Bunt ist anders - Ein Mundart-Gedicht | StudiBlog
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bunt is andast - gedicht über den fasching mit verkleideter frau

Bunt is andast | Bunt ist anders

Ein kleines Gedicht zum Fasching. Für alle, die das Geschriebene im Dialekt nicht verstehen sollten, gibt es weiter unten eine Variante in hochdeutscher Version – mit der Anmerkung, dass dort das Metrum aufgrund der Übersetzung nicht immer eingehalten werden konnte. 😉

A Blumenwiese, a Schmetterling,
a Regenbogen, a Clownskostüm,
wenns bunt is, is nie ollas gleich
de Farben mochand s’Lem erst reich.
Wos bunt is, mei, des mocht uns froh!
– Bist sicher, is des wirklich so?
„Bunt“ heißt vielfältig, anders, fremd,
do is so Mancher schnell gehemmt.
Des guit bei Farben und im Lem
des is ned immer angenehm.

In Modefarben muaßd ummananda laffa
und jeds Jahr neie Gwandda kaffa.
Wos In is, ja, des muaß ma wissn,
sonst werd se glei s’Maul über oan zrissn.
A Rocker oder goa a Punk!
– des is für unsa Stod a Schand!
De anda hod frede a Kopfdiachl drauf,
des geht fei ned, wia schaut des aus!
So sein wia de andan, des is unsa Ziel
und koana hod mehr sein eigenen Stil

De Werbung sogt uns, wos uns gfoid:
Mia bleima schlank und wern ned oid.
Im Fitnessstudio kämpf ma um jedes Pfund,
do duad ma mid, weil des is gsund.
Ned negativ auffoin, des is unsa Motto,
sonst hod d’Heidi Klum für uns leider koa Foto.
Mia färben, spachteln, schmiern und schnippeln
an Lippen, Nase, Arsch und Titten.
Bloß dass ma ausschaun, wia olle andan,
weil ma uns sonst für uns seiba schammand.

In da Schui werd „Individualität“ groß geschrieben.
Grammatikalisch richtig, da Inhalt is auf da Streck geblieben.
Individuen, de sand gar ned gfragt –
Dreißig Schüler im 45-Minuten-Takt.
Es guit nix, wos konnst wirklich guad,
Lern des, dua des, wos jeder duad.
De Flüsse in Afrika, ja, de sand wichtig,
wurscht is, wia schreib i an Behördenbriaf richtig.
Und wenn ma no vui gnua Druck aufbaut,
schafft mas, dass se koana mehr seiba denga draut.

In da Politik is grod a so,
des hert se ollas recht bunt o.
Rote, Schwoaze, Greane, Geibe,
und irgendwie doch ois des Seibe.
Do gibt’s koan Standpunkt, koa Profil,
a jeder draht se, wie er will.
Konsenslösung, Kuschelkurs,
Fraktionszwang und der ganze Murks.
De Mitt verblasst im Einheitsbrei,
ganz rechts, ganz links wern stoag dabei.

Im Fasching aber, do geht’s rund!
Do gfoids uns plötzlich, gscheggad und bunt.
Da Stripper knutscht de Krankenschwester,
d’Fee sauft mim Deife, a ned besser.
Da Scheich, der hod a Hex am Schoß,
de Toleranz is grenzenlos.
Fast naggad oder voll verschleiert,
wurscht, es werd mitananda gfeiert.
Fad wärs, wärn plötzlich olle gleich,
de Vielfalt mocht an Fasching reich.

Und s ganz Johr moch ma so a Gschieß,
bloß weil da anda anderst is ?!?

Eine Blumenwiese, ein Schmetterling,
ein Regenbogen, ein Clownskostüm,
wenns bunt ist, ist nie alles gleich,
die Farben machen das Leben erst reich.
Was bunt ist, mei, das macht uns froh!
– Bist sicher, ist das wirklich so?
„Bunt“ heißt vielfältig, anders, fremd,
da ist so mancher schnell gehemmt.
Das gilt bei Farben und im Leben,
das ist nicht immer angenehm.

In Modefarben musst du rumlaufen
und jedes Jahr neue Klamotten kaufen.
Was In ist, ja, das muss man wissen,
sonst wird sich gleich das Maul über einen zerrissen.
Ein Rocker oder sogar ein Punk!
– das ist für unsere Stadt eine Schande!
Die andere hat einfach ein Kopftuch auf,
das geht nicht, wie schaut des aus!
So sein wie die anderen, das ist unser Ziel
und keiner hat mehr seinen eigenen Stil.

Die Werbung sagt uns, was uns gefällt:
Wir bleiben schlank und werden nicht alt.
Im Fitnessstudio kämpfen wir um jedes Pfund,
da macht man mit, weil das ist gesund.
Nicht negativ auffallen, das ist unser Motto,
sonst hat Heidi Klum für uns leider kein Foto.
Wir färben, spachteln, schmieren und schnippeln
an Lippen, Nase Arsch und Titten.
Bloß dass wir ausschauen wie alle anderen,
weil wir uns sonst für uns selber schämen.

In der Schule wird „Individualität“ groß geschrieben.
Grammatikalisch richtig, der Inhalt ist auf der Strecke geblieben.
Individuen sind dort gar nicht gefragt –
dreißig Schüler im 45-Minuten-Takt.
Es gilt nichts, was du kannst wirklich gut,
lern das, mach das, was jeder tut.
Die Flüsse in Afrika, ja, die sind wichtig,
egal ist es, wie ich einen Behördenbrief schreib richtig.
Und wenn man nur viel genug Druck aufbaut,
schafft man es, dass sich keiner mehr selber denken traut.

In der Politik ist es genauso,
da hört sich Alles sehr bunt an.
Rote, Schwarze, Grüne, Gelbe,
und irgendwie doch alles Dasselbe.
Da gibt’s keinen Standpunkt, kein Profil,
ein jeder dreht sich, wie er will.
Konsenslösung, Kuschelkurs,
Fraktionszwang und der ganze Murks.
Die Mitte verblasst im Einheitsbrei,
ganz rechts, ganz links werden stark dabei.

Im Fasching aber, da geht’s rund!
Da gefällt’s uns plötzlich, gescheckert und bunt.
Der Stripper knutscht die Krankenschwester,
die Fee sauft mitm Teufel, auch nicht besser.
Der Scheich, der hat eine Hexe am Schoß,
die Toleranz ist grenzenlos.
Fast nackt oder voll verschleiert,
egal, es wird miteinander gefeiert.
Langweilig wär’s, wären plötzlich alle gleich,
die Vielfalt macht den Fasching reich.

Und das ganze Jahr verbringt man so ein Geschiss,
bloß weil der andere anders ist?!

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