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OP-Saal zum Thema Unfallchirurgie - Start ins Medizinstudium

Unfallchirurgie – (keine) Ferien eines Medizinstudenten

Wenn ich die Wahl habe zwischen Meer und Unfallchirurgie, wähle ich doch klar die Unfallchirurgie! 😉

Ein großartiger Start ins Medizinstudium

Es gibt unzählige Arten, seine Sommerferien zu verbringen. Die einen fahren ans Meer, die anderen jobben, lernen oder besuchen die Familie. Ich habe mir da eine der ungewöhnlicheren Tätigkeiten ausgesucht: nämlich ein Praktikum in der Unfallchirurgie. Schon im letzten Jahr hatte ich im betreffenden Krankenhaus als Anreicher und Helfer gearbeitet. Diesmal wurde ich dann als Springer im OP eingesetzt. Das bedeutet, dass ich nicht mehr nur als Handtuchhalter im Operationssaal stehen und zusehen sollte, sondern zwischen Allgemeinchirurgie, Notaufnahme, Urologie und Gynäkologie hin und her springen würde.

Unfallchirurgie – Ein großartiger Start in mein Medizinstudium!

Einige Wochen war ich in dem Haus tätig und habe dabei nicht nur, wie im letzten Jahr, Unfallopfer und ihre Behandlung verfolgen können, sondern in verschiedene Fachbereiche hinein geschnuppert. Auf der gynäkologischen Station habe ich Hysteroskopien (Gebärmutterspiegelungen), Sectios (Kaiserschnitte), Mamma PEs (Probeexzisionen wegen Geschwulst der Brust), Abortcürettagen (Ausschabungen bei Fehlgeburten) und die Entfernung von metastasierenden Karzinomen miterleben können. In der endokrinologischen Chirurgie werden Probleme an der Schilddrüse behandelt und operiert. Dort habe ich eine ganze Reihe von vollständigen oder teilweise Schilddrüsenentfernungen sehen können. Interessant waren auch die Eingriffe, die in dieser Klinik von einem nur zeitweise vertretenen Urologen durchgeführt wurden.

Dieser Arzt führte unter anderem Beschneidungen und Vasektomien durch, bei denen ich assistieren durfte. In der Proktologie konnte ich mehrere Tage lang miterleben, wie Fissuren, krankhafte Hämorrhoiden, Fisteln und Abszesse diagnostiziert und entfernt wurden. Das Themengebiet ist durchaus interessant, aber nicht unbedingt einer meiner Lieblingsbereiche. Auch in der Medizin gibt es die mehr oder weniger „schönen“ Dinge – meiner Meinung nach ;-).

Die Allgemeinchirurgie

Sie mich beispielsweise weit mehr begeistert, weil sie so vielseitig und breit gefasst ist. Im OP konnte ich Rektum- und Sigmaresektionen (das letzte Stück des Enddarms), explorative Laparotomien (Eröffnen der Bauchhöhle zur Durchführung eines abdominal-chirurgischen Eingriffs), Cholecystektomien (chirurgische Entfernung der Gallenblase) und Appendektomien (Blinddarmentfernung) sehen. Besonders faszinierend war eine langwierige Operation: eine Leberteilresektion bei einer Patientin mit einem Adenom (gutartige Geschwulst im Drüsengewebe). Bei einer anderen Patientin wurde eine ungewöhnlich komplizierte Whipple-OP (Die WhippleOperation ist ein chirurgischer Eingriff im Oberbauch, dessen Hauptziel meist ein bösartiger Tumor der Bauchspeicheldrüse ist) zur Bekämpfung eines Pankreaskopfkarzinoms durchgeführt.

Zudem war ich auch in diesem Sommer wieder in der Unfallchirurgie und in der orthopädisch chirurgischen Abteilung eingeteilt. Ich durfte direkt am OP-Tisch stehen und assistieren. Es war besonders aufregend, bei einer subcaptialen Humerusfraktur (Bruch des Oberarmknochens), einer bimalleolären Sprunggelenksfraktur, einer distalen Radiusfraktur und einer Unterschenkelfraktur aktiv zu assistieren und hautnah dabei zu sein. Künstliche Hüft- und Kniegelenke wurden eingesetzt, Arthroskopien durchgeführt und Metalleinsätze wieder entfernt. Einmal war ich sogar die Assistenz des Chefarztes und fühlte mich besonders wichtig ;-).

