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Mann und Frau sind nach dem Sex im Bett

Entvögelt – wenn Sex verkompliziert [Teil 2]

Hier lang zu Teil 1

 

Plötzlich war ich absolut verunsichert. Ich mochte diesen neuen Philipp, weil er irgendwie reifer schien und ernsthaft interessiert an meiner Person war. Dem ging es nicht darum, mich möglichst schnell ins Bett zu bekommen und er sagte auch, er wäre bereit für eine Beziehung. Er zögerte zwar nicht, aber er wartete (auf mich). Vor unserem ersten Treffen, das sich ein paar Mal verschob, erzählte er mir, dass er mal für ein erstes Date, vor einem halben Jahr, Folien einer Soziologie-Vorlesung gelesen und gelernt hatte, weil er Angst hatte, dass ihnen der Gesprächsstoff ausgehen würde. Ich fand das süß. Es zeigte mir auch, dass er solche Kennenlernen wirklich ernst nahm.

Das erste Date

Wenn Sex verkompliziert: Erstes Date am FlussUnser erstes Treffen am Fluss, der unsere Stadt entzwei teilt, das er als „Vorstellungsgespräch“ bezeichnete, war so wahnsinnig entspannt und unaufgeregt gewesen und hatte dabei doch absolut nichts Langweiliges oder Alltägliches an sich. Dafür hatte er nicht mal meine Mitschriften studieren müssen. Es gefiel mir, dass man sich mit einem fremden Mann einfach so ans Wasser setzen konnte und stundenlang redete. Sich wirklich unterhalten. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich und es war so viel cooler als sich irgendwo in einem Restaurant seltsam gegenüber zu sitzen.

Der neue Philipp verstand die Wichtigkeit von Original-Texten und Filmen und teilte meine Abneigung gegen Kärntner. Er sprach offen und viel über seine Familie, meinte er wäre kein unglücklicher Single, aber es fehle ihm natürlich schon diese Vertrautheit einer Beziehung und der Austausch und die Nähe, in einer solchen. Er suche etwas Festes. Mir gefiel diese Ehrlichkeit – oder das, was ich dafür hielt. Ich merkte, dass ich diese Empfindungen teilte. Ich war jetzt schon eine Weile alleine und nutzte das ganz gut für mich, auch um mich sexuell ein bisschen zu entdecken. Aber die wilde rebellische Single-und-frei-um-jeden-Preis-Phase hatte ich wohl schon hinter mit gelassen.

Er wollte mich gerne näher kennen lernen, meinte er

Ich hatte nach dem ersten Date auch das Gefühl, dass ich das wollte. Scherzhaft sprachen wir von Seelenverwandtschaft und dass er mir sofort einen Antrag machen würde, wenn ich ihm meine unbändige Liebe für HipHop offenbaren würde. Wir flirteten und hatten Spaß. Wir führten ernste Gespräche und hatten trotzdem immer noch Spaß. Er schickte mir Fotos von seinem Porridge-Frühstück und wir unterhielten uns über die neueste Politik im Land. Nach dem ersten Date, schien er auch richtig Feuer gefangen zu haben, weil er sich extrem schnell um ein erneutes Wiedersehen bemühte. Nicht erst irgendwann mal – vielleicht-nächste Woche, wie das heute so oft vorkommt – sondern ganz konkret. Der Kontakt wurde intensiver.

Da umwarb mich jemand – das gefiel mir

Unser zweites Date war dann so eiSex verkompliziert: 2. Date im indischen Restaurantn klassisches Date. Er führte mich zum Essen zum Inder aus. Auch an diesem Abend kam es nicht zum ersten Kuss. Dabei wäre ich schon neugierig gewesen. Irgendwie hatte der Geek-Philipp etwas. Etwas, das ich küssen wollte. Auch wenn er ein Globuli-Kind war, rauchte, Katzen über Hunde bevorzugte und Pferde nicht mochte (Notiz an mich: Kann es noch mehr Warnsignale geben??!!). Aber so ist das nun mal mit Gefühlen. Die sind alles andere als rational. Optisch fand ich ihn über die Zeit hinweg immer attraktiver. Anfangs fand ich die verschlafenen Augen irritierend und auch nicht alle seine Zähne waren gerade. Aber für mich macht Persönlichkeit wahnsinnig viel aus und sein Attraktivitäts-Level stieg für mich über die Tage und Wochen hinweg an.

