Der berliner Hipster: Eine kleine Parodie | Studiblog
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Der Berliner Hipster

Eine Gruppe von Freunden und ich saßen in der neuen WG einer Freundin zusammen. Wir hatten den Vormittag hauptsächlich mit Schleppen und ein bisschen Blödelei verbracht und hatten es uns nun in der frisch ausgemalten kleinen Bude am Boden und dem bereits aufgebauten Sofa, bequem gemacht. Ich trank Eis-Kaffee (die einzige Art von Kaffee, der ich etwas abgewinnen kann) und die meisten anderen tranken Bier oder Radler, weil Österreich. Nur einer hatte sich Getränke-technisch ins Abseits katapultiert und nippte an seinem naturtrüben Hollunderblüten-Saft mit weniger Zucker:

Der Hipster

Woran ich ihn als Hipster identifitzierte? Naja zum einen trug er eine dieser eckigen Brillen mit schwarzem Rand, obwohl knapp 30 Grad und körperlicher Betätigung so eine komische Mütze, die – wäre sie noch ein bisschen kleiner gewesen – getrost als Kippa hätte durchgehen können und zum anderen Sneaker. Seine ausgewaschenen Jeans waren an den Enden bis knapp über dem Knöchel aufgekrempelt und das Oberteil mit so einer Art Strickweste drüber wirkte fancy, aber fehl am Platz und hatte den Chique der 60er Jahre Studentenrevolution, den man nur in Second-Hand Läden findet. Er studierte und arbeitete „irgendwas mit Medien“ und Graphic Design, ein weiteres sehr sicheres Zeichen dafür, dass es sich hier um einen freilaufenden Hipster handelte und trug in seinem Jutebeutel, mit Aufdruck ‚Berlin‘ ein Mac-Book spazieren. Was den hippen Happen aber endgültig verriet, war sein Beteuern, dass er absolut gar kein Hipster sei. Aha! Entlarft!

Der kleine Revolutionär

Für einen Öko-yolo-vega-sonstwas-krassen-Individulisten-Hipster, der hauptberuflich unerfolgreich gegen den Strom zu schwimmen versucht, war der Berliner Typ in der Wohnung meiner Freundin eigentlich ganz ansehnlich trainiert und nicht einer von diesen langweiligen 0815 digitalen Lauch-Anwärtern, deren Blässe durchgängig an Käse erinnern, den sie nicht essen. Ich konnte mir direkt vorstellen, wie er Morgens zum nächsten Bauernmarkt rennt, um einen Apfel zu kaufen und ihn dann in der Vorlesung neben seine fairgehandelte Glaswasserflasche und das Mac-Book platziert und jedem, der nichts davon hören will reindrückt wie lässig es doch ist, lokale Kleinbauern mit ihren Start-Up-Ständchen zu unterstützen. Wahrscheinlich kauft er auch nicht EU-Norm gekrümmte Gurken, der kleine Revolutionär.

Mein unbeabsichtigter Hipster-Look

Auf der sonnigen Terrasse tauschte er seine normale Brille gegen eine Sonnenbrille mit Holzrahmen in gleicher Form und gesellte sich zu mir. Es gefiel ihm, dass ich Theologie studiere. Vermutlich, weil es so ‚alternativ‘ ist. Ihn würde alles Spirituelle schon auch sehr interessieren meinte er. Meditation sei doch so toll und irgendwann möchte er auf jeden Fall in einen Ashram nach Indien. Zur Selbstfindung. Irgendwann mal. Wenn er Zeit dafür hat.

Das Interesse des Hipsters an meiner Person konnte ich nicht so ganz nachvollziehen, aber vermutlich war ich mit den alten Mom-Jeans, dem Flechtgürtel, dem weißen Top und den Espadrilles, plus meiner beiden Helix-Piercings und dem Messy-Bun, doch seine Zielgruppe. Ganz unfreiwillig hatte ich mich vielleicht für das Möbel-Schleppen in den Hipster-Look geschmissen. Als er auf dem Klo meiner Freundin, die in einem Theater meiner Stadt arbeitet, auf einem der alten Werbeplakate meine Person entdeckte, schien es vollkommen um ihn geschehen.

Die Macht der Hipster

Ich weiß schon. Ich ziehe da jetzt ganz böse über die Hipsters her. Schon ganz schön gemein von mir. Aber sie bieten halt auch einfach die perfekte Vorlage dafür. Und eigentlich habe ich nichts weiter getan als den Berliner Exportschlager zu beschreiben. Parodieren kann er seine/unsere Generation ganz alleine. Dafür braucht er mich nicht. Diesen Text aber hat’s irgendwie gebraucht. Für mich.  Eigentlich dürfte sich da ja auch niemand angegriffen fühlen, weil sich sowieso niemand selbst als Hipster wahrnimmt. Der Hipster hat das frommsche „Sein und Haben“ quasi in einer klischeehaften Person perfekt vereint und wenn überhaupt, dann liest er VICE -die Bildzeitung unter den Hipster-Bibeln. 😉 Wir gehen übrigens demnächst Mandelmilch-Latte trinken und Couscous-Salat essen, der Hipster und ich und er wird sich ein Header-Design für meinen Blog überlegen. Nutzet die Macht der Hipster!

Bild: flickr ©Joel Bedford

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Über itswaypastmybedtime

Ich bin eine kleine, über Berge hüpfende und dabei Edelweiß-Lieder singende (naaaa wer erkennt die Sound of Music reference?) Student-in des Alpenlandes die sich irgendwann mal hier her verirrt hat und jetzt wie Alice Gefallen am Wunderland gefunden hat. Ich schreibe über alles und nichts. Dinge die mir so passieren, Gedanken die ich in Worte fassen will oder die ein oder andere große Weisheit die ich in meinem jungen Leben schon kapiert hab und großzügig mit euch übrigen unwissenden und herumdümpelnden Mit-20ern teile ;-)

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