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Männer mit Beschilderung: Hör nicht auf Mutti

Männer sollten beschildert sein!

“Aber er sieht gar nicht danach aus!”

Diesen Satz habe ich am Morgen danach in der Küche zu meinem Mitbewohner gesagt, der sich regelmäßig geduldig meine Männer-Traumata anhört. Ich saß Müsli essend und mit zerzaustem langem Haar auf der Küchentheke, ließ meine Beine baumeln und jammerte Andi von dem Typen vor mit dem ich gestern Abend wohl wiedermal zu weit gegangen war. „Ich dachte mir schon, dass das eine interessante Freundschaft ist, wenn ihr knutschend am Sofa im Wohnzimmer sitzt.“, grinste er und reichte mir eine Tasse ‚alles-wird-wieder-gut‘-Kakao. Ich habe vielleicht den besten Mitbewohner in der ganzen Stadt. Meine Hände in meinem Gesicht vergrabend stöhnte ich theatralisch irgendetwas, das sich wie Weltschmerz anhörte und anfühlte und Andi lachte mich ein bisschen aus. „Erzähl mal.“, sagte er in seinem einfühlsamen Psychologen-Ton und setzte sich mit überschlagenen Beinen auf einen der Hocker gegenüber von mir.

Story Time

Mit dem Typen mit dem ich gestern Abend knutschend am Sofa landete traf ich mich schon zu Mittag zum Essen. Diesmal kam nicht er, sondern ausnahmsweise mal ich zu spät und er drückte mich zur Begrüßung. Ich sagte hey, er sagte hey. Alles ganz normal. Wir schlenderten zum Lokal unserer Wahl und ich versuchte mit Stäbchen Nudeln zu essen und schaffte es nicht. Er war charmant, berührte über den Tisch hinweg meine Hand, fütterte mich mit seinen Stäbchen von seinem Essen und lachte mich aus, weil ich vom Abend davor noch komplett übermüdet war und ich dem Gespräch nur schwer folgen konnte.

Er erzählte mir wie Weihnachten bei ihm war und ich erzählte ihm von Weihnachten bei mir. Wir erzählten uns auch noch eine Menge anderer Dinge, aber das tut hier nicht wirklich was zur Sache. Nach dem Essen meinte er, er würde mich nach Hause begleiten und am Weg dorthin machte er noch beim Supermarkt halt und kaufte mir Gummibärchen. Ich bin offensichtlich ein ziemlich offenes Buch und nicht mal halb so mysteriös wie ich hoffe 😉 und er wusste, dass ich mich freuen würde. Das eigentlich lustige aber war, weil suuuuper ironisch, dass es sich nicht um Gummibärchen, sondern um Frösche handelte. Der Froschprinz hatte mir Froschprinzen gekauft! Eine ganze Packung. Wenn das mal kein Zeichen war.

Der Froschprinz

Als mich der Froschprinz also bei mir bis vor die Haustür gebracht hatte, nahm ich ihn auf eine Tasse Tee und Gummifrösche mit hinauf in die Wohnung. Wir sind ja immerhin befreundet und auch wenn wir mal was miteinander hatten, so heißt das ja nicht, dass ich mich jetzt nur mehr an öffentlichen Orten mit ihm treffen kann, damit wir uns nicht gegenseitig die Klamotten vom Leib reißen, richtig? Falsch! Ganz, ganz falsch!

Ich hatte mir gemütliche Hosen angezogen, wir saßen im Wohnzimmer, hörten Musik, quatschten ein bisschen und draußen wurde es langsam dunkel. Eigentlich war alles gut und gemütlich, bis er anfing mich mit Gummifröschen zu füttern. Was irgendwie spielerisch mit in den Mund zu treffen versuchen begann, bekam eine etwas ernstere und erotischere Note, als ich sie von seinen Fingern essen sollte. Und was muss man da machen bzw. was tat ich? Na klar, ich nahm sie in den Mund und leckte davor langsam an ihnen entlang.

