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Studentin an einem Mikroskop, als Schatten hinter ihr ein großer Käfer zum Thema den richtigen Laborpartner finden!

Den richtigen Laborpartner finden oder „der heilige Bund der Laborpartnerschaft“

Der heilige Bund mit dem Laborpartner.

Die Klausurphase ist so gut wie vorbei und der Sommer steht vor der Tür, das heißt vorlesungsfreie Zeit und für die Meisten ist das gleichzusetzen mit Semesterferien.
Doch während sich Gesellschafts- und Geisteswissenschaftler in ihren wohl verdienten Urlaub begeben, fängt für uns angehende Naturwissenschaftler der wahre Spaß erst an.

An dieser Stelle ein stellvertretendes Mimimi an alle Laborkittel und Sicherheitsschuhe tragenden, bei 35 °C im Schatten pipettierenden, giftige, aber wohl erwärmte Dämpfe einatmenden Leidensgenossen.

Quelle: Giphy

Ja, wer kreiert nicht gerne seine eigene Minisauna unter den Latexhandschuhen, inklusive Swimmingpool. Ist es tatsächlich so schlimm wie hier beschrieben? Naja, meiner Erfahrung nach meist noch schlimmer. Denn, auch wenn ich an einer Technischen Universität studiere, funktioniert die Technik entweder gar nicht oder nur mangelhaft, was besonders angenehme Auswirkungen auf die Klimaanlage der Labore, falls vorhanden, hat. Diese ist nämlich entweder blöderweise einen Tag vor Praktikumsbeginn kaputtgegangen, oder läuft auf Stärkestufe Hurrikane, sodass ein steifer Nacken und die Erkältung in den Folgetagen all inklusive sind.

Natürlich gibt es auch positive Aspekte in den Semesterferien ins Labor zu müssen. Die Busse fahren weniger oft, sind dafür aber völlig überfüllt, denn wer muss schon im Hochsommer zur Uni. Die Mensa öffnet nach Beginn des Praktikums und schließt, bevor man das Labor verlässt, dafür ist man Mittags fast alleine im Gebäude, falls mans zur Mittagspause schafft.
Ja, die Grundstimmung morgens um 8 pünktlich zum Testat zu erscheinen ist meist äußerst positiv und gelöst.

Weshalb ich diese Situation so überaus theatralisch und hochwertig dramatisch darstelle?

Dies ist ein Versuch die Bedingungen im Labor möglichst realistisch und nachvollziehbar darzustellen für alle, die noch nie das Vergnügen hatten in den Genuss von Massentierhaltung in Laborkitteln zu kommen und um auf die Tatsache aufmerksam zu machen wie überlebenswichtig der richtige Laborpartner ist. Für alle, die ihre Ferien lieber auf Ibiza als im Labor verbringen und sich deshalb nicht vorstellen können, wieso ich einem Laborpartner solche Wichtigkeit zuordne, folgt nun die Erläuterung.

Dein Laborpartner ist für den Zeitraum des Praktikums die wichtigste Person in deinem Leben. Nicht nur, dass ihr den ganzen Tag auf engstem Raum miteinander arbeitet. Nein, auch Nachts und am Wochenende ist dies der Mensch, den du in den nächsten Tagen den Mittelpunkt deines Lebens nennen darfst. Ihr esst zusammen Mittag, lernt zusammen für die Testate, schreibt Protokoll und helft euch gegenseitig aus existenziellen Nervenzusammenbrüchen raus. Ja, mit der Wahl des Laborpartners steht und fällt der Erfolg des Praktikums, denn Einzelkämpfer sind nicht gerne gesehen, also bist du für die Fehler deines Partners mitverantwortlich und ihr dürft beide zwei Stunden länger bleiben, wenn was schieflaufen sollte. Hoffentlich wird nun auch den Letzten unter euch klar, wie wichtig es ist einen angenehmen Zeitgenossen an seiner Seite zu haben. Genau wie überall im Leben gibt es hier auch unterschiedliche Typen an Laborpartnern, die mehr oder weniger fließend ineinander übergehen:

Der „Ich weiß alles besser als du“-Typ ist erfahrungsgemäß meist männlicher Natur und oft schon daran zu erkennen, dass er alleine in der Gegend rum steht. Freunde hat er nicht viele, denn die brauch er nicht, er kann und weiß eh alles besser und lässt dich das auch spüren. Leider, so stellt sich im Laufe des Praktikums heraus, kann und weiß er doch nicht alles besser und wird eher zur unsympathischen Belastung als zur Unterstützung.

