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Die Gruppe und ich auf dem Gipfel des Rinjani

Wie ich die höchste Bitch meines Lebens flach gelegt habe – über die Besteigung des Mount Rinjani

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Und was für eine Bitch das war! Die Nuss war echt hart zu knacken. Doch je mehr man sich ins Zeug legen muss, umso größer ist das Erfolgserlebnis. Auch wenn ich diese Bitch die meiste Zeit verflucht und gehasst habe, als sie unter mir lag, war es das beste Gefühl ever und mehr als befriedigend! Der Name dieser Bitch war Mount Rinjani.

Go with the flow

Als ich für vier Wochen allein in Bali unterwegs war und einfach mein Leben genoss, habe ich ein paar Tage mit unterschiedlichen Leuten aus der ganzen Welt verbracht. Einer von ihnen fragte mich, ob ich mit ihm zusammen den Rinjani, einen 3.000 Meter hohen Vulkan (der noch ganz schön aktiv ist!) auf der Insel Lombok, besteigen wolle. „Na klar, warum nicht!“ Mein Motto für den Trip war nämlich „Go with the flow“, also hab ich nicht lange nachgedacht und zugestimmt. Es hörte sich einfach nach einem super spannenden Abenteuer an. Bereits am nächsten Tag machten wir uns von Gili T aus mit einem Boot auf den Weg nach Lombok – direkt ins Herz der Insel.

Dort haben wir ganz in der Nähe des Dorfes Sembaloen eine Nacht in einer Privatunterkunft verbracht, welche sich in unmittelbarer Nähe unseres eigentlichen Ziels befand. Der Trip, den wir gebucht hatten, beinhaltete neben den zwei Tagen Wandern auch eine Nacht Zelten im Lager am Fuße des Vulkans. Man kann auch einen Drei-Tages-Trip buchen – zum Glück haben wir das nicht gemacht! Am ersten Tag klingelte der Wecker bereits um 7 Uhr morgens. Allein das war schon echt hart für mich, da ich die letzten Tage in Gili T sehr relaxt verbracht hatte.

Nach dem Frühstück hielten wir eine kurze Lagebesprechung ab, um den bevorstehenden Trip ein wenig zu planen. Wir mussten uns außerdem warme Kleidung, eine Stirnlampe und Handschuhe leihen, da wir die letzte Strecke bis zur Spitze mitten in der Nacht zurücklegen mussten. Aha, gut zu wissen! Meine finale Ausrüstung für die Wanderung bestand nun also aus einem dünnen Schal, einem langärmeligen Shirt, einem Hoodie, Leggings, Turnschuhen, einer Jacke, Handschuhen (eine Stirnlampe hab ich dann doch nicht abbekommen) und meinem kleinen Rucksack, gefüllt mit dem Allernötigsten wie einer Zahnbürste, meinem Handy und Unterwäsche.

Die erste Etappe

Ein Van brachte uns und unsere zwei Tour-Guides auf eine Höhe von 1.2000 Meter, wo unsere Wanderung beginnen sollte. Unsere Gruppe bestand aus insgesamt 12 super netten und super fitten Leuten von überall her. Unser gesamtes Essen und Gepäck für die Tour wurde von ein paar Männern den Berg hochgeschleppt. Jeder von ihnen trug ca. 30 Kilo Krimskrams die tausende Meter nach oben. Die erste Etappe unserer Wanderung, bis zu ersten Pause, war sehr angenehm. Wir lernten uns alle erst einmal kennen, unterhielten uns mit unseren Guides (die eher an Kinder als an Männer erinnerten) und genossen die grüne Landschaft um uns herum. Trotzdem waren wir alle sehr glücklich über die kurze Rast nach unserer Nudelsuppe zum Mittag. Nach dieser besagten Pause zeigte uns der Berg zum ersten Mal sein wahres Gesicht.

Ich bin es gewohnt, etwa 1.000 Meter hoch zu wandern. Das mache ich regelmäßig mit meiner Familie in den Alpen. Aber die Wege in den Alpen stehen in absolut keinem Vergleich zu dem, auf was wir hier den Berg erklimmen sollten! Der Boden wurde von Meter zu Meter immer staubiger, was dazu führte, dass alles immer rutschiger wurde. Ganz ehrlich, das konnte man nicht mal einen Weg nennen. Eher viele Trampelpfade, die direkt zur Spitze führten und von tausenden Füßen vor uns gelockert wurden. Keine Serpentinen, kein fester Boden, keine Wanderstöcke, die Halt bieten könnten.

