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Wiedersehen mit Mr Perfect - Mann folgt Mädchen und hält dessen Hand

Mr Perfect – Das Wiedersehen

Aus den Augen, aus dem Sinn. So sagt man. Aber diese Redewendung trifft leider nur bedingt zu. Bei jedem Schwachkopf, den man vergessen will, mag das ja klappen. Nicht bei deinem Kryptonit-Menschen. Dem bei dem Du immer schwach wirst. Komme was wolle. Mein persönlicher Kryptonit-Mensch ist Mr. Perfect. Ihr kennt die Geschichte noch nicht? Dann könnt ihr sie hier lesen: It’s payday Bitches! Das solltet ihr auch erst tun, bevor ihr diese Zeilen weiter lest.

In den drei Jahren, die ich schon in Berlin bin, habe ich ihn ein paar mal per Zufall bei Heimatbesuchen gesehen. Ihm anfangs geschrieben, dass ich ihn vermisse oder von ihm geträumt habe. Los lassen ist dann doch nicht so einfach… Die Erinnerungen an ihn, das Wahnsinns-Gefühl und alles andere verblassten langsam mit jedem Tag. Es war ein Kampf. Doch hin und wieder ertappte ich mich dabei, ihn bei Facebook zu stalken. Er hatte schon längst eine neue Freundin. Diese hatte ein Kind. Er sprach bereits von Familie.

Bei meinem letzten detektivischen Ausflug (ungefähr vor einem halben Jahr) auf seinem Profil entdeckte ich ein neues Lebensereignis. Da stand „verlobt“. V-E-R-L-O-B-T. Jeder Buchstabe wie ein fetter Schlag in den Magen. Bäm, bäm, bäm, bäm, bäm, bäm, bäm. Und weil ich es wieder und wieder lesen musste, um diese Info quasi in mich rein zu prügeln, wurde mir flau im Bauch. Ich schloss das Fenster. Ab da sah ich nicht mehr nach. Jeder kleine Funke Hoffnung, dass es irgendwann vielleicht doch mehr wird, erlosch mit der Frage, ob sie seine Frau werden will. Game over. Dachte ich. Welch eine Kraft solche Infos doch haben. Und so fasste ich den Entschluss ihn in meinem Kopf ganz zu löschen. Was mir auch gelang.

Bis zu unserem Wiedersehen…

Letzten Sonntag lag ich nach einer durchfeierten Nacht mit meinem Hangover im Bett und sah mir eine Doku bei Netflix an. Als auf meinem Ipad eine Facebook-Messenger Nachricht auf ploppte. Bing! In der Vorschau erfasste ich im Bruchteil einer Sekunde den Namen. Mr. Perfect. Aus meiner Zombie-Liege-Position wäre ich nicht mal für Eis so schnell aufgesprungen. Ich schnappte mir das Ipad und betrachtete erst die Vorschau. „Ich bin in Berlin…“

Mein Hals schnürte sich zu. In meiner Brust war auf einmal dieser fette Klumpen. Er drückte mir die Luft weg. Wie ferngesteuert tippte ich auf den Messenger. Ich starrte erneut auf den Absender, als würde ich mir im Kater-Wahn etwas einbilden. Aber da stand sein Name. In einer grauen Sprechblase darunter seine Worte. An mich.
„Ich bin in Berlin. Magst du spontan was mit mir trinken gehen?“ Mir wurde so übel, dass ich zum Waschbecken rannte und kurz davor war mich zu übergeben. Vielleicht war es auch der Alk vom Vorabend. Aber diese Art von körperlicher Reaktion, war nur einer im Stande, in mir auszulösen.

Ich fing mich.

Schließlich verriet der Haken, dass ich seine Nachricht gelesen habe. Aber verdient er eine Antwort? Sollte ich ihn mit Ignoranz strafen? Was genau will er denn? Er ist verlobt, hallo! Schlechte Idee. Lass ihn abblitzen. Sei stolz und cool. Aber anscheinend hatte ich mir zu viele Gehirnzellen weg gesoffen. Denn ich antwortete mit Ja. Er rief, ich sprang. Warum? Warum zum Teufel?

Irgendwie war das alles wie ein Traum. So kommt es mir jedenfalls vor wenn ich daran denke. Wie aus dem Häuschen ich beim fertig machen war, wie ich mich selbst versuchte zu beruhigen und cool zu bleiben. Der Weg zum Alexanderplatz wo wir uns treffen sollten. Alles war, als würde ich mich aus der Ferne betrachten und seelenruhig dabei zusehen in was für eine Scheiße ich mich da ritt.

Mein Herz schlug mir bis zum Hals als er auf mich zu kam. Ihn in meiner Welt – meiner neuen Welt – zu sehen war so surreal wie einen Eisbären in der Sahara spazieren zu sehen. Er gehörte da einfach nicht rein. Er war ein Fremdkörper. Aber seine magische Anziehungskraft legte meinen logischen Menschenverstand lahm. Ich war der trockene Alkoholiker, der nur mal kurz am Schnaps schnuppern wollte, um zu wissen, ob er noch genau so duftete wie früher. Er tat es.

Und das Verlangen wurde größer…

Langsam entspannte ich mich auf dem Weg zum Restaurant. Wir aßen und unterhielten uns. Reflektiert betrachtet war es das erste Date, das wir je hatten. Meine Hormone hatten die Kontrolle über meinen Körper erlangt. Sie achteten auf seine Lippen. An denen ich förmlich hing. Nach dem Essen versackten wir in einer Bar. Mein Moscow Mule feuerte meine Hormone an und wir rückten näher zusammen. Bis dahin war alles unschuldig. Wir lachten und erzählten uns alles aus den vergangen Jahren. Erinnerten uns zurück an die gemeinsame Zeit. Das Aufleben dieser Erinnerungen machte uns beide nervös. Was würde heute noch passieren? Ich musste mehr trinken. Draußen begann es zu schneien. Es war bereits halb drei. Die Bar rappelt voll. An einem Sonntag –typisch Berlin. Ich war so losgelöst und doch schon gefangen.

