Das Recht auf eine Krise als Mittzwanziger | Studiblog
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Krise in den Mittzwanzigern: Rothaarige Frau liegt auf trockenem Wüstenboden.

Das Recht auf eine Krise

Es ist okay, in seinen 20ern eine Krise zu haben. Ich will nichts anderes hören. Alle, die sagen „Aber du hast doch noch alles vor dir! Mit 40 eine Midlife-Crisis okay, aber was kann dich jetzt groß nach unten ziehen?“ möchte ich hiermit den Mund verbieten. Behaltet diese furchtbar klugen Sätze einfach für euch, weil am anderen Ende der Kommunikationsleitung nämlich beim Twentysomething-Gegenüber nur Ersteres hängen bleiben wird -furchtbar!

Ich will mit diesem Beitrag also ein bisschen erstreiten, wovon viele meinen, es stünde uns nicht zu oder wäre hysterisch oder sonst was. Ich fordere ein Recht auf „Twentysomething-Krisen“ und das Ernst-nehmen und die Anerkennung dieser. Das ist nicht „Jammern auf hohem Niveau“, das ist gefühlter Weltuntergang und Existenzängste. Ich erkläre euch das jetzt mal anhand der drei großen Klassiker, die ich immer zu hören bekomme und in denen ihr euch vielleicht wiederfindet.

1. „Du bist doch noch so jung!“

Ja. Ich bin jung. Während das Falten- und Konditionstechnisch sicherlich Vorteile mit sich bringt, so würde ich gerne auch auf die Tücken dieses Umstandes hinweisen. Ich bin jung und für viele Arbeitgeber setzt sich das gleich mit unerfahren. Sie wollen nicht ordentlich zahlen, oder bieten einem nur einen Praktikumsplatz an. Das Zeitfenster, in dem du wirklich am Arbeitsmarkt begehrt wirst und auch dementsprechend Forderungen stellen kannst, ist in manchen Branchen gar nicht und in anderen nur sehr kurz vorhanden. Generell aber eher schwierig zu bestimmen, denn gerade junge Frauen werden immer noch mit der Kinder-Thematik konfrontiert. Sowohl privat, als auch beruflich.

2. „Du hast doch noch so viel Zeit“

Auch ein Argument, das ich gerne ein bisschen in Perspektive rücken möchte. Ja, ich habe rein statistisch gesehen sicherlich mehr Zeit, um zu leben und Dinge zu „erleben/erledigen“, als ein 40 Jähriger, aber das heißt nicht, dass ich nicht auch Stress habe. Die Kinder-Frage wurde schon in den Raum gestellt. Dafür hat man (als Frau) nicht ewig Zeit und ganz klar weiß man, dass Schwangerschaften über 30 als Risikoschwangerschaften eingestuft werden. Will man, möglichst davor, eine Familie gründen, muss man also in seinen 20ern nicht nur den passenden, dauerhaften, sich festlegenden Partner finden und diesen erfolgreich an sich binden, sondern auch ein Heim schaffen und eine Umgebung, in der das möglich ist.

Womit wir nicht nur bei der Schwierigkeit der Partnersuche wären, sondern auch wieder beim Thema Job angekommen wären. Das stresst schon, wenn man bedenkt, dass man vermutlich mit 25 Jahren nach dem Studium erst voll in das Berufsleben einsteigen kann und wirklich selbstständig wird (hoffentlich). Von dem Stress, den wir Twentysomthings uns im Studium machen (müssen), will ich jetzt gar nicht zu schreiben beginnen. Lasst uns aber festhalten: Zeit ist relativ.

3. „Dir steht doch alles offen“

Ein Satz, der mehr einer kühnen Behauptung gleich kommt. So wahnsinnig frei sind wir Twentysomethings nämlich nicht. Weder bei der Studienwahl, noch bei der Berufswahl. Auch privat ist der „alles ist offen“-Schwebezustand eher problematisch. Ja, nix is fix, aber das baut auch enormen Druck auf. Da ist so viel, das noch erledigt werden muss. So viele Erwartungen und Vorstellungen, die an einen herangetragen werden und die man vielleicht auch selbst hat. So viele Hoffnungen. Da kann man schon mal die Krise kriegen und vom dem Gefühl „ich schaffe das alles nicht“ überrollt werden. Dieses „alles ist möglich“-Feeling existiert in seiner sorglosen Form gar nicht und wird von allen nicht-Mittzwanzigern dramatisch romantisiert.

Es ist nicht alles schlecht

Ich will jetzt nicht den Eindruck erwecken, dass alles an den Zwanzigern scheiße ist. Nein. Natürlich nicht. Aber es ist auch nicht alles super duper und das muss anscheinend auch einmal gesagt werden. Jeder Lebensabschnitt birgt seine Herausforderungen und es ist ganz normal, dass man sich nicht allem „gewachsen“ sieht. Als Twentysomething befindet man sich heute öfter in einer Identitätsfindung (in Abhängigkeit) und das kann in Identitätskrisen ausarten. Man fühlt sich unfertig, als Person der Gesellschaft, aber auch als Person an sich. Man ist noch „nichts“, man „hat“ noch nichts und alles „wird“ erst irgendwann mal. Vielleicht. Schon ganz schön einschüchternd, dieses Leben. Gebt uns also die Zeit für unsere Krisen. Wir finden dann auch leicht wieder aus ihnen heraus. 😉

Bild: pixabay

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Über itswaypastmybedtime

Ich bin eine kleine, über Berge hüpfende und dabei Edelweiß-Lieder singende (naaaa wer erkennt die Sound of Music reference?) Student-in des Alpenlandes die sich irgendwann mal hier her verirrt hat und jetzt wie Alice Gefallen am Wunderland gefunden hat. Ich schreibe über alles und nichts. Dinge die mir so passieren, Gedanken die ich in Worte fassen will oder die ein oder andere große Weisheit die ich in meinem jungen Leben schon kapiert hab und großzügig mit euch übrigen unwissenden und herumdümpelnden Mit-20ern teile ;-)

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