Ein kleines bisschen sexy

War mir schon klar, dass ihn das anmachen würde. Gefiel mir ja auch. Ich spiele gerne ein bisschen mit meinen Reizen. Na jedenfalls hatte er es ja auch darauf angelegt und bei dem ganzen Haufen Gummifröschen mit denen er mich dann füttern wollte wurde mir fast schlecht. Er platzierte die Süßigkeiten immer auf seiner Fingerspitze und begann den Frosch darauf dann durch die Gegend zu bewegen, damit ich ihn ‚fangen‘ oder ‚jagen‘ musste. Ich hatte Spaß. Das alles war zwar ein bisschen erotisch aufgeheizt, aber es war lustig und immer noch sehr spielerisch. Er wusste, dass ich für eine Fuck-Buddy-Geschichte nicht mehr zu haben war.

Irgendwann lockte er mich dann mit dem Frosch zu seinem Mund. Da wollte ich aber nicht hin. Gott weiß, dass ich diese Büchse der Pandora nicht wieder öffnen wollte und als ich mich gerade auf dem Rückzug in meine Ecke des Sofas befand, kam er mir nach, umfing mein Gesicht mit seinen Händen und küsste mich. Und Mann! Küsst der gut! Es war ein ganz ruhiges, vertrautes küssen, mehr ein Halten und Berühren als ein anfassen. Kurz und gut: es war schön. Es war schon immer schön.

Das Problem

Das Problem aber war ja auch davor nie, dass es nicht schön gewesen wäre. Das Problem war viel eher das, was es außer dem ‚schön‘ noch war oder eben nicht war. Der Typ war zwar kein Fischer, aber verdammt, er hatte mich irgendwie trotzdem am Haken und das gefiel mir gar nicht. Ich wollte nicht schon wieder Tagelang danach nach Luft ringend zappeln, wenn er wieder weg war. Schon gar nicht in der Prüfungszeit. Da brauche ich einen klaren Kopf. Es blieb also beim Küssen und ein bisschen zärtlicher Zweisamkeit und er ging dann auch, ohne dass etwas darüber hinaus passiert wäre.

Am nächsten Morgen saß ich dann trotzdem in der Küche, hatte schlecht geschlafen, wollte keine Gummifrösche mehr sehen und sinnierte darüber nach, wie es denn letztlich wieder dazu kam, dass wir doch nicht so platonisch befreundet sein können. „Naja, was sagt er denn dazu?“, fragte mich mein Mitbewohner. „Er sagt er verbringt gerne Zeit mit mir. Dass ich interessant bin und so ganz anders als er. Dass ihn das fasziniert und bereichert, weil er mit mir auch über Sachen reden und diskutieren kann, über die er mit seinen anderen Freunden nicht so sprechen kann.“ „Und weiter?“, bohrte Andi nach. „Und dass er mich halt super attraktiv und anziehend findet.“, sagte ich und verdrehte die Augen. „Uh, große Überraschung!“, sagte Andi trocken und ich streckte ihm die Zunge raus.

Arschlöcher sehen nie wie Arschlöcher aus

Andi zwinkerte mir zu. „Es finden mich auch meine ‚normalen‘ Freunde nicht super hässlich.“, verteidigte ich mich. „Mit denen verfange ich mich dann aber trotzdem nicht in solchen Situationen!“ „Das ist doch der, der so viel rumkommt.“, drückte es mein Mitbewohner vorsichtig aus. „Der immer so halbe Geschichten am Laufen hat, oder?“ Ich nickte. „Naja, dann weißt du ja eigentlich eh woran du bei ihm bist.“ Andi immer mit seiner schlag-mich-tot-Argumentation. Ja klar, wusste ich im Prinzip woran ich bei dem Typen bin, aber das heißt ja noch lange nicht, dass ich es wirklich weiß. Und wenn ich es dann weiß, heißt das noch lange nicht, dass ich es dann auch akzeptieren kann!

