Drittversuch nicht bestanden: Exmatrikulation - und dann?
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Ein Brief auf dem steht "Ciao Universität" wird in einen Briefkasten geworfen, welcher die Bescheinigung für die Exmatrikulation enthält.

Exmatrikulation – und dann?

Jetzt stehe ich hier vor meinem Department der Fakultät und meine ausgemalte Zukunft ist mit einem Wimpernschlag weg. Ich habe meinen Drittversuch nicht bestanden und somit folgt auf kurz oder lang meine Exmatrikulation – besser gesagt Zwangsexmatrikulation. Der Professor kann und will vor allem nichts mehr an der Note ändern. Das Schlimme daran: ich bin im 6. Semester meines naturwissenschaftlich-technischen Bachelorstudiengangs und habe bereits eine Stelle für das Absolvieren meiner Bachelorarbeit.

Was macht man in so einer Situation?

Gute Frage, denn darauf habe ich keine Pauschalantwort. Als ich diese wunderbaren Neuigkeiten erhalten hatte, fühlte sich alles irgendwie dumpf an und ich war so geschockt, dass in den ersten Momenten erstaunlicherweise noch gar keine Tränen kamen. Ich verließ das Gebäude, sperrte mein Fahrradschloss auf und schob mein Fahrrad in Richtung meiner Studentenbude. Wohl wissend, dass es ein paar Leute gab, die auf meinen Anruf mit positiver Nachricht warteten, wählte ich eine Nummer und schon kullerten auch die Tränen, wahrscheinlich weil ich es ausgesprochen hatte und das Ganze vorher noch so unwirklich war.

Fragen über Fragen hatte ich in meinem Kopf und ich hatte auf keine einzige eine Antwort. Wie bringst du das deinen Eltern bei, die dich unterstützen und selbst nicht im Geld schwimmen? Was soll ich machen – Ausbildung, arbeiten oder nochmal studieren? Kann ich mir ein „zweites“ Studium überhaupt leisten? Warum bin ausgerechnet ich mal wieder so dermaßen unfähig? Was werden die Leute, Freunde über mich denken? Und dann kommt da wieder dieses Gefühl auf, als würde eine Scheiße die nächste jagen. Dieses Prüfungsresultat ist nämlich wieder mal nur eines der Dinge, die in den letzten Jahren so schief gelaufen sind. Angefangen bei der Trennung von meinem Ex-Freund und dem damit einhergehenden Verlust enger „Freunde“, der Auszug aus der gemeinsamen Wohnung, die Scheidung meiner Mutter vom Stiefvater (+ mein Rauswurf seinerseits nachdem meine Mutter weg war) und das Aufgeben der 1. Stelle bezüglich meiner Bachelorarbeit, weil die Betreuerin eine extrem frauenfeindliche und mobbende Person war – und das sind nur die Dinge aus meiner bisherigen Studienzeit.

Doch nicht nur Verzweiflung macht sich breit

Fakt is „leider“ auch, nachdem ich das mit der Exmatrikulation ein paar Tage sacken lassen hab, dass sich ein Gefühl der Erleichterung unter die Verzweiflung mischte. Ich wusste, dass ich das letzte Jahr nicht mehr allzu glücklich war mit meiner Studienwahl in dieser Stadt. Aber was hätte ich machen sollen? Nach vier harten Semestern abbrechen und von vorne anfangen? Das wollte ich nicht – ich wollte es durchziehen und den Bachelor erfolgreich abschließen, damit dieser Meilenstein geschafft wäre. Tja, vielleicht hätte ich mich gleich umorientieren sollen, aber auch jedes „hätte“, „wäre“ und „könnte“ bringt mich aus der jetzigen Situation nicht raus. Der kleine Erleichterungskeim macht sich deshalb breit, weil meine Zeit hier doch irgendwie „geschafft“ ist, wenn auch mit einem unschönen Ausgang.

Hinterfrage Dich selbst

Mir war keineswegs von Anfang an klar woher diese Erleichterung kam, aber nachdem ich mich damit auseinander gesetzt habe wurde es mir bewusst. Den Gedanken daran, dass mir das Studium hier nicht mehr gefiel und dass ich eigentlich unglücklich war, hatte ich anscheinend in eine der hintersten Ecken meines Gehirns verbannt. Durchkommen war das einzige was mich interessierte. Auf diese Erkenntnis folgte sogleich die Ernüchterung, denn sie befreite mich auch nicht aus dem jetzigen Dilemma. Aber ich hab angefangen mehr zu hinterfragen, als meine jetzige Studiensituation.

  • Was will ich eigentlich wirklich?
  • Was erwarte ich mir vom Leben?
  • Bleibe ich hier oder gehe ich zurück in meinen Heimatort?
  • Auf wen kann ich wirklich zählen?

