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Uni-Bürokratie: Tipps zu Prüfungsordnung und Co.: Ein Stapel Dokumente

Über die verwaltete Welt der Hochschulbürokratie: Eine Gebrauchsanleitung

Vielleicht erinnerst du dich noch an das Gefühl der Verlorenheit, das dich als Ersti in den heiligen Hallen der Universität oder Fachhochschule befiel. Genau so ergeht es mir manchmal, wenn ich mit den Auswüchsen der Uni-Bürokratie konfrontiert bin. Denn die ist vor allem eines: unübersichtlich, verwinkelt und unverständlich. Doch es gibt ein paar Tipps und Tricks, wie du sie dir selbst zunutze machen kannst.

Die Grundlage: Prüfungs-, Modul- und Studienordnung

Ohne die Modul-, Prüfungs- und Studienordnung geht nichts. Diese Ordnungen sind dein Grundgerüst und geben dir eine Menge vor. Leider drücken sich viele Studenten davor, sich damit auseinanderzusetzen und auch nur einen Blick in diese verwirrend vielen Ordnungen und verrückt erscheinenden Textgebirge zu werfen. Dabei lohnt es sich, denn ohne sie kann es schwer werden, gut durch das Studium zu kommen.

Die Prüfungsordnung

Die Prüfungsordnung der Hochschule gibt dir vor, wie lange du studieren darfst, ob es unbenotete Zusatzleistungen in Seminaren gibt, wie oft du Prüfungen wiederholen darfst und ob und wie du Nachteilsausgleiche (zum Beispiel bei Krankheit oder Behinderung) in Anspruch nehmen kannst. Sie regelt auch, wie viele ECTS-Punkte du erreichen musst und wie deine Gesamtnote errechnet wird.

Die Studienordnung

Daneben gibt es auch noch die Studienordnung, die, genau wie die Modulordnung, speziell auf dein Fach zugeschnitten ist. Sie legt fest, welche Zulassungsvoraussetzungen für die Aufnahme des Studiums erfüllt sein müssen, ob das Studium nur im Wintersemester oder auch im Sommersemester aufgenommen werden kann und wie lange das Studium regulär dauert.

Die Modulordnung

Durch die Modulordnung erfährst du, welche Module es gibt und wie diese aufgebaut sind, welche Prüfungsformen dir begegnen werden, und welche Inhalte du kennen lernen wirst. Unter Berücksichtigung der Prüfungsordnung kannst du anhand der angegebenen ECTS-Punkte der Module auch deine Noten gewichten.

Berücksichtigen solltest du dabei stets, dass niemand einen Überblick über sämtliche Regelungen des Studiums an Fachhochschulen und Universitäten hat. Es kann sein, dass die genannten Ordnungen an deiner Hochschule andere Namen haben oder anders zusammengefasst sind. Da die Hochschullandschaft in Deutschland sehr verschieden ist, kann jede Hochschule völlig unterschiedliche Regelungen treffen. Entscheidend ist also, welche Ordnungen an deiner Hochschule in Kraft sind.

Was nützen mir jetzt diese Ordnungen genau?

Kompass für die Bürokratie an Unis und Hochschulen

Jetzt weißt du zwar, wofür die einzelnen Regelungen gut sein mögen, warum es sich aber für dich lohnen kann, sie noch genauer unter die Lupe zu nehmen, erschließt sich dir nicht?

Studenten, die die Finessen ihrer Hochschulordnungen kennen, sind klar im Vorteil, vor allem gegenüber den Hochschulinstitutionen. Sie wissen, wie oft sie Prüfungen wiederholen und wie lange sie studieren dürfen, wie sie sich ihren Stundenplan jedes Semester neu zusammenstellen, wer ihre Ansprechpartner bei Problemen sind. Und sie wissen, dass sie bei einer Studienreform eine „vorläufige Studienordnung“ als Argumentationshilfe gegenüber dem Prüfungsamt nutzen und sich damit durchsetzen können.