Das genaue Gegenteil davon ist der „Mein Selbstvertrauen geht gegen null“-Typ. Dieser hat eine eher unscheinbare Erscheinung. Auch er wird eher allein anzutreffen sein. Das liegt aber nicht an mangelnder Sozialkompetenz, denn wie sich herausstellen wird, ist dieser Typ Laborpartner sehr zuvorkommend und hat es eigentlich ziemlich drauf, schafft man ihm den Raum sich in Sicherheit entfalten zu können.

Der „Mainstream“-Typ sieht aus und verhält sich wie die meisten anderen. Er ist die meisten anderen. Der Durchschnittsstudent.

In der Regel mehr oder weniger motiviert und schlecht vorbereitet mit wenig bis gar keiner Erfahrung im Labor, hat aber auf jeden Fall PostIts eingeklebt und das wichtigste im Skript unterstrichen, auch wenn er urplötzlich alles Gelesene wieder vergessen hat. Dieser Laborpartnertyp ist im Allgemeinen der angenehmste, vor allem wenn man selbst zu dieser Spezies zählt.

Klar gibt es dann noch Kombinationen von hat es theoretisch drauf, ist aber praktisch eine Niete und umgekehrt. Das sind meistens Studenten höheren Semesters, die schon irgendwie ihr erstes Standbein gefunden und ein Grundwissen aufgebaut bzw. einen Grundstock an Erfahrungen gesammelt haben. Hab ich irgendwelche Menschen vergessen in Schubladen zu steckende und zu typisierenn?

Es gibt natürlich auch hin und wieder sonderbare Erscheinungsformen wie selbstbewusste Laborpartner, deren Selbstbewusstsein gerechtfertigt ist und die deshalb unantastbar wirken und ein wenig einschüchternd sind. Nicht zu vergessen die süßen kleinen Mädchen, die sich nichts zutrauen und sich alles tausendmal erklären lassen, bevor es dann doch ein anderer machen muss.
Irgendwo erkennt sich bestimmt jeder wieder. Nicht unbedingt in den Extrema der hier zur Veranschaulichung genannten Beispiele, aber irgendwo dazwischen und als eine Kombination von alledem.

Was macht nun aber einen guten Laborpartner aus?

Menschen und ihre Verhaltensformen zu bewerten ist immer schwierig, vor allem weil der Eine mit dem Einen und der Andere mit wieder was Anderem besser klar kommt.
Am einfachsten ist es dann erst mal sich selbst unter die Lupe zu nehmen und seine Fähigkeiten kritisch zu beleuchten.

Achtung, hier kann in vielen Fällen Ernüchterung folgen, also legt die Taschentücher schon mal bereit.

Frag dich was du für ein Laborpartner bist:

  • Bist du eher der Denker oder der Macher?
  • Bist du immer gut vorbereitet oder findest du intuitiv die richtigen Lösungsansätze?
  • Wie viel Erfahrung hast du in der Praxis und wo liegen da deine Stärken?
  • Neigst du dazu schnell krank zu werden und hast deshalb viele Fehlzeiten oder bist du Unkraut, das selbst dem größten Stress standhält?
  • Kommst du besser mit weiblichen oder männlichen Kollegen klar und wie gut bist du im Protokoll schreiben?

Das sind alles Fragen, deren Antworten es kritischer Selbstreflexion und einer gewissen Erfahrung vermag. Wenn du noch nie im Labor gestanden hast, weist du natürlich nicht, ob du ein riesen Tollpatsch bist oder Pipettierrekorde aufstellen kannst.

Was bringt es dir aber nun zu wissen was du kannst und was nicht?