Schon während unserem zweiten Date, fragte mich der neue Philipp nach einem dritten Date. Ich wusste noch nicht, wie ich mir das alles zeitlich einteilen konnte und sollte, weil ich so schon viel herum schieben musste, um mich die anderen Male mit ihm treffen zu können. Aber er war es wert, war ich überzeugt und wollte mein Möglichstes tun, um das möglich zu machen.

Es war schon einige Zeit her, dass ich mich wirklich für einen Mann irgendwie begeisterte und dass er es schaffte mein Interesse und meine Aufmerksamkeit immer weiter zu wecken und zu halten. Interessanter Fakt: Ich wäre auch schon beim zweiten Date zu ihm Nachhause gekommen und er hätte mir die FreemanDoku zeigen können, von der er so begeistert war. Aber er führte mich anstatt Doku+Chill, doch lieber zum Essen aus. Das alles waren für mich so viele Zeichen, dass es ihm wirklich um ein ernsthaftes Kennenlernen ging und dass er Interesse an MIR hatte.

Lag ich damit falsch? Tja, irgendwie schon

Nach unserem zweiten Date beim Inder und fast einem Monat Kontakt, verabredeten wir uns für ein Date, zwei Tage später. Wer jetzt an die magische Drei denkt, der denkt absolut mit mir konform. Nur, dass Philipp es anscheinend wirklich nicht eilig hatte, mir die Klamotten vom Leib zu reißen. Danach hätten wir uns auch beide gleich für den nächsten Tag verabredet, aber er hatte seinem Vater versprochen bei irgendetwas zu helfen und hatte dann noch Pläne mit seiner Schwester. Ich war an dem Tag sowieso auch beschäftigt, aber wir schrieben trotzdem fleißig hin und her. Nicht zuletzt, weil er mich darum bat bzw. dazu aufforderte, wenn ich nicht zu sehr im Stress wäre, ihn doch teilhaben zu lassen.

Umgekehrt schickte er mir Bilder seiner Familie und des Fuchs-Hundes und mein Tag wurde dann mit der Wein-Party bei Freunden erst so richtig mitteilungswert. Er schickte Musik-Vorschläge an meine Musik-Affinen Freunde und vieles von dem wurde als Drogen-Hip-Hop eingestuft.

Sex verkompliziert: Mädchen trinkt WeinIch fand das aber sexy, dass er so leidenschaftlich ist und fand ihn deswegen, sicher aber auch wegen den Unmengen an echt gutem Wein, plötzlich noch anziehender. Der Effekt von Alkohol auf die Gefühlswelt ist ja weitestgehend bekannt. Ein kleiner Hurensohn, dieses berauschende Gesöff. Aber ich war ja sowieso schon angetan von diesem neuen Philipp in meinem Leben und die Gläser Spätlese und Co pushten diese Gefühle einfach nur noch ein bisschen.

Beschwipstes Treffen?

Er ließ mich wissen, dass er von der (auch sehr flüssigen) Grillfeier seiner Familie wieder in die Stadt zurückgekehrt war und meinte, er wäre auch noch nicht so müde und würde sich mit uns treffen, wenn wir unterwegs wären. War aber ein privates Besäufnis im Wohnzimmer. Er fuhr also zu sich heim und setzte sich mit Rotwein und einem Podcast auf seinen Balkon. Er ließ mich aber wissen, dass er sich auch noch einmal hinaus trauen würde, wenn ich mich mit ihm treffen wollen würde. Ein bisschen später und eindeutig vom Hurensohn-Rotwein geleitet, fragte ich ihn, ob er mir denn Asyl gewähren würde, wenn ich ein bisschen beschwipst zu ihm kommen würde und was dann passierte, das habe ich in „Der neue Philipp“ oder „Das Phänomen des Lack-abvögelns“ /Teil 1, schon beschrieben.