Mit etwas Verwunderung und einem Schmunzeln habe ich erlebt, dass zwischen Anästhesisten und Chirurgen ein kleiner aber freundlicher Konkurrenzkampf im Gange ist.

Als Springer war ich auf beiden Seiten unterwegs und konnte auch den Anästhesisten über die Schulter schauen. Ich erhielt eine Einweisung in die Welt der Anästhesie am Beispiel der besonders interessanten Leberteilresektion, die ich oben bereits erwähnt habe. So erlebte ich im Rahmen dieser Operation etwas mehr als nur das übliche Viggo legen und intubieren, weil diese spezielle Patientin eine Periduralkatheter erhalten sollte, was aber schließlich wegen besonders enger Zwischenwirbelabstände nicht möglich war. In der Nachbereitung konnte ich das übliche Monitoring live mitverfolgen. Die Patientin musste beatmet werden und über längere Zeit unter Beobachtung bleiben.

Selbst ist der Intubator

Das Intubieren vor der Operation wollte ich gerne einmal selbst ausprobieren. Das sagte ich den Ärzten bei meiner Einführung und sie schienen es gut zu finden, dass ich mich für das Fach interessierte. Der Anästhesiearzt erlaubte mir also, die Intubierung – mit seiner Hilfe natürlich – selbst auszuführen. Als ich aber dann die Handschuhe anziehen und den Schlauch in die Hand nehmen sollte, wurde mir doch etwas mulmig. Die Sauerstoffsättigung der Patientin lag schon bei 100, als der Arzt mit dem Laryngoskop neben mir stand und mir zeigte, wie ich den Mund mit einem X-Griff öffnen und das Gerät einführen sollte. Die Zunge muss beiseite gelegt werden, die Zähne dürfen nicht zu Schaden kommen und mit etwas Mut und Geschick brachte ich schließlich das Laryngoskop dorthin, wo es hin sollte. So waren dann auch Stimmritze und Epiglottis zu sehen. Ich hielt den Tubus in der rechten Hand, während der Anästhesist das Laryngoskop hielt.

Nun musste der Tubus durch die Luftröhre eingeführt werden. Man muss vorsichtig sein, nicht aus Versehen die Speiseröhre zu erwischen, zumal man nicht alles so gut erkennt, sobald der Tubus im Mund ist und die Sicht verdeckt. Selbst wenn der Tubus von außen so aussieht, als ob er perfekt sitzt, muss man durch Abhören herausfinden, ob das Atemgeräusch in der Lunge zu hören ist oder ob der Tubus nicht doch den falschen Weg Richtung Magen erwischt hat. Bei meinem ersten Intubierungsversuch klappte alles hervorragend. Das hatte ich also schon mal vor dem ersten klinischen Abschnittt im Medizinstudium erfolgreich hinter mich gebracht. Ich fühlte mich großartig, weil ich etwas getan hatte, was die meisten anderen Studenten erst einige Jahre später in ihrem Medizinstudium tun.

Einführung in die Anästhesie

Meine Einführung in die Anästhesie bestand aber nicht nur aus einer Intubierung. Vor der Operation mussten auch ein arterieller Zugang sowie ein Venenkatheter gelegt werden. Ersterer wurde am Handgelenk über die Arteria radialis gesetzt. Das funktioniert so ähnlich wie bei einer Viggo, nur eben steril. Ob man eine Arterie oder eine Vene getroffen hat, erkennt man an der Art, wie das Blut zurückfließt. Dies geschieht bei arteriellem Blut deutlich schneller als bei Venenblut, denn der Blutdruck in den Arterien ist deutlich höher als in den Venen. Der Venenkatheter wurde über die Begleitvene der Aorta carotis gelegt. Ob dieser Venenkatheter richtig sitzt wird mit Hilfe eines EKG überprüft, welches in diesem Falle eine größere P-Welle aufweist.

Ich war begeistert davon, wie der Anästhesist mir sein Fachgebiet näher gebracht hat und damit mein Interesse für die Anästhesie geweckt hat. Natürlich bin ich immer noch ein großer Fan der Chirurgie und im besonderen der Unfallchirurgie, aber die Anästhesie könnte auch in Zukunft in meinem Medizinstudium für mich interessant sein. Vielleicht im Rahmen eines praktischen Jahres oder einer Famulatur.

Markus.

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