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Phantomschmerzen des Datings - Symbolisiert durch einen grünen Schwan als Hinweis auf die Lemonswan Dating-Plattform

Dating und Studenten – nichts als Frust!

Kann man den Dating-Frust vermeiden?

Etwas früher als verabredet kam ich zu meinem Date in dieser von Hipstern und Normalos hochfrequentierten Bar an. Ich fand mich derbe cool, weil ich ein fast ungestörtes Plätzchen für zwei erobern konnte. “Perfekt für Chris und mich” dachte ich. Chris hatte ungewöhnliche Hobbies. Er präsentierte sich in dieser einen App mit einem stilvollen Profilfoto. Schwarzweiß. Alles klar?!

Auf seinem Profilfoto sah man ihn – lässig schreitend, offen lächelnd – vor einem mit Graffiti beschmierten Brückenpfeiler. Getrimmter Bart, Fred-Perry-Button-Down drunter, TheNorthFace-Parka drüber. Ich war auf jeden Fall sofort ein bisschen heiß auf ihn. Alles war wie immer in dieser typischen Bar: Viele Menschen, super laut, die Luft geschwängert von Limette und Rum. Guter Spot für einen Donnerstagabend. Guter Spot auch für ein erstes Date: Man kann nicht viel reden, aber wenn, muss man sich sehr nahe kommen. Andernfalls versteht man kein Wort. Im Taschenspiegel kontrollierte ich ein paar Mal meine abgedeckten Pickel, zog nochmal die Lippen mit meinem frisch gekauften Lippenstift nach. Tja. Dann war es irgendwann 30 Minuten später als verabredet. Mittlerweile kam ich mir wie ein dummes Opfer vor, wenn ich den leeren Sitzplatz auf der gepolsterten Bank neben mir verteidigte. Als ich mich selbst zum achten Mal sagen hörte: “Nee, da kommt noch wer, tut mir leid.” glaubte ich es mir selbst nicht mehr.

Schlechte-Laune-Filter: ON. Meine Wahrnehmung änderte sich. Alle redeten plötzlich sehr laut, als ob sie was zu sagen hätten. Einige Wortfetzen hörte ich mit und fragte mich jedes Mal, wieso man solche Themen in der Öffentlichkeit in derartiger Lautstärke bespricht: Wie geil sich alle finden. Wie geil einer sich findet und wie er oder sie das von allen anderen bestätigt haben möchte. Über Geld reden. Über “Eier-Haben” reden. Über andere reden, die nicht so geil sind wie man selbst. Ich kam mir vor, als wär’ ich live in einer analogen Kommentar-Spalte gelandet.

Übertrieben nervig.

Warum muss Dating bloß so eine trostlose Zeitverschwendung sein? Dieser erbärmliche Typ namens Chris hatte mich echt versetzt. Was für ein Fail. Nicht mal ‘ne Nachricht kam von ihm. Mein Stolz gebot mir, ihm ein unkommentiertes Foto zu schicken: Mit einem Caipirinha-Kübel im Hintergrund, stimmungsvoll von unten beleuchtet, natürlich von einem Teelicht. Im Vordergrund: Meine Faust mit ausgestrecktem Mittelfinger. Wenigstens hatte mir die Vorfreude auf das Date zuvor den Appetit verschlagen: Der Caipi knallte ordentlich. So kam ich wenigstens mal günstig durch den Abend. Ich schob mich durch eine Horde rastloser Lackaffen hinaus. Ich wollte sowas von nach Hause. Aber bitte keinem begegnen. Also: Fußmarsch am frühen Abend. Am Corner kurz Bekannte grüßen, aber weiter, weitergehen, die Niederlage allein bewältigen. Bloß weiter, weitergehen, zu Fuß … Erkenntnis: Verdammt, ich bin total den Umweg gegangen!

