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Verschiedene Standard Emojis.

Ist ein Leben ohne Emojis möglich? :O

Wer wie der Autor mindestens in der Zeit aufwuchs, in der jemandes „Nummer“ noch nicht die Handynummer, sondern den 9-stelligen ICQ-Login bezeichnete, in der Mobbing noch über den „Buschfunk“ geregelt wurde und in der ganze Kleinstädte zu Freudentränen rührbar waren, wenn denn ein stadtseigener Knuddelschannel eröffnet wurde, dürfte folgendes Problem teilen: Sprachbehinderung. Keine offensichtliche a là „I mu mal tum Lodopäden“ oder „I bims 1 naicer babo“, sondern ein subtiler, die Schriftsprache betreffender Defekt. So subtil, dass es solche, die ihren Lebensunterhalt nicht mit dem Verfassen von sehr massenuntauglichen Schriftstücken vielleicht nie stören wird. Aber von vorne…

Es ist 2006.

Der Autor ist ein kleiner, krankhaft fettleibiger Junge in einer reinen Online-Beziehung. Der längste literarische Erguss, den seine heutige Feder (d.h. eine für ein YouTube-Video zerstörte Tastatur) kreieren wird, lautet: „ScHuLe wAr meqa kaqqe -.-‚ hab HA’s net qem8 lol“. Dieses aussagenarme Kunstwerk wird nicht nur zukünftige Web-Archäologen vor Probleme stellen, sondern beschreibt sein Entwicklungsstadium hinreichend: Teenager sind sehr, sehr, sehr blöd. Ihr Bedürfnis danach, Ernst genommen zu werden, liegt darin begründet, dass sie unmöglich ernst zu nehmen sind.

Die Problematik

Problematisch daran ist, dass in dieser Phase grundlegende soziale und intellektuelle Fähigkeiten erworben werden müssten. Wie ist es um jemandes Eloquenz bestellt, der einen Großteil dieses Lebensabschnitts mit den Überlegungen verbringt, ob nun „^^“, „xD“, „lol“, „LOL“ oder „haha“ die richtige Portionierung von Lustigkeit verdeutlicht, welches Emoticon zwischen „;*“ und „<3“ das treffendste für das Gegenüber ist und ob ein Satz nun überhaupt mit Emoticon oder „“ zu beenden ist?

Kurz gesagt: Sehr, sehr, sehr schlecht.

Teil der gelungenen Anwendung von Schriftsprache ist, Emotionen, Empathie und Ironie gelungen übermitteln zu können. Der Autor, der z.B. bei Whatsapp nichts ausschreibt, was es auch als Emoji gäbe (kein 💩), musste kürzlich schmerzhaft feststellen, wie viele Emojis einem beim Schreiben von Kolumnen und Romanen zur Verfügung stehen: Es sind nicht wie Sie denken mögen, nur die Hälfte oder etwa nur die Smileys. Es sind 0. Als jemand, der 90% seiner Gespräche damit zubringt, lange genug zu warten, bis er auf einen nicht angeklickten Link mit drei Tränen lachenden Smileys reagieren kann, war die Verwendung von Emojis nicht nur hilfreich, sondern essentiell. Bis heute. Sehen Sie im Folgenden einen Selbstversuch, wie der ohne Emojis entstehende Umgangston in der heutigen Gesellschaft wahrgenommen wird:

Nach 12 Minuten ohne Emojis:

Nach 7 Minuten ohne Emojis:

Nach 5 Minuten ohne Emojis:

Nach nur einem Wort ohne Emoji:

Der Autor hat inzwischen nicht nur große Teile seines Freundeskreises verloren, er ist auch offensichtlich nicht im Schreibstil gewachsen (wer schreibt denn bitte auch von sich selbst als „Der Autor“? Sind wir hier in den 50ern oder dem Feuilleton der FAZ?). Daher bleibt mir nur folgendes Ergebnis zu verkünden: Wer ernsthaft ein Avocado-Emoji braucht oder darüber diskutieren muss, welche Hautfarbe sein „Daumen hoch“-Emoji haben darf, sollte seine geistige Unzulänglichkeit bitte von Experten kurieren lassen. Wer gemerkt hat, dass man in Schreibgesprächen weder lächeln, lachen noch sonstige Mimik und Gestik ausdrücken kann und das deshalb durch Ausdruckshilfen simuliert, braucht sich nicht zu schämen.

Tragt euer Stolz-Emoji wieder mit Stolz!

Mit <3lichen Grüßen
euer aller Jann Wattjes

Bild: onlinedesign

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Über Jann Wattjes

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