Die Wege des Rinjani

Jeder von uns dachte hier bereits übers Aufgeben nach

– während die Männer mit unseren Sachen auf ihrem Rücken und den Flip Flops an den Füßen uns locker überholten. Ich schwitzte wie ein Schwein, war voller Staub und eine wohltuende Dusche war nicht in Aussicht. Aber wir haben uns gepusht und gegen vier Uhr am Nachmittag erreichten auch die letzten von uns endlich das Lager.

Im Lager angekommen

Das Lager am Fuße des Rinjani

Worte können das Gefühl, das du hast, wenn du dort ankommst kaum beschreiben. Erschöpft, schmutzig und stinkend erreichst du endlich wieder geraden Boden. Klarer blauer Himmel, eine kühle Brise schwirrt wohltuend um deinen Körper und du blickst über hunderte Zelte; alle aufgebaut am Fuße eines Vulkans. Im Krater befindet sich ein See, irgendwo spielt jemand auf seiner Ukulele und du genießt einfach nur noch den Moment und entspannst dich.

Das Lager war bedeckt von hunderten Zelten in den unterschiedlichen Farben der Tour-Anbieter. Ein Zelt, eine Isomatte und ein Schlafsack bildeten unser Quartier für die Nacht. Ich habe kaum 3 Stunden schlafen können (was verglichen mit den anderen noch wirklich viel war!) mit meinem Rucksack als Kissen und Steinen im Rücken. Wir bekamen etwas gebratenen Reis zu essen, was mich ehrlich gesagt nicht annähernd sättigte. Die Portionen in Indonesien sind allgemein nicht für einen westlichen Magen ausgelegt. Als Toilette diente uns ein Loch in der Nähe unserer Zelte, durch eine Plane vor Blicken geschützt. Wenigstens gab es Klopapier! Eine Dusche dafür aber nicht. Nichtsdestotrotz genossen wir unseren Abend auf dem Berg. Unsere Gruppe war wirklich toll – junge, aufgeschlossene Leute, die bereit waren, den Vulkan zu bezwingen. Die Guides waren super nett und taten ihr Bestes, um unseren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.

Unsere kurze, ungemütliche und kalte Nacht endete um 1 im Stockdunkeln. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie wunderschön der Sternenhimmel hier oben ist. Was eine Aussicht! Der dunkle Nachthimmel hinter der noch dunkleren Silhouette des Vulkans, versehen mit abertausenden Sternen, kristallklare Luft, in der das Gefühl der Begeisterung lag, den Berg zu bezwingen. In der Ferne sah ich, dass sich einige Taschenlampen auf und ab bewegten, die sich bereits auf den Weg gemacht hatten, um den Gipfel bei Sonnenaufgang zu erreichen.

Die zweite Etappe

Nach einigen Keksen zum Frühstück (iss sie, du brauchst Energie!) führten wir unsere Wanderung fort. Schnell löste sich unsere Gruppe auf und ich war plötzlich allein. Einige Mitglieder der Gruppe fingen an, den Berg wortwörtlich hoch zu rennen, die anderen befanden sich noch hinter mir. Diese letzte nächtliche Strecke bis zum Gipfel war in zwei verrückte Stufen unterteilt. Doch beide führten den gleichen vulkanischen Staub und Felsbrocken hinauf. Für jeden Schritt, den ich nach vorne machte, rutschte ich zwei wieder zurück. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es ist, hier am Tag zu wandern – mit der unbarmherzigen indonesischen Sonne im Nacken! In diesem Moment war ich sehr dankbar für die kalte, dunkle Nacht.

In der Mitte der zweiten Stufe, es war etwas 4 Uhr morgens, war ich total geschafft. Ich brauchte dringend ein wenig Energie, hatte aber nur Wasser bei mir. Normalerweise geben die Tour-Guides jedem eine Tonne Kekse, aber ich konnte keinen aus meiner Gruppe entdecken. Also fragte ich einen jungen indonesischen Mann nach etwas zu essen und er teilte seine Schokolade mit mir. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie dankbar ich ihm dafür war. Und nach einer kurzen Pause war ich bereit weiter zu gehen.

Nicht aufgeben!

Ein Schritt nach vorne – zwei Schritte nach hinten rutschen – eine zweite Pause – nächster Schritt nach vorne – auf dem Staub ausrutschen – Pause – Schritt – rutschen – Pause. Die durchlaufende Routine für die nächsten 1,5 Mein Freund Ronni begleitet mich beim Erklimmen des RinjaniStunden. Ich marschierte die ganze Zeit zusammen mit meinem neuen indonesischen Freund. Sein Name war Ronni und er schien genauso erschöpft zu sein wie ich es war. Unsere pure und nicht kaputt zu kriegende Willenskraft ließ uns diese niemals enden wollende Geschichte fortführen. Der dunkle Gipfel war bereits seit Stunden zu sehen. Meine Beine brannten. Taschenlampen ackerten sich den Weg entlang, der in dunkler Unklarheit vor uns lag. „Ein Schritt nach dem andern“, „Du wirst das schaffen“, „Du darfst nicht aufgeben“, „Du bist schon zu weit gekommen“, „Du musst den Gipfel bei Sonnenaufgang erreichen“; war, was in meinem Kopf vor sich ging.

