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Antikes Buch mit aufgeschlagenem Deckel und daneben einer alten Taschenuhr - Der Langzeitstudent am Campus.

Fauna des Campus: Der Langzeitstudent

Der Langzeitstudent

(Discipulus aeternus)

ist ein ebenso natürlicher und essentieller Bestandteil des Campus wie schlechtes Mensaessen und nicht funktionierende Anmeldesysteme, mit denen er in Symbiose lebt. Da er Hochschulen und Universitäten schon sehr viel länger als Lebensraum nutzt, als es zugehörige Forschungen und wahrscheinlich auch den Menschen gibt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob Langzeitstudenten auch an diesem Orten brüten, schlüpfen und verenden.

Erscheinungsbild

Der für den Menschen nicht gerade ungefährliche Langzeitstudent ist leicht zu identifizieren: Er ist entweder stark über- oder unterernährt, extrem behaart, sondert den Geruch von Marihuana ab (zur Abschreckung natürlicher Feinde wie den homo capitalismus, s. Karrieremensch) und ist ausnahmslos männlich. Trotz nachhaltiger Behauptungen, ihr kontinuierlich nachzugehen, ist daher nicht bekannt, ob und wie er Fortpflanzung vollzieht. Um wirklich sicherzugehen, dass man es nicht doch mit einem einfachen Kunst-, Literatur- oder Philosophiestudenten (Hybride aus diesen Gattungen sind dennoch der Regelfall) zu tun hat, genügt dem Campusforscher ein Blick auf die Matrikelnummer. Die weist im Normalfall nur halb so viele Stellen auf, wie die eines gewöhnlichen Studenten.

Sozialverhalten

Dem Menschen wird nach Artenschutzanalysen aus dem Jahr 1999 in Bologna nahegelegt, sich nach der Identifikation eines Langzeitstudenten von diesem fernzuhalten. Denn der Langzeitstudent ist sich seiner misslichen Lage nicht bewusst und fest überzeugt davon, vor einer großen Karriere als Poetry Slammer, StudiBlog-Autor, mit seiner Band oder bei real an der Kasse zu stehen. Diese psychosomatischen Halluzinationen sind für den Menschen hochansteckend und führen immer häufiger zum Tode: Die langzeitstudentische Ernährung ist durch ihre Fokussierung auf Alkohol, Drogen und Toastbrot hochgiftig. Ist man einmal angesteckt, baut der studentische Körper zudem nach und nach überlebenswichtiges BAföG ab.

Selbst geimpften Studenten kann der Langzeitstudent zum Verhängnis werden, wenn sie z.B. einem Rudel Langzeitstudenten in einer sogenannten „Gruppenarbeit“ zum Opfer fallen. Dem Langzeitstudenten entgeht durch seinen Vitamin B und BaföG-Mangel das menschliche Bedürfnis nach Credit Points, weshalb er sehr schnell alleine zur Beute von Überarbeitung, Professoren und ähnlichen Raubtieren werden kann.

Auch aufgrund von Aufklärungskampagnen der jüngeren Vergangenheit ist zu beobachten, dass Langzeitstudenten von anderen gemieden werden und sich in Rudeln sogenannter „Fachschaften“ oder sogar „Wohngemeinschaften“ zusammenrotten. Letztere haben meist nur eine geringe Bestandszeit, da die Langzeitstudenten meist von ihren natürlichen Feinden, „Vermietern“, aus derartigen Standorten vertrieben werden.

+++Wichtiger Überlebenshinweis: Langzeitsudenten leben in einer Pseudo-Realität, in der ihnen nicht bewusst ist, dass es einen großen Unterschied macht, ob man in Regelstudienzeit oder 37 Semester länger studiert. Ihn auf Gegenteiliges hinzuweisen, kann zu schweren psychischen wie physischen Schäden, vor allem aber endlosen unreflektierten Gesprächen über den Sinn des Lebens führen.+++

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Bild: pixabay

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