’hudelt wird nix und ändern kann ma sowieso nix.“, war der Tenor meiner Anfrage, zum Abschied aber drückte man mir einen Flyer zur anstehenden Beisel-Tour für Studierende in die Hand, die sich, wie man mir versicherte, jedes Jahr größter Beliebtheit erfreute und auch wirklich sehr informativ sei.

Vielleicht kann die Studienberatung helfen…

Mit diesen, mehr oder weniger, Informationen nicht ganz zufrieden, verschlug es mich in die Studienberatung, die neben jeder Menge Psychologen und Anleitungen zum garantierten Scheitern des gewählten Studiums auch Sprechstunden für kleinere Anliegen wie meines anboten. Dort, zwischen Mappen, Büchern die den Weg zum Inneren Selbst oder Kind oder beidem zu beinhalten vorgaben, Kräutertee, Duftkerzen und Kontaktlinsenflüssigkeit, riet man mir direkten und persönlichen Kontakt mit der betreffenden Lehrperson aufzunehmen, um so meine Chancen auf einen Hörerplatz in einem der Proseminare zu erhöhen.

Dies hörend zog ich also unverzüglich los, um auch ja nichts unversucht zu lassen und musste gleich bei meiner Ankunft am Institut und den jeweiligen Eingängen zu den Büroräumen der betreffenden Lehrkräfte feststellen, dass die Studienbetreuung den Tipp einer persönlichen Vorstellung wohl nicht nur mir gegeben hatte und so wurde ich ohne vorstellig zu werden von entnervten Sekretärinnen und umherstolzierenden Studienassistenten verjagt, verscheucht oder zweifelhaft vertröstet. Am Ende der Anmeldungs- und Einteilungsfrist jedenfalls war klar, dass es bei meinem einen Fixplatz in meinem ersten Semester bleiben würde und ich viel Zeit hatte das berühmte Studentenleben zu genießen.

Warum und wieso ich dann auch nur sehr wenig bis gar keinen Grund hatte mich über das verdammte eine Seminar in das ich es geschafft hatte zu freuen, lasse ich euch gerne in der Fortsetzung wissen. 😉

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Über itswaypastmybedtime

Ich bin eine kleine, über Berge hüpfende und dabei Edelweiß-Lieder singende (naaaa wer erkennt die Sound of Music reference?) Student-in des Alpenlandes die sich irgendwann mal hier her verirrt hat und jetzt wie Alice Gefallen am Wunderland gefunden hat. Ich schreibe über alles und nichts. Dinge die mir so passieren, Gedanken die ich in Worte fassen will oder die ein oder andere große Weisheit die ich in meinem jungen Leben schon kapiert hab und großzügig mit euch übrigen unwissenden und herumdümpelnden Mit-20ern teile ;-)

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