Meine Mutter & Ich - zwischen Liebe und Konflikt | Studiblog
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Mutter und Tochter stehen sich gegenüber und schauen sich an.

Meine Mutter sagt immer…

Ich habe keine Ahnung was meine Mama immer so sagt. Vermutlich, dass ich weniger fernsehen und schon gar keinen Hollywood-Scheiß, wie etwa Forest Gump, schauen soll. Oh und dass ich besser lernen sollte, anstatt einen Blog zu führen, weil das nur dumme Spinnereien sind und ich zwar ganz gut schreiben kann, man sich davon aber nichts erwarten kann, weil alle irgendwie ganz gut schreiben können und ich besser etwas Sinnvolles machen sollte.

Neulich, habe ich mit meiner Mutter gesprochen

Wir saßen im Auto und sie fuhr mich in Richtung Stadt und wir haben miteinander geredet. Jetzt ist es natürlich nicht so, dass ich sonst nie mit meiner Mama rede, aber wirklich tiefe Gespräche sind es selten. Wir haben einfach keinen richtigen Draht zueinander. Woran das liegt, kann ich nicht so wirklich sagen. Wir sind einfach sehr verschieden und in den entscheidenden Charakterzügen dann zu ähnlich.

Ich fühle mich wohl immer wie eine Art Enttäuschung in ihrer Nähe. Vielleicht nicht unbedingt als eine Enttäuschung, aber als nicht gut genug. Da ist so viel Druck, da sind so viele Erwartungen, da ist so wenig Liebe und wenn dann immer mit Auflagen. Vielleicht tue ich ihr damit auch völlig Unrecht, aber das ist nun mal wie ich das empfinde. Darüber zu sprechen hat auch wenig Sinn. Meistens beginnen wir nur zu streiten bzw. reden komplett aneinander vorbei. Das ist auf vielen Ebene traurig, aber auf noch mehr ebenen frustrierend.

Es würde mir nie einfallen mit Problemen oder intimen Sachen zu meiner Mutter zu kommen. Ich vertraue ihr, aber sie ist nicht meine Vertrauensperson. Gleich mit 18 bin ich damals daheim ausgezogen und mein Weggehen hatte viel von einer Flucht. Der Abstand tut uns auch gut, glaube ich. Dadurch habe ich dann mehr Geduld für sie und den Umgang mit ihr. Rede ich mit meiner Mama, habe ich sofort das Gefühl gewertet zu werden. Sie hat auch diesen ganz bestimmten Blick drauf, der mich schlagartig in Verteidigungs-Modus versetzt und rasend macht.

Ich habe immer das Gefühl, mich und meine Aktionen, Entscheidungen rechtfertigen zu müssen. Nicht gut genug zu sein. Ständig erzählt sie mir, wie man etwas macht oder wie sie es machen würde. Ich kann das nicht hören, will das nicht hören und doch…Warum ich ihr so unbedingt gefallen will, so unbedingt ihre Anerkennung haben will? Einfach weil ich ihre Tochter bin und sie meine Mutter ist. Unsere Beziehung ist voller Spannung und Anspannung. Wann genau das begann, mag ich nicht mehr zu sagen. Vielleicht war es auf gewisse Weise auch schon immer so.

Wir drücken gegenseitig unsere Knöpfe

Ich vermeide Situationen, in denen ich mit meiner Mutter alleine bin. Wir reiben uns ständig aneinander auf und ich kann daran einfach nicht vorbeigehen. Dabei haben wir gar kein bestimmtes Thema. Es kann die Uni sein, meines neues Kleid, die politische Lage oder die Schrittgeschwindigkeit beim Einkauf. Völlig egal. Mama und ich können über alles streiten. Sie, ihre Haltung, ihre Blicke, provozieren mich wie nichts sonst auf dieser Welt. Plötzlich bin ich wieder 14 und meine Teenie-Hormone rauschen über. Ich werde trotzig und patzig und eingeschnappt und hyper-emotional. Sie drückt meine Knöpfe. Ganz unbemerkt, vielleicht, und ich drücke ihre.

Um das Ganze mal zu verdeutlichen, ohne dabei zu tiefe familiäre Einblicke zu gewähren, hier ein Beispiel, in dem ich mich wie meine Mama verhielt und das für mich so ziemlich der schlimmste Augenblick überhaupt war: 

Vor einigen Jahren teilten sich mein (heute) Ex-Freund und ich ein Auto. Er war gerade unterwegs und ich wartete zuhause auf das Auto, weil ich nochmal weg musste. Ob Uni oder Theaterprobe, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls war er zu spät und ich reichlich angepisst. Irgendwann rief er mich dann endlich zurück und ich hob wie die letzte Furie am Handy ab.

