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Erfahrungsbericht des Studiengangs Technikjournalismus - Zu sehen ein bunt leuchtendes Mischpult im Dunkeln.

Ein Studiengang namens Technikjournalismus

„Ich studiere Technikjournalismus in Sankt Augustin.“

Ratlose Gesichter, kurzes Nicken, keine weiteren Fragen. Wie viele vermuten, handelt es sich nicht um einen Studiengang in Bayern, bei dem man lernt, Gebrauchsanweisungen zu schreiben. Aber was steckt wirklich dahinter? Dieser Artikel soll das Studium vorstellen, das mit ständigen Vorurteilen zu kämpfen hat.

Journalistin zu werden war schon als kleines Mädchen mein Traum. Naja, eigentlich wollte ich Autorin werden. Aber das auch nur im Winter, damit ich im Sommer Zeit hatte, um mit einem Eiswagen durch die Straßen zu fahren. Bis dahin ist viel Zeit vergangen, ich habe mein Abitur gemacht und einen Studienplatz gesucht. Mit meinem 2er Schnitt durfte ich nicht sehr wählerisch sein und habe mich einfach an so vielen Unis wie möglich beworben. Schließlich hielt ich zwei Zusagen in meiner Hand: eine für irgendwas mit Medien in Ulm und eine für Technikjournalismus in Sankt Augustin. Ich entschied mich für letzteres, ohne wirklich genau zu wissen, worauf ich mich da einlasse. Das einzige, was ich wusste, war, dass es zwei Wochen später losgehen sollte.

Hallo Sankt Augustin

Von nun an war ich also Studentin an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin. Die Stadt liegt tatsächlich nicht in Bayern, sondern in Nordrhein-Westfalen. So ziemlich genau neben Bonn und ganz in der Nähe von Köln und Düsseldorf. Das ist auch gut so, denn in Sankt Augustin selbst kann man als Student nicht viel erleben. Aber die Anbindung nach Bonn ist ganz gut. Sankt Augustin hat 55.000 Einwohner, von denen schätzungsweise ziemlich viele Rentner sind. Früher war Sankt Augustin eine Schlafstadt. Heißt, die Leute, die in Bonn gearbeitet haben, haben in Sankt Augustin gewohnt. Ich vermute, dass es heutzutage andersherum ist. Auf jeden Fall sollte man als Student eine Wohnung in Bonn vorziehen und zum Studieren mit der Straßenbahn zur Hochschule fahren. Das dauert auch nur 20 Minuten.

Was bedeutet Technikjournalismus?

Im Studiengang Technikjournalismus hat man neben den klassischen journalistischen Fächern auch Vorlesungen in technischen Themengebieten. Dadurch lernt man, über technische Themen zu schreiben. Ganz simpel. Und wer später doch lieber Gebrauchsanweisungen schreiben möchte, für den ist dieses Studium bestimmt auch eine gute Grundlage.

Sonst ist der Studiengang für jeden geeignet, der Interesse am Schreiben hat und technikaffin ist. Mit dem Bachelor of Science in der Tasche kann man als klassischer Journalist in Print, Radio und Online-Medien arbeiten, als technischer Redakteur oder Fachredakteur für Special Interest Magazine. Aber nicht nur das Arbeitsfeld eines Journalisten steht einem offen, sondern auch die Public Relations Branche. Dieser Teil des Studiums gewinnt ab dem dritten Semester an Bedeutung. Und ist bei vielen Studenten deutlich beliebter.

Die reguläre Studienzeit beträgt 7 Semester, also 3,5 Jahre. Das ist ein Semester mehr als bei den meisten anderen Bachelorstudiengängen, was an dem bereits fest integrierten Praxis- beziehungsweise Auslandssemester liegt. Auch der Aufbau während des Semesters ist besonders, denn alle vier Wochen gibt es eine Projektwoche. Im ersten Semester entwickelt man zum Beispiel in kleinen Gruppen eigenständig ein Magazin, von der Zielgruppe bis zum Layout und den Texten. Ein weiteres Projekt ist beispielsweise der Technik-Blog technikjournal.de, auf dem Studierende eigene Texte recherchieren, schreiben und veröffentlichen.

Hilfe, ich habe keine Ahnung von Technik!

Die technischen Fächer können am Anfang ziemlich angsteinflößend klingen. Mathe, Physik, Verfahrenstechnik, Anlagenautomatisierung – hä? So schlimm ist es aber gar nicht. Für Mathe und Physik sollte der Schulstoff bekannt sein. Ich selbst habe Physik in der Schule so schnell wie möglich abgewählt und die Klausuren trotzdem im ersten Versuch geschafft. Schaut einfach mal bei der Fachschaft vorbei und besorgt euch alte Klausuren. Ebenfalls werden für diese beiden Fächer vor den Prüfungen extra Übungen angeboten. Alles halb so wild.

Ist das erste Semester geschafft, folgt im zweiten die Wahl der Vertiefungsrichtung. Entscheiden kann man sich zwischen Ingenieurs- und Umweltwissenschaften. Deutlich beliebter ist meistens Umwelt, denn Biologie und Chemie kennen viele noch aus der Schulzeit. Informatik und Maschinenbau klingen häufig weniger attraktiv. Jedoch gibt es für die Umweltvertiefung deutlich weniger Plätze, sodass das Los entscheiden muss, wer einen der begehrten Plätze ergattert. Darauf hingewiesen wird man bei der Bewerbung für das Studium nicht, leider.

Goodbye Sankt Augustin

Im fünften Semester folgt das Praxis- oder Auslandssemester. Jeder Studierende hat die Wahl zwischen einem Praktikum in Deutschland, im Ausland oder einem Studiensemester im Ausland. Die Meisten bleiben im Inland und absolvieren ein 5-monatiges Praktikum in einer Redaktion oder PR-Agentur. Aber ich lege euch ans Herz ins Ausland zu gehen. Entdeckt ein neues Land, eine neue Kultur und studiert nebenbei an der Uni. Ich selbst kann von meinem Auslandssemester in Kanada nur von der besten Zeit meines Lebens berichten.
Wenn ihr davon wiederkommt, ist es auch mit den technischen Fächern geschafft. Das letzte reguläre Semester vor der Bachelorarbeit steht vor der Tür. Und vergeht natürlich schneller, als man denkt. Genau an diesem Punkt stehe ich gerade. Es ist Sommer, das sechste Semester ist vorbei und ich muss mir langsam aber sicher Gedanken um meine Bachelorarbeit und Zukunft machen.

Empfehlung?

Empfehlen kann ich den Studiengang Technikjournalismus jedem, der wirklich Journalist werden möchte, aber wie ich keinen besonders guten Abiturschnitt hat. Außerdem müsst ihr die Technik in Kauf nehmen und daraus das beste machen. Schließlich kann diese Vertiefung und Spezialisierung auf dem späteren Arbeitsmarkt von großem Vorteil sein. Ebenfalls ist das Studium an der Hochschule sehr praxisnah und kleine Studiengruppen machen das Lernen angenehm. Falls ihr euch für den Studiengang interessiert, aber aus dem Süden Deutschlands kommt, dann könnt ihr Technikjournalismus auch an der Technischen Hochschule in Nürnberg studieren.

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Über Anne

Hi, ich heiße Anne, bin 21 Jahre alt und Studentin. Ich studiere Technikjournalismus und Public Relations an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin. Den meisten Leuten sage ich aber, dass ich in Bonn studiere - ist einfacher. Während meines Studiums habe ich ein Semester in Kanada verbracht. Diese Erfahrungen möchte ich mit euch hier und auch auf meiner eigenen Webseite teilen.

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