Denn gegen die leidige Uni-Bürokratie wirst du dich so manches Mal durchsetzen müssen. Und das kannst du nur, wenn du die Spielregeln beherrschst. Die besagten Ordnungen sind zwar in der Tat oft ärgerlich, vor allem, weil sie den persönlichen Gestaltungsraum deines Studiums stark einschränken. Andererseits verschriftlichen sie deinen Rechtsanspruch darauf, dass du mindestens für die Dauer der Regelstudienzeit dein Studium so vorzufinden hast, wie es aktuell organisiert ist. Im Idealfall werden also die besagten Regelungen selbst zu deinem Kompass, mit dem du dich durch den Ozean der Uni-Bürokratie navigieren kannst.

Verlass Dich nie auf Hörensagen

Hörensagen wird bei manchen Studenten angesichts abschreckend wirkender Hochschulordnungen groß geschrieben. Natürlich ist es einfacher und bequemer, stets die Kommilitonen zu konsultieren, anstatt die Prüfungsordnung zu studieren oder mal im Prüfungsamt vorbeizuschauen. Und es ist auch gefährlich, denn wenn du und deine Kommilitonen nicht zufällig genau die gleichen Fächer nach denselben Studienordnungen (abhängig vom Studienbeginn) studiert, kann das gehörig schief gehen. Wie auch immer: Nichts und niemand ersetzt die persönliche Interaktion mit den Sachbearbeiterinnen des Prüfungsamts.

Wichtig ist vor allem, rechtzeitig dorthin zu gehen: Es kann durchaus vorkommen, dass du bis zum fünften Semester vermeintlich nach den Regeln deiner Hochschulordnungen studierst und sich dann im Prüfungsamt herausstellt, dass in einer dieser Ordnungen nachträglich noch etwas geändert wurde und du das falsche Seminar besucht hast. Oder du hast in der Prüfungsordnung etwas falsch verstanden und hast dadurch übersehen, dass da noch eine Prüfung zu absolvieren wäre.

Damit das nicht passiert, ist es sinnvoll, spätestens ab dem zweiten Semester zum Prüfungsamt zu gehen und sich regelmäßig beraten zu lassen – wenigstens einmal pro Semester. Und vergiss nicht, von Zeit zu Zeit mal dein Transkript auszudrucken, für den Fall dass das Online-Prüfungsverwaltungssystem auf einmal nicht mehr erreichbar ist. Denn was zählt, ist das Schriftliche und das solltest du immer bei dir aufbewahren.

(Fast) allwissend: Das Prüfungsamt

Es mag komisch erscheinen, dass das alleinige Studium deiner zahlreichen Hochschulordnungen nicht ausreicht, um alles zu verstehen. Das liegt daran, dass schriftlich Niedergelegtes immer Interpretationssache ist und du dein Fach zum ersten und einzigen Mal studierst. Die Mitarbeiterinnen des Prüfungsamtes hingegen kennen alle möglichen Studienvarianten und haben schon viele Studenten von Anfang bis Ende ihres Studiums begleitet. Erst in Kombination mit dem trockenen, theoretischen Wissen der bürokratischen Regelungen und den Informationen der Sachbearbeiterinnen im Prüfungsamt kannst du dieses Wissen optimal für dich selbst nutzen.

Die Sachbearbeiterinnen – treue Begleiter

Wie überall, gibt es allerdings auch im Prüfungsamt immer solche und solche; die nette Sachbearbeiterin, die alles weiß und Gold wert ist und die völlig überforderte, die dir dein Transkript ausdruckt, obwohl du gefragt hattest, was du für den Ergänzungsbereich anrechnen lassen kannst und was nicht. Lass dich nicht durch starre Vorgaben beeinträchtigen, nach denen du aufgrund deines Nachnamens oder Hauptfaches zu der völlig ahnungslosen Sachbearbeiterin gehen sollst.