Während ich meinen Frust weg walke, philosophiere ich auf Küken-Niveau über Motive fürs Dating:

  • Dating gegen Langeweile.
  • Dating gegen Liebeskummer.
  • Dating gegen Unentschlossenheit.
  • Dating gegen Sinnlosigkeit.
  • Dating gegen Eifersucht.
  • Dating gegen Komplexe.
  • Dating gegen Rastlosigkeit.
  • Dating gegen Einsamkeit.
  • Dating gegen Dating gegen Dating.

Durchschaubare Erwartungshaltungen! Überall! Als hätten die von GZSZ Gratis-Drehbücher fürs Uni-Leben, fürs Uni-Lieben, fürs Studenten-Dating verteilt.

Plötzlich kam mir alles viel zu leicht kalkulierbar vor.

Und dazu eine traurige Bilanz zwischenmenschlicher Begegnungen, die ich dank Dating Apps zu verzeichnen hatte. Irgendwo hatte ich von einer Studie gelesen die besagte, dass Online-Partnervermittlungen bei der Partnerwahl die Herkunft des Partners in den Hintergrund treten ließen und auf diesem Weg geschlossene Ehen insgesamt länger hielten. Nach der vorletzten Enttäuschung – vor sechs Tagen – hatte ich zusätzlich auf eine Partnervermittlung aufgesattelt. Vielleicht vor allem deshalb, weil sie für Studenten kostenlos ist.

Vielleicht auch, weil ich irgendwie generell genervt war. Auf dieser grünen Plattform ging es jedenfalls auch darum, Fotos hochzuladen und ein Profil zu erstellen. Aber der inhaltliche Ansatz war, “Persönlichkeiten” zusammen zu bringen, die einander entsprechen. Das klang zumindest nicht so nach »wicked game«. Mit einigem Interesse hatte ich auf dem Portal außerdem einen Persönlichkeitstest ausgefüllt. Das Test-Ergebnis hatte mich positiv überrascht, hatte mir tatsächlich meine “Beziehungspersönlichkeit” bewusster gemacht. Aber was diese Partnervermittlung als “Matching-Prozess” beschrieb – ein Algorithmus, der passende Persönlichkeiten identifizieren und zusammen bringen soll – war an meiner OFFENSICHTLICH schwer zu vermittelnden Persönlichkeit bisher gescheitert. Frust!

Kohle, Credits, Kaffee, Campus, Konventionen, Karriere, Kohle…

War’s das? Im Ernst? Brauchte ich doch noch drei Caipis vor dem Schlafengehen? Allein??? War ich an diesem Abend mit Anfang 20 in so etwas wie eine Midlife-Crisis reingeschlittert? War ich in nur vier Semestern Techtelmechtel schrullig geworden? Konnte ich die Metamorphose zur crazy Katzenfrau noch aufhalten? Ich bemerkte Sprühregen im Gesicht. Tasche auf, will ab unter den Knirps, Knirps plötzlich unheilbar kaputt. Planänderung: Kapuze auf, abbiegen zur Bushaltestelle. 9 Minuten warten. Handy checken. Viele neue Nachrichten. Sehr gut! Noch mehr Selbstmitleid und ich hätte Selbstmitleid-Aktien verkaufen können. Vor allem Blabla-Messages, eine Sex-Anfrage, voll süß, aber…Das alles bleibt unbeantwortet, weil mich eine 3-Minuten-alte Nachricht auf LemonSwan verblüfft: Er sei sich nicht ganz sicher, aber ob ich das gerade gewesen sei, die fluchend einen Knirps in den Mülleimer an der Haltestelle So-und-so gepfeffert habe? Er stünde dort, warte auf den 25er Bus, nachdem der Abend total erbärmlich gelaufen ist und wenn ich…hier, seine Nummer, falls ich spontan…

Ich denke: “Das ist also Matching!?!” Ich rufe ihn an. Wir treffen uns am Eingang der nächsten S-Bahn-Station. Es ist viertel vor zehn, es regnet immer noch, er steht mit zwei Flaschen Limo auf der Treppe unter einem schmalen Vordach. Er sagt: »Leider habe ich keinen Schirm«. Wir gehen trotzdem spazieren.

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