Personen, auf die Du Dich verlassen kannst und die Dich weiterbringen

In solch schwierigen Situationen lernt man ein Mal mehr auf wen Du Dich verlassen und wem Du vertrauen kannst. Das sind/waren bei mir eine Hand voll Personen, die mir hoffentlich auch zukünftig – egal in welcher Lebenslage – beistehen und bist jetzt bin ich guter Dinge.

Sie haben mich an diesem Punkt aufgefangen und haben mich nicht verurteilt, sondern waren erst einfach mal nur da und das stärkt ungemein. Nachdem ich dann auch selbst angefangen habe mich zu hinterfragen, kamen ihrerseits auch kritische Fragen was ich denn eigentlich will und wo es hingehen soll. Ich hab mich dabei nicht auf den Schlips getreten gefühlt, was durchaus mal vorkommen kann, weil ich wusste, dass ich eine Lösung bezüglich meiner bevorstehenden Exmatrikulation brauchte und das am besten gestern als heute.

Der Exmatrikulation zuvor kommen

Nach langem hin und her habe ich schlussendlich eine Entscheidung getroffen und beschlossen ein neues Studium zu beginnen. Das Schlimme an der Entscheidung: Meinem Vater gefiel es ganz und gar nicht, weil ich wortwörtlich in seinen Augen nichts kann und daraufhin (samt anderer Dinge, die ihm nicht gefielen) brach der Kontakt ab. Meiner Muter war auch nicht ganz glücklich mit der Entscheidung glaube ich, aber sie hat nie was Gegenteiliges gesagt, also kann ich es nicht mit Sicherheit wissen.

Das Wichtigste an der ganzen Sache: es ist mein Leben und ich bin verantwortlich für meine Entscheidungen und ich muss damit glücklich werden. Die Aufnahme eines neuen Studium war keineswegs eine Bauchentscheidung, das wäre nämlich alles andere als klug gewesen. Der Plan schaut nämlich wie folgt aus: ich komme der Exmatrikulation zuvor und wechsle den Studiengang, als „Parksemester“ (um den Studentenstatus nicht zu verlieren) sozusagen, in dieser Zeit mache ich ein Praktikum welches ich sowieso nach erfolgreichem Abschluss des Studiums gemacht hätte und verdiene damit zusätzlich ein wenig Geld, um mir ein Polster aufzubauen. Dieses Praktikum kann ich zugleich als Vorpraktikum für den neuen Studiengang nutzen und auch nicht alle Prüfungen, die ich schon geschrieben hatte waren umsonst, da ich mir ein paar Sachen anrechnen lassen kann und zusätzlich muss ich nicht ab Semester 1 anfangen, sondern darf höher einsteigen. Zusätzlich arbeite ich neben dem Studium in einem studienrelevanten Gebiet, um über die Runden zu kommen – ich bin also fast ein dualer Student. 😛

Die Exmatrikulation – In meinem Fall das Glück im Unglück?

Als meine Studienwahl nach dem Abitur bevorstand, habe ich an mein jetziges Studienfach eigentlich keinen Gedanken verschwendet. Warum weiß ich selbst nicht so genau, es erschien mir einfach nicht passend. Aber wie das wahrscheinlich immer so ist: Man entwickelt sich, wird reifer, setzt andere Prioritäten und schlussendlich kann man nicht alle Entscheidungen, die man mal getroffen hat, zu 100 % nachvollziehen.

Ich habe daraus gelernt meinen eigenen Weg zu gehen und mich nicht mehr mit Leuten abzugeben, die mir nicht gut tun, sondern mich auf die zu konzentrieren, auf die ich zählen kann und welche deswegen auch auf mich zählen dürfen.

Falls Du da draußen mal in einer ähnlichen Situation oder gar in derselben sein solltest, dann werde Dir über grundsätzliche Fragen klar und bestreite Deinen Weg. Mir geht’s gut mit meiner Entscheidung und ich bin glücklicher denn je, obwohl ich im doppelten Sinne für diese Erfahrung natürlich viel Lehrgeld bezahlt habe, aber so ist es jetzt und ich weiß, dass ich durch nichts allein durch muss und immer jemand da ist, der mir beisteht – genauso wie Dir.

Das heißt nicht, dass es nicht immer noch Höhen und Tiefen gibt und Maschinenbau ist auch nicht gerade das leichteste Studium, aber es macht mir Spaß (außer ich verzweifel gerade an einer Aufgabe 😛 ) und es fühlt sich so an, als wär ich auf dem richtigen Weg mit den richtigen Menschen an meiner Seite.

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