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Generation Selbstverwirklichung: Mädchen steht auf Bergspitze

Selbstverwirklichung: Wo unser Drang nach MEHR enden sollte

Ich glaube, dass keine Generation vor uns einen so starken Drang zur Selbstverwirklichung hatte, wie unsere heutige Generation. Das liegt zum einen daran, dass es uns so gut geht, wie nie zuvor und zum anderen daran, dass keine andere Generation so stark in dem Glauben erzogen wurde, dass sie alles erreichen kann, wenn sie nur will.

Und tatsächlich beobachte ich täglich viele junge Menschen, die genau das wollen:

Alles.

Und so wird unser eigenes Leben zu unserem großen Projekt. Wir modellieren es bis ins letzte Detail. Es soll so bunt sein, wie ein Tomorrowland-Aftermovie, so kitisch-schön wie eine endlose “How I met your mother“-Folge und so aufregend wie eine Backpacking-Reise durch Asien. Wir arbeiten verbissen an unserer Traumkarriere, schuften im Fitnessstudio an unserer Traumfigur, und swipen heimlich bei Tinder, um unseren Traumpartner zu finden. So als wäre unser Leben ein Katalogentwurf, dem wir gerecht werden wollen.

Wir entscheiden uns bewusst für Dinge, die zu unserem ausgewählten Lifestyle passen. Jedes Detail wird zum Statement unseres Projekts “Leben“: Musik, Tattoos oder die Länder, die wir bereisen, Kleidung, die wir tragen, wie wir uns ernähren und in letzter Konsequenz auch die Menschen, mit denen wir zusammen sind, drücken aus, wofür wir stehen.

Letzte Woche traf ich eine alte Schulfreundin mal wieder. Während wir bei einem Tee zusammensaßen, erzählte sie mir, dass sie sich gerade von ihrem langjährigen Freund getrennt hätte. „Er war ja eigentlich schon ein toller Mann, erzählte sie, „aber er hat nicht mehr zu meiner Zukunft gepasst.“ Sie wolle reisen gehen, während er sich lieber auf seine Karriere konzentriere. Da wäre es besser, wenn man sich trennt. „Verstehe“, antworte ich halb verständnisvoll. “Damit sind Partnerschaften nun also auch offiziell Opfer unseres Selbstverwirklichungswahns geworden“ dachte ich halb geschockt.

Wie muss die Beziehung heutzutage sein?

Eine Partnerschaft muss in unserer heutigen Generation mehr können, als nur Sicherheit bieten. Mehr können, als nur Geborgenheit geben. Man führt eine Beziehung nicht mehr, weil man sich darin wohlfühlt. Eine Beziehung ist etwas, das man sich leistet, wenn sie gut ist. Wenn sie zu unserem gewünschten Lifestyle passt.

Gesucht wird der Partner, der unser Projekt “Leben“ perfekt ergänzt – wie eine schöne Kette ein schickes Ballkleid. Er muss ganz bestimmten Ansprüchen genügen, zum eigenen Leben und den eigenen Zielen passen. Tut er das nicht (oder nicht mehr), wird er aussortiert, wie ein nicht mehr brauchbares Kleidungsstück.

Beziehungen sollen uns ja glücklich machen und keine zusätzliche Arbeit sein. Vor allem sollen sie das eigene Weiterkommen nicht behindern. Man will sich in seinem Selbstverwirklichungsprozess nicht eingeengt fühlen. Nicht abgelenkt werden.

Wo sind die Grenzen der Selbstverwirklichung?

Die Frage, die ich mir nach dem Gespräch mit meiner Schulfreundin stellte, war, wohin dieses universelle Streben nach Selbstverwirklichung führen wird. Ist es wirklich das Ziel unserer Generation am Ende unserer Zwanziger sagen zu können: „Yes, ich habe alle 101 Punkte auf meiner Bucket-List abgehakt, 32 Länder bereist, 2 Bücher geschrieben und ein Social-Startup gegründet. Doch fuck, irgendwie bin ich verdammt alleine!“

Ich glaube, unsere Selbstverwirklichung sollte da ihre Grenzen finden, wo wir unsere Beziehungen opfern. Denn wer sich nur auf sich selbst beschränkt, verpasst am Ende das wohl schönste Geschenk des Lebens: Liebe.

Bild: pexels

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Über Pascal Keller

Pascal hat zwar nicht alle Antworten auf das Leben als twentysomething, aber er versucht sie zu finden und damit die Welt zu erobern ;-) In der Zwischenzeit gibt er seine gesammelten Erfahrungen an junge Menschen weiter und hilft ihnen damit, mehr aus ihren Zwanziger zu machen. Vielleicht hilft er auch dir weiter. Erfahre mehr über Pascal und seine Arbeit auf www.pascalkeller.com

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