„Willst du bei mir schlafen? Wegen dem weiten Weg zurück“, fragte ich. Und wir wussten beide was das hieß.
„Ja, ich weiß nämlich gar nicht wie ich zurück zur Wohnung kommen soll“, antwortete er. Und wir bemühten uns beide diese verlogene Show ganz lässig und souverän zu meistern.

Ich weiß was du fühlst

Bei mir angekommen legten wir uns aufs Sofa und sahen noch fern. Als wäre nichts dabei. Als wäre es gestern gewesen, dass wir uns das letzte mal sahen. „Die Wanduhr stand aber in deiner alten Wohnung auf dem Boden“, stellte er zu meiner Überraschung fest. Ich war betrunken. Aus dem Gespräch heraus küsste er mich plötzlich. Nichts hatte sich zwischen uns geändert. Die Zeit konnte diesem Gefühl rein gar nichts anhaben, wie eingepackt in Vakuum. Ich wurde überflutet mit Emotionen. So überwältigt, dass ich beim Knutschen anfing zu weinen. „Shhh“, flüsterte er. „Ich weiß was du fühlst“, sagte er dann, sah mich an und strich mir eine Träne von der Wange.

Verschlungen in innigen Küssen stolperten wir zum Bett. Jeder Handgriff. Jede Empfindung, jedes Gefühl, sogar die Orgasmen waren die gleichen. Das ist verrückt!!! Komplett zugedröhnt wie auf einem exzessiven Drogentrip sagte ich tatsächlich: „Ich liebe dich!“ In genau diesem Moment fühlte ich es genau so. Wieso fühle ich es jetzt nicht mehr? Selbstschutz? Gefühlskälte? Die Antwort ist viel subtiler. Ich bin kein Arschloch. Was ich gemacht habe war scheiße und ihr könnt mich gerne verurteilen. Gefühle sind hierfür keine Ausrede, das weiß ich.

Ein Erklärungsversuch:

Es war ein krankes Déjà-vu. Er lag in meinem Bett während ich mich zur Arbeit fertig machte. Ich gab ihm einen Kuss und sagte Tschüss, bevor ich ging und die Tür hinter mir zuzog. Da realisierte ich wieder wo ich war und dass rein gar nichts wie früher war. Bei meinem Walk of Shame wurde mir bewusst, dass ich mich verändert hatte. Auch wenn ich schwach war und es wieder tat. Vermutlich wollte ich wissen, ob es noch da ist. War es. Aber genauso wie das Gefühl, war auch er noch der schlechte Mensch, der er vorher war. Dem nicht mal ein Versprechen heilig ist. Dem nicht mal ein Kind, das ihn Papa nennt, heilig ist. All das öffnete mir die Augen. Er verdient den Titel Mr. Perfect nicht mehr länger.

Zuhause angekommen wechselte ich schnell die Bettwäsche, die noch nach im roch. Den Duft, den ich so liebte. Sein unverwechselbarer Duft, den ich sonst gierig in mich aufsog, um ihn in mir zu haben. In meinen Lungen, ihn näher am Herzen zu haben. In jeder Faser meines Körpers. Da er nicht zu dieser Welt gehörte, nicht nach Berlin, radierte ich ihn aus allen Orten bei denen ich mit ihm war aus. Bei meinem Lieblings-Vietnamesen, in der coolen Bar in Mitte, von meinem Sofa, von meinem Bett.

Als sei das alles niemals passiert

Wäre da nicht das Beweis-Bild, das er mir von sich vor meinem Spiegel schickte, während ich auf der Arbeit war. Wäre da nicht das Wissen, dass er bald öfter in Berlin ist. Womöglich hier her zieht. Vor drei Jahren, galt das noch als unmöglich… Was geschieht hier? Werden die Karten neu gemischt und ich bekomme es nicht mit?

Im Grunde war das wie die überraschende Fortsetzung Eurer Lieblingsserie. Medial wird der Scheiß hart gehypt. Automatisch setzt man so viele Erwartungen darein, fragt sich, ob es immer noch so gut ist wie früher. Aber faktisch ist das einfach nicht möglich! Man verflucht den Regisseur und denkt: was soll der Kack überhaupt? Wieso habt ihr es einfach nicht gelassen? Das Drehbuch meines Schicksals hat eine goldene Himbeere verdient.

Nein! Nein, ich will mich nicht mehr im Kreis drehen. Alle Standpunkte und Möglichkeiten beleuchten, was das alles zu bedeuten hatte. Den tieferen Sinn darin zu verstehen. Nein, ich will nicht, dass er wieder Teil meiner Welt, meines Lebens wird. Ich will weiter an „Aus den Augen, aus dem Sinn“ glauben. Aber das eine kann nicht ohne das andere. Dieses Wiedersehen nistete sich in meinem Kopf ein wie ein Samen.

Man erntet was man sät? Nur was wird daraus? Unkraut, das ich nicht nie mehr weg bekomme? Der Herpes unter den Pflanzen. Oder doch eine toller Baum, der stetig wächst und alles übersteht? Zugegeben: ich bekomme ihn nicht mehr aus dem Kopf. Und wenn ich sein Profilbild betrachte lächelt er mich an. Im Arm eine glückliche Frau und ein kleiner Junge, der Grimassen zieht.

Ich sage an der Stelle bewusst nicht: Fortsetzung folgt.

Cheers

Bild: flickr

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