Um was es jetzt geht, ist die Frage, wie es nach dem seltsamen Erwachen weiter ging:

Auf der Uni angekommen, sah mir ein Studienkollege schon an, dass irgendetwas nicht so hundert prozentig im Lot war. Ich erzählte ihm knapp die Umrisse der Bekanntschaft und Ereignisse rund um diesen Mann und er riet mir (ungefragt!), mich doch bei ihm zu melden. Mein Kollege meinte, dass er vielleicht wirklich nicht damit gerechnet hatte und jetzt eventuell einfach total verunsichert war. Außerdem wirke ich manchmal schroffer und abweisender als ich das eigentlich will und er fand meine Strategie, einfach zu warten, bis er sich melden würde, nicht gut. Wenn ich nicht wollte, dass diese komische Stimmung bleiben würde, dann sollte ich versuchen einfach unkompliziert und freundlich dort anzusetzen, wo alles noch okay war und ihn damit wissen lassen, dass von meiner Seite aus alles gut war.

Es war nicht alles gut

Das spürte ich ganz klar und deutlich, aber ich verstand auch überhaupt nicht, was nun plötzlich so anders war und wie weitreichend das wirklich alles veränderte. Ich wollte ihn zumindest noch einmal sehen um festzustellen, ob der Lack wirklich auf einmal ab war. Ob wir uns entvögelt hatten.

Eigentlich war doch alles sehr schön gewesen und meine Faszination von ihm konnte ich doch unmöglich nur mit körperlicher Begierde verwechselt haben, die dann nach Befriedigung alles wie eine Seifenblase zerplatzen ließ. Ich schickte Philipp also ein Bild aus dem Hörsaal und schrieb etwas dazu, wie sonst auch. Er las es auch. Antwortete aber nicht.

In etwa zwei Stunden später meldete er sich dann und das alles abzutippen wäre mir zu mühsam, abgesehen davon beschreibt er es wohl am besten in seinen eigenen Worten:

Wenn Sex verkompliziert: Screenshot Whatsapp

Das liebe Kinder, ist eine 1A Abfuhr, wie sie im Buche für feige Männer steht. AUTSCH!

Teil 3 mit einer Analyse dieses Phänomens folgt.

Bilder: pixabay | pexels | flickr ©Danny Choo | pexels

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Über itswaypastmybedtime

Ich bin eine kleine, über Berge hüpfende und dabei Edelweiß-Lieder singende (naaaa wer erkennt die Sound of Music reference?) Student-in des Alpenlandes die sich irgendwann mal hier her verirrt hat und jetzt wie Alice Gefallen am Wunderland gefunden hat. Ich schreibe über alles und nichts. Dinge die mir so passieren, Gedanken die ich in Worte fassen will oder die ein oder andere große Weisheit die ich in meinem jungen Leben schon kapiert hab und großzügig mit euch übrigen unwissenden und herumdümpelnden Mit-20ern teile ;-)

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  • Vintagevorhang

    Hi ho,
    Also leider muss ich sagen, die Geschichte habe ich endlose Male im Bekanntenkreis erlebt, auch mir ist das schon passiert.
    Die Antwort ist ganz klar, zu schnell Sex gehabt. Dadurch ist der Jagdinstinkt des Typen dahin. Schnell die Lust befriedigt und damit das bisschen „verliebtsein“ ist weg. Er hat sich quasi klar- gevögelt. Man ist keine Herausforderung mehr.
    Es gibt auch Ausnahmen. Dieser Fall ist eher die Regel als die Ausnahme.

