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Sind denn alle im Leben weiter als ich? - Rolltreppe

Sind denn alle weiter im Leben als ich?

Dieses  Jahr wird ein bewegtes Jahr: Hochzeit und Nachwuchs. Aber nicht für mich, sondern für meine Freundinnen. Die Freundinnen, die ich schon aus der Schulzeit kenne. Die Freundinnen, mit denen ich meinen ersten Absturz hatte. Die Freundinnen, die mir näherstehen als meine Familie. Die Freundinnen, die mit mir durch die Höhen und Tiefen gegangen sind, die das Leben so mit sich bringt, wenn man jung ist. Die Freundinnen mit denen man so lange auf derselben Ebene war.

Ja, man war auf derselben Ebene. Dem ist plötzlich nicht mehr so. Es scheint als drehen sich unsere Welten mittlerweile unterschiedlich schnell. Während meine Freundinnen in ihr Leben starten, sitze ich immer noch hier. An der Uni. Im mittlerweile neunten Semester. Und bin meilenweit davon entfernt, an den Punkt im Leben zu kommen, an dem sie sich gerade befinden.

Der erste Bruch

Das erste Mal, dass wir auf verschiedenen Ebenen waren, war nicht direkt nach der Schule, als alle in andere Städte zogen, das halten gute Freundschaften aus. Der erste Bruch kam viel eher dann, als die ersten fertig wurden mit ihrer Ausbildung, mit ihren Partnern zusammenzogen und sich der Fokus deutlich verschob. Man bekam als beste Freundin plötzlich nicht mehr erzählt, wie es auf der Arbeit läuft, was es in der Familie Neues gibt, oder wie es in der Beziehung läuft. Man hatte ja nun den Partner, der ständig da war, um Beistand zu spenden. Das leichte Gefühl ersetzt und ausgetauscht worden zu sein machte sich breit.

Der zweite Bruch

Natürlich ist das der ganz normale Lauf er Dinge. Prioritäten verschieben sich, Freundschaften verändern sich mit den Jahren. Aber das heißt noch lange nicht, dass es nicht wehtut und dass man sich nicht wünschen darf, dass es wieder so sein soll wie es früher war. Wir befinden uns jetzt auf unterschiedlichen Ebenen unseres Lebens und ich glaube, bald werden wir uns noch eine Ebene weiter voneinander entfernen. Meine beste Freundin wird im Sommer ihr erstes Kind bekommen. Und 50cm ändern alles. Und das soll jetzt nicht so rüberkommen, als hätte ich was gegen Kinder. Ich liebe Kinder und freue mich riesig darauf, ihr Kind begrüßen zu dürfen, auf den Wurm aufzupassen und ihm beim Großwerden zuzusehen. Doch natürlich gibt es ein „Aber“. Die Zeit der spontanen Unternehmungen wird vorbei sein, die gemeinsame Zeit noch begrenzter als sie es jetzt schon ist, unsere Leben werden sich um völlig unterschiedliche Mittelpunkte drehen.

Panik kommt auf

Während ich mich auf der Ebene befinde, wo ich noch studiere, immer wieder daran zweifle, ob ich wirklich den richtigen Weg eingeschlagen habe, am Wochenende noch zu Hause bei meinen Eltern wohne, keine Beziehung habe und keinen blassen Schimmer habe, wo ich nach meinem Studium landen werde, gründen meine Freundinnen ihre Familien, haben Ehemänner, Häuser und Kinder. Das Gefühl irgendwo auf der Strecke meilenweit abgehangen worden zu sein macht sich breit und verbreitet Panik.

Wahrscheinlich ist das ein Gefühl, das viele Studenten und junge Leute kennen. Natürlich bin ich nicht alleine damit und natürlich geht jeder seinen eigenen Weg, in seinem eigenen Tempo. Und natürlich weiß ich das auch und versuche es mir auch immer wieder ins Bewusstsein zu rufen. Aber das funktioniert nur bedingt. Gefühle und Befindlichkeiten lassen sich nicht einfach verdrängen und schönreden. Sie sind einfach da, auch wenn man sie lieber nicht hätte.

It feels like my life is buffering

Doch was tun? Ich genieße die Zeit mit meinen Freundinnen, wenn wir sie denn dann mal haben. Ich freue mich aufrichtig für sie, wie sie ihr Leben leben und Vieles von dem erreichen, was ich auch gerne eines Tages erreichen möchte. Und letztlich sitze ich doch abends alleine auf meiner Couch, umgeben von Chips, Schokolade, einer guten Serie und frage mich, was ich hier mit meinem Leben mache.

„It feels like my life is buffering, like when you get that spinning pinwheel thing on your laptop.” – “Yeah, but when it finally loads, it’ll be HD quality.” Mit diesem positiven Gedanken, möchte ich diesen – doch recht melancholischen – Blogeintrag schließen. Ich gehe nun zurück zu Chips und Schokolade und warte darauf bis es lädt – sowohl meine Serie als auch mein Leben.

Bild: pixabay

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Über Martina Decker

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