„Aber er sieht einfach so gar nicht danach aus!“, jammerte ich. „Nach Arsch, meinst du?“, grinste Andi. Ich vergrub wieder mein Gesicht in meinen Händen. „Haha! Ohje Kleine!“, lachte mein WG-Partner. „Natürlich sieht er nicht nach Arschloch aus! Das ist ja genau seine Masche. Ganz genau das ist es ja, was ihn letztlich zu einem Arschloch, oder zu einem Fuckboy oder was auch immer macht.“ Andi hat die Weisheit ganz offensichtlich mit Suppenschöpfern gefressen.

Andi erklärt uns die (Männer-)Welt

„Schau mal.“, sagte Andi und stand auf um mir nochmal eine Tasse ‚alles-wird-gut‘-Kakao warm zu machen. „Genau das ist ja die erfolgreiche Masche von diesen Typen. Die wirken so nett und unschuldig und eben überhaupt nicht wie du dir einen Trouble-Maker vorstellst. Das ist die Art von Kerl, die sich ganz harmlos in dein Leben lächelt und du hinterher gar nicht mehr weißt, warum du dich dann schlecht fühlst. Das ist die Art von Mann die so ziemlich alles, außer den eigentlich richtigen Stellen, an dir fickt.“ Ich verschluckte mich bei seinem letzten Satz ein bisschen an meiner neuen Tasse Kakao. Ob wirklich alles gut werden würde?

„Naja, dass das eben so nicht funktioniert, habe ich ja schon kapiert.“, sagte ich. „Deswegen habe ich ja auch nicht mit ihm geschlafen.“ „Aber er hats wieder probiert, oder?“ Ein beschämtes Nicken meinerseits reichte als Antwort eindeutig aus. „Schau mal, es kann ja nicht sein, dass du jetzt da sitzt und dir weiß Gott welche Gedanken darum machst, während er vermutlich selbstzufrieden in seinem Bett liegt und sich überlegt zu welchem Mädel er heute Abend gehen könnte.“ „Aber so ist er doch nicht.“, warf ich ein. „Doch! Ganz genau so ist der!“, stellte Andi klar. „Und dass du immer noch denkst, dass es nicht so ist, beweist doch, wie gut seine Masche funktioniert!“

Nur Freunde?

„Aber wir sind ja nur Freunde.“, versuchte ich es, aus welchen Gründen auch immer, noch einmal. „Seid ihr das denn wirklich?“, forderte Andi mit einer hochgezogenen Augenbraue heraus. „Würde ein Freund, jemand der dich wirklich mag und vor allem respektiert, dem etwas an dir liegt, dich wirklich immer wieder in so eine Situation bringen? Es immer wieder so herausfordern? Obwohl er weiß wie es dir dann damit geht?“ „Naja, ich hab ja schon mitgemacht.“, murmelte ich. „Ja, weil du halt auch ein Opfer deiner selbst bist. Und das wusste er ja auch.“

„Es wäre so viel einfacher, wenn sie beschildert wären.“, meinte ich zu Andi und der lachte wieder. „So Goodboy und Badboy-Schilder. Weißt du?“ „Kannst ja welche basteln.“, schlug er vor. Mach ich vielleicht auch.

Bild: flickr

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Über itswaypastmybedtime

Ich bin eine kleine, über Berge hüpfende und dabei Edelweiß-Lieder singende (naaaa wer erkennt die Sound of Music reference?) Student-in des Alpenlandes die sich irgendwann mal hier her verirrt hat und jetzt wie Alice Gefallen am Wunderland gefunden hat. Ich schreibe über alles und nichts. Dinge die mir so passieren, Gedanken die ich in Worte fassen will oder die ein oder andere große Weisheit die ich in meinem jungen Leben schon kapiert hab und großzügig mit euch übrigen unwissenden und herumdümpelnden Mit-20ern teile ;-)

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