Klischees der Studiengänge - Eine wahre Geschichte
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Klischees von Studiengängen: Lehramtsstudentin und Jurastudent werden gegenübergestellt.

Studiengangklischees – Eine wahre Geschichte

Die typischen Klischees nach Studiengängen

Ich möchte euch erzählen, was mir die vergangene Woche passiert ist. Und ich habe nicht schlecht gestaunt. Stellt euch vor, ihr schlendert gemütlich über euren Campus, zugegebenermaßen blutjunges Erstsemester, vollkommen unvoreingenommen und noch mindestens knietief in der Anfangsmotivation. Gerade ich, denn ich möchte ja Lehrerin werden. Und ich gebe es auch zu. Ja, ich studiere Lehramt und bin motiviert, später mit Kindern zu arbeiten. So, nun ist es raus. Was ist mir also passiert, das mich so schockierte? Es war eigentlich kein großes Ding. Nur wenige, plumpe Worte, die an mir vorbeigingen. Auf dem Weg zum Hörsaal passiere ich eine Gruppe Studenten und muss folgendes hören: „Ah! Schaut mal. Lehramt… Ja, Lehramt. Sieht man ganz genau.“

Bitte? Was soll das denn?

Entspreche ich denn irgendeinem Stereotypen? Ist das so schlimm, dieses Fach zu studieren? Ich drehe mich um und sehe diesem Menschen ins Gesicht. In solch einem Augenblick habe ich in der Regel nie ein Pokerface. Zum Beispiel mein Mathelehrer betonte gerne, wie „böse“ ich doch schauen konnte. Dies könnte also auch ein zusätzlicher Grund dafür sein, dass mich dieser Mensch so schamlos, so provokativ ansieht, nachdem ich mich konfrontierend zu ihm umgedreht hatte. Mal ehrlich. In solch einem Augenblick erwartet man doch zumindest ein schnelles Abwenden, getreu dem Motto: Was siehst du mich so an? Du warst doch nicht gemeint. Das war vollkommen aus dem Kontext genommen. Oder auch: In Wirklichkeit war ich gerade dabei, was ganz anderes zu sagen.
Aber sie starrt mich echt an. So richtig fixierend. Als wollte sie noch sagen: Ja! Du bist gemeint. Natürlich bin ich einfach weiter gegangen, ohne darauf einzugehen. Reden ist schließlich Silber, Schweigen Gold. Eine Kompetenz, die ich mir für später bewahren muss, denn seien wir mal ehrlich: Gerade als Lehrer muss man kleinen und großen Provokationen standhalten können. Meine besonnene Reaktion sollte man als Leser eigentlich würdigen. Ich hätte ja auch sagen können: „Und? Was studierst du? Oder sammelst du nur Pfandflaschen auf dem Campus? „

Es hat mich dennoch in eine leichte, aber eine hauchzarte Existenzkrise gebracht. Sieht man einem Menschen an, was er studiert? Vor allem schon im ersten Semester oder ist es sogar schon zu einem viel früheren Punkt absehbar? Oder sieht man es ausgerechnet nur mir an? Was wäre, wenn ich nach dem zweiten Semester plötzlich zu Jura wechseln würde. Sähe ich dann aus wie ein Jurastudent? Das kann doch nicht sein. Das widerspricht jeglicher mir mitgegebener Vernunft und Rationalität. Nein, das geht nicht. Oder doch? Wie sieht denn der typische Lehramtsstudent aus? Wie sieht der Informatiker aus? Und was ist mit Jura, BWL? Ich frage also mal ein bisschen rum.

Die Frage nach Klischees unter meinen Freunden

Das Folgende wurde mir etwa so gesagt.

Kommilitone: „Die Lehrämter sind so die Entspanntesten. Die kommen nicht top gestylt. Die kleiden sich leger, ungezwungen.“

Germanistik-Studentin: „Wenn einer etwas im Tutorium nicht verstanden hatte, stellte sich immer heraus, dass dieser Mensch -Überraschung- Lehramt machte.“

Informatik-Student: „Die Lehrämter, die betrinken sich doch jetzt schon alle, damit sie später ihren Beruf besser ertragen können.“