Mal abgesehen davon, dass Selbstreflexion immer wichtig und gut ist, um sich selbst weiterzuentwickeln, kannst du so gezielt drauf achten, was dein Laborpartner können sollte, damit ihr euch gut ergänzt. Auch hier gilt, Gegensätze ziehen sich an. Bist du theoretisch ein Ass, aber hast eine total zittrige Hand, ist vielleicht ein etwas erfahrener Laborpartner genau das richtige für dich.
Bist du oft krank, kannst das aber durch super Protokolle kompensieren, brauchst du einen Laborpartner, der mit Anwesenheit glänzt und dieses Tauschgeschäft von Anwesenheit und Schreibarbeit in kauf nimmt. Bist du gut in der Umsetzung, hast aber keine Lust dich vorzubereiten, schnapp dir eine Streber, der dir den Inhalt frei vorsprechen kann, aber noch nie eine Pipette in der Hand hatte. So könnt ihr euch gut ergänzen. Natürlich sieht man das Keinem an, aber das lässt sich oft ganz schnell über Smalltalk herausfinden und einschätzen.

Aber viel wichtiger ist, wenn du deine Stärken und Schwächen kennst, sowohl praktisch, theoretisch als auch zwischenmenschlich, kannst du für dich persönlich an deinen Schwächen arbeiten, deine Stärken hervorheben und ausbauen und so selbst den optimalen Laborpartner darstellen.

Überleg dir was dich am meisten an einem Laborpartner nerven würde und versuche genau das dann in deinem Verhalten zu vermeiden. Wenn das jeder tut, steht einer harmonischen Zusammenarbeit nichts mehr im Wege.

Denn wie immer gilt: Niemand kann Alles und schon gar nicht in der Uni.

Das Grundstudium mit all seinen Tücken und Herausforderungen ist da, um einen Sockel an Können und Wissen aufzubauen, aber viel bedeutender ist, denn das meiste Gelernte vergisst man eh wieder, seine eigene Persönlichkeit zu entdecken und mit allen Stärken und Schwächen zu festigen. Wenn es hart auf hart kommt, kannst du dich nur auf dich selbst verlassen und dafür musst du wissen was du gut und was du weniger gut kannst.

Im Endeffet bringt das ganze herum analysieren meistens eh gar nichts, denn oft läuft es doch so:
Es gibt die festgefahrenen Paare, die ihr ganzes Studium nur mit genau einem Menschen zusammen arbeiten und dann gibt es die aus einem anderen Semester, die man eh nicht kennt und nur nach dem ersten Eindruck beurteilen kann. Man muss also auf gut Glück, nach Sympathie oder nach zufälliger Auswahl eines Sitzplatzes darauf hoffen, dass sein Laborpartner keine Vollkatastrophe ist und wie bei „Hochzeit auf den ersten Blick“ den heiligen Bund der Laborpartnerschaft eingehen.

Fazit zum Thema Laborpartnerschaft

Aus Erfahrung kann ich sagen, vielleicht hatte ich auch nur viel Glück, oder ich selbst war der schlimme Laborpartner, man wird große und kleine Überraschungen erleben, an Geduldsgrenzen stoßen, sich selbst für unfassbar intelligent oder unvergleichlich dumm halten, aber die meisten anderen Studenten sind auch nur Menschen, die einfach nur mit möglichst wenig Arbeit und Problemen durch das Praktikum kommen wollen und deshalb versuchen sozial verträglich, geruchs- neutral und wenig auffallend zu sein. Meistens ist es mal abgesehen von der Tatsache, dass in den Laboren  lebens verachtende Bedingungen herrschen, also gar nicht so schlimm wie zunächst angenommen…. und zur Not folgt ja am Ende des Praktikums die Scheidung.

Du hast auch Erfahrungen im Labor und deinem entsprechenden Laborpartner gemacht? Dann erzähl´ uns davon und werde StudiBlog-Gastautor*in:

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Eine Seele mit Hirn auf der Suche nach dem großen Ganzen und dem Sinn hinter scheinbar unwichtigen Kleinigkeiten mit dem Drang zu Rechtschreibfehlern und der Unfähigkeit Kommas zu setzen

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