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Heruntergekommene, alte Utensilien eines Chemielabors auf einem verwhrlosten Tisch - Chemie studieren.

Chemie? Oh Gott.

Die erste Reaktion darauf, wenn ich erzähle, dass ich Chemie studiere: „Oh Gott.“

Die Zweite: „Kannst du Crystal Meth kochen?“ (Worauf die Antwort übrigens ja lautet. Das ist Drittsemesterniveau. Ausprobiert habe ich es allerdings noch nicht. Dazu ist mir meine Freiheit doch zu wichtig. Und irgendwann – in hunderttausend Jahren – wenn ich endlich mit Studium, Promotion und dem ganzen Pipapo fertig bin, kann ich auch ohne illegale Drogen ordentlich Kohle scheffeln.

Aber bis dahin ist es noch ein weiter weg

Auf  diesem fragt man sich schon das eine oder andere Mal, warum genau tue ich mir das hier eigentlich an? Die ganze Welt scheint ja ebenfalls der Meinung zu sein, dass ich verrückt bin. Einer der Kommentare, als ich verkündete, dass ich Chemie studieren will: „Dafür bist du doch viel zu kreativ.“

Entschieden habe ich mich dafür eigentlich recht spontan. Als es so langsam Zeit wurde an die Zukunft zu denken, ging ich in meinem Kopf durch, was ich gut kann.

Englisch, aber Lehrerin werden? Nein, danke. Und Übersetzen mag ich auch nicht.

Mathe, aber so ganz alleine? Ziemlich langweilig.

Chemie? Hey, das könnte doch etwas sein.

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Da mir nichts anderes einfiel, was besser für mich geeignet sein könnte, bewarb ich mich kurzerhand für das Chemiestudium.

Ein paar Monate später musste ich feststellen, dass niemand übertrieben hatte und ich wirklich in einem der schwersten und zeitaufwändigsten Studiengänge gelandet war.

Wir waren ein großer Jahrgang und von allen Seiten hörte man: „Ihr seid zu viele. Wir müssen gnadenlos aussortieren.“ Was natürlich unsere Schuld war. Immerhin hatten wir beschlossen G8 in drei Bundesländern gleichzeitig einzuführen und die Uni gezwungen uns alle aufzunehmen.

Aber auch wenn nicht viel Sinn dahintersteckte, wehren konnten wir uns gegen diese Meinung nicht. Und so wurden wir immer weniger. Die ersten zwei Semester war ich so beschäftigt mit Kämpfen, dass ich mich gar nicht groß fragte, ob das was ich hier tat eigentlich das war, was ich wollte. Erst im dritten und härtesten Semester begann ich mich zu fragen, ob es das eigentlich alles wert ist. Nach einem anstrengenden und frustrierenden Labortag lautete die Antwort darauf oft „Nein“. Doch ich kämpfte weiter und wurde doch tatsächlich als erste in meinem Semester im Labor fertig. Beim Laborauszug wurde ich dann gefragt, ob ich es denn nächstes Jahr nochmal probiere, da alle anderen, die so früh auszogen, aufgegeben hatten. Und ich kann es ihnen nicht verübeln. Denn dieses Studium ist hart und wenn es nicht das richtige für dich ist, dann ist es das einfach nicht wert.

Für mich ist Chemie das richtige, das weiß ich inzwischen.

Ich habe den harten Teil hinter mir – den Bachelor. Während man im Bachelor geprügelt wird, wird man im Master eher mit Samthandschuhen angefasst. Man hat ja schon bewiesen, dass man etwas draufhat.

Trotzdem frage ich mich nach einem langen Tag manchmal, ob es das wert ist, aber wer tut das nicht?

Im Nachhinein bin ich ehrlich gesagt ganz froh, dass ich mich nicht so genau informiert hatte, was da eigentlich auf mich zu kommt, denn hätte ich gewusst, wie schwer es wird, hätte ich es mir vielleicht gar nicht angetan.

Gelernt habe ich auf jeden Fall einiges, nicht nur Chemie.

Ich habe vielen Leuten beim Scheitern zugesehen. Ich habe viele Leute aufgeben sehen und viele Leute gesehen, die sich gequält haben.

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Zusammenfassend mein Tipp an alle, die im falschen Studium stecken: rennt. Quält euch nicht weiter. Wenn ihr euch sicher seid, dass das nicht das richtige ist, dann wechselt. Natürlich werdet ihr euch erst mal schlecht fühlen. Das ist ganz normal. Ihr seid gescheitert. Doch eigentlich heißt das nur, dass ihr nicht auf Anhieb das Richtige gefunden habt und das ist nicht schlimm, auch wenn es euch ein Jahr kostet. Denn ein Jahr verlieren ist ein guter Tausch, wenn man bedenkt, dass die andere Option sich durchquälen und sein ganzes Leben unglücklich im Job sein bedeutet.

Was kann ich euch als jemand, der recht spontan seinen Studiengang gewählt hat, sagen? Hört auf euer Bauchgefühl, auch wenn euch jemand anderes sagt, dass das was ihr wollt nicht das Richtige ist.

Bildquelle: pixabay

Fauna des Campus: Der Chemiestudent

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