In der Regel wird dich auch die kompetente Sachbearbeiterin akzeptieren und sie kann dir viel besser helfen. Eine gute Sachbearbeiterin weiß (fast) immer Rat. Sie weiß, was wie, wo und wann angerechnet werden kann, was du beim Übergang in den Master oder bei einem Urlaubs- oder Auslandssemester beachten musst. Eine gute Sachbearbeiterin sorgt im Ernstfall sogar dafür, dass du dein Studium überhaupt erst erfolgreich abschließen kannst. Das Prüfungsamt ist für dich dementsprechend unabdingbarer als jeder Prof. Also geh hin!

Nur wer lästig ist, bekommt was er will

Du merkst schon, Bürokratie hat nichts mit Passivität zu tun – zumindest nicht von deiner Seite aus. Wenn du dir schon immer mal Eigenschaften wie Beharrlichkeit, Durchsetzungsfähigkeit und Lästigsein aneignen wolltest, bietet sich dir während des Studiums hier die Chance dazu.

Probleme ansprechen

Zunächst ist es sinnvoll, mögliche Probleme frühzeitig anzusprechen – sofern du sie entdeckst. Zum Beispiel wirst du wissen, wann du dein Zeugnis für die Umschreibung in einen Master-Studiengang brauchen wirst. Entsprechend ist es wichtig, die Gutachter deiner Bachelorarbeit rechtzeitig darauf hinzuweisen, dass du die Noten bald brauchst – und diese nicht erst zwei Tage vor der Frist darüber zu informieren.

Oder du hast ein hartnäckigeres Problem mit einer Dozentin aus dem letzten Semester, die aufgrund der prekären Beschäftigungslage im Hochschulsektor bereits an einer anderen Uni ist und deine Hausarbeit einfach vergessen hat. Es hilft, freundlich und bestimmt auf das Problem hinzuweisen – wenn notwendig, auch mehrfach – und, wie bereits erwähnt, schriftliche Belege (zum Beispiel E-Mails) parat zu haben und damit zu belegen, dass das Versäumnis nicht auf deiner Seite liegt. Wenn das scheitert, ist es sinnvoll im Prüfungsamt nachzufragen. Die nächsthöhere Stufe wäre der Studiendekan. Im Zweifelsfall muss man sich also durch die Institutionen fragen und diese auch „nerven“, bis man sein Ziel erreicht hat.

Die brisanten Fälle

Und dann gibt es da noch die – zum Glück eher seltenen – aber brisanteren Fälle. Plötzlich kannst du mit deiner Fächerkombi keinen Abschluss mehr erwerben, weil die Hochschule bei deiner Einschreibung einen Fehler gemacht hat. Dir wird aufgrund einer Plagiatserkennungssoftware vorgeworfen, plagiiert zu haben, obwohl du das natürlich nicht getan hast? Oder du sollst aufgrund einer Lappalie exmatrikuliert werden? Das sind die Fälle, in denen du der Hochschulverwaltung richtig auf die Zehen treten musst und in der du dir Beistand suchen musst. Bei der Fachschaft, beim AStA oder bei der AStA-Rechtsberatung, wenn vorhanden.

Die Uni-Bürokratie – nervig, aber wichtig

Zugegeben, die intensive Beschäftigung mit der Hochschul-Bürokratie ist eher eine Zumutung und ein notwendiges Übel, mit dem wir leben müssen. Stets muss man seinem Zeug und seinen Zetteln hinterher rennen, lieber dreimal fragen und lieber dreimal einreichen…und auch dann kann man sich nicht sicher sein, dass alles wie gewünscht klappt. Damit dir die Bürokratie nicht zu sehr im Weg ist, ist es wichtig, dass du dich mit ihr vertraut machst, ihre Regelungen als Gebrauchsanleitung verstehst und schlussendlich wie ein Werkzeug für eine etwas selbstständigere Gestaltung deines Studiums nutzen kannst. Denn trotz allem hat selbst diese absurde Bürokratie ihre positiven Seiten. Sie gibt Regeln vor und beugt damit Willkür weitestgehend vor. Und dadurch wissen wir: Wenn wir uns im Wesentlichen an die Regeln halten, dann kommen wir auch ans Ziel.

Bilder: pixabay | pixabay

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