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Wien Bärenmühldurchgang

Oida, Wien! – Eine Art Liebeserklärung

„Wien, Wien – nur du allein“, sang Rudolf Sieczyński schon um 1914 und liegt, spätestens als Peter Alexander es 1984 noch einmal vertonte, damit immer noch in aller Ohren. Der, zumindest in Österreich, berühmte Komponist hat unzählige Wienerlieder geschrieben. Sie sind allesamt Liebeserklärungen an eine Stadt, die ihre Menschen genauso prägt wie umgekehrt. In Wien wohnst du nicht nur, in Wien lebst du und falls du ein ‚Zuagroaster‘ (=Zugereister/Fremder) bist, lernst du ganz schnell was ich damit meine. Das erste nach dem Urlaub is a Schnitzel.

Wenn es nach Rudolf Sieczyński geht, dann ist in Wien eigentlich alles schön. Die Mädchen, die Jahreszeiten und sogar die Vorstadt. Und wenn es auch nicht ganz so schön ist, dann hat es zumindest ‚Charme‘ 😉 Wein auf Krankenschein und so. Das hier wird eine wienerische und damit eigentlich keine Liebeserklärung an diese Stadt, in der selbst das Neue alt ist und besonders aber der Schmäh. Das hat ka Goethe g’schrieb’n. Und trotzdem wirds schean.

A süaßer Tram

Ich sitze im kleinen Park-Areal neben der Votivkirche in Wien und frage mich, wie ich hier her gekommen bin. Heute Morgen, als ich irgendwann gemütlich aus dem Bett in meiner Uni-Stadt rollte um mit meinem Mitbewohner und meinem Hund friedlich am sonnigen Balkon zu frühstücken/brunchen bis mir der Magen platzt, hatte ich noch ganz andere Pläne im Kopf. Blumen wollte ich kaufen gehen und Küchenkräuter. Ein bisschen Frühling-Sommer-Leben auf dem Balkongarten einziehen lassen und anschließend mit dem Hund beim Eisladen vorbei gehen und mir das erste Eis der Saison holen. Beschauliche Pläne für einen beschaulichen Tag….und jetzt? Sitze ich in Wien. Mitten in der Stadt. Eher weniger beschaulich.

Servus Wien!

Eine Freundin hat mich am späten Vormittag gefragt ob ich spontan bin. Bin ich. Saß 1 1/2 Stunden später mit ihr im Zug nach Wien. Wir wollen uns heute Abend ein Konzert anhören. Ich werde bei den Hipster-Typen aus Amerika wohl eher hinschauen und weniger hören. Angry-alternative-Rock ist gar nicht so meins. Aber Musik spielt in meinem Leben sowieso meist im Hintergrund. Ich bin die Hauptrolle. In Wien ist für jeden Platz. Die Studenten, die Träumer, die Diven und Verwirrten. Eine Zeit lang sogar für Hitler.

Jung san ma, fesch san ma

Das Wetter ist schön. Wien auch. Irgendwie halt. Auf der Bank neben mir sitzen zwei Mädchen und lästern. Die eine isst Salat und versucht ihn wohl mit ihrer Gabel zu töten, so aggressiv wie sie in ihrem Plastikschälchen herumstochert. Die andere isst nicht mal, die trinkt nur. Die alte Dame mit den grauen Haaren und dem grauen Hund wartet glaube ich auf bessere Zeiten. Da kann sie in Wien lange warten. Hier wird nichts besser. Sagen die Wiener. Überhaupt ist die Welt schlecht. Von Wien aus gesehen zumindest. Zwei mal haben mich schon Touristen angequatscht und nach dem Weg gefragt. Beim zweiten Mal hab ich Französisch gesprochen und gemeint, dass ich hier nicht wohne. Stimmt ja auch. Theoretisch.

Sehns das is Weanerisch

Ein Schokolabrador hat sich in den Park verirrt und hält das kleine Fleckchen Grün zwischen dem Asphalt für das Paradies. Ob das der Kirche gefällt? Die Tauben sind nicht erfreut. Die Fahrrad-CityTour-Touristen sind darüber gespalten. Einige finden den Hund süß, andere haben Angst, dass er ihnen zwischen die Räder kommt. Aufregung ist hier immer. Rein aus Prinzip. Ach Wien…

Der Weaner und die In, die gehn net unter

Ein frischer Windstoß bläst mir Dreck ins Gesicht und verwüstet meine Haare. Wenn mir ein Mann die Haare so zerzaust hätte, wäre ich böse gewesen. Aber Wien fragt nicht, Wien macht einfach. Wien kann man schwer böse sein. Ob ich Zigaretten habe, fragt mich einer. Ob er ein Leben hat, frage ich ihn. Hat ihn aus dem Takt geworfen, meine Gegenfrage. Stört mich nicht. Erkläre ihm, dass wenn er eins hat, also ein Leben, er es mit der Raucherei gefährdet. Beeindruckt ihn wenig. „Geh herst, Oida!“, ruft er und ich bitte ihn sachlich zu gendern. Verwirrt ihn total. Wien, was machst du nur aus deinen Kindern?

Lass‘ ma’s krachen, ’s muß nix machen

Langsam wirds frisch. Ich ziehe mir den neuen roten Mantel über und beschließe mich dann mal auf den Weg zu machen. Die Jungs, die uns vom Hauptbahnhof abgeholt haben kochen jetzt nämlich gerade im Studentenheim für uns. Meine Allein-Zeit war zwar ganz schön, aber in Wien eigentlich auch nicht möglich. Hier sind zwar alle irgendwie allein, aber beim Alleinesein stört ständig jemand. Vielleicht ist das die Erklärung für den ortsansässigen Ur-Grant der Wiener.Innen. Alles nur Spekulationen natürlich. „Nein! Warte!“, schreit die alte Dame mit den grauen Haaren, als ich mich erhebe und für einen kurzen Moment glaube ich, dass sie mich damit meint. Tut sie nicht. Sie spricht mit ihrem grauen Würstel-Hund. Auch gut. Dann warte ich halt nicht.

Bild: pixabay

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Über itswaypastmybedtime

Ich bin eine kleine, über Berge hüpfende und dabei Edelweiß-Lieder singende (naaaa wer erkennt die Sound of Music reference?) Student-in des Alpenlandes die sich irgendwann mal hier her verirrt hat und jetzt wie Alice Gefallen am Wunderland gefunden hat. Ich schreibe über alles und nichts. Dinge die mir so passieren, Gedanken die ich in Worte fassen will oder die ein oder andere große Weisheit die ich in meinem jungen Leben schon kapiert hab und großzügig mit euch übrigen unwissenden und herumdümpelnden Mit-20ern teile ;-)

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