Ach du meine Güte. Fragerunde beendet. Wir sind in der Regel ungezwungen gekleidete, verständnisbehinderte Alkoholiker? Nein. Also wirklich nicht. Im Grunde meines Naturells bin ich sogar eher als Abstinenzler zu bezeichnen: Ich trinke zwar auf Partys mit, stoße zu Silvester mit an, aber ich verschmähe guten Wein und wenn ich trinke, dann auch nicht so viel wie die anderen. Inwieweit ich verständnisbehindert bin, weiß ich nicht zu beurteilen, aber ich habe meinen Hochschulzugang ohne größere Schwierigkeiten erhalten und mal abgesehen von mathematisch-komplexen Sachverhalten bin ich doch zu einer differenzierten Wahrnehmung meiner Umwelt befähigt. Das mit dem „legeren“ Kleidungsstil gebe ich durchaus zu. Es bedeutet aber nicht, dass ich verlumpt und verdreckt durch die Gegend irre. Ich mag halt gerne Schlabberpullis und bequeme Anziehsachen. Lebt damit. Und auch, das möchte ich betonen, sehe ich nicht wie folgt aus: Stöckelschuhe, Rollkragenpulli, streng gescheitelte, hochgesteckte Frisur und immer mit dem Tafelstock in der Hand. Leute, glaubt mir bitte, es stimmt nicht. So sehe ich nicht aus.

Ein Spiel:

Machen wir doch mal eine schnelle Raterunde. Zur Auswahl stehen: BWL, Psychologie, Lehramt, Informatik und Biochemiker. Kannst du jedem Studiengang gezielt ein Klischee zuordnen?

  1. Verbringt sein Leben in einem dunklen Keller bei Tierversuchen, hat dementsprechend immer eine blasse Haut.
  2. Kennt keine Betriebssysteme außerhalb von Unix. Die einzig bekannte Fremdsprache lautet Binär. Unrasiert und meist ungewaschen.
  3. Ohne Pilotenbrille, gestriegeltem Haar und Anzug verlässt er/sie nicht das Haus. Die obligatorische Aktentasche darf nicht vergessen werden.
  4. Verarbeitet noch das traumatisierende Erlebnis, zu Weihnachten nie die Puppe/Eisenbahn bekommen zu haben, die gewünscht wurde und versucht nun, sich seiner Jugend wieder anzunähern.
  5. Versucht durch das Studium sich selbst zu therapieren.

War einfach, oder? Nun, ihr seht es ja selbst. Es ist wirklich nicht schwer, jemandem mit Vorurteilen zu begegnen. Wie dieses Mädel es letztendlich geschafft hat, an mir das Lehramt-Studium zu erkennen, kann ich immer noch nicht beurteilen. Vielleicht liegt es an der Art, wie ich gehe. Oder ich hätte den „Achtung! Ich benote bald deine Kinder!“-Pulli die Woche mal auslassen sollen. Nein, Scherz. Vielleicht hat sie mich mal in der Mensa von meinem Studium reden hören und wollte mich einfach nur überraschen..? Vielleicht studiert sie aber auch einfach Psychologie…

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    Ehrlich gesagt bin ich auch eine von denen, die verbindende Merkmale verschiedener Studiengänge entdeckt hat (wobei es selbstverständlich IMMER Ausnahmen gibt)! Aber ich würde das nicht so herablassend und respektlos äußern.

    Also Menschen, von denen ich denke, dass sie Lehramt studieren, sind sehr häufig weiblich, tragen gerne einen lockeren Zopf oder Dutt und dünne Schals/Tücher und Blazer oder Cardigans und häufig Ballerinas, hin und wieder sehe ich auch Blümchenmuster. Insgesamt machen die meisten einen sehr lieben Eindruck und sind unschlagbar im Auswendiglernen, weshalb sie meist super Noten schreiben! In Zusammenarbeit mit Lehrämtlern während meines eigenen Studiums (Biologie) fielen allerdings häufiger Schwächen in Praxis-Aufgaben auf, oftmals auch Desinteresse für die geforderten Aufgaben (was z.T. echt negative Folgen für alle anderen nach sich zog). Dies erschließe ich aber auch aus den vielen Fächern und Kursen, die sie belegen müssen und der damit einhergehenden Beanspruchung. Die wenigen, auf die dieses Defizit nicht zutraf, waren dafür absolute Überflieger und echt Gold wert! Was auch auf viele (nicht alle!) zutrifft, ist ein Hang zur Rechthaberei und zum Diskutieren! 😀



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