Dennoch gelang es uns, unserem Ziel immer näher zu kommen. Aber je näher wir dem Gipfel kamen, desto steiler wurde der Berg und somit auch unser Weg. „Verdammte Scheiße, hört das denn nie auf?“

Der Silberstreif am Horizont

Die Dunkelheit der Nacht löste sich langsam auf, eine schmale orange Linie erschien am Horizont. Ich begann zu erahnen, was mich links und rechts vom Pfad erwartete – eine klaffende Schlucht. Aber umso besser war die Aussicht.

Aussicht beim Wandern auf dem Rinjani

Der beginnende Sonnenaufgang wuchs schnell. Die schmale orange Linie über dem Meer spendete mehr und mehr Licht und der Gipfel war jetzt nicht mehr weit entfernt. Ich erlangte neue Energie, mein Wille lebte wieder auf. Mit starken, schnellen Schritten lief ich an denen vorbei, die dem Berg zum Opfer gefallen waren und nun in seinem Staub saßen. Nur noch 100 Meter – ich torkelte an denen vorbei, die den Gipfel vor mir erreicht hatten. Die Aussicht war bereits vage wahrnehmbar.

Und dann erreichte ich den höchsten Punkt Lomboks und den fünft höchsten in ganz Indonesien. 3726 Meter über Null. Fast 6 Uhr am Morgen. Lombok umgab mich und war selbst umgeben vom indonesischen Meer. Eine fast perfekter 360-Grad-Blick, noch mehr Inseln weit entfernt im ruhigen Ozean, ein qualmender Vulkan in der Mitte des Krater-Sees, ein aufsteigender Feuerball am Horizont und 2.5000 Meter hinter mir. Naturgewalten überall um mich herum.

Ich war begeistert!

Auf dem Gipfel des Rinjani bei Sonnenaufgang

Ich war noch nie zu vor so stolz auf mich selbst gewesen, ich habe dieses Ungeheuer bezwungen, ich hab’s geschafft, mein eiserner Wille hat mich hierher gebracht. Die Blasen an meinen Füßen waren vergessen. Der Staub in meinen Schuhen verschwand. Und die vergangenen Strapazen waren es Wert. Was ein Gefühl! Die ganze Welt lag mir zu Füßen. Just go for it! Behalte deine Ziele im Blick, lass Aufgeben keine Option sein und kämpfe. Das war die Lektion, die Rinjani mich gelehrt hatte! Danke!

Ich hätte ewig dort oben bleiben können – wenn da nicht dieser eiskalte Wind gewesen wäre. Und mein knurrender Magen. Nach unzähligen Fotos und vielen „Thank yous“ an Ronni war es Zeit zurück zum Lager zu gehen, um das beste Bananen-Pancake-Frühstück aller Zeiten zu essen und irgendwie von diesem Berg wieder herunter zu kommen. Und wenn du denkst, der schwerste Part ist vorbei, nachdem du den Gipfel erreicht hast, stell dir vor, dass du den steilen, rutschigen Weg jetzt wieder runter musst. Nach häufigem Fallen und Fluchen erreichen wir endlich unseren Ausgangspunkt und die erlösende Dusche befindet sich in greifbarer Nähe. Mein Körper schmerzte noch Tagelang nach diesen Strapazen, aber ich würde es jederzeit wieder tun – allein für das befreiende Gefühl beim Erreichen des Gipfels!

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Über Maria Wurm

Ich lebe in Bayern, bin 25 Jahre alt und habe meinen Bachelor of Arts für Angewandte Medien mit Schwerpunkt Sport-, Medien- und Eventmanagement am Campus M21 in Nürnberg gemacht. Seit einem Jahr bin ich voll im Berufsleben und leite die Marketing-Abteilung eines Großhandelsbetriebs. Meine wahre Leidenschaft ist allerdings das Reisen. Es hat mich schon so vieles gelehrt und um so viele Erfahrungen reicher gemacht, mehr als jedes Studium könnte. Ich bin gespannt was das Leben noch für mich bereit hält und gebe euch hier einen kleinen Einblick in meine Welt.

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