    • Cari We

      Ist mir auch ein einziges Mal passiert. seitdem hab ich die Phase „davor“ immer länger gestaltet. Bei meinem jetzigen Freund habe ich das „kämpfen/erobern“ über ein halbes Jahr hingezogen ohne mich viel bei ihm zu melden. Regelmäßig intensiven Kontakt dann zwischendurch (mit voller absicht) weniger. Und er blieb dran. Dann hab ich mal nem Date zugesagt, nem zweiten … nem dritten und irgendwann war ich auch mal spontan bei ihm. Jedenfalls ist es wirklich besser mit Sex länger zu warten und diese „Umwerbungsphase“ mal zu genießen. Das tut dir selbst auch gut. Du musst allerdings selbst erkennen wo der Punkt ist, an dem er langsam genug hat – es gibt auch Frauen die zu lange auf sich warten lassen ohne ihn Die Früchte seiner Arbeit sehen zu lassen 😉 .. das hab ich eben zB mit den immer häufiger werdenden Dates und dem häufigeren Kontakt gemacht.

      Viele Frauen können einfach nicht warten und oft führt das zu ner 3 Monate lang glücklichen Beziehung und das wars. Danach erträgt man nur noch bevor man sich trennt. – so oft gesehen und die wenigsten lernen daraus.

      • itswaypastmybedtime

        Danke für deinen Kommentar. Dass es da sowas wie ein ‚Phänomen‘ gibt war mir klar, als ich diesen Artikel schrieb. Was ich hier in Artikel und Beiträge packe ist auch nicht alles autobiografisch, sondern mehr aus Freundeskreis und Co gesammelt. Dinge eben, die Twentysomethings beschäftigen und plagen 😉 Wenn solche Artikel vielleicht ein bisschen aufzeigen, bewusst machen und dadurch helfen können, ist das natürlich um so besser und auch beabsichtigt.

        Ob man jetzt wirklich immer ganz lange warten muss, weiß ich nicht. Pauschal würde ich mal sagen nein, weil einfach jede Beziehung und Dynamik anders ist. In diesem besonderen Fall jedenfalls, war nach dem Sex ganz offensichtlich der Lack ab. Ob das nach ein paar weiteren Monaten auch so gewesen wäre, lässt sich nicht wirklich sagen. Im dritten und letzten Teil, gehen wir aber nochmal näher auf diese Frage ein 🙂 Danke fürs Mitlesen.

        • Vintagevorhang

          Es ist ja auch gut und richtig sowas zu schreiben 🙂 Das man mit dem ganzen nicht allein ist, zeigt ja das es jedem passiert.
          schön war, als lettens eine im Zug vor mir saß, (ich hatte ebenfalls ein date gehabt) und ihr lauschte, wie sie beschrieb, das er sich immer weniger melden würde…und er hätte ihr gesagt das er nur unter der Woche zeit hätte.
          und sie sagte dann zu ihrer freundin am Telefon: das ist ja kein Problem, ich habe ja immer einen Tag die Woche frei und kann dann immer den Abend vorher nach Frankfurt fahren und bei ihm schlafen 😀
          lustig wie das so auseinandergeht oder? bei ihm: eig hab ich am Wochenende scho neue dates….
          bei ihr: ich plane mein leben mit ihm.

      • Vintagevorhang

        Ja, sehr cool was du schreibst! gerade der letzte Absatz gefällt mir am allerbesten, weil er es genau trifft. man erträgt sich tatsächlich nur noch.
        sehr treffender Post :))

    • itswaypastmybedtime

      Hi ho zurück 🙂
      Dass es solche Geschichten schon öfter mal gibt, davon ging ich aus, als ich das hier schrieb. Ich wollte dem ‚Phänomen‘ nur einfach einen Namen geben bzw. machte ich mir darüber post-happening Gedanken und empfand es als Studiblog-Artikel-Material 😉 Er, genauso wie ich, haben uns entvögelt. So klar wie du, sehe ich das auch. Deswegen auch der Titel. Im dritten Teil beleuchten wir das dann trotzdem noch ein bisschen genauer 🙂
      Cheerio!



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