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Pärchen mit Blick auf die Skyline einer Großstadt - Blick hinter die Fassade von Airbnb

Airbnb: ein Blick hinter die Fassade

In den Semesterferien mal eben Südostasien, Auslandssemester machen und Silvester in Sydney, im Gap Year gleich die ganze Welt. Wir reisen nicht, wir backpacken, wir besuchen keine Länder, wir sind mittendrin, wir besichtigen nicht, wir checken das Nightlife aus. Wir mieten uns ein Boot von Einheimischen in Thailand und sind unterwegs wie locals, essen Streetfood und fühlen uns in der Welt zu Hause. Dabei sparen wir natürlich auch noch ne Menge Geld. Klar, dass da kein Hotelzimmer in Frage kommt. Hostels sind auch immer mehr out, ein Glück hilft das Silicon-Valley ein ums andere Mal aus: Airbnb, here it is!

„Sei dort zu Hause“ – Airbnb

Wer mit Airbnb verreist, bekommt mehr als einen netten Schlafplatz und mehr als eine Stadt. Mit Airbnb lernst du Land und Leute kennen. Findest dein neues Lieblingscafé. Wo immer du hinfährst, du lebst einfach dort. Auch wenn’s nur für eine Nacht ist.

Was für ein Versprechen, genau unser Ding. Noch mehr local, noch mehr günstig, noch mehr mittendrin, noch mehr wir.

Da gehört schon was zu, sein eigenes, tatsächliches zu Hause, für fremde Menschen zu öffnen und vermieten. Vielleicht jemanden im eigenen Bett schlafen lassen, während man selbst nicht da ist. Oder zumindest nur nebenan. Da bekommt man etwas mit von der Kultur und den Gewohnheiten des anderen, wenn die Küche anders aussieht als daheim und die Gewürze im Regal ganz anders schmecken. Und das alles quasi Gratis zur Unterkunft. Das ist Reisen nach unserem Geschmack.

Und auch umgekehrt funktioniert das super. Wochenende bei den Eltern verbringen, aber glücklicherweise ein WG-Zimmer in Berlin, mitten im Kiez haben? Anzeige rein – wiederkommen und 100 € reicher sein.

Hinter den Fassaden

Zu gerne glauben wir die Illusion, sind glücklich, überall Land und Leute kennen zu lernen und sind dabei nicht mehr als Gefangene im Bordell des Kulturaustauschs. Denn mittendrin sein hat seinen Preis. Eine Nacht in Paris? Ab 60 € aufwärts. Wer’s citynah möchte legt drauf. Nur noch wenige der Angebote sind privat, die Bilder der „local-eingerichteten“ Zimmer machen klar, hier wohnt niemand anders, außer Gäste wie du selbst. Einige verbergen das noch hinter wohlklingenden Überschriften „Urban Chic in Moulin Rouge“, andere wählen gleich das Doppelstockbett als Startfoto. Gekonnte Geschäftsmänner haben das Prinzip erkannt, Wohnraum anmieten und als local-„Hotel“ zu vermieten rechnet sich. Und das auch noch im bisher größtenteils ungeregelten Rechtsraum – ergo steuerfrei. Das geht von Dachterrasse und Pool in Portugal bis zum beschriebenen WG-Zimmer im Berliner Kiez. Zwischenmiete war einmal, wenn sich mit Airbnb das dreifache an Geld raus schlagen lässt.

Langsam, aber sicher begreifen jetzt die Städte, was dort eigentlich geschaffen wird.  Gentrifizierung, Wohnraummangel und Mietenexplosion sind nur einige unangenehme Folgen. New York plant neue Gesetze zur Untervermietung von eigenen Zimmern, wonach eine Mindest-Vermietung von 4 Wochen erwirkt werden soll. Auch Berlin ist im Gespräch. Bereits seit Mai letzten Jahres gilt das Zweckentfremdungsverbot. Wer mehr als 50 Prozent der Fläche seiner Wohnung unter sechs Monaten vermietet, riskiert Bußgelder von bis zu 100 000 Euro.

Homesharing Clubs als Lobbyisten

Airbnb jedoch weiß damit umzugehen und zwar stilecht, wie es eben ist, wenn man auf der Welt zu Hause ist. Homesharing Clubs werden gegründet, gemeinsamer Lobbyismus soll geschaffen werden, nicht für die Vermieter und das Geld, für den Kulturaustausch, für die stilechte Eintaucherfahrung Berlins. Da gibt’s dann auch Holzpaletten-Tische und Mate-Tee, zum Mittag vegane Kürbissuppe. Chris Lehane, Kommunikationschef von Airbnb, hat sich persönlich Zeit genommen. Er weiß Berlin als wichtigen Standpunkt zu schätzen und seine Hipsterschäfchen zu mobilisieren. Es ist klar, Airbnb in Berlin muss weiter möglich sein, dafür wird man kämpfen.

„Sharing is caring“ heißt es so schön und Airbnb lebt dieses Motto als wunderbare Illusionfassade bis zum Letzten aus. Miteinander Wohnungen, Leben und Kulturen teilen. Sich einander öffnen, nicht nur ein Lächeln austauschen, sondern das Zuhause, die intimsten Lebensräume eines jeden Einzelnen. Das ist eine wunderbare Idee, die Airbnb da verkörpert und eine Wahnsinnserfahrung, wenn man sie hautnah miterlebt. In dem Moment, wo wir unsere Wohnung inserieren oder das inserierte Apartment anschauen, erwerben wir diesen Traum gegen Geld. Und zwar nicht gegen eine Aufwandsentschädigung oder einen respektvollen Strom- und Wasserverbrauchseintrag, sondern gegen einen Preis, der in manchen Städten die Hostels und Billighotels übersteigt. Das ist nicht local-dream-sharing-together, das ist ein Geschäft. Was sich genügend Geschäftsleute zu eigen machen wissen und wofür Träumer der Vision jetzt kämpfen sollen.

Kulturaustausch ist kein Geschäft, sondern eine wundervolle Erfahrung. Und Erfahrungen sind kostenlos.

Auf deiner nächsten Reise kannst du dir sicher ein nettes Zimmer über Airbnb mieten. Und vielleicht auch mit deinem Gastgeber seine Lieblingsbar erkunden. Die besten Erfahrungen aber wirst du machen, wenn du dir nichts vornimmst. Wenn du nicht mittendrin sein musst, sondern dich einfach einlässt und fallen lässt in das Reiseabenteuer, was du gerade erlebst. Ohne es auf sein tägliches Like-local Potential zu prüfen. Unabhängig davon, ob du im Hostel wohnst über airbnb.

Bilder: pexels

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