Mein Ex-Freund erzählte mir, dass er gerade einen Unfall gebaut hätte. An der Ampel war er jemandem hinten aufgefahren, niemandem wäre etwas passiert, aber er müsse jetzt hier warten und einen Unfallbericht ausfüllen etc. Und was machte ich dumme Kuh? Ich fuhr ihn total unbeherrscht an. „Na super!“, motzte ich. „Großartig! Das hast du ja toll gemacht! Hast du nicht besser aufpassen können? Jetzt komme ich viiiel zu spät ins Theater! Vielen Dank auch!“ Grauenvoll! Das war eins zu eins das Verhalten meiner Mutter, die in Situationen, die ohnehin schon beschissen sind und die man nicht mehr ändern kann und wegen denen man sich sowieso schlecht fühlt, auch noch drauf packt und überhaupt nicht konstruktiv ist. 

So viel also dazu.

Nicht falsch verstehen, ich liebe meine Mama mindestens bis zum Mond und wieder zurück, aber wir sprechen einfach nicht die selbe Sprache. Sie gibt mir und gab mir noch nie das, was ich von einer Mutter-Figur gebraucht hätte und umgekehrt bin ich für sie auch absolut all das, mit dem sie nichts anfangen kann. Schon als ich ganz klein war ging das los, als ich lieber mit Puppen anstatt mit Autos spielte, ihre Chemie und räumliches Denken verstärkende Baukästen ablehnte und am liebsten immer nur in rosa Kleidchen herum gelaufen wäre.

Ich war sowas von Mädchen und das war für meine Mama sowas von unverständlich, weil ihre einzige pädagogische Überzeugung war, dass das Geschlecht nur anerzogen wird und Mädchen sich deswegen nicht für Naturwissenschaften oder Autos interessieren, weil man ihnen suggeriert, sie wären dafür nicht geschaffen. Sie wollte das gezielt anders machen. Ich war aber in allen Bereichen des Lebens ein Disney-Prinzessinen-Klischee-Kind und genauso war mein Bruder, der zwei Jahre nach mir zur Welt kam – der Sterotyp eines Buben. Mama hatte es also nicht leicht mit uns. Wir aber auch nicht mit ihr.

Der Zauber-Party-Flop

Meine liebste Geschichte ist die, als meine Mama mir zu meinem 9. Geburtstag eine Überraschungs-Party schmiss. Sie nannte sie „Zauber-Party“ und hatte ganz viele kleine Stationen aufgebaut, an denen wir mit Trockeneis experimentieren durften und Knallfrösche mit Hammern zerschlugen (keine Sorge, meine Mama ist Professorin für Chemie und hatte Schutzbrillen und Studenten dabei, die aufpassten, dass nichts passierte). Meine Mama fand das super cool. Ich fand das super scheiße. Alles rauchte und stank und war laut oder irgendwie gefährlich (ich war/bin ein Angsthase). Für meine Mama war das alles, was sie sich als kleines Mädchen jemals gewünscht hatte. Für mich war es der vielleicht schlimmste Geburtstag überhaupt. Bis heute kann sie nicht verstehen warum.

Ein erster Schritt

Als wir also zusammen, alleine im Auto saßen (um nach diesem eeeewig langen Diskurs, der sich irgendwie verselbstständigt hat, dann auch mal wieder auf den Punkt zu kommen), da fragte meine Mama plötzlich: „Wie geht es dir?“ und zu meiner großen Überraschung sagte ich: „Nicht so gut.“

Normalerweise hätte ich an dieser Stelle irgendetwas in die Richtung „Joa, geht schon“, oder so gefaselt, oder ihr von irgendetwas anderem erzählt, um abzulenken. Aber überraschender Weise, tat ich das nicht. Meine Mutter war wohl genauso überrascht wie ich. Man konnte ihre Anspannung förmlich spüren. Sie hatte Angst, etwas falsch zu machen und dass mich das gleich wieder dazu bewegen würde, ihr die (emotionale) Tür vor der Nase zuzuknallen.

Vorsichtig, tastete sie sich an mich heran und ich erzählte ihr. Keine Details, aber Umrisse. Dass mich die Uni ziemlich stresst und dass ich mich eine Zeit lang mit einem Mann getroffen hätte, ich das nun aber aufgehört habe. Meine Mutter hielt sich mit Kommentaren sehr zurück, obwohl ihr das sicherlich schwer fiel. Die Strecke war ohnehin kurz. Als ich ausstieg schaute sie mich an und sagte: „Ich hab dich lieb. Du kannst jederzeit nachhause kommen, wenn du magst. Ich hoffe du weißt das.“ Danke Mama.

Es ist gut, dass es Eltern gibt.

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Bild: flickr ©Eduardo Skinner | GIF: tumblr
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Über itswaypastmybedtime

Ich bin eine kleine, über Berge hüpfende und dabei Edelweiß-Lieder singende (naaaa wer erkennt die Sound of Music reference?) Student-in des Alpenlandes die sich irgendwann mal hier her verirrt hat und jetzt wie Alice Gefallen am Wunderland gefunden hat. Ich schreibe über alles und nichts. Dinge die mir so passieren, Gedanken die ich in Worte fassen will oder die ein oder andere große Weisheit die ich in meinem jungen Leben schon kapiert hab und großzügig mit euch übrigen unwissenden und herumdümpelnden Mit-20ern teile ;-)

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Ich bin ein 26-jähriger, männlicher Student der Betriebswirtschaftslehre (BWL) und habe mich für